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Donnerstag, 15. Juli 2021

Es naht eine Zeit, in der wir die Sehnsucht nach den Toten jederzeit werden stillen können - aber was macht das dann mit der Trauer? Werden wir immer noch begreifen können, dass Menschen gestorben sind, wenn wir jederzeit mit ihren digitalen Abbildern sprechen können? Wie das "Digital Afterlife" in Kürze die Bestatterbranche und die menschliche Trauer komplett verändern könnte...

Osnabrück - Mit den Toten reden können. Und sie antworten Dir. Also nicht nur in Deiner Phantasie, sondern in echt - Du bekommst eine tatsächlich gesprochene Rückantwort auf das, was Du gesagt hast, und es bezieht sich auf Dein Gesagtes. Du kannst die Toten auch sehen. Bis vor wenigen Jahren war das Zukunftsmusik, jetzt ist es bereits Realität. "Digital Afterlife" heißt diese sich entwickelnde Branche. Zum Einsatz kommen aus alten Videos und Fotos destillierte Bilder und ein mit der Stimme des toten Menschen programmierter Chatbot, also ein computerisiertes Sprachsystem, gekoppelt an eine künstliche Intelligenz. Aber wie wird sich das auf die Menschheit auswirken, wenn die Sehnsucht nach den Gestorbenen nicht mehr länger unstillbar bleiben muss? Wie wird es die Trauer verändern? Und wie das, was ich anbiete - also die Trauerbegleitung? 

Mit das Quälendste, das die Trauer uns bringen kann, ist diese enorme Sehnsucht nach dem oder den gestorbenen Menschen. Eine so starke Sehnsucht, dass sie sich manchmal sogar in Form eines Nachsterbenwollens manifestieren kann, weil wir der Idee verfallen können, dort sein zu wollen, wo die Gestorbenen jetzt sind. Diese Sehnsucht ist unstillbar und gerade deswegen so quälend. Und eben weil sie so gewaltig sein kann, ist sie auch ein phantastisches Geschäftsmodell. Kein Wunder also, dass manche Menschen gerade daran arbeiten, diese Unstillbarkeit abzuschaffen. Werfen wir einen Blick in Richtung Südkorea und einen zweiten Blick in Richtung Kalifornien/USA, stoßen wir bereits auf die ersten Techniken, die das ermöglichen. Die Süddeutsche Zeitung hat in ihrer Samstagsausgabe vom 15./16. Mai 2021 zusammengefasst, wie weit diese Technologien schon fortgeschritten sind - in einem ebenso erschreckenden wie erhellenden Artikel.


(Foto: Pixabay.com, CC-0-Lizenz)

Man stelle sich das vor: Beim Bestatter wird nach der Auswahl des Sargs und des passenden Ritualgestalters für die Trauerfeier auch direkt ausgesucht, in welcher Form der gestorbene Mensch zu uns zurückkehren könnte. Reicht es auf dem Smartphone oder sollte es besser in der Virtual Realitiy sein? Was die TV-Serie "Upload" auf dem Streamingportal Amazon Prime derzeit komödiantisch durchspielt, könnte in gar nicht allzu ferner Zeit zum erweiterten Standardangebot eines jeden Bestatters gehören: Dass wir von den gestorbenen Menschen digitale Kopien anfertigen können und mit ihnen interagieren können. Das mag verrückt klingen, aber es hat bereits einen Namen und mehrere Anbieter: unter dem Stichwort "Digital Afterlife" kannst Du Dir bei einer Firma Deine Toten lebendig werden lassen. Jetzt schon. Was Du dafür brauchst, ist lediglich eine gute Portion an digitalem Material, das den gestorbenen Menschen zeigt - Videos, vor allem, aber auch Fotos, Sprachaufnahmen, Audionachrichten aus Whatsapp etc. -, die Du einer Firma zur Verfügung stellst. Und diese Firma macht daraus einen Avatar, dem Du in der Virtual Realitiy (VR) begegnen und mit dem Du interagieren kannst. Einfach die VR-Brille aufgesetzt, schon sitzt Dein Toter wieder neben Dir auf dem Sofa. Ach, hallo, wieder da...? 

Weltbekannt: Die wiederbelebte gestorbene Tochter

Der gestorbene Mensch könnte Dir einen Witz erzählen. Oder ein Lied singen. Alles kein Problem. Das bislang wohl bekannteste Beispiel für eine solche digitale Wiederbelebung ist im Februar 2020 um die ganze Welt gegangen: Die siebenjährige Na Yeon, die an einer seltenen Krankheit gestorben war, wurde für ihre Mutter von der Firma "Vive Studios" als Avatar in die virtuelle Realität zurückgeholt. Wie realistisch das Kind aussieht, lässt sich anhand einiger auch in Deutschland in Nachrichtenmagazinen gezeigten Videos eindrucksvoll selbst erleben (z. B. über die Website des Spiegels unter diesem Link). Überhaupt, die Sehnsucht nach den gestorbenen Kindern - in den Männergruppen mit verwaisten Vätern, die ich selbst erleben durfte, war das immer wieder ein großes Thema. Aber ist es auch gut, wenn diese Sehnsucht erfüllt werden kann? Werden die Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise das als hilfreich erleben, als tröstend - oder wird die Realität dadurch nur noch unaushaltbarer? 


(Foto: Pixabay.com, CC-0-Lizenz)


Eine der Grundfrage, die wir dann ebenfalls neu denken müssen: Braucht Sehnsucht die Unerfüllbarkeit? Ist diese Unerfüllbarkeit nicht im Grunde die Definition von Sehnsucht? Braucht es also für die Hinterbliebenen die Gnadenlosigkeit des Todes, damit sie sich wirklich einem Begreifen annähern können? Denn dieses Begreifen ist von einer enormen Bedeutung für den Trauerprozess. Eines der überzeugendsten Trauermodelle, das es gibt und das ich immer wieder gern zitiere, stammt von dem amerikanischen Forscher und Psychologen Dr. William J. Worden, der sein Modell als "Die Aufgaben der Trauer" - The Tasks Of Mourning - beschreibt (ich habe an anderer Stelle bereits ausführlicher darüber geschrieben)Worden sagt, dass uns die Trauer in Wahrheit vor Aufgaben stellt, die wir zu absolvieren haben. Und die erste und zugleich die schwierigste Aufgabe, sagt Worden, ist das Begreifen. Was genau heißt das?

Als Trauerbegleiter in den virtuellen Raum einsteigen

Es geht darum, die Tragweite des Verlusts zu akzeptieren, diesen als neue Realität anerkennen zu lernen. Der oder die Gestorbene ist tot, wird nicht wiederkehren, das muss erstmal verinnerlicht werden. Oft geht das nur in ganz kleinen Stücken oder ganz kleinen Schritten, oft berichten Trauernde, dass der Verstand dort weiter ist als das Herz es jemals sein könnte. Es ist ein enorm wichtiger, aber enorm schwieriger Prozess - für den aber die Abwesenheit der gestorbenen Menschen, die Endlichkeit des Lebens, die entscheidende Grundzutat ist. Was aber geschieht mit uns, wenn diese Abwesenheit wiederum, sagen wir, "aufgeweicht" werden kann? Wird es den Prozess des Begreifens verzögern? Wird es ein wirkliches Begreifen vielleicht gar verhindern? Oder wird es keine Rolle spielen, weil wir im Inneren doch irgendwie wissen, dass der Avatar des gestorbenen Menschen ja gar nicht echt ist? Zumal die Technik sich immer weiter entwickeln wird, sprich: Die technisch neu erzeugten Menschen werden in naher Zukunft immer besser wie echte Wiederbelebte wirken und agieren können. Das wiederum bedeutet - für die Trauer:


(Foto: Pixabay.com, CC-0-Lizenz)


Ich glaube, wir werden das Phänomen der Trauer in Teilen neu definieren müssen und neu denken müssen, wenn sich die virtuelle Wiederbelebung einmal durchgesetzt haben sollte. Zum Beispiel könnte es denkbar sein (und, in Teilen, vielleicht auch sinnvoll) eine Trauerbegleitung direkt in diesen virtuellen Raum zu verlagern. Sich als Trauerbegleiter in manche der Kontakte zwischen dem toten Menschen und dem leben Menschen mit einzuschalten, vielleicht als eine Art Scharnierfunktion oder um den Übergang vom digitalen in den echten Raum mitgestalten zu können - aber natürlich nur, wenn der zu begleitende Mensch dem zugestimmt hat, es handelt sich ja trotz aller Digitalität immerhin um etwas sehr Intimes - und zutiefst Menschliches. Jede Menge Pixel und Datenvolumen, aber alle vollgesogen von Menschlichkeit. Eine merkwürdige Welt kommt auf uns zu.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Auf Youtube ansehen: Vortrag "Männer trauern anders" aus dem Forum St. Peter in Oldenburg (Nidersachsen) aus dem Juni 2021 - Link zum Video  

Ebenfalls auf diesem Blog: Die besten Filme über Trauer, Tod und Sterben - was uns Spielfilme über das Erleben von Trauer erzählen können

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer, wie lange dauert das eigentlich - und wann ist es endlich mal vorbei? Mein erster Mutmacherbrief an Trauernde

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Trick mit der Selbstwirksamkeit - wie wir uns selbst gut in seelischen Krisen helfen können: psychologische Tipps

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer und Schuldgefühle gehören zusammen - warum sich so viele Trauernde nach dem Tod eines Menschen schuldig fühlen

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich Trauernde förmlich zerrissen fühlen  - eine Einführung in das "Duale Prozessmodell der Trauer" und seine Fallstricke

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich ein Suizid viel öfter verhindern ließe als wir das glauben und warum es so wichtig ist, immer wieder darüber zu reden

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und Trauer - was Menschen in einer Verlustkrise hilft, was man Trauernden sagen kann 

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Mittwoch, 7. April 2021

Wie funktioniert das Internet-Portal Trosthelden.de? Warum es so hilfreich sein kann, jemanden zu finden, der die eigene Trauersprache spricht und einen gut versteht - Interview mit Trosthelden-Macher Hendrik Lind

Osnabrück/Tostedt - Was Trauernden oft fehlt, ist jemand, der sie wirklich verstehen kann - und es fehlen Räume und Begegnungen, in denen die Trauer einfach stattfinden darf. Gerade am Ende einer Begleitung oder einer Trauergruppe ist das oft Thema: Dieser Austausch, dieses Verständnis, davon müsste es viel mehr geben... So ist es dann oft zu hören. Wer sich einen Trauerpartner bzw. Trostpartner suchen möchte, hat jetzt eine weitere Chance dafür: Das neue Internetportal trosthelden.de möchte genau diese Lücke schließen. Mich hat das neugierig gemacht und ich hab' mich gefragt: Wie funktioniert das wohl? Und genau zu diesem Zeitpunkt haben die Trosthelden auch mit mir den Kontakt gesucht. 

Ob ich mir vorstellen könnte, eine Lesung aus meinem Buch "Männer trauern anders" für das Portal zu halten, mit anschließendem Interview... So lautete die Anfrage. Inzwischen sind Lesung und Interview dort auch veröffentlicht worden (hier ist der Link). Das habe ich gerne gemacht, habe aber im Gegenzug Hendrik Lind als den Portalverantwortlichen um ein Interview für meinen Podcast gebeten, weil ich zu den Trosthelden gerne noch meine eigenen Fragen loswerden und beantwortet haben wollte - aus rein persönlicher Neugier, warum es das Portal eigentlich gibt, was sich die Macher davon erhoffen und wie es genau funktioniert. auch dieses Interview ist inzwischen veröffentlicht. "Mein Thema seit vielen Jahren ist das Thema der unterschiedlichen Trauersprachen", sagt Hendrik Lind in diesem Interview - und er betont, wie wichtig es ist, dass Trauernde ein Gegenüber haben, das auch die gleiche Trauersprache spricht. Darum geht es. Und dabei hilft: Ein Algorithmus.

Hendrik und Jennifer Lind, die Finder bzw. Erfinder der Trosthelden (Foto: Trosthelden.de, mit freundlicher Genehmigung)

Nehmen wir zum Beispiel eine Frau, die Mutter von zwei Kindern ist und jetzt, plötzlich und unerwartet, ihren Mann verloren hat. Diese Frau wird in ihrer Trauer etwas anderes brauchen als beispielsweise eine Frau, die keine Kinder hat - denn zu der Trauer der erstgenannten Frau kommt die systemische Ebene mit dazu, das Funktionierenmüssen für die Kinder, das Auffangen der Kindertrauer. Da ist nicht nur, aber auch, die Frage nach eigenen Ressourcen ganz anders zu beantworten als bei einer Frau, die "nur" (in dicken Anführungszeichen!) ihren Partner verloren hat. Ein Beispiel von zigtausend anderen denkbaren, aber es macht deutlich, dass es wichtig sein kann, sich einen Gesprächspartner mit einer sehr ähnlichen Situation zu suchen. Wohlgemerkt: Einen Gesprächspartner, keinen Lebenspartner. Die Trosthelden sind zwar eine Vermittlungsagentur, aber eben keine Partnerschaftsagentur. Auch wenn die Expertise, die sich Jennifer und Hendrik Lind als die beiden Portalverantwortlichen geholt haben, tatsächlich aus dem Bereich der Partnerschaftsagenturen kommt, wie Hendrik Lind im Podcast-Interview erzählt. Das Zauberwort heißt Matchmaking.

Das heilt: "Die Tür weit aufmachen und sich zeigen"

"Heilung liegt auch darin, seine eigene Tür weit aufzumachen und sich zu zeigen", wird Jennifer Lind in einer Pressemitteilung der Trosthelden zitiert. Da ist viel Wahres dran. Die Trosthelden verstehen sich dabei als sinnvolle Ergänzung, aber nicht als Mitbewerber, im Bereich der Hilfsangebote für Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise. Eben weil die Plattform weder orts- noch zeitgebunden funktioniert, ist das ja auch tatsächlich der Fall - und nach meinen persönlichen Erfahrungen mit Trauerbegleitungen und Trauergruppen wird es auch für die Menschen in Trauer so sein, dass sie dieses Angebot als Ergänzung verstehen, aber nach wie vor weiter zu den Einzelbegleitungen und Gruppen kommen werden. Die meisten Menschen, die sich für einen solchen Prozess entscheiden, sind innerlich so stark mit ihrer Trauer befasst, dass sich eh fast alles in ihrem Leben - temporär oder dauerhaft - nur um dieses eine Thema dreht, je mehr Besprechungsangebote es da gibt, desto besser ist es nach meiner Erfahrung für diese Betroffenen. Und in Coronazeiten gilt ja umso mehr, dass digitale Angebote auch weiterhin stattfinden können, während viele Trauergruppen abgesagt bleiben. Mit welchen Kosten die Teilnehmer rechnen müssen und wie das Portal Trosthelden aufgebaut ist - und warum Trauernde wirklich Helden sind, das und mehr erzählt Hendrik Lind in meinem Podcast


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Die besten Filme über Trauer, Tod und Sterben - was uns Spielfilme über das Erleben von Trauer erzählen können

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Trick mit der Selbstwirksamkeit - wie wir uns selbst gut in seelischen Krisen helfen können: psychologische Tipps

Ebenfalls auf diesem Blog: 27 gute Rituale für eine Trauerfeier - wie sich eine Gedenkfeier so gestalten lässt, das sie den Angehörigen/Trauenden gut tun kann

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich Trauernde förmlich zerrissen fühlen  - eine Einführung in das "Duale Prozessmodell der Trauer" und seine Fallstricke

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich ein Suizid viel öfter verhindern ließe als wir das glauben und warum es so wichtig ist, immer wieder darüber zu reden

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und Trauer - was Menschen in einer Verlustkrise hilft, was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Was muss ich machen, wenn ich wegen Trauer krankgeschrieben werden möchte? Geht das überhaupt und wenn ja, wie denn?

Der neue Podcast von Thomas Achenbach: "Trauergeschichten - Menschgeschichten", Gespräche über Leben, Tod und Sterben, jetzt online

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Freitag, 20. Dezember 2019

Eine bewegende Geschichte rund um das Jahresende: Wie eine gestorbene Tochter und der ihr gewidmete Internetbeitrag der ganzen Welt bewiesen, dass das Netz mehr kann als nur Hass: #einElefantfürDich - Neue Folge meiner Serie über Trauer und Musik: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #04

Osnabrück - Das Internet kann mehr als nur Hass und Verachtung. Eine der berührendsten Geschichten, die das Netz geschrieben hat, ist die von dem Popsong "Ein Elefant für Dich" der deutschen Indierockgruppe "Wir sind Helden". Da stirbt ein vierjähriges Mädchen - und die darüber bloggende Mutter erhält plötzlich unerwartete und hochprominente Unterstützung. Damit ist diese Geschichte rund um den Hashtag #einElefantfuerdich ein Muss für meine vor kurzem gestartete Serie über Trauer und Musik. Es ist eine Geschichte darüber, wie Trauer ist und was sie mit uns macht. Und warum es so wichtig sein kann, sie zuzulassen. Deswegen ist die Geschichte so bedeutsam und bleibt es jetzt noch, drei Jahre nach ihrem Geschehen.

Sie war die "erste Kaiserin", die schwerstbehinderte Tochter der Bloggerin Marice Kaiser aus Berlin. In ihrem Blog mit dem Namen "Kaiserinnenreich" berichtet die Mutter zweier Kinder über das nicht immer leichte Familienleben - übrigens auch weiterhin. Allen, die sich als berufstätiges Elternteil von ihrem Leben generell mal überfordert fühlen, sei beispielsweise ihr Artikel über "Das Unwohlsein der modernen Eltern" empfohlen (heißt eigentlich "der modernen Mutter" und richtet sich nur an Frauen, war aber für mich als generall mal überforderten Vater genauso lesenswert, deswegen nahm ich mir die Freiheit einer Namensanpassung). Kurz nach Weihnachten vor drei Jahren, am 30. Dezember 2016, starb die vierjährige erste Kaiserin im Alter von vier Jahren. Und Marice Kaiser ließ ihrer Trauer freien Lauf - in einem mittlerweile nicht mehr verfügbaren Blogbeitrag berichtete sie von ihrem Schmerz und dem, was der Tod ihrer Tochter in ihr ausgelöst hatte. Und sie fügte ein paar Zeilen aus dem Lied "Ein Elefant für Dich" mit dazu - tatsächlich ein paar Textzeilen, die einem den Hals immer wieder aufs Neue zuschnüren können:


(Alle Fotos: Thomas Achenbach)

"Ich werde riesengroß für dich, ein Elefant für dich, ich trag dich meilenweiter, über's Land - und ich trag dich so weit wie ich kann". Gefolgt von der Textstelle, die mich persönlich jedes Mal aufs Neue tief im Inneren berührt: "Und am Ende des Wegs, wenn ich muss - trage ich dich, trag' ich dich über den Fluss." Denn, mal ehrlich, wir alle, die wir einen Menschen, vielleicht auch einen kleinen Menschen, wirklich lieb haben: Würden wir das nicht alle tun bzw. es tun wollen? Sofern es möglich ist? Meilenweiter gehen, ausloten, was dieses Schicksal an letzter Energie in uns freisetzen kann, den Menschen soweit begleiten, wie es irgendwie geht? Und nicht mehr als das steckt in diesen Textzeilen darin. Doch geht die Geschichte damit erst richtig los. 


Und dann kam Judith Holofernes persönlich


Denn kurz nachdem Marice Kaiser ihren Artikel veröffentlicht hatte, meldete sich die Sängerin der Band "Wir sind Helden", Judith Holofernes, und schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: "Ich bin sprachlos, kann nicht aufhören zu weinen. Mein Elefant soll immer #einElefantfuerDich sein, und für euch." Die Twitternachricht verbreitete sich rasant. Das Internet hatte einen neuen viralen Erfolg, aber es war mehr als das. Denn die Anteilnahme war gewaltig. Jeder, der seine Solidarität mit der Familie bekunden wollte, stellte unter dem Hashtag #einelefantfuerdich zum Beispiel Fotos von Elefanten oder ein paar Zeilen der Anteilnahme für das verstorbene Mädchen und seine Familie ein. Für ein paar Tage gab es im Netz des Hasses und der Bösartigkeit mal nichts als Zuneigung, Zuwendung und Menschlichkeit. Und eine Ahnung davon, was Trauer mit uns Menschen machen kann und warum es so wichtig ist, davon zu wissen. Ich habe mit Marice Kaiser keinen Kontakt und kenne sie nicht, aber ich könnte mir vorstellen: Auch jetzt noch geht die Trauer tief, drei Jahre nach dem Tod, auch wenn sich das sicher kaum jemand vorstellen kann, der so etwas noch nicht selbst erlebt hat. Kein Mensch kennt diese Gebirge der Trauer, der noch nicht seine Schroffheit selbst gespürt hat. 


Zwar ist der Original-Blogbeitrag über den Tod der "Ersten Kaiserin" nicht mehr verfügbar - vielleicht war es der Familie am Ende doch etwas zuviel der Öffentlichkeit und es brauchte wieder mehr Privates -, doch findet sich in einem Artikel des Sterns über diese Ereignisse noch das folgende Zitat aus diesem Text: "Am 30. Dezember 2015 ist unsere Tochter in unseren Armen eingeschlafen und gestorben", habe sie geschrieben, zitiert der Stern. "Wir sind fassungslos und traurig - und unendlich dankbar, vier Jahre und zwei Monate mit ihr gelebt haben zu dürfen. Wir wünschen uns kein Beileid; wir möchten uns lieber darüber freuen, dass sie da war. Dass sie uns verzaubert hat und glücklich mit uns war."

Und am Ende des Wegs, wenn ich muss - trage ich dich, trag' ich dich über den Fluss.

Die besten Songs & Alben über Trauer und Tod - die ganze Serie:


  1. Folge 1 - Auftakt mit Mumford & Sons, Genesis, Eric Clapton - hier klicken
  2. Folge 2 - Auf dem Rücksitz, mitten in der Trauer, Arcade Fire - hier klicken 
  3. Folge 3 - Ein alter Mann, der in einem Raben die gestorbene Schwester entdeckt




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Über diese Serie: Musik ist meine größte Leidenschaft. Die Trauerbegleitung ist eine meiner Professionen und eine meiner Tätigkeiten. Beide Themen zu vermischen, das habe ich schon lange vorgehabt. Jetzt ist eine gute Zeit dafür. Denn in den vergangenen Jahren habe ich emsig gesammelt: Ganz viel Musik über Trauer und Schmerz. Songs, Alben, Orchesterwerke; dazu ganz viele Geschichten, die sich in diesen Tönen und Texten verstecken. Seine eigene Trauer über Musik kreativ auszudrücken, das hat für Komponisten Tradition - überwiegend für männliche Komponisten, übrigens, aber dazu ein andermal mehr. Manchmal führt ein einziger Tod sogar zu mehreren Songs darüber. 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde in einer Verlustkrise alles so tun und warum einem das nicht peinlich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Freitag, 13. Dezember 2019

Wie die menschliche Sterbeuhr alle in diesem Jahr bereits Gestorbenen misst und wo sie zu finden ist - und warum die dazugehörige Website verständnisvolle Inspirationen für Trauernde geben kann

Osnabrück - Wer hätte das gewusst? Alle 33 Sekunden stirbt, statistisch gesehen, ein Mensch in Deutschland. Das macht pro Stunde etwa 108 gestorbene Menschen. Und wer wissen möchte, wieviele Menschen in diesem Jahr bereits gestorben sind, kann sich jetzt auf einer neuen Website die so genannte Sterbeuhr ansehen, die einem das in eindrucksvoller Weise und immer ganz aktuell zeigt. Doch das damit verbundene Online-Magazin "Trauer now" ist noch aus einem ganz anderen Grund ein empfehlenswerter Lesetipp (zu erreichen über diesen Link hier). 

Denn in mehreren Artikeln auf diesem Portal gibt es wertvolle Impulse und viele Anregungen für Trauernde - und für die Menschen, die sie begleiten, sei es als Angehörige oder Freunde oder Kollegen. Ergänzt wird das Angebot um berührende Porträts von Menschen, die mit den Themen Tod, Trauer und Sterben und zu tun haben. Darunter ist beispielsweise der Sternekoch Vincent Klink, der Tipps für das "Totenmahl" gibt. Anregungen für hilfreiche Trauer-Rituale in und eine Linkliste für weitere Angebote runden die Website ab. Aber wer steckt dahinter?


Sie tickt für bzw. in jedem Menschen: die menschliche Sterbeuhr (alle Fotos: Thomas Achenbach). 

Als Macher des Onlineportals fungiert die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., die sich - ausgehend vom Kasseler Museum für Sepulkrakultur -  für eine neue Trauerkultur in Deutschland einsetzt. In einer Pressemitteilung über die "Trauer Now"-Website heißt es dazu: Tod und Trauer sind in der Gesellschaft in vielen Bereichen immer noch tabu, viele sind darauf nicht vorbereitet, viele damit allein. Es braucht eine neue, respektvolle, öffentliche Diskussion darüber, wie eine heilsame Trauer besser gelingen kann – wie aus ihr eine unbelastete Erinnerung werden kann. Was muss sich dafür verändern? Antworten darauf sollen sich der Mitteilung zufolge auf dem Portal finden. Hier sollen zudem neueste, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse präsentiert werden, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Und dass es wichtig sei, dieses Thema immer wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Warum?


Es braucht mehr Orte zum Trauern


"Trauer ist etwas, über das wir ungern sprechen, aber sie geht uns früher oder später alle an", wird der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft und Direktor des Zentralinstituts und Museums für Sepulkralkultur in Kassel, Dirk Pörschmann, zitiert. Das Problem sei jedoch: Viele sind auf Trauer nicht vorbereitet. Dann zieht es ihnen nochmal in besonderer Weise den Boden unter den Füßen weg. Deswegen sei es so wichtig, eine Trauerkultur zu etablieren, "die die Hinterbliebenen in den Mittelpunkt rückt", wie es Dirk Pörschmann weiter sagt: "Wir wollen Inspirationen geben, wie der Abschied von geliebten Menschen wahrhaftig, würdevoll und heilsam gelingen kann." Fast 955 000 Menschenn sterben insgesamt jedes Jahr. Rechnet man pro gestorbenem Menschen eine statistisch wahrscheinliche Größe von 1,5 Trauernden hinzu, ergibt sich eine gewaltige Menge an Betroffenen - jedes Jahr aufs Neue. "So brauchen Menschen beispielsweise Orte, an denen sie mit ihrer Trauer so frei umgehen dürfen und können, wie es ihnen gut tut", sagte Pörschmann. Menschen benötigten auf dem Friedhof Beisetzungsorte, die einen positiven und lebendigen Trauerprozess ermöglichen.


Doch gerade die Friedhöfe sind es, die aktuell in die Kritik geraten sind. Auf dem 2019 in Köln stattfindenden Kongress "Heilsame Abschiede" stellten zwei Soziologen eine Studie vor, die zu dem eindeutigen Ergebnis kommt: Der Friedhof könnte ein Auslaufmodell sein, wenn sich dort nicht bald etwas ändert. Eine umfangreichere Berichterstattung zu diesem Thema findet sich unter anderem bei der Neuen Osnabrücker Zeitung (registrierungspflichtig) oder ebenfalls beim Portal Trauer Now unter diesem Link.... 

Übrigens: Lust drauf, diesen Blog auch als Podcast zu hören? Dann bitte hier klicken für die Übersicht über alle bisher veröffentlichten Episoden, darunter meine Interviews mit dem Buchautoren Pierre Stutz, dem "Letzte Lieder"-Macher Stefan Weiller und dem Trauer-Chat-Moderator und Ex-Spielsüchtigen Kai Sender....

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

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Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

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Mittwoch, 5. Juni 2019

Warum bei Trauer- und Lebenskrisen auch anonyme Online-Chats eine gute Hilfe sind und wie sie funktionieren - und wie ein Alkohol- und Spielesüchtiger seine inneren Dämonen überwunden hat - ein Interview zum Anhören

Kai Sender im Mai 2019 auf der Bremer Messe Leben und Tod, auf der es auch einen prunkvollen Pferde-Bestatterwagen zu bestaunen gab (im Hintergrund).  Alle Fotos: Thomas Achenbach

Osnabrück - Trauernde, rät der Bremer Kai Sender, sollten sich viel öfter trauen, ihre Ansprüche geltend zu machen und aktiv um Hilfe zu bitten. Was ihnen dabei helfen soll, ist der wöchentlich mehrmals stattfindende Trauerchat im Internet. Der ist inzwischen ein echtes Erfolgsmodell und soll noch weiter ausgebaut werden: die wöchentlich stattfinden Trauerchats im Internet, die über die Website trauer.de angeboten werden, kommen gut an. Dahinter steckt der in Bremen arbeitende Macher und Moderator Kai Sender. Was den Trauerchat ausmacht und wie er funktioniert und warum sein eigenes von Schicksalsschlägen gepägtes Leben andere Menschen ermutigen kann, erklärte mir Kai Sender in einem Interview, das wir am Rande der Messe "Leben und Tod" für meinen Podcast geführt haben. Der erste Teil dieses insgesamt zweiteiligen Gesprächs steht jetzt in meinem Podcast als Episode 7 zum Anhören zur Verfügung (ein Klick hier führt direkt zu der Podcastfolge) ... 

"Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass der Trauernde alleinegelassen wird", sagt Kai Sender. In unserem Gespräch geht es am Rande auch um die Unfähigkeit in unserer Gesellschaft, mit Gefühlen im Allgemeinen und Trauer im Besonderen umzugehen. "Die ist doch noch sehr groß", sagt Kai Sender. Und das könne teilweise eben zu Verletzungen führen, wenn sich nicht alle richtig verstanden fühlen. In einem früheren Interview hatte Kai einmal gesagt: "Ich habe einmal einer Teilnehmerin geraten, die von ihrer Freundin gefragt wurde, wie es ihr gehe und die daraufhin geantwortet hat, sie sei traurig, worauf die Antwort kam ,Ach, immer noch?'; wenn Dich das nächste Mal jemand fragt: "Immer noch traurig?" - Dann sage "Ja, denn er ist immer noch tot!" 



Weil ich mich nun darüber freue, es der Öffentlichkeit zum Anhören zur Verfügung zu stellen - geht es hier jetzt zu diesem ersten Teil unseres Gesprächs.

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Den Blog zum Anhören als Podcast - bitte hier klicken für die aktuelle Episode aus dem Trauer-ist-Leben-Podcast...

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Mutter von Rolf Zuckowski auf dem Sterbebett einen Song ihres Sohnes zitierte - der Kindermusiker über seine Trauererfahrungen

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

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Dienstag, 7. Mai 2019

Wie wir in Zeiten der Trauer unsere Kraft wiederfinden können - und wie uns auch Filme dabei eine gute Hilfe sein können - zweiter Teil meines Interviews mit dem Buchautoren Pierre Stutz über das Schwere im Leben und darüber, wie sich Krisen durchleben lassen

Angeregtes Gespräch im Kinofoyer: Pierre Stutz (rechts) beim Podcast-Interview mit Thomas Achenbach. (Foto: Stefanie Hiekmann)

Osnabrück - Wenn sich Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise mit sich und ihren Gefühlen auseinandersetzen wollen, fehlt ihnen oftmals die Konzentration dafür, ein Buch zu lesen oder einen ganzen Film anzusehen. Dennoch ist das Bedürfnis nach einer Innenschau immer groß - und auch das Bedürfnis danach, sich über andere Wege Zugang zum eigenen Erleben zu verschaffen, um einmal die Perspektive wechseln zu können. Im zweiten Teil meines Gesprächs mit dem Buchautoren Pierre Stutz geht es deswegen auch um die kurzen Filmszenen von jeweils nur rund drei bis vier Minuten, die der Ex-Priester und erfahrene Krisenübersteher für sein Buch "Geh hinein in Deine Kraft - 50 Film-Momente für das Leben" ausgesucht hat. Der zweite Teil dieses Interviews steht jetzt in meinem Podcast als Episode 6 zum Anhören zur Verfügung (ein Klick hier führt direkt zu der Podcastfolge) ... 

Weil Pierre Stutz ein enthusiastischer Kinogänger ist und dies in seinen Büchern immer wieder aufgreift, hatten wir uns zu unserem Gespräch im Foyer eines Kinos getroffen - das Cinema-Arthouse in Osnabrück, das als erstaunlich großes Grenzgängerkino immer einen guten Mittelweg findet zwischen Blockbustern mit Anspruch und künstlerischer Nische, ist auch für den inzwischen in Niedersachsen lebenden Schweizer eine Art zweiter Heimat geworden, aber mehr dazu gibt es in der Podcastepisode zu hören. Gleich mehrere in seinem Buch benannte Filme drehen sich übrigens um das Thema Trauer, weswegen diese Anbindung auch perfekt zu meinem Blog und dem Thema meines Podcasts passt. 


Was kann das sein - eine moderne Spiritualität?


In unserem Gespräch schildert Pierre Stutz auch, warum er sich für eine ganz moderne Form der Spiritualität bzw. des (katholischen) Glaubens einsetzt und wie er sich das vorstellt. Denn vielen Menschen ist der Buchautor als ein spiritueller Lehrmeister unserer Zeit bekannt. "Das Leben ist so wunderbar, aber auch so leicht zerbrechlich" - so hatte es Pierre Stutz bereits im ersten Teil unseres Gesprächs formuliert. Und der heutige Autor und Impulsgeber für ein gelingendes Leben kennt das aus eigener Erfahrung nur zu gut. Und auch, wenn es ihm selbst gut gelungen ist, sich aus den Krisen zu befreien, gelingt das ganz sicher nicht jedem: "Am Schweren kann man zerbrechen", räumt Pierre Stutz ein. Wir brauchen dann eine Chance zu erfahren: "Ich bin immer mehr als das, was ich jetzt in diesem Moment wahrnehme", wie es Pierre im Gespräch schildert. Nur einer von mehreren Sätzen, die unser kleines Interview auch für zu einer Bereicherung gemacht haben - und warum ich mich nun darüber freue, es der Öffentlichkeit zum Anhören zur Verfügung zu stellen. Hier geht es zu diesem ersten Teil unseres Gesprächs.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

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Donnerstag, 4. April 2019

Das hat es auf der Messe "Leben und Tod" so auch noch nicht gegeben - Öffentliche Trauergruppen, abendlicher "Death-Slam" am Freitag, neue Öffnungszeiten und große Trauerbegleiter-Bilderausstellung zum zehnten Geburtstag der Messe in Bremen (am 10./11. Mai 2019, Freitag/Samstag, in der Bremer Messehalle 6)

So kennt man sie: Mechthild Schroeter-Rupieper, engagiert und überzeugend in Vorträgen wie hier im Jahr 2017 auf der Messe "Leben und Tod" in Bremen. (Alle Fotos: Thomas Achenbach)

Bremen - Trauergruppen mit Jugendlichen, die sich bei ihren Gruppentreffen über die Schulter schauen lassen, weil diese mitten im Messegeschehen, neben einem Messestand, stattfinden werden. Das hat es auf der Messe "Leben und Tod" so auch noch nicht gegeben. Und der Clou daran: Wer möchte, kann selbst auch teilnehmen (nach vorheriger Anmeldung). Das plant jedenfalls die Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper als besondere Aktion für die kommende Fachmesse rund um Trauer, Sterben und die Begleitung von Menschen in Krisen, die in diesem Jahr am 10./11. Mai (Freitag/Samstag) in der Bremer Messehalle 6 stattfindet. So jedenfalls schilderte es Mechthild Schroeter-Rupieper mir jetzt am Rande einer Fachtagung rund um das Thema Trauer im Arbeitsleben, die Ende März auf Initiative der "Trauerarbeit Hattingen" (Traurig. Mutig. Stark.) in Witten im Ruhrgebiet stattfand. Die öffentlichen Trauergruppen sind aber nicht die einzige Besonderheit, die die "Leben und Tod" - die übrigens ihren zehnten Geburtstag feiert - diesmal anbietet. Da ist noch ein bisschen mehr....

Aber zuerst einmal zu Mechthild Schroeter-Rupieper. Die Gelsenkirchenerin ist auf der Messe wieder mit ihrem Institut "Lavia" vertreten. Am Samstag, dem 11. Mai, sollen ihren Worten zufolge neben ihrem Messestand über den Tag verteilt vier Trauergruppen von je 45 Minuten stattfinden. Teilnehmen an den Trauergruppen werden Jugendliche, die mit Mechthild Schroeter-Rupieper zusammen anreisen, Jugendliche aus Bremen - und Messebesucher, die sich vorher anmelden können. Die Gruppen werden zu den folgenden Themen angeboten: 


1.) „Wenn das Herz bricht und wie es wieder heilen kann“ - (um 9:30 Uhr). Den Satz: „Du bist aber tapfer, du bist ja schon groß!“ hören Jungen und Mädchen von klein an und sind auch mal stolz, wenn sie es schaffen, ihre kleinen Alltagstraurigkeiten zu unterdrücken. Was aber, wenn einen die Trauer mal so richtig erwischt? Weil sich zum Beispiel die Eltern scheiden lassen, weil man großen Liebeskummer hat oder weil ein Mensch verstirbt? Was, wenn das Unterdrücken nicht mehr gelingen will? Woher weiß ich, ob ich „normal“ bin oder nicht? Wie gehen andere mit Verlusten um? Mit wem rede ich über die Sehnsucht und wird es eines Tages besser werden? Hierzu ist ein Austausch geplant mit anderen Jugendlichen, die den Tod von Eltern oder Geschwistern erlebt haben.



2.)  Aus dem Nähkästchen plaudern“; eine Jugend-Trauergruppe mit Erinnerungsgegenständen - um ‪12.30 Uhr. „Jetzt erzähl nicht schon wieder davon. Du nervst!...“ So etwas und Ähnliches hören Jugendliche, wenn sie gerne zum 10. oder auch 15. Mal von ihrem Liebeskummer oder der Trauer um einen verstorbenen Menschen erzählen wollen. „Ich weiß nicht mehr, wie seine Stimme klang, ich vergesse immer mehr“, denkt sich ein anderer Jugendlicher, bei dem ein lieber Mensch verstarb. Gegenstände und Symbole sind eine gute Möglichkeit, sich an Menschen und Dinge zu erinnern, die man vermisst. Davon anderen zu erzählen, macht oft bei aller Sehnsucht auch noch Spaß. Und es hält gute Erinnerungen wach. Darum geht es bei dieser Gruppe.



3.) Wenn sich Gefühle wie Aprilwetter anfühlen“; eine Jugend-Trauergruppe mit stürmischen Fragekarten - um 13.45 UhrHeute so, morgen so. Manchmal fühlt sich die eigene Stimmung so launisch wie ein Wetterwechsel im April an. Im Austausch mit Jugendlichen, bei denen ein nahestehender Mensch gestorben ist, die aber auch Liebeskummer, Schulversagen, Scheidung der Eltern oder andere Krisen kennen, kommen die Teilnehmer dieser Gruppe miteinander ins Gespräch, indem sie dafür Wettersymbole und Fragekarten benutzen. Mit anderen Jungen und Mädchen im Austausch zu sein, hilft oft, die eigenen Gefühle zu sortieren, weil man ehrlich sein kann und nicht einfach nur „einen auf gutes Wetter macht“.


4.) „Und wer ist dein Vorbild in der Trauer?“; eine Jugend-Trauergruppe mit einem „Frage-Fußball“ - um 15 Uhr. „Wer ist dein Vorbild in Trauerzeiten?“, ist eine Frage, die die Lavia-Gruppenleitern ihren Jugendlichen oft stellen. Die Jugendtrauergruppen von Lavia kooperieren hierfür beispielsweise mit Schalke 04, indem Fußballspieler, die aktuell in der Bundesliga spielen, die Gruppen besuchen. Dort lassen sie sich auf Gespräche mit den Jugendlichen über ihren persönlichen Umgang mit Krisen, z.B. aufgrund von Verletzungen, verlorenen Spielen oder den Umgang mit persönlichen Trauersituationen ein. In der Mitmach-Trauergruppe auf der Messe sollen Jugendliche über Fußbälle und Autogramme miteinander in sportliche  Gespräche kommen können - ob hierbei auch noch ein Fußballer zugegen sein wird, ist derzeit noch nicht geklärt. Anmeldungen zu den Workshops sind möglich über die Internetseite der Messe unter diesem LinkÜbrigens: Auch sonst bietet das Programm der diesjährigen "Leben und Tod" eine Neuerung. 


Denn erstmals gibt es am Freitag (10.5.) eine Verlängerung in den Abend hinein. So wird ab 19.30 Uhr der erste so genannte Death Slam auf dem Messegelände stattfinden, eine an den Tod angepasste Variation des Poetry-Slam-Formats. Die hier vorgetragenen Texte sollen laut eines Pressetextes der Messe "das Ende berühren, das wir eigentlich nicht sehen wollen". Das Format selbst ist übrigens nicht neu, tatsächlich findet dieser Death Slam sogar bereits zum fünften Mal stat (organisiert von der ebenfalls gelegentlich auf der Messe vertretenen Funus-Stiftung) - aber in Bremen hat die Veranstaltung noch nie gastiert. Hintergrund ist ein runder Geburtstag.  


Denn die "Leben und Tod" findet in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal statt. Und bietet auch sonst ein gut bestücktes Programm, das sich wie sonst auch aus zahlreichen Vorträgen - entweder öffentlich im Forum für alle Besucher oder in den Extra-Sälen für die Fach-Besucher -, aus Extra-Workshops (mit Anmedung) und aus einer klassischen Messe mit Infoständen zusammensetzt. Zu den bekannten Namen, die hier vertreten sein werden, gehört zum Beispiel auch die Buchautorin und Trauerbegleiterin Chris Paul. Ein weiterer Bestandteil der Messe ist eine Ausstellung des Bundesverbands Trauerbegleitung zum Thema "Hoffnungsvoll und seelenschwer", auf die ich mich ebenfalls besonders freue, weil ich selbst ein bisschen was dazu beitragen durfte und ganz gespannt bin, wie es geworden ist... Eine leichte Anpassung an die Gegebenheiten gibt es, was die Öffnungszeiten der Messe angeht - nachdem in den vergangenen Jahren öfter zu erleben war, wie die Standbeschicker am Samstag gegen 16.30 Uhr bei einer sich immer mehr leerenden Messehalle bereits in emsiges Abbauen und Aufräumen verfielen, hat die Messe nun die Samstags-Öffnungszeit nach hinten raus gekappt - um 16.30 Uhr ist offiziell Schluss. Und was die öffentlichen Vorlesungen auf der Messe angeht, sind übrigens zwei Bücher mit dabei, die ich Anfang des Jahres bereits hier auf diesem Blog vorstellen durfte.


So wird beispielsweise die Journalistin und Autorin Heike Fink im Forum auftreten, deren Buch "Mein Jahr mit dem Tod" ich hier schon vorgestellt habe, außerdem ist die Kinder-und-Jugendbuch-Autorin und auf Jugendliche spezialisierte Trauerbegleiterin Ayse Bosse mit dabei, um ihr neues Mitmach-Buch "Einfach so weg" auf der Messe vorzustellen. Und, zuguterletzt (also jedenfalls heute und hier in diesem Blogbeitrag), auch der Berliner Revoluzzer-Bestatter und Ex-Musikmanager Eric Wrede wird aus dem hier ebenfalls bereits vorgestellten Buch "The End" vorlesen. Gibt also viel zu hören und zu erleben. Und, klar, ich wusel da auch wieder irgendwo rum, mal hier, mal dort, meistens mit Kamera und Block, so als bloggender Berichterstatter. Mein Buch signier ich dann auch gern. Sehen wir uns also in Bremen, ja? ;-)

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Außerdem bietet Achenbach Vorträge und Seminare zum Thema Trauer oder zum Umgang mit Trauernden an. Mehr Infos gibt es hier.

Alle aktuellen Termine, Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare etc. mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Den Blog zum Anhören als Podcast - bitte hier klicken für die aktuelle Episode aus dem Trauer-ist-Leben-Podcast...

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde in einer Verlustkrise alles so tun und warum einem das nicht peinlich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link

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