Mittwoch, 27. Februar 2019

Tipps zum Umgang mit Trauernden und Tipps zum Umgang mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann - für alle Angehörigen, Kollegen, Freunde oder Bekannte (Zusammenfassung zum dritten Blogburtstag)

Osnabrück - Einer der allerersten Beiträge, den ich auf diesem Blog veröffentlicht habe, trägt den Titel: "Zehn Tipps für den Umgang mit Trauernden - wertschätzend, hilfreich und zugewandt..." Der Beitrag ist nach wie vor aktuell und wird nach wie vor recht häufig aufgerufen und gelesen. Und doch habe ich inzwischen eine ganze Reihe von Beiträgen veröffentlicht, die noch mehr Tipps und noch weiterführende Ideen enthalten. Wie passend, dass mein Blog jetzt gerade, wo ich diese Zeilen hier tippe, seinen dritten Geburtstag feiert, also sozusagen den dritten Blogburtstag. Das ist doch ein gut geeigneter Anlass, um noch einmal alle Beiträge zu diesem Thema zusammenzufassen.

Hier also in der Zusammenstellung und zum Anklicken einmal eine Liste der Beiträge, die sich rund um dieses Thema drehen und sich in den ersten drei Jahren dieses Blogs so angesammelt haben (alle Fotos: Thomas Achenbach) - und wem das zuviel an Textmasse ist, der kann sich natürlich auch für die ganz neue Podcast-Version meines Blogs entscheiden (die gibt es hier zu hören), die in den kommenden Wochen und Tagen noch weiter ausgebaut werden wird - bald mehr dazu. Hier aber erstmal die Liste:



1.) Zehn Tipps für den Umgang mit Trauernden - wertschätzend, hilfreich und zugewandt - für alle Angehörigen, Kollegen, Freunde oder Bekannte... Trauer macht hilflos, sprachlos und machtlos. Das gilt nicht nur für die Trauernden selbst, sondern auch und vor allem für ihr Umfeld. Kollegen, Freunde, Verwandte... viele dieser Menschen verspüren im Umgang mit einem Trauernden eine gewaltige Unsicherheit, die als lähmend erlebt werden kann. Was soll man schon sagen? Etwas Tröstendes? Etwas Ablenkendes? Darf ich fragen: "Wie geht es dir"? Darf ich überhaupt einen "Guten Tag" wünschen? Oder besser gar nichts sagen, weil es nicht aufrichtig wirken könnte? Die Verunsicherung ist da wirklich groß. Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag....


2.) Noch mehr Tipps zum Umgang mit Trauernden - "Sei doch bitte wieder normal" geht leider gar nicht - Und lässt sich Trauer wirklich "bewältigen"? Die schwierigste Phase für Angehörige, die einen geliebten Menschen verloren haben, ist nicht etwa die Zeit kurz nach dem Ereignis. Es sind die Monate oder die Jahre lange nach dem Verlust, in denen die Betroffenen sich ganz alleingelassen fühlen. Das kann lange dauern. Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag....



3.) Was soll nach dem Todesfall gefeiert werden - auch der Geburtstag oder "nur noch" der Todestag? Wenn der Geburtstag eines Menschen naht, der verstorben ist, wird die Unsicherheit in Familien und Freundeskreisen oft groß - soll der Geburtstag noch gefeiert werden? Oder ist er nicht durch den ebenfalls zu würdigenden Todestag als neuen Gedenktag an die verstorbene Person abgelöst worden? Sollten etwa zwei Gedenktage pro Jahr begangen werden? In mehreren Internetforen wird diese Frage ganz kontrovers diskutiert - oft gibt es Unverständnis, wenn Angehörige auch den Geburtstag noch irgendwie feierlich begehen wollen. Dabei gibt es dafür durchaus gute Gründe. Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...


4.) Warum es manchmal so weh tut, sich Fotos anzusehen - und warum Trauernde für einen dankbaren Rückblick auf Erlebtes selten in der Lage sind... Sich alte Fotos anzusehen, auf denen auch die Verstorbenen zu sehen sind, ist ein zweischneidiges Schwert. Vielen Trauernden fällt das besonders schwer. Eine so radikale, weil unmittelbare Auseinandersetzung mit dem, was einstmals so schön gewesen ist, fährt dann oftmals wie ein Messerstich in die Seele. Der Boden tut sich auf, der erlittene Verlust wird überdeutlich. Und das ist verständlich so: Denn jedes Mal, wenn wir etwas fotografieren, ist der Verlust des Erlebten ja bereits in dem entstehenden Bild angelegt. Weil sich ja gar nicht alles festhalten lässt, was einen Augenblick des Lebens so ausmacht. Daraus lässt sich viel lernen - über das Leben und über das Trauern... Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...



5.) Keine Sorge, alles normal: Was Trauernde oft so tun und warum es Angehörigen und Freunden nicht peinlich sein sollte... Was Trauernde manchmal so tun, ist für Außenstehende oft nur schwer verständlich oder auch nur schwer nachvollziehbar. Ja, es kann sogar sein: Angehörige oder Freunde oder Kollegen schämen sich vielleicht dafür. Sie sind irgendwie unangenehm berührt, wollen das nicht so sehen.. oder schütteln mit dem Kopf. Dabei gilt für vieles, was Menschen in Verlustkrisen so tun: Alles ganz normal! Das Reden mit den Toten. Das Fühlen der Dinge des gestorbenen Menschen. Und noch mehr. Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...


6.)  "Die Bitten der Trauernden..." - Wertvolle Tipps zum Umgang mit Trauernden - was Menschen in einer Verlustkrise wirklich hilft, mit Ergänzungen... Auf diese wertvolle Liste, die die Dresdner Trauertherapeutin Diana Mirtschink zusammengestellt hat, weise ich in meinen Vorträgen besonders gerne hin. Denn was die Spezialistin für Verlustkrisen da geschaffen hat, ist selten und gekonnt: So zugespitzt, so treffend und so einleuchtend sind die Belange von Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise selten zusammengefasst worden. Alles, was es an Tipps für den Umgang mit Trauernden zu sagen gibt, steckt dort drin. Das lädt zur Auseinandersetzung ein. Es lädt dazu ein, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Und so habe ich die Liste für mich noch um ein paar weitere Bitten ergänzt. Als Verneigung vor der Form, sozusagen. Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...



7.) Aufräumen, Ausmisten und Entrümpeln nach einem Todesfall: Wie Sie aus den Hinterlassenschaften eines gestorbenen Menschen ein Vermächtnis werden lassen... Was machen wir nur mit all den Sachen, die die Verstorbenen hinterlassen haben? Vor dieser Aufgabe stehen viele, die einen Menschen verloren haben. Da sind immer noch all die Gegenstände, Kleidungsstücke, Schmuckstücke, Bücher, manchmal auch komplett eingerichtete Zimmer wie beispielsweise ein Kinderzimmer. kurzum: Alles, was der Verstorbene einmal besessen hat. Und dann? Freunde und Angehörige raten alsbald, man solle das Zeug doch wegwerfen. Aber das fühlt sich für viele so an, als würden sie den geliebten Menschen wegwerfen und ihn gleich nochmal verlieren. Es gibt jedoch auch andere Wege. Kreative, gute, hilfreiche. Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...



8.) „Ja, es ist so schlimm, wie du es empfindest“: Warum "Loslassen können" gar nicht möglich ist und warum Trauer nicht ernst genug genommen wird... Auch mit solchen Fragen kommen Trauernde in eine Begleitung: "Darf ich mich wirklich so schlecht fühlen?" Und? Dürfen Sie es? Geht es nach den Freunden oder Angehörigen, steht alsbald die Erwartungshaltung im Raum: Nein, werd' bitte schnell wieder normal... - Im zweiten Teil unserer Serie "Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich", die parallel hier auf diesem Blog und auf dem Blog der Buchautorin und Trauerbegleiterin Eva Terhorst aus Berlin (siehe hier) erscheint, starten wir zwar mit der Frage, ob man sich für Trauerbegleitung schämen muss, landen aber rasch bei tiefgehenden Fragen ganz allgemeiner Natur zu Trauer - und Liebe. Und auch der Welttag der Suizidprävention am 10. 9. spielt eine Rolle. Eva darf den Auftakt machen. Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...



9.) Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess: Überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist... Da gab es einmal diese Tochter, die noch eben mit dem vitalen Vater telefoniert hatte – der dann kurz nach dem Telefonat völlig unerwartet einfach umkippte und starb. Wegen einer Herzgeschichte. Die damalige Lebenspartnerin des Vaters entschied sich für einen kurzen Weg voller Pragmatismus und Hemdsärmeligkeit – als die Tochter ihren Vater wiedersah, war der bereits Asche in der Urne. Kein Wunder, dass sie da gedanklich und emotional nicht hinterherkommen konnte. Dass es kein Begreifen geben konnte. Diese Geschichte, die Barbara Rolf auf der Messe Leben und Tod erzählte, macht auf drastische Weise klar: Um wirklich begreifen zu können, was der Tod eigentlich ist und tut, braucht es ein gutes Be-Greifen. Bloß wie? Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...



10.) Vergleiche in der Trauer sind verletzend, aber kommen allzu oft vor - was zu Trauernden alles gesagt wird, ist oft wenig hilfreich, eher im Gegenteil. Aber was sagen, was hilft, was nicht? Was Menschen zu anderen Menschen sagen, wenn diese in einer Trauer- und Verlustkrise stecken, ist oft schwer zu ertragen. Da wird - sicher unbewusst - verglichen, runtergemacht, die Schwere der Trauer zu relativieren versucht. Aber vor allem wird, meistens immer, all den Menschen, die andere verloren haben, ihre Berechtigung zu trauern abgesprochen. Das geschieht mehr oder minder subtil, gerät aber kränkend. Auch wenn die Sprecher das weder beabsichtigen, noch es merken. Zugegeben, so ging es mir sicher auch schon einmal, vor meiner Ausbildung zum Trauerbegleiter.... Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...



11.) Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Trauer und Trauma? Und warum tut sich unsere Gesellschaft mit beidem so schwer? Ein Vortrag des Psychologen Thomas Weber brachte hilfreiche und spannende Erkenntnisse zu diesem Thema. Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...



12.) Was kann ich Eltern sagen, die ein Sternenkind zur Welt bringen mussten? - Tipps zum Umgang mit Eltern nach der Geburt eines toten Kindes ("stille Geburt"). Leider ist der Verlust eines Babys vor oder während der Geburt immer noch eine der größten Formen von nicht anerkannter Trauer - "Du kannst ja noch so viele Kinder haben", bekommen die Eltern oft zu hören. Das ist ein Schlag in die Magengrube (siehe auch diesen bewegenden Bericht einer Sternenkindmama). Dass die eigene Trauer nicht gesehen oder nicht wahrgenommen wird, tut besonders weh. Aber was ist hilfreich? Was kann man Eltern sagen, die ein Sternenkind auf die Welt bringen mussten? Hier weiterlesen/hier geht es zum Beitrag...


Der Autor dieser Zeilen - freut sich über die ersten 3 Bloggerjahre. (Foto: Jörn Martens)

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Der Trick mit der Selbstwirksamkeit - wie wir uns selbst gut in seelischen Krisen helfen können: psychologische Tipps

Ebenfalls auf diesem Blog: 27 gute Rituale für eine Trauerfeier - wie sich eine Gedenkfeier so gestalten lässt, das sie den Angehörigen/Trauenden gut tun kann

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich Trauernde förmlich zerrissen fühlen  - eine Einführung in das "Duale Prozessmodell der Trauer" und seine Fallstricke

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich ein Suizid viel öfter verhindern ließe als wir das glauben und warum es so wichtig ist, immer wieder darüber zu reden

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und Trauer - was Menschen in einer Verlustkrise hilft, was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Was muss ich machen, wenn ich wegen Trauer krankgeschrieben werden möchte? Geht das überhaupt und wenn ja, wie denn?

Der neue Podcast von Thomas Achenbach: "Trauergeschichten - Menschgeschichten", Gespräche über Leben, Tod und Sterben, jetzt online

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Mittwoch, 20. Februar 2019

Mit den Indierock-Ikonen aus Kanada durch die Welten der Trauer fahren... auf dem Rücksitz - Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #02: - Serie über die hilfreichsten und wirkmächtigsten Songs und Alben über Trauer, Tod und Sterben, Folge 2

Musik kann einen beflügeln, einen tragen, kann die inneren Prozesse ins Schwingen bringen. All das kann auch in einem Trauerprozess hilfreich sein... (Thomas-Achenbach-Fotos)

Osnabrück (eb) - Eine der zentralen Erinnerungen an meine Kindheit ist das Fahren im Auto - meine Eltern vorne, ich hinten auf der Rückbank, wo ich so etwas wie mein eigenes Reich hatte, einen eigenen Bereich für mich, wo ich Comics oder Bücher lesen und Musik hören konnte. Wir sind viel Auto gefahren, vor allem auf langen Urlaubsfahrten, und ich habe das genossen: So ganz für mich sein zu können im Gemeinsam-unterwegs-sein. Ein ganz ähnliches Gefühl beschreibt die Sängerin und Multiinstrumentalistin der Indie-Rockband "Arcade Fire", Régine Chassagne, in einem ebenso wichtigen wie wuchtigen Lied des Albums "Funeral" - ein Album, das sich insgesamt um die Themen Tod, Trauer und Abschied dreht. Und damit ist es perfekt geeignet für diese Serie rund um Musik und Trauer. Folge Zwei: vom Steuern des eigenen Lebensautos (hier geht es zur ersten Folge dieser Serie).

Mein Familienbaum verliert gerade alle seine Blätter... Oder auf Englisch: "My family tree’s losing all it’s leaves". Es war eine harte Zeit für den jungen Kanadier Win Butler und seine Frau Régine Chassagne. Weil plötzlich zahlreiche geliebte Menschen aus ihrem Leben verschwanden, entwickelte die noch junge ganz unbekannte Indieband "Arcade Fire", die sie gegründet hatten, ein ganzes Album rund um die Trauer und den Tod. Auch auf ihrem selbst erlebten Konzert in der Berliner Zitadelle im Sommer 2018 spielten sie ein paar Stücke dieses Albums (sie eröffneten das Konzert sogar mit dem Song, mit dem sie sonst aufhören, das war ein ziemlicher Kracher - wie überhaupt der ganze Abend). "Funeral", 2003 veröffentlicht, gilt heute als ein Meilenstein des Indiegenres und ist für viele Musikfans eines der Alben aus der Liste der besten Platten aller Zeiten. Sogar David Bowie persönlich wurde auf die junge Band aufmerksam und absolvierte einen gemeinsamen Auftritt mit ihnen. Ein ganz wesentlicher Baustein des Albums ist sein letzter Song: "In The Backseat". Oder auf Deutsch: "Auf der Rückbank". 


Die Liste der Gestorbenen zu diesem Zeitpunkt war erschreckend lang: Régine Chassagnes Großutter Alice war im Juni 2003 verstorben. Der Großvater von Bandleader Win Butler und dem ebenfalls in der Rockband mitspielenden Bruder William, der Musiker Alvino Rey, starb im Februar 2004, kurz darauf gefolgt von der Tante des Bandmitglied Richard Reed Parry im April desselben Jahres. In dem Versuch, mit diesen vielen Todesfällen irgendwie klarzukommen, ging es den Bandmitgliedern von Arcade Fire so wie manchen, die ich persönlich kenne und die sich ebenfalls auf diese Suche gemacht haben: Sie stießen auf die Veröffentlichungen der Pychologin und Ärztin Elisabeth Kübler Ross. Diese hatte bereits in den 60er Jahren als erste damit angefangen, den Prozess des Sterbens in verschiedene Phasen einzuteilen - die sich auch auf den Prozess des Trauerns übertragen lassen: Isolation, Wut, Verleugnung, Depression und Akzeptanz. Schon rasch stand die Idee im Raum, aus alledem ein Konzeptalbum werden zu lassen. Aus den Toten, den Phasen, den persönlichen Erfahrungen, aus diesem ganzen Dschungel an Gefühlen und Impulsen.


Musikalisch ein kleines Meisterwerk


Das Ergebnis war "Funeral". Wobei das Album gar nicht nach reinrassiger Trauermusik klingt. Man nehme beispielsweise den recht bekannten Hit "Wake Up" - ein beinahe wütend nach vorne marschierendes Gitarrenriff und ein Text voller Metaphern darüber, dass sich Kinder doch besser ihre Kindheit gönnen sollten. Aber dann, der letzte Song: "In The Backseat". Musikalisch gesehen ein kleines Meisterwerk, das ganz melancholisch beginnt, sich im Mittelteil einmal kurz zu einem letzten Aufbäumen aufschwingt, wobei sich dieser Zorn und die Verzweiflung rasch wieder legt. Nicht allen gefällt Chassagnes manchmal etwas quietischige Stimme, aber die Beschäftigung mit diesem Song lohnt sich so oder so.


Das Fahren gelernt, als die Großmutter starb


Hier findet sich Sängerin Régine Chassagne auf dem Rücksitz eines Wagens wieder, und erinnert sich im Text an ihre Großmutter - wobei alles, was sie hier singt, auch als große Metapher gemeint ist. Mag der Text auch heißen: „Alice died In the night/ I’ve been learning to drive/ My whole life I’ve been learning how“ - Auf Deutsch und etwas freier übersetzt: "Alice starb in der Nacht, in der ich fahren gelernt habe... Ich habe mein ganzes Leben lang fahren gelernt" -, so ist damit doch etwas Anderes gemeint.



Es geht um den Eintritt ins Erwachsenenleben. Das das hier benannte "Fahren" ist ein Sinnbild für die allgemeine Lebensfähigkeit. Während wir uns als Kinder noch von unseren Eltern und Großeltern durch das Leben fahren lassen - passiv, auf der Rückbank sitzend -, gibt es irgendwann einen Punkt, an dem dieser Schalter umgelegt wird. Dann sind wir es auf einmal selbst, die wir unsere Lebensautos steuern (müssen). Manchmal, vielleicht sogar meistens, steuert diesen Schalter der Tod. Dann stirbt jemand, der uns vorher eine wichtige Orientierungshilfe war. Plötzlich müssen wir alleine klarkommen. Und erleben dann, staunend, als Überraschung: Ach guck mal, ich habe ja schon mein ganzes Leben lang gelernt, wie ich alleine dieses Auto steuern kann. Es war mir bloß nicht bewusst. Und doch: "All my life, I've been learning to drive - in the backseat".

Die besten Songs & Alben über Trauer und Tod - die ganze Serie:


  1. Folge 1 - Auftakt mit Mumford & Sons, Genesis, Eric Clapton - hier klicken
  2. Folge 2 - Auf dem Rücksitz, mitten in der Trauer, Arcade Fire - hier klicken 
  3. Folge 3 - Ein alter Mann, der in einem Raben die gestorbene Schwester entdeckt

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Über diese Serie: Musik ist meine größte Leidenschaft. Die Trauerbegleitung ist eine meiner Professionen und eine meiner Tätigkeiten. Beide Themen zu vermischen, das habe ich schon lange vorgehabt. Jetzt ist eine gute Zeit dafür. Denn in den vergangenen Jahren habe ich emsig gesammelt: Ganz viel Musik über Trauer und Schmerz. Songs, Alben, Orchesterwerke; dazu ganz viele Geschichten, die sich in diesen Tönen und Texten verstecken. Seine eigene Trauer über Musik kreativ auszudrücken, das hat für Komponisten Tradition - überwiegend für männliche Komponisten, übrigens, aber dazu ein andermal mehr. Manchmal führt ein einziger Tod sogar zu mehreren Songs darüber. 

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: Musik und Trauer, Folge Eins - wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen - Auftakt einer neuen Serie

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Donnerstag, 14. Februar 2019

Countdown zur Buchveröffentlichung und ein Seminar über Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - am 21. 3. 2019 erscheint im Patmosverlag mein Buch über Männertrauer - Lesung in Osnabrück am 3.4. - #Newsletter

Osnabrück - Beinahe hätte ich diesen Beitrag mit diesem Satz angefangen: "Aufregende Post flatterte mir neulich ins Haus". Aber natürlich ist da nichts geflattert. Dann hätte ich auch ordentlich aufräumen müssen: Mehrere hundert Flyer zur Ankündigung meiner baldigen Buchveröffentlichung hatte mir der Patmosverlag freundlicherweise ins Haus geschickt. Ein ereignisreiches Jahr kündigt sich an - am 21. 3. 2019 wird mein Buch "Männer trauern anders - was ihnen hilft und was ihnen gut tut" erscheinen, eine Lesung in Osnabrück findet am 3. April statt und weiteres ist derzeit in Planung, einige Anfragen aus dem Süden Deutschland liegen bereits vor... Und in Berlin darf ich über das Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sprechen, das mir ebenfalls sehr am Herzen liegt....

- Interviews mit dem SWR: Am 8. 4. 2019 (Montag) darf ich ab 20 Uhr als ein Interviewgast bei der Radiosendung "SWR 3 Beziehungshow" mit dabei sein, die von Sabrina Kemmer moderiert wird und über den Radiosender SWR3 ausgestrahlt wird. Es geht um die Themen Trauer in der Gesellschaft, Trauer in Beziehungen und Trauerbegleitung - und um die Fragen, was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise eigentlich wirklich hilft. 

- Tätigkeiten als Dozent und Referent: Ich bin sehr froh, dass mich der Deutsche Hospiz- und Palliativverband (DHPV) als Vortragender und als Dozent angefragt hat. Am 20. 5. (Montag) wird es in Berlin beim DHPV eine Tagung zum Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospize und alle ähnlichen Einrichtungen geben, bei der ich einen Vortrag halten und einen Workshop geben darf. Darauf freue ich mich sehr. Das Oberthema dieser Tagung lautet: Bildhaft kommunizieren“ und die Veranstaltung findet statt in der Bank für Sozialwirtschaft, Oranienburger Str. 13 - 14 10178 Berlin, 10 - 17 Uhr. Parallel bereite ich gerade ein Seminar vor, das ich für eine Hospizgruppe aus der Region geben darf und dass erstmals Musik und Trauer als Hauptthema haben wird - auch das ein großes Herzensthema von mir -, auch darauf freue ich mich sehr. Und auch hauptberuflich tut sich gerade eine Menge und es stehen Veränderungen an (alleine von Trauerbegleitung lässt sich nun einmal doch nicht leben, also geht es nicht ohne einen "anständigen Beruf")....  Weitere Infos zu der Fachtagung in Berlin gibt es unter diesem Link...


- Mein Buch: Unter dem Titel "Männer trauern anders - was Ihnen hilft und gut tut" wird nun am 21. 3. im Patmosverlag mein erstes Buch erscheinen, das ich im vergangenen Jahr schreiben durfte. Ein Buch zu schreiben, war eine ganz neue und ganz andere Erfahrung für mich - und mir ging es dabei teilweise so, wie es mir der ebenfalls im Patmosverlag veröffentlichende Pierre Stutz im Gespräch einmal sagte: "Ein Buch will erlitten werden, oder?". Pierre Stutz wird auf diesem Blog auch noch eine Rolle spielen, aber dazu später mehr, wenn es soweit ist. Alle Infos zum Buch finden sich hier.



- Eine Lesung: Dass mir die Volkshochschule Osnabrück auch gleich die Möglichkeit angeboten hat, das Buch in Form einer Lesung vorstellen zu dürfen, hat mich sehr gefreut. Stattfinden soll diese Lesung am 3. April 2019 (Mittwoch) ab 19 Uhr im Haus der Osnabrücker Volkshochschule an der Bergstraße. Alle Infos dazu finden sich hier. Und dass sich derzeit die Anfragen nach weiteren Lesungen und weiteren Terminen häufen, obwohl das Buch noch gar nicht auf dem Markt ist, freut mich natürlich ebenfalls sehr. Gerne stehe ich bei Interesse für weitere Lesungen, Seminare, Vorträge oder sonstiges gerne zur Verfügung, Kontaktaufnahme am besten über meine Mailadresse (die findet sich hier).



- Mein Podcast im Trauerradio: Ich bin sehr froh und dankbar darüber, dass Eva Terhorst aus Berlin als die Verantwortliche für ihr Trauerradio - über laut.fm erreichbar - auch meine Podcast-Erweiterung dieses Blogs mit in ihr Programmschema aufgenommen hat. Eva hatte mir zu ihrem spannenden Radioprojekt auch einmal ein Interview gegeben. Unter dem Titel "Trauer ist Leben" findet man nun auch im Trauerradio meinen ersten Beitrag, in den kommenden Tagen beispielsweise jeweils um 13 Uhr. Weitere Beiträge im Podcast sind ebenfalls in Planung, allein, es ist wie alles im Leben eine Zeitfrage. Danke jedenfalls, Eva, für diese Unterstützung. Das Trauerradio findet sich unter diesem Link

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Außerdem bietet Achenbach Vorträge und Seminare zum Thema Trauer oder zum Umgang mit Trauernden an. Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)

Mittwoch, 30. Januar 2019

Aufräumen, Ausmisten und Entrümpeln nach einem Todesfall: Wie Sie aus den Hinterlassenschaften eines gestorbenen Menschen ein Vermächtnis werden lassen - Tipps für Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise

Osnabrück –  Was machen wir nur mit all den Sachen, die die Verstorbenen hinterlassen haben? Vor dieser Aufgabe stehen viele, die einen Menschen verloren haben. Da sind immer noch all die Gegenstände, Kleidungsstücke, Schmuckstücke, Bücher, manchmal auch komplett eingerichtete Zimmer wie beispielsweise ein Kinderzimmer. kurzum: Alles, was der Verstorbene einmal besessen hat. Und dann? Freunde und Angehörige raten alsbald, man solle das Zeug doch wegwerfen. Aber das fühlt sich für viele so an, als würden sie den geliebten Menschen wegwerfen und ihn gleich nochmal verlieren. Es gibt jedoch auch andere Wege. Kreative, gute, hilfreiche. Hier ein paar Impulse:

1.) Den Gegenständen einen neuen Begriff geben: Habseligkeiten. Dieser Tipp stammt aus dem sehr wertvollen Buch "Übungsraum Trauerbegleitung", das Ende 2018 im Verlag Vandenhoeck und Ruprecht erschienen ist und zu dessen Co-Autorinnen die sehr erfahrene Hospiz- und Trauerfachfrau Monika Müller gehört. Sie empfiehlt in dem Buch, anstelle von "Dingen" oder von "Sachen" besser von "Habseligkeiten" zu sprechen. Alleine schon dieser kleine Wortwechsel macht eine Menge aus. Denn in dem Wort Habseligkeiten schwingen dreierlei Bedeutungen mit: Zum einen steckt darin das "Haben"; also der Besitz, hier jetzt meinend: Der Besitz des Verstorbenen. Darin steckt aber auch die Idee, dass die Gegenstände "selig" sind, also nicht bloß wertlose oder gar tote Dinge, sondern durchaus mit einem Eigenleben darin. Wenn man so will: Einer Lebendigkeit. Wobei Dinge natürlich nicht lebendig sein können. Gemeint ist eher, dass sich diese Lebendigkeit aus der - weiterhin lebendigen - Erinnerung speist, die der Gegenstand mit sich bringt. Und zuletzt steckt in dem Wort auch die Seele, also die Idee, dass jeder Gegenstand eine eigene darin verborgene Seele besitzt. Wenn wir von den Habseligkeiten sprechen, die ein Verstorbener hinterlassen hat, bringen wir diesen Gegenständen mehr Wertschätzung entgegen. Es ist eben nicht bloß Gerümpel, das noch da ist. Es ist Erinnerung, die leben darf und leben kann. Oder wie es der Autor Rainer Moritz in seinem Buch "Mein Vater, die Dinge und der Tod" formuliert: "Je länger ich an meinen toten Vater denke, über dessen Leben ich viel zu wenig weiß, desto mehr sprechen seine Dinge zu mir“. 




2.) In jeder Habseligeit das darin liegende Vermächtnis suchen. Das ist ein Prozess, der Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise nicht immer möglich ist, weil er ein bisschen Kraft kosten kann, aber es ist ein wertvoller Prozess - der sogar wieder Kraft geben kann: Es geht darum, sich den Habseligkeiten der Gestorbenen bewusst zuzuwenden. Sie sich Stück für Stück anzusehen, anzufassen und dabei nachzuspüren, welche Erinnerungen wachwerden, welches Vermächtnis in den Habseligkeiten liegt. Das kann - muss aber nicht! - ggf. mit einem ersten Aufräumprozess verbunden sein, weil sich vielleicht zeigt, dass manche der Habseligkeiten stärkere Gefühle wecken als andere, weil vielleicht gar nicht alle der Gegenstände etwas mit sich bringen, sondern nur manche. Es kann hilfreich sein, sich drei Kartons oder drei Kisten hinzustellen für diesen Sortierprozess: Kiste Eins für die unbedingt zu behaltenden, weil mit vielen Erinnerungen verbundenen Habseligkeiten. Kiste Zwei für die Fragezeichenkandidaten, bei denen man sich nicht sofort entscheiden kann, was man damit tun möchte. Und Kiste Drei für: Eine neue Verwendung suchen (dazu später mehr) oder wegwerfen. 



3.) Fotografieren, dokumentieren, Erinnerungsbuch anlegen. Wer einen Menschen verloren hat, der hat oft große Angst davor, auch noch seine persönlichen Erinnerungen an den oder die Gestorbenen zu verlieren. So werden die Erinnerungen zu etwas beinahe Heiligem. Deswegen ist der alte und heute noch oft gegebene Rat, man müsse nun "loslassen", leider so gar nicht hilfreich. Gerade hierbei kann eine achtsame und intensive Beschäftigung mit den Habseligkeiten hilfreich sein: Jeden Gegenstand zu fotografieren, zu dokumentieren, vielleicht ein Erinnerungsbuch anzulegen, in dem zu dem dort eingeklebten Foto in Stichworten oder kurzen Sätzen die Erinnerungen festgehalten werden, das kann ein gutes Projekt sein, das einem den gestorbenen Menschen wieder nahebringt, das die Erinnerungen wach hält. Das ist natürlich eine durchaus Zeit kostende Beschäftigung. Aber eine, die sich lohnen kann. Und bei vielen Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise ist es ja so, dass sie ohnehin in ihren Gefühlen und Gedanken sehr, sehr lange um den gestorbenen Menschen kreisen - durchaus ein paar Jahre lang. Da bleibt also, so gesehen: Zeit genug. 



4.) Neue Verwendungen suchen. "Vergiss mein nie" - unter diesem Namen betreibt die Trauerbegleiterin Anemone Zeim einen Laden im schönen Hamburger Ortsteil Eimsbüren, der sich explizit an Trauernde richtet. Sie nennt ihn eine "Erinnerungswerkstatt". Was dort geschieht, ist nach meiner Kenntnis in Deutschland so einzigartig: Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise bringen ihre Lieblings-Habseligkeiten dorthin und lassen etwas Kreatives und Neues daraus bauen, das sie in ihren persönlichen Alltag mitnemen können. Das vielleicht einleuchtendste Beispiel ist der Kochlöffel ihrer Oma Lilly, aus dem die junge Trauerbegleiterin einfach ein kleines rundes Stück hat rausfräsen und dieses in einen goldenen Rahmen hat setzen lassen - nun trägt sie es einfach als Kette, also als Schmuckstück, um den Hals und ist somit ganz eng mit ihrer gestorbenen Oma verbunden. Wer, so wie ich, Anemone Zeim schon einmal in Person hat erleben dürfen (in meinem Fall: Auf der Messe Leben und Tod), der ist oft beeindruckt von dem kreativen Potenzial und den vielen Ideen, die in dieser jungen Frau schlummern. Kein Wunder: Studierte Designerin, Erfahrungen in der Werbebranche. Dann das, was vielen Menschen geschieht (das kennen wir): Sinnkrise, der Beruf verliert seine Bedeutung, das Wozu eigentlich wird lebensumfassend. Das Ergebnis dieses Prozesses: Die Erinnerungswerkstatt. Nun wird nicht jeder Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise nach Hamburg fahren können oder das Geld dafür haben, eine Kreativagentur mit dem Umdeuten der Habseligkeiten zu befassen. Aber alleine dieser hinter den Ideen steckende Prozess kann eine gute Inspiration sein: Nimm die Gegenstände und mach etwas Neues daraus, gib ihnen neues Leben und neue Möglichkeiten. 

Das geht auch sehr niederschwellig. Anstatt alles wegzuwerfen, lässt sich das eine oder andere vielleicht verschenken oder so weitergeben, dass es eine neue Nutzung erfährt. Das klappt am besten bei Spielzeug von verstorbenen Kindern: Einer der verwaisten Väter aus unserer Trauergruppe ist jedenfalls froh, dass das Mädchenfahrrad seiner gestorbenen Tochter jetzt eine neue Nutzung und Verwendung bei einem Mädchen gefunden hat, dass das gestorbene Kind sogar noch kannte


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Auf Youtube ansehen: Vortrag "Männer trauern anders" aus dem Forum St. Peter in Oldenburg (Niedersachsen) aus dem Juni 2021 - Link zum Video  

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie lange darf Trauer dauern? Ist es normal, wenn es jahrelang weh tut? Und ab wann wird trauern krankhaft?

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer und Schuldgefühle gehören zusammen - warum sich so viele Trauernde nach dem Tod eines Menschen schuldig fühlen

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde alles so vermeintlich "Merkwürdiges" tun und warum das nicht peinlich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie uns die Trauer vor Aufgaben stellt und was das für den Trauerprozess bedeuten kann - über die "Aufgaben der Trauer"

Ebenfalls auf diesem Blog: Entrümpeln, Ausmisten und Aufräumen nach dem Tod eines Menschen - was mache ich damit und warum ist das so hart?

Ebenfalls auf diesem Blog: Professionelle Gesprächsführung mit Menschen in einer Krise - was wir von der Spiegeltechnik fürs Leben lernen können

Ebenfalls auf diesem Blog: Wir sind auf dem Weg in eine Sterbegesellschaft - Zahlen, Fakten und Daten darüber, wir eine gute Trauerkultur brauchen werden  

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer ein Kind verloren hat, sollte nicht arbeiten gehen müssen - was wir von einer britischen Rechtsprechung lernen können 

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Mittwoch, 23. Januar 2019

Gräber ausmalen, Gitarren zerdeppern und die inneren Dämonen zermantschen - wie das Jugendbuch "Einfach so weg" alle 12- bis 16-Jährigen zu einem kreativen und guten Umgang mit Tod, Trauer und Sterben ermutigt - Buchtipp und gute Hilfe für trauernde Jugendliche

Osnabrück (eb) - Wer als Jugendlicher mit dem Tod konfrontiert ist, der gerät oft in mehrfacher Hinsicht in eine Krisensituation. Vor allem, wenn es sich dabei um den Tod eines Elternteils handelt. Ausgerechnet in dieser ohnehin nicht einfachen Lebensphase, die doch so dermaßen durchzogen ist von der Abnabelung von den Eltern, von großen neuen Unsicherheiten, von der beginnenden Suche nach sich selbst, von einer kompletten Um- und Neuprogrammierung des gesamten Lebens und des Körpers (dass sich tatsächlich das Gehirn neu umpolt in dieser Phase, ist inzwischen erwiesen), grätscht der Tod nochmal so heftig ins Leben rein, dass es besonders ratlos macht. Und das Schlimmste daran: Mit wem soll man darüber reden? Die Kumpel und Klassenkameraden, selbst oft unrfahren, machen einen auf cool und abgeklärt. Die Eltern haben als Ankerpunkt gerade ausgedient. Genau hier setzt ein Buch an, das die Ex-Schauspielerin Ayse Bosse jetzt veröffentlicht hat und das auf geschickte und dennoch spielerische und trotzdem nicht anbiedernde Weise die Generation der etwa 12- bis 16-Jährigen anspricht.

Das ist eine der Erfahrungen, die ich in den bisherigeren Jahren meiner Arbeit als Trauerbegleitung schon öfters gemacht zu haben glaube: Dass es sehr exakt auf die Zielgruppe zugeschnittene Angebote braucht, um Menschen wirklich gut begleiten zu können. Und im Falle von Jugendlichen bedeutet das, die Alterszahlen wirklich auch als Stadien von Entwicklung zu begreifen. Soll heißen: 12 Jahre alt sein bedeutet etwas ganz anderes als 14 Jahre alt sein bedeutet etwas ganz anderes als 16 Jahre alt sein bedeutet etwas ganz anderes als 18 Jahre alt sein... Im Grunde bräuchte es für jede Altersklasse wiederum eigene Angebote. Das Buch von Ayse Bosse und ihrem Co-Autoren Andreas Klammt jedoch schafft den Spagat über mehrere Altersklassen hinweg - und bleibt trotzdem irgendwie cool, ohne sich an die Zielgruppe heranzuwanzen. Es nimmt seine Leser ernst und weiß gut mit ihnen umzugehen. Zum Beispiel, in dem es leere Grabsteine zum Ausmalen anbietet. Und natürlich weitaus mehr.


(Alle Produktfotos: Thomas Achenbach).

Kurze Comics im Stile einer Graphic Novel gehören ebenso dazu wie jede Menge auszufüllende Seiten mit kurzen Impulsen für die Selbstreflektion oder witzige Ausmalbilder wie beispielsweise die "Dämonen-Matsch-Maschine", in der die jugendlichen Leser auch ihre ganz eigenen (inneren) Dämonen zerstören können. Kurze Geschichten und Gedichte finden sich ebenfalls in dem Buch. Und, für mich als Listen-Fan besonders gelungen: Listen mit den besten Trauersongs und Trauerfilmen - zusammengestellt von Jugendlichen aus Trauergruppen, also direkt von der angesprochenen Zielgruppe. Das Buch spiegelt in vielerlei Hinsicht die vielfältige Erfahrung, die die Autorin hat.


Auch Gräber zum Anmalen finden sich in dem Buch.


Denn Ayse Bosse bietet unter anderem Trauergruppen für Jugendliche an, wie sie auf dem Symposium in Sachen Trauer und Trauerbegleitung berichtete, das Ende vergangenen Jahres in Hildesheim stattfand. Organisiert von dem in Hildesheim aktiven Verein "Trauerzeit" und dem dortigen Kolping Bildungs- und Sozialwerk, waren bei dieser Veranstaltung etwa 50 Teilnehmer aus allen möglichen Kontexten versammelt - Hospizarbeit, Trauerredner, Notfalleinsatzkräfte -, um sich über Trauerbegleitung zu informieren. Und in einem am Nachmittag stattfindenden Vortrag stellte Ayse Bosse ihr Werk vor und berichtete von ihren Erfahrungen mit Jugendgruppen. Besonders prägend: Dass man Jugendlichen die für sie mitgebrachten Reflektionseinheiten und Aufgaben immer als Angebot auf Augenhöhe darbieten sollte - also mehr so nach dem Motto "Sag mal, hast Du Bock jetzt dieses und jenes zu machen?" als nach dem üblichen aus der Erwachsenenbildung bekannten Schema "So, wir machen jetzt mal gemeinsam dieses und jenes"... 


Dass Wut und Aggressionen ebenfalls zu einem Trauerprozess dazugehören, als ganz normaler Bestandteil, macht diese Mini-Graphic-Novel deutlich. Nach dem Motto: Somewhere Over The Rainbow? So'n Scheiß!

Man kann sich das gut vorstellen, wie Ayse Bosse, die sich mit ihren rund 42 Jahren selbst noch eine ansteckende jugendliche Frische und Vitalität erhalten hat und mehr so offen-lustig-verwirrt-und-total-locker rüberkommt, die Teilnehmer eines solchen Seminars gut mitnehmen kann. Aus all diesen Workshops mit Jugendlichen weiß sie eben auch, wie wichtig es ist, in der Trauer selbst aktiv zu sein. Und, wie Ayse Bosse es selbst sagte: Sich das eben trauen, so zu trauern, wie man das möchte, weil es da kein richtig oder falsch gibt, das ist halt wichtig. Dass sie zugleich mit dem Indie-Pop-Musiker Bosse aus Hamburg verheiratet ist, hat auch ihrem neuen Buch gut getan.



Dämonen zermantschen. Also mehr so: Innere Dämonen, hier aber sichbar gemacht. Wer würde das nich gerne?

Denn als zusätzliches Gimmick gibt es einen zum Buch dazugehörenden, aber nur über das Buch mitverkauften Song (klar, einen Trauersong), den Bosse zusammen mit dem Rapper Prinz Pi und der Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß geschrieben und eingespielt hat und der, wie das Buch selbst, "Einfach so weg" heißt. Hörenswert, übrigens, denn auf dem Symposium durften wir das Lied einmal auch so anhören. 


Lebt in Hamburg: Die Autorin und Trauerbegleiterin Ayse Bosse. (Stilller-/Carlsen-Verlag-/Presse-Foto)

"Einfach so weg" ist erschienen im Carlsen-Verlag als Hardcover, 176 Seiten, geeignet ab 12 Jahren, 15 Euro.

Übrigens: Noch ein lesenswertes Buch, das viele weitere Tipps für einen guten Umgang mit dem Tod enthält und im lockeren Tonfall existenzielle Fragen rund um den Tod behandelt, ist "The End" von Eric Wrede, hier geht es zu einer Besprechung. 

Transparenzhinweis: Das Buch ist mir auf Anfrage zur Besprechung vom Verlag als Rezensionsexemplar zugeschickt worden.


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

Alle aktuellen Termine, Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare etc. mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Den Blog zum Anhören als Podcast - bitte hier klicken für die aktuelle Episode aus dem Trauer-ist-Leben-Podcast...

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Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link

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Mittwoch, 16. Januar 2019

Achtung, Tod, wir kommen Dir jetzt näher - wie sich das Buch "Mein Jahr mit dem Tod" von Heike Fink in lesenswerter Reportageform dem großen Unbekannten zu nähern versucht - eine Besprechung und ein Buchtipp

Osnabrück (eb) - Wenn das Schneewittchen auf seiner Flucht vor der mordwilligen Stiefmutter bei den sieben Zwergen landet, dann ist es dort in Wahrheit im symbolischen Todesreich angekommen, aus dem es wieder herauskommen muss... Oder übersetzt gesagt: Im Übergangsreich zwischen Kindheit und Reife. So jedenfalls sagt es der prominente Märchenforscher Heinz Rölleke. Das war für mich eine der überraschendsten Erkenntnisse des Buches "Mein Jahr mit dem Tod" der Autorin Heike Fink, das ich schon eine Weile hier liegen (und gelesen) habe und das zu besprechen mir jetzt endlich gelingen soll. Heike Fink hatte mir von sich aus ein Buch zuschicken lassen und mich gefragt, ob es mich interessieren würde - und das tut es, natürlich, nicht alleine des Themas wegen. Sondern auch wegen der spannenden Herangehensweise.

Alles begann bei der Beerdigung eines guten Freundes. So, wie es Heike Fink dort erging, erleben das auch viele andere Menschen. Da ist plötzlich dieses merkwürdige und nicht zu fassende Mischmasch im Inneren, das irgendwie bedrohlich und irgendwie auch faszinierend ist. So eine diffuse, undurchschaubare, sehr massive Wand, die undurchdringlich und gewaltig groß zu sein scheint. Alles, was Heike Fink da fühlte, lässt sich zwar unter einem plakativen Etikett zusammenfassen – die Angst vor dem Tod – und ist doch in Wahrheit ein Geflecht aus so vielen einzelnen Gedanken, Gefühlen und Gestalten, dass erst das sehr genaue Hinsehen dabei hilft, dieses Durcheinander wirklich zu entwirren. Das ist oft schon Thema dieses Blogs gewesen, und genau darum geht es auch in diesem Buch: 


(Alle Produktfotos: Thomas Achenbach)

Heike Fink wollte also genauer hinsehen. Also hat sie sich ein ganzes Jahr lang mit Experten rund um den Tod getroffen, jeden Monat mit einem anderen, und ihre Begegnungen in Form einer in mehrere Teile aufgeteilten persönlichen Auseinandersetzung als Buch veröffentlicht. Jedes Kapitel behandelt einen Monat, einen Experten, einen Ort, alles ist verbunden mit dem Thema Tod. Da ist beispielsweise der Physiker, der sich an seinen eigenen (Nah-) Tod nicht mehr erinnern kann, da ist der 14-jährige Junge aus dem Kinderhospiz, der ein großer Darth-Vader-Fan ist, da ist die Trauerbegleiterin mit ihrem Projekt der gesprochenen Lebensbücher, da ist der Tatortreiniger, der so gar nicht seinem TV-Vorbild entsprechen mag… Eine Besonderheit bildet die Reise nach Kairo zu einem der wohl größten bewohnten Friedhöfe der Welt. Und da ist der bereits erwähnte Märchenforscher. Der natürlich von einer weiter entfernteren Perspektive auf das Thema Tod draufschaut. Ich will gar nicht verhehlen, dass mich das Buch am Anfang eher skeptisch machte - alleine schon, weil mich die Frage herumtrieb: Warum die Beschäftigung mit dem Tod, die doch ein Lebensthema sein sollte, auf nur ein Jahr beschränken? Aber dann wurde mir klar, dass das ein komplett unangemessener Gedanke von mir gewesen ist. Und das klingt jetzt hoffentlich nicht zu arrogant oder aufgeladen oder abgehoben. 

Die Autorin Heike Fink.  (Max-Höllwarth-Foto)

Aber: Als Trauerbegleiter und Trauerblogger und als Autor von Artikeln (und bald auch einem Buch) über dieses Thema beschäftige ich mich ja jeden Tag ein kleines bisschen mit dem Tod. Da bin ich also, sozusagen, immer ganz eng dran an diesem Thema. Wenigstens einmal pro Woche bekomme ich ein Schicksal berichtet, das ganz eng verwoben ist mit dem Tod. In meiner Ausbildung habe ich gelernt, eine persönliche Haltung zu entwickeln, die mir dabei hilft - eine Haltung auch dem Thema Tod gegenüber. Das ist aber eben nicht die Perspektive, aus der Heike Fink - und das von ihr angesprochene Publikum - das Thema betrachten wollen. Was für mich also bedeutete: Um diesem Buch gerecht werden zu können, musste ich wieder ein paar Schritte weiter zurückgehen in meiner ganz persönlichen Geschichte. Zurück an den oben beschriebenen Punkt: Als alles, was mit dem Tod zu tun hatte, eine undurchdringliche Wand gewesen ist. Wo man höchstens mal zaghaft hingucken wollte. Dann konnte ich mich gut einlassen auf dieses Buch. Und habe einfach mal geschaut: Was spricht mich an, wie wirkt es auf mich? 


Was Heike Fink hier vorlegt, ist in Wahrheit ein einziges, gigantisch großes Reportagestück. Soll heißen: Die Autorin versteht es sehr gut, mit ihren Worten Bilder zu malen, Sinne anzusprechen, den Leser in die jeweilige Szene zu versetzen. Was umso bemerkenswerter ist, als dass das ganze Buch ohne irgendwelche Fotos auskommt. Keiner der Protagonisten ist also wirklich zu sehen. In Erinnerung bleiben dann Szenen wie die vom Besuch eines Hospizes, wo die Mutter einer Freundin ihre letzten Tage verbringt: Nicht wissend, dass es dort als Symbol für den inzwischen eingetretenen Tod gehandhabt wird, hatte Heike Fink einen noch nicht überreichten Blumenstrauß vor der Zimmertür geparkt. Mit dem Resultat, dass eine der Schwestern hereinkommt mit einem Beileid auf den Lippen und der Frage: "Wann ist ihre Mutter denn gestorben?". Und immer mal wieder gibt es ein paar Passagen, die einen berühren und etwas in der Tiefe ins Schwingen bringen.


Wenn die Leiterin des Kinderhospizes davon berichtet, dass es ihrer Erfahrung nach die Kinder selbst sind, die frei über den Zeitpunkt ihres - natürlichen! - Todes entscheiden. Wenn sich Heike Fink nach dem Besuch eines Hospizes eine persönliche Top Ten der schönsten Dinge des Lebens anlegt. Wenn ein Ballettchoreograph den vielleicht intuitiv gelassensten Zugang zum Tod findet und sagt, man müsse ihn vielleicht einfach umarmen. Und am Ende findet auch Heike Fink ein kleines Stückchen Transzendenz. Wie gesagt, mit am eindrucksvollsten für mich war tatsächlich die Passage mit dem Märchenforscher. Was zum einen daran liegt, dass ich selbst in den todesdurchtränktesten Märchen nicht soviele Todessymbole habe sehe können, wie sie doch darin zu entdecken sind. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich derzeit viel mit Kindern und dem Vorlesen von Märchen beschäftigt bin (und durch die Buchlektüre feststellen musste, dass Märchen eigentlich überhaupt nicht für Kinder geeignet sind, weil es letztlich oft um Menstruation, Erwachsenwerden und das Überwinden des Todes geht, aber sei' s drum).


Beim Dornröschen steht der Stich mit der Spindel übrigens als Sinnbild für die erste Menstruation. Diese Erkenntnis war selbst mir nicht ganz so neu. Aber dass die dann folgenden 100 Jahre an Schlaf und Stillstand als Symbol für die Pubertät gelten sollen, fand ich faszinierend. Und, ja, das macht irgendwie Sinn: Trotz all der Wirrnis in einem drin und trotz all der hormonellen Sturm-und-Drang-Überflutung und trotz aller tatsächlich stattfindenen Entwicklung im Innen wie im Außen habe ich diese Jahre meines Lebens auch manches Mal so erlebt -als großen Stillstand. Das ist jetzt anders. Auch, und da schließt sich der Kreis - durch die häufige Beschäftigung mit dem Tod. Denn die führt einen unmittelbar zurück ins Leben.

"Mein Jahr mit dem Tod" von Heike Fink ist erschienen im Sommer 2018 im Gütersloher Verlagshaus als Hardcover, gebunden, 317 Seiten, 20 Euro.

Übrigens: Noch ein lesenswertes Buch, das viele weitere Tipps enthält und im lockeren Tonfall existenzielle Fragen rund um den Tod behandelt, ist "The End" von Eric Wrede, hier geht es zu einer Besprechung. 

Transparenzhinweis: Das Buch ist mir auf Bitten der Autorin zur Besprechung vom Verlag als Rezensionsexemplar zugeschickt worden.

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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