Sonntag, 19. Juli 2020

Warum wir immer wieder über den Suizid reden sollten: Was kann ich tun, wenn jemand sich umbringen will und was kann ich für mich tun, wenn ein Mensch sich tatsächlich das Leben genommen hat? - Die wichtigsten Fakten und Fragen rund um das Thema Suizid

Osnabrück - Können wir mehr Suizide verhindern? Ja, ich glaube, wir könnten das. Wenn wir es schafften, dieses Thema aus der Tabuzone herauszuholen. Es ist nicht hilfreich, sondern schädlich, ein Tabu aus diesem Thema zu machen! Die deutsche Regierung hat das erkannt und bastelt an der Nationalen Suizidprävention. Jedes Jahr am 10. September ist der "Welttag der Suizidprävention". Für mich selbst ist das Thema jedoch an einem ganz anderen Tag präsent: Genau an meinem Geburtstag, am 20. Juli, hat sich der Sänger Chester Bennington von "Linkin Park" vor einigen Jahren das Leben genommen. Bennington ist für die Musikwelt und für Rockfans jetzt das, was Robert Enke für den Fußball ist: Eine Ikone, dessen Tat uns alle dazu anregen sollte, noch viel mehr über den Suizid zu reden, zu wissen und zu entdecken, um vielleicht weitere verhindern zu können. Anlass genug für ein paar wichtige Fakten über den Suizid - und einen persönlichen Herzenswunsch.

Bevor wir loslegen, das ist mir ganz wichtig: Wenn Du zu den Menschen gehörst, die trotz allem, was sie versucht haben, nicht verhindern konnten, dass sich ein Mensch das Leben genommen hat, dann kann ich total verstehen, dass Du Dich vielleicht in einer totalen Ausnahmesituation befindest. Ich könnte mir vorstellen, dass Du Dich mit enormen Schuldgefühlen und Vorwürfen herumplagst. Versuch Dir das Leben nicht ganz so schwer zu machen: Es ist fast immer die Krankheit (= die Depression, die Verzweiflung), die Menschen dazu bringt, sich das Leben zu nehmen. Und dieser Trieb, dieser Wunsch, kann so viel stärker sein als du es jemals sein konntest, das kann sein, das wird immer wieder so sein, trotz allem, was wir im Folgenden besprechen werden, leider, leider, leider! Und eines darfst Du mir glauben: Du bist nicht alleine. Es gibt so viele Menschen, denen es so geht wie Dir, frag alleine mal die Angehörigen um Suizid, die gibt es bestimmt auch in Deiner Region (wenn es Dir so gehen sollte, findest Du vielleicht in diesem Artikel oder in diesem Artikel auf meinen Blog Impulse für Dich...).

So oder so - ob Du zu denen gehörst, die es schon erleben mussten oder zu denen, denen es bislang erspart geblieben ist: Es gibt so viel Wichtiges zu wissen über das Thema Suizid. Für alle. Für uns als Gesellschaft. Darum soll es nun gehen (ebenfalls passend zum Thema: "In meinem Mann muss es unvorstellbar dunkel gewesen sein", eine junge Frau berichtet in meinem Podcast vom Suizid ihres Mannes)... 

Suizid ist keinesfalls ein Rand- oder Nischenthema


Das Wichtigste vorweg: Der Suizid kommt viel, viel, viel häufiger vor als man so denkt. Er ist nicht etwa ein Rand- und Nischenthema, sondern, schon rein statistisch gesehen, eine der allerhäufigsten Todesursachen - in Deutschland und in der ganzen Welt. Rund 9400 Menschen haben sich in Deutschland im Jahr 2018 "erfolgreich" das Leben genommen, ein hässliches Wort in diesem Zusammenhang, aber die Dunkelziffer der Versuche ist enorm hoch. Experten gehen davon aus, dass sich alle fünf Minuten jemand in Deutschland das Leben zu nehmen versucht. 


Mehr Tote durch Suizid als durch Unfälle


Die Zahlenangaben stammen vom Nationalen Suizidpräventionsprogramm, einem Netzwerk, in dem rund 90 Insititutionen zusammengeschlossen sind (sie finden sich auch bei der Initiative "Freunde für das Leben"). In Deutschland sterben damit genausoviele Menschen durch einen Suizid wie durch Verkehrsunfälle plus Drogenmissbrauch plus Gewaltakte plus Aids zusammengenommen, heißt es dort weiter. Auch in den verschiedensten Trauergruppen, die ich habe leiten und begleiten dürfen, war der Suizid immer wieder Thema. Eine Selbstanklage wie "Ich hätte es doch sehen müssen!" ist da keine Seltenheit.

(Alle Fotos, soweit nicht anders gekennzeichnet: Thomas Achenbach)


Und doch halten sich, was das Thema Suizid angeht, immer noch allerlei Vermutungen und allerlei behauptete Fakten, die längst widerlegt sind und sich als falsch herausgestellt haben (Achtung: diese hier richten sich jetzt vor allem an die Menschen, die noch nicht erleben mussten, dass sich jemand das Leben genommen hat - weiter unten in diesem Text finden all jene Betroffenen auch Impulse und Anregungen für sich...!):  

Falsch ist: 
Ich darf einen Menschen auf keinen Fall darauf ansprechen, das birgt Gefahren

Falsch ist: 
Wer über einen Suizid redet, der wird sich automatisch auch das Leben nehmen

Falsch ist: 
Wenn ich jemanden auf meine Vermutung anspreche, treibe ich ihn in den Tod

Falsch ist: 
Wenn Du selbst dran denkst, es zu tun, gibt es für Dich keine Hilfe mehr (doch!)

Falsch ist: 
Wessen Depressionen so hart sind, dass er daran denkt, ist nicht behandelbar

Falsch ist: 
Wer an einen Suizid denkt, der will unbedingt sterben !

Falsch ist: 
Wer sich einen Suizid vorgenommen hat, ist nicht mehr davon abzubringen

Diesen letzten Satz möchte ich gerne noch einmal wiederholen, weil er mir so wichtig ist. "Falsch ist: Wer sich einen Suizid vorgenommen hat, ist nicht mehr davon abzubringen". Es gibt im Grunde zwei Sorten von Suizidwilligen: Diejenigen, die den Gedanken lange mit sich herumtragen, die ihren Suizid regelrecht planen - bei ihnen ist es zugegebenermaßen besonders schwer, sie davon abzubringen, auch wenn wir davon ausgehen, dass es die Krankheit ist (= Depression), die aus ihnen spricht, und nicht der Menschen dahinter. Und es gibt die Affekthandlungen, die aus einem akuten Anfall von Verzweiflung resultieren. 


Ängste, Verzweiflung, Kündigungen - und, und, und....


Deswegen kann es so wichtig sein, darüber zu reden.  Manchmal ist es alleine eine alles überflutende Verzweiflung, die einen Menschen dazu verleitet, mit dem Gedanken an einen Suizid zu liebäugeln, zum Beispiel der Verlust eines Arbeitsplatzes, der Verlust eines anderen Menschen, eine schwere Krankheit (oder die Angst davor) oder die Angst vor finanziellen Verlusten, beispielsweise. Gelegentlich kommen auch die Angst vor Einsamkeit oder der Verlust von Körperfunktionen als Motive vor. Meistens sind es jedoch Depressionen, die zu einem Suizid führen. Diese sind, ebenso wie temporäre Zustände einer großen Verzweiflung, durchaus behandelbar. Wenn...




Ja, wenn sie rechtzeitig erkannt werden und die richtigen Schritte eingeleitet werden können. Deswegen haben sich die Angehörigen um den Fußballer Robert Enke, der im November 2009 vor einen fahrenden Zug gesprungen ist, zur Aufgabe gemacht, mit der Robert-Enke-Stiftung über Depressionen aufzuklären und mögliche Behandlungsmethoden zu unterstützen. Und auch die Witwe von Chester Bennington, Talinda, macht immer wieder mit Aktionen auf das Thema aufmerksam - denn bei Chester Bennington war bekannt, dass er sein ganzes Leben lang an Depressionen gelitten hat. 


Theresa Enke: "Es wird immer wichtiger, darüber zu sprechen!"


Die Witwe von Robert Enke, seine Frau Theresa, sagt deswegen auch: „Für Menschen mit Depressionen und die Aufklärung über die Krankheit kämpfe ich jetzt schon seit über zehn Jahren. Es ist mein Eindruck, dass es immer wichtiger wird, über das Thema zu sprechen. Und diese Wichtigkeit erkennen mehr und mehr Menschen."


Robert Enke mit seiner Tochter Lara - sie starb im September 2006 mit zwei Jahren an einem Herzfehler, der Fußballer nahm sich 2009 sein Leben (Foto: Udo Wegner/Robert-Enke-Stiftung, mit freundlicher Genehmigung)

Ich bin mir aber auch bewusst, was ein solcher Satz wie "Wer sich einen Suizid vorgenommen hat, der ist vielleicht noch davon abzubringen" bei all jenen Angehörigen an zusätzlichem Schmerz auslösen kann, die einen Menschen durch Suizid verloren haben - und wer eine Ahnung davon haben möchte, wie heftig dieser Schmerz werden kann, dem sei der sehr sehenswerte Spielfilm "Der letzte schöne Tag" ans Herz gelegt (hier geht es zu meiner Rezension dieses Films). Eines der größten und immer wiederkehrenden Themen ist die Schuld. Aber das ist ein anderes, wenn auch sehr wichtiges, Thema, dem ich an anderer Stelle einen Beitrag auf diesem Blog gewidmet habe. Zurück zum Suizid.  

Jeder dritte Notarzteinsatz in Deutschland ist ein Suizid


Hier sind noch mehr wichtige Fakten zum Thema Suizid, über die wir reden sollten - und die uns zeigen, warum es so wichtig ist, dass bei diesem Thema ganz viele Menschen aufgeklärt sind und aufgeklärt bleiben über die Möglichkeiten: 

- Alle 53 Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch durch einen Suizid
- Das sind jedoch nur jene, bei denen tatsächlich auch der Tod eingetreten ist
- Experten gehen davon aus, dass alle fünf Minuten jemand einen Suizid versucht
- Es gibt jedes Jahr rund 100000 Suizidversuche in Deutschland
- Nochmal, als Wort: Einhunderttausend, jedes Jahr.
- Jeder dritte Notarzteinsatz in Deutschland ist wegen eines Suizidversuchs nötig
- Es gibt bei uns jedes Jahr rund 800 so genannte Schienensuizide 
- Das sind mehr als 2 Schienensuizide pro Tag
- Nur 35 Prozent der von Depressionen Betroffenen suchen professionelle Hilfe

(All diese Fakten und mehr finden sich z. B. beim Bundesverband Verwaiste Eltern)

Oder anders gesagt: Es handelt sich nicht etwa um ein Tabuthema, sondern schlicht um beschissenen Alltag. Sterbensalltag, wenn Du so willst. Aber anders als bei Unfällen: Um ein Sterben, das hätte verhindert werden können. Und genau deswegen finde ich es so wichtig, den Fokus umzudrehen, ausnahmsweise einmal weg von der Trauer und der Betroffenheit - so wie es auch die Stiftungen rund um Teresa Enke und Talinda Bennington getan haben - und stattdessen die Frage zu beleuchten: Wie können wir erkennen, ob sich jemand das Leben nehmen möchte oder nicht? Was können wir dann tun?




Richtig ist: Ja, es gibt Anzeichen. Richtig ist aber auch: Sie sind nicht immer leicht zu erkennen. Und was das Gemeinste ist im Kontext von Suizid: Ganz oft werden die Menschen, die sich wirklich das Leben nehmen wollen, in den letzten Stunden oder Tagen vor ihrer Tat ganz ruhig und ganz gelassen. Weil sie jetzt genau wissen, dass sie es tun werden und wie und wann. Nur dass das nach außen hin einen ganz anderen Eindruck macht. Dann denken sich die sie begleitenden Menschen und Angehörigen, die sich vorher so große Sorgen gemacht haben: Ach, die Verzweiflung ist ja offenbar nicht mehr so groß, es ist ja vielleicht doch alles wieder in Ordnung... Und dann trifft es sie umso härter, wenn sie vom Tod erfahren müssen. Das ist brutal. Was aber wenigstens genauso gemein ist: 

Sich verantwortlich zu fühlen für andere ist Überforderung!


Man kann suizidgefährdeten Menschen tatsächlich nur dann helfen, wenn sie auch bereit sind, sich auf diese Hilfe einzulassen, es ist aber trotzdem enorm wichtig, es zu versuchen. Ganz wichtig ist jedenfalls, die Menschen darauf anzusprechen und ihnen zu vermitteln, dass es viele Anlaufstellen und Telefonhotlines gibt, die für Suizidwillige zum Gespräch bereitstehen können, mit Menschen, die speziell dafür geschult worden sind und die das auch schon öfter gemacht haben (Telefon 0800/111-0-111  oder Telefon 0800/111-0-222, beide sind aus dem Festnetz kostenlos!) und dass es viele andere Möglichkeiten gibt, sich professionell helfen zu lassen. Auch in der Akutsituation, übrigens. 

Es gibt Warnsignale, aber wie erkennen wir sie?


Die Warnsignale sind allerdings nicht immer als solche zu erkennen, sie zeigen sich nicht so eindeutig, wie sie sich lesen. Zu den Signalen könnten, aber müssen auch nicht, diese folgenden gehören: 

- Sozialer Rückzug vor Freunden, Familie, Kollegen, das Vermeiden von Kontakt
- Aggressives Verhalten, gesteigerte Wut oder Impulslosigkeit ("männliche Depression")
- Gesteigerter Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol, Drogen, Zigaretten etc.
- Leichte Reizbarkeit
- Erhöhte/ständige Müdigkeit oder das Gegenteil davon: Rastlosigkeit, Hyperaktivität 
- Ein allgemeiner Interessenverlust an geschätzten Gegenständen/Gewohnheiten etc.
- Stark veränderte Essens-/Schlaf- oder Alltagsgewohnheiten
- Die betroffene Person macht einen "dumpfen" Eindruck, wirkt teilnahmslos/er
- Die allgemeinen Leistungen in Beruf, Schule oder im Alltag werden schlechter 
- Humor, Empathie und die allgemeine Lebenslust scheinen abgesunken zu sein
- Entscheidungen zu treffen fällt der betroffenen Person schwerer
- Es gibt Äußerungen, die auf Gefühle von Wertlosigkeit/Hoffnungslosigkeit hindeuten
- Es hat zuvor eine Trennung gegeben, die den Betroffenen stark mitgenommen hat
- Wenn jemand anfängt, auffallend viel Tabletten oder andere Medikamente zu kaufen
- Massivstes Alarmzeichen: Wenn jemand von einem Plan spricht, wie er es tun will

Und übrigens, wie ich es für mein Buch "Männer trauern anders" recherchiert habe: 75 % der Menschen, deren Suizidversuch tatsächlich mit dem Tod endet, sind männlich.

Aber was kann man dann tun? 

Das Wichtigste ist, erstens, dass Du den Menschen davon erzählst, dass es Hilfe gibt, auch wenn sie darauf eigentlich immer ablehnend reagieren. Das gehört dazu, das macht nichts, bleib trotzdem dran, erwarte keine Wunder, aber versuch trotzdem Zuversicht zu vermitteln. Erzähl diesen Menschen, dass es professionelle Hotlines gibt, betrieben von Menschen, die genau dafür ausgebildet worden sind, mit Menschen zu sprechen, die sich das Leben nehmen wollen. Das Zweitwichtigste ist aber auch, dass Du Du für Dich selbst und für Deinen inneren Schutz sorgst - sich plötzlich in einer Situation zu befinden, in der man sich für das Leben eines anderen Menschen (quasi) verantwortlich fühlen muss, ist eine massive Überforderung. Das fühlt sich scheiße an. Je besschissener, desto mehr Hilfe könntest Du (später) selbst in Anspruch nehmen, auch dafür gibt es Angebote. 


Und ebenfalls ganz wichtig, drittens: Wenn Du das Gefühl hast, es ist wirklich eine Gefahr im Verzug, eine aktuelle und akute, dann kannst Du jederzeit einfach die 112 anrufen! Das geht von jedem Handy, in der Regel auch ohne Karte. Oder Du bringst den betroffenen Menschen selbst zu einem Arzt oder in ein psychiatrisch/psychologisches Krankenhaus, das ist dort absolut nicht ungewöhnlich und man wird Euch dort helfen können. 

Hättest also Chester Benningtons Suizid verhindert werden können? Oder: Hättest Du den Suizid, den Du vielleicht erleben musstest, irgendwie verhindern können? Sagen wir es mal so: Selbst wenn es vielleicht sogar eine Chance dafür gegeben hätte, wäre sie klein gewesen, sehr klein, und hätte rechtzeitig erkannt werden müssen. Im Rückblick ist das immer sehr viel leichter. Aber bleiben wir einmal bei Chester Bennington: Wenn wir heute seine Songtexte lesen, all diese wütenden, gleichsam anklagenden wie in sich gekehrten Texte, die Tausende von Fans mit ihm gemeinsam rausgebrüllt haben bei jedem Konzert, Texte, die so voller Verzweiflung sind und voller Wut - ja, dann hätten wir das vielleicht schon eher erkennen können. Wir alle, irgendwie. Ganz besonders bei einem seiner letzten Lieder: One More Light.

"One More Light" ist auch einem Suizidianten gewidmet


Veröffentlicht am 19. Mai 2017, kam das gleichnamige Album von Linkin Park genau einen Tag nach dem Suizid eines ebenfalls sehr berühmten Sängers auf den Markt, nämlich Chris Cornell von Soundgarden. Der wiederum war einer der besten Freunde Chester Benningtons, der unter dem Tod seines Freundes massiv gelitten hat. Bei einem Auftritt für die TV-Show "Jimmy Kimmel" ist zu erleben, wie Linkin Park dieses Lied, "One More Light", singen und es zu Beginn dem frisch gestorbenen Chris Cornell widmen - kurz vor Ende des Songs bricht Chester Bennington die Stimme, aber er fängt sich gerade noch rechtzeitig und macht weiter. In dem Lied, einer hymnischen Pop-Ballade, die zu Herzen gehen kann, heißt es, ins Deutsche übersetzt: "Wer macht sich schon was draus, wenn ein weiteres Licht ausgeht, in diesem riesigen Himmel voller Millionen Sterne?" Und später dann: "Ich mache mir was draus!" (Who cares if one more light goes out, in a sky of a million stars... - well, i do...).

Nur zwei Monate später nahm Chester Bennington sich das Leben. Genauso wie es sein bester Freund getan hatte: Indem er sich erhängte. Seiner eigenen Liedzeile hat er nicht mehr glauben können. Die Botschaft, dass das Verlöschen dieses Lichts, seines Lebenslichts, irgendjemandem etwas bedeuten könnte, hat ihn seelisch nicht mehr erreichen können. Aber es bedeutete den Menschen etwas. Und nicht bloß einem. 

Sondern tausenden.

Jedes Jahr am 20. Juli: Chester Benningtons Todestag. Mein Geburtstag. Und mein Herzenswunsch an alle: Redet darüber, redet darüber.

Redet darüber.

Wichtig: Wer tatsächlich an einen Suizid denkt und diese Gedanken nicht loswird, findet kostenlose und anonyme Hilfe z.B. bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110111 - oder als E-Mail-Beratung über die Internetseite www.telefonseelsorge.de

Mehr Informationen: Was der Suizid eines Menschen alles mit den Hinterbliebenen machen kann, dazu findest Du sieben Impulse in einem weiteren Artikel auf meinem Blog - Thema: Trauer und Gefühle nach einem Suizid.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer und Schuldgefühle gehören zusammen - warum sich so viele Trauernde nach dem Tod eines Menschen schuldig fühlen

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum müssen Urnen überhaupt beerdigt werden? Wie kam es dazu? Und: Ist das noch sinnvoll? Alles zum Friedhofszwang & Co. 

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie uns die Trauer vor Aufgaben stellt und was das für den Trauerprozess bedeuten kann - über die "Aufgaben der Trauer"

Ebenfalls auf diesem Blog: Entrümpeln, Ausmisten und Aufräumen nach dem Tod eines Menschen - was mache ich damit und warum ist das so hart?

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Trick mit der Selbstwirksamkeit - wie wir uns selbst gut in seelischen Krisen helfen können: psychologische Tipps

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich Trauernde förmlich zerrissen fühlen  - eine Einführung in das "Duale Prozessmodell der Trauer" und seine Fallstricke

Ebenfalls auf diesem Blog: Was muss ich machen, wenn ich wegen Trauer krankgeschrieben werden möchte? Geht das überhaupt und wenn ja, wie denn?

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich ein Suizid viel öfter verhindern ließe als wir das glauben und warum es so wichtig ist, immer wieder darüber zu reden

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und Trauer - was Menschen in einer Verlustkrise hilft, was man Trauernden sagen kann 

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Dienstag, 14. Juli 2020

Warum ich gerade einen Trauerfilm nach dem nächsten anschaue und warum ich mich so sehr freue, dass ich nächstes Jahr zwei neue Seminarthemen erstmals auch öffentlich anbieten kann ("Trauer & Musik" sowie "Trauer & Texte") - ein Newsletter für den Sommer 2020

Osnabrück Im kommenden Jahr darf ich erstmals zwei Seminare bzw. Workshops bei einem öffentlichen Anbieter gestalten, die ich bislang nur als interne Veranstaltungen für Haupt- und Ehrenamtliche in Hospizgruppen durchgeführt hatte - und die dort jeweils ganz gut angekommen waren. Jetzt freue ich mich auf die Öffnung für die allgemeine Öffentlichkeit. Außerdem wühle ich mich gerade durch das reiche Angebot an Trauerfilmen, um aus diesen Erfahrungen ebenfalls etwas Neues zu stricken. Hier ist ein kleiner Newsletter aller aktuellen Entwicklungen im Sommer 2020.

Es ist jetzt schon über ein halbes Jahr her, dass ich meinen letzten Workshop gestalten durfte. Da ging es um das Thema Männer und Trauer und es war ein anregender Samstag mit Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen aus der Hospizarbeit, an den ich gerne zurückdenke. Dann kam das Coronavirus und alles stand auf Halt. Umso mehr freue ich mich darüber, dass ich aktuell wieder Anfragen für Vorträge und Seminare für das Jahr 2021 bekomme und noch einige bislang nicht abgesagte Veranstaltungen für den Herbst dieses Jahres im Kalender stehen habe - und ich freue mich darüber, dass wir alle, also die Anbieter und ich auch, ganz hoffnungsfroh davon ausgehen, dass diese Veranstaltungen auch wieder möglich sein werden. Denn was mir wirklich fehlt, sind die Workshops und die Seminare und der Kontakt zu den Teilnehmern. Die dadurch gewonnene Zeit habe ich allerdings schon in ein neues Projekt gesteckt


(Dieses und alle folgenden Fotos: Thomas Achenbach)

Und dabei geht es um Trauerfilme. Auf der Suche nach neuen Ideen und Themen für unsere Trauergruppe für Junge Erwachsene war mir die Idee gekommen, dort auch mal einen Film zu zeigen, um später drüber sprechen zu können. Oder vielleicht auch nur kurze Szenen aus einem Film - oder aus verschiedenen Filmen. Natürlich sollten es Filme mit Trauerbezug sein, ist ja klar. Und so stand die Frage im Raum: Welche Filme sind besonders geeignet dafür? Welche vielleicht weniger? Welche Filme sind sensibel genug - welche zu wuchtig? 



Auf der Suche nach geeignetem Material habe ich mir eine Liste an Filmen zusammenrecherchiert, die das Ansehen wert sein könnten. Und so entstand das Projekt Trauerfilme, das inzwischen bei seinem zweiten Schritt angekommen ist: Dem Angucken der Filme. Was ich mit den durch das Gucken gewonnenen Erfahrungen später anfangen möchte, ist unter anderem eine Serie an Artikeln und Filmtipps für diesen Blog, aber vielleicht auch eine Liste geeigneter Szenen für Trauergruppen. Außerdem wäre das Thema Trauerfilme ganz sicher ein eigenes Seminar wert. Womit wir zu meinen beiden neuen Seminarthemen kommen könnten, aber bevor wir das tun, möchte ich noch einen kurzen Zwischenstopp einlegen - und auf zwei weitere aktuelle Entwicklungen hinweisen, die mir am Herzen liegen.


Männer und Trauer - zum Beispiel bei gestorbenen Kindern


So habe ich einerseits einen Gastbeitrag für das Portal Bohana.de schreiben dürfen über ein meiner Meinung nach sehr wichtiges Thema, nämlich der Frage, wie die Männer beim Verlust eines Kindes reagieren und was für sie dann wichtig ist (zum Beitrag hier klicken). Oftmals sind es alleine die Mütter, die beim Verlust eines Kindes - vor allem bei der stillen Geburt eines Sternenkindes - im Fokus stehen und denen sich die Aufmerksamkeit zuwendet. Was es für die Männer nochmal besonders schwer macht, sind sie doch ohnehin von dem Gefühl geprägt, gerade jetzt funktionieren zu müssen. Ebenfalls um das Thema Männer und Trauer, aber etwas allgemeiner, ging es bei einem Interview, das ich dem Podcast "Ende gut" geben durfte und das kürzlich online veröffentlicht worden ist. Soweit der kurze Exkurs.



Was die in 2021 neu dazukommenden Seminare angeht, sind mir beide ganz besonders wichtig, weil es sich jeweils um meine persönlichen Herzensthemen handelt. Beide werden bei der neu gegründeten Hospizakademie in Osnabrück in das Jahresprogramm aufgenommen, was für mich den unschlagbaren Vorteil hat, dass ich einmal nicht reisen muss, um ein Seminar anzubieten (ich wohne in Osnabrück). Worum es genau gehen wird, lässt sich aus den beiden unten angefügten Textvorschlägen ersehen, die ich der Hospizakademie ebenfalls mitgeschickt hatte:

1.) Seminar „Trauer und Texte“  

Zuhören, lesen, entdecken und hineinfühlen

Ist geplant für: Samstag, 29. Mai 2021, 10 bis 17 Uhr 
Wo: In der Hospizakademie in Osnabrück (Johannisfreiheit 7)
Informationen und Anmeldung: Telefon 0541/350550 oder über die Website

Trauer ist ein oft unverstandenes Gefühl, das kaum jemand richtig einordnen kann. „Jetzt muss es auch mal gut sein“, bekommen Menschen in so einer Situation allzu rasch zu hören. Dass dem nicht so sein muss – und wie vielfältig sich Trauer anfühlen und ausdrücken kann - belegen vielerlei Texte: Ob in der „großen“ Literatur wie bei Joan Didion oder Julian Barnes, ob in aufgeschriebenen Berichten von Jugendlichen oder in persönlichen Erzählungen von Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise, das Textmaterial ist reichhaltig und vielfältig. Gemeinsam begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise, die ebenso anregend wie abwechslungsreich sein soll, hören Geschichten, sprechen über das Gehörte, lesen auch mal leise für uns, gehen in den Austausch.


2.) Seminar „Trauer und Musik“ 


Zum Eintauchen und Einfühlen, kombiniert mit Texten & Impulsen: 
Von Mozarts Requiem über Pink Floyd bis zu Wir sind Helden

Ist geplant für: Samstag, 25. September 2021, 10 bis 17 Uhr 
Wo: In der Hospizakademie in Osnabrück (Johannisfreiheit 7)
Informationen und Anmeldung: Telefon 0541/350550 oder über die Website

Musik kann ausdrücken, was unsagbar ist. Musik kann in Bewegung bringen, was verborgen gewesen ist. Musik kann anrühren, was in der Seele schwingt. Musik und Trauer gehören unmittelbar zusammen. Dieses Seminar soll das Eintauchen in ausgewählte Musik ermöglichen – kombiniert mit dazu passenden Texten und konkreten Erlebnissen von Menschen aller Art, erkunden wir auf diese Art und Weise die Vielfalt der Gefühle und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten, aber auch ihre Tiefe. Klassische Musik steht dabei ebenso auf dem Programm wie Rockmusik – und auch mal ein Gitarrenriff. Gemeinsam dürfen wir uns berühren lassen – und im Kontrastprogramm dazu auch mal in die Stille gehen.


Ab Ende Juli Sommerpause - in ein paar Wochen mehr


Einen Blogbeitrag gibt es noch in den kommenden Wochen, bevor ich mich dann für den Monat August in die Blogger-Sommerpause verabschiede. An dieser Stelle wünsche ich aber jetzt schon einmal allen Leserinnen und Lesern eine gute Zeit, einen guten Sommer - und ein hoffentlich baldiges Wiedersehen und Wiederlesen ab Anfang September.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich Trauernde förmlich zerrissen fühlen müssen - eine Einführung in das "Duale Prozessmodell der Trauer" und seine Fallstricke

Ebenfalls auf diesem Blog: Gibt es so etwas wie Leichengift? Und stimmt es, dass die Nägel von Toten noch lange weiterwachsen? Ein paar Antworten auf sechs große Fragen

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie eine Familie den Geburtstag der gestorbenen Tochter jedes Jahr als Abschieds- und Lebensfest gestaltet und warum das Mut machen kann

Ebenfalls auf diesem Blog: Darf ich einen Menschen in Trauer eigentlich auf seinen Trauerfall ansprechen oder mache ich damit alles nur noch schlimmer? Ein paar Tipps...

Ebenfalls auf diesem Blog: 27 gute Rituale für eine Trauerfeier - wie sich eine Gedenkfeier so gestalten lässt, das sie den Angehörigen/Trauenden gut tun kann

Ebenfalls auf diesem Blog: Was muss ich machen, wenn ich wegen Trauer krankgeschrieben werden möchte? Geht das überhaupt und wenn ja, wie denn?

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

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Samstag, 4. Juli 2020

27 gute Rituale für eine moderne Trauerfeier: Wie kann ich eine gute Gedenkfeier für einen gestorbenen Menschen organisieren - was brauche ich dafür? Impulse, Anregungen und Ideen für die Gestaltung von Trauerfeiern, die auch den Angehörigen gut tun können - zahlreiche schöne Rituale für eine Beerdigung

Osnabrück - Was für eine schöne Idee: Aus dem Heimatort des gestorbenen Menschen, aus dem dieser schon lange fortgezogen war, hatte einer der Trauergäste etwas Erde mitgebracht. Heimaterde, sozusagen. Und diese wurde dann ebenfalls in das Grab des Mannes geworfen. Ein schönes Ritual - da muss man aber erstmal drauf kommen. Und das in der gewaltigen Überforderung nach einem Trauerfall? Wer kann das schon? Keine Frage: Eine Trauerfeier organisieren zu müssen, das kann eine herausfordernde Aufgabe sein - meistens stellt die Gedenkfeier für die Menschen, die sie organisieren müssen, so eine Art "Großes Schwarzes Loch" dar, weil der gestorbene Mensch in der Regel keine Wünsche oder Verfügungen für die Feier hinterlassen hat. In den seltensten Fällen haben sich Menschen vorher mal darüber unterhalten, wie sie sich ihre eigene Trauerfeier vorstellen würden. Aber wie könnte das Programm einer Trauerfeier aussehen? Was gäbe es für Ideen für Rituale oder für die konkrete Ausgestaltung? Was muss man alles beachten?  

Ich habe also mal alles zusammengesammelt, was mir zum Thema Trauerfeier so eingefallen ist. Neue und alte Rituale, von denen mir Menschen erzählt haben, weil sie ihnen gut getan hat. Impulse und Ideen und ein paar Gedankenanregungen, die bei der Gestaltung einer Trauerfeier helfen können. Natürlich lässt sich eine solche Aufgabe - also das Gestalten dieser Feier - auch an einen Menschen übertragen, der sich damit auskennt, weil er es professionell macht, also zum Beispiel einen Geistlichen, einen freien Trauerrender oder einen Ritualgestalter. Aber je mehr sich die Angehörigen, die besten Freunde oder einige der Gäste in die Gestaltung mit einbringen können, umso persönlicher wird diese Gedenkfeier - umso besser wird der gestorbene Mensch in dieser Feier sichtbar. Deswegen wäre mein Tipp: Baut Euch am besten eine Feier, wie sie Euch gut tut, als Allererstes. Zu weiteren Leitlinien für eine gute Trauerfeier kommen wir später noch.


Eine Trauerhalle aus Lego zum Spielen? Der niederländische Trauerpädagoge Richard Hattink bietet unter www.funeraltoys.com unter anderem dieses Spielset an , das ich auf der Messe Leben und Tod fotografert habe - die Idee dabei ist, mit Kindern spielerisch über schwierige Ereignisse rund um Beerdigungen und Trauerfeiern ins Gespräch kommen zu können (Alle Fotos Thomas Achenbach).


Viele fragen sich: Muss eine Trauerfeier überhaupt sein? Geht es nicht auch ohne? Hierbei gilt es zu bedenken: Die Trauerfeier ist die letzte Möglichkeit, einen Abschied ganz bewusst zu gestalten. Das kann gut tun, auch bei Familien oder bei Freunden, bei denen nicht alles ganz harmonisch gewesen ist - so ließe sich zum Beispiel, wenn man das möchte, ein Verzeihenritual mit in die Feier einbeziehen. Diese Feier kann zudem ein wichtiger erster Schritt sein für den eigenen Trauerweg, der bei jedem anders sein wird. Und schließlich muss man auch eines sagen: Es gehört sich einfach so, dass eine Trauerfeier gestaltet wird. Ein jedes Leben sollte an seinem Ende eine Würdigung erfahren dürfen, das macht unser Leben hier auf dieser Erde ein bisschen lebenswerter - für uns alle. Bevor wir aber mit dem Leitfaden für eine Trauerfeier beginnen, gilt es, ein paar Vorabfragen zu klären. Nämlich diese:

Vorab: Ein paar Grundsatzfragen, die man sich stellen sollte


- Soll der gestorbene Mensch lieber verbrannt oder klassisch beerdigt werden?
- Bei einer Kremation (dem Verbrennen) kann man evtl. zwei Trauerfeiern organisieren
- Zum Beispiel so: Öffentliche Trauerfeier am Sarg / Urnenbeisetzung im kleinen Kreis   
- Soll der gestorbene Mensch auf dem Friedhof oder in einem Wald beigesetzt sein?
- Soll der Sarg gemeinsam bemalt werden als gemeinschaftliche Aktion?
- Den Sarg eventuell sogar gemeinsam bauen als Gemeinschaftsaktion?
- Den Toten aufbahren, z. B. in einem Abschiedsraum, und Totenwachen organisieren  
- Auch Urnen gibt es übrigens zum Selbst-Gestalten bzw. mit Bastel-Einlage-Option
- Im Falle einer Urnenbestattung: Wer soll die Urne zum Grab tragen dürfen?

Und damit zur eigentlichen Trauerfeier: 

1. Der Ort: Eine Trauerfeier muss nicht auf dem Friedhof stattfinden


Manche Bestatter bieten z. B. eigene Trauerhallen für die Feiern an, die dann oftmals mit moderner Technik ausgestattet sind. Das kann unter Umständen sinnvoll sein, wenn man sich dafür entscheidet, beispielsweise eine Powerpoint-Diaschau oder eine Art Form von digitaler Präsentation einzusetzen. Hierbei geraten die öffentlichen Trauerhallen auf Friedhöfen sehr schnell an ihre Grenzen. Manchmal sind jedoch ganz andere Orte viel passender, um dem gestorbenen Menschen gerecht zu werden. In einem seiner Vorträge erzählte der moderne Bestatter David Roth beispielsweise von einer Trauerfeier, die in einem Pferdestall stattgefunden hatte, weil das gestorbene Mädchen ein absoluter Pferdeliebhaber gewesen war. Dementsprechend gehörten zu den Teilnehmern der Feier dann auch - ein paar Pferde. Das passte viel besser zu dem Mädchen. Oder ein anderes Beispiel: Anstelle einer Trauerfeier für einen alten Mann unternahmen die Trauergäste einfach einen Spaziergang in Stille zu seinem persönlichen Lieblingsort, einen See. Dort ließen sie dann Papierboote ins Wasser. Eine externe Feier muss manchmal vorab durch die Friedhofsverwaltung genehmigt werden, je nachdem, wie und wann die dann folgende Beisetzung geplant ist, aber sie kann manchmal besser zu den gestorbenen Menschen passen als eine ganz klassisch durchgezogene Trauerfeier. 

2. Die Ausrichtung: Kirchlich oder weltlich, mit wieviel Tradition darin?


Schon lange ist die Gestaltung einer Trauerfeier nicht mehr alleine in der Hand kirchlicher Kräfte, sondern es gibt viele freie Ritualgestalter und freie Trauerredner, die das ebenfalls übernehmen können. In der Gestaltung einer Trauerfeier gibt es kaum noch Grenzen, bis auf eine: Die Zeit. In seinem Buch "The End" beschreibt der moderne Bestatter Eric Wrede aus Berlin das Problem, das den meisten Trauerfeiern nur ein Zeitfensterchen von 20 Minuten zugestanden wird, während die Gäste für die folgende Trauerfeier draußen schon mit den Hufen scharren. Das ist tatsächlich oft ein Problem. Deswegen kann es eine gute Idee sein, gleich zwei Trauerfeier-Zeitfenster hintereinander zu buchen, um mehr Zeit zu gewinnen - was natürlich auch das Doppelte an Raummiete kosten wird.


Trauerspielzeug des Niederländers Richard Hattink ("Funeraltoys"), fotografiert auf der Messe Leben und Tod (Foto: Thomas Achenbach)

Was aber die Inhalte der Feier angeht, so ist vieles möglich und denkbar, man muss sich schon lange nicht mehr an alte Traditionen halten, sondern kann sich eine Feier ausdenken, die modernen Ansprüchen gerecht wird. Meiner Meinung nach kann es hilfreich sein, sich bei der Gestaltung einer Trauerfeier an drei Leitgedanken zu orientieren: 

1.) Die Feier darf bzw. sollte den Hinterbliebenen gut tun und ihnen etwas geben 
2.) Zugleich darf bzw. kann der gestorbene Mensch in der Feier sichtbar werden
3.) Optimal ist es also, eine gute Brücke zwischen diesen beiden Polen zu bauen

Wenn der gestorbene Mensch zu seinen Lebzeiten ein sehr gläubiger Mensch gewesen ist, aber seine besten Freunde oder seine Angehörigen der Kirche eher kritisch gegenüberstehen, lässt sich zum Beispiel überlegen, ob die Trauerfeier sowohl aus kirchlichen als auch aus weltlichen Elementen besteht - damit sie beiden gerecht werden kann. Oftmals wird auch bei rein weltlichen Trauerfeiern zumindest ein "Vater unser" gesprochen, um die eher gläubigeren Gäste mit einzubeziehen. Wichtig ist jedenfalls, dass die Angehörigen sich mit dem Programm wohlfühlen können. Eine weitere Geschichte, die Eric Wrede in seinem Buch "The End" erzählt, ist beispielsweise die von einer eher improvisierten Trauerfeier eines plötzlich verstorbenen Fans von Progressive-Metal-Musik. Da haben dann alle Trauergäste in einem Stuhlkreis zusammengesessen und die teils recht schräge Lieblingsmusik des Verstorbenen gemeinsam angehört. Das war alles. Ist dem Menschen aber gerechter geworden als jede andere Form von Trauerfeier. Moderne Bestatter und Trauerbegleiter empfehlen ganz grundsätzlich, sich nicht an (überholten) Traditionen zu klammern, wenn diese einem selbst nichts bedeuten. Dafür wäre dieser wertvolle Moment zu schade. Warum nicht - zum Beispiel - einen Walzer oder eine Rumba am Ort der Trauerfeier tanzen, wenn der gestorbene Mensch gerne getanzt hat? Weil Tanz und Trauer nicht zusammengehören? Wer sagt das? Ist nicht beides irgendwie - Leben?

3. Rituale mit einplanen - vor und während der Trauerfeier 


Rituale sind wichtig - aus vielfachen Gründen. Zum Beispiel, weil sich mit kleinen Gesten schon ganz viel an Wirkung erreichen lässt. Oder weil sie uns dabei helfen, große und vielleicht irritierende Gefühle in einen Zusammenhang einzubetten. Manche Rituale beziehen alle Teilnehmer einer Feier mit ein und haben, wenn sie nachvollziehbar oder gut erklärt werden, eine die Gäste vereinende Wirkung. An Rituale denken wir oft lange zurück. Wenn wir uns an Trauerfeiern erinnern, sind es meistens die damit verbundenen Rituale, die uns als Erstes wieder einfallen: Das Werfen einer Rose in das offene Grab, beispielsweise. Und es gibt ganz viele gute Ideen für Rituale, die im Kontext einer Trauerfeier eingesetzt werden können. Wobei wir hier zwischen zwei wichtigen Zeiträumen unterscheiden müssen:

1.) Die eher intimeren Momente für die Angehörigen kurz vor der offiziellen Trauerfeier 
2.) Die offizielle und vermutlich von weiteren Gästen besuchte eigentliche Feier

Für beide Komponenten bieten sich jeweils Rituale an, von denen mir Menschen in einer Trauer- und Verlustsituation erzählt haben und die sie jeweils als hilfreich erlebt haben. 

Hier ist meine persönliche Sammlung an mögliche Ritualen - wobei man dazu eines sagen muss: auch wenn manche dieser Rituale in einer Phase akuter Einschränkungen wegen eines neuerlichen Corona-/Pandemie-Lockdowns nicht umsetzbar sein dürften, wäre dann zu überlegen, ob man beispielsweise die eigentliche Trauerfeier später nachholt, zum Beispiel gekoppelt an einen später stattfindenden "Trösterkaffee" (dazu später mehr). 


1.) Rituale für den Zeitraum kurz vor Beginn der eigentlichen Trauerfeier


  • # 1 - Den Sarg gemeinsam verschließen vor der Trauerfeier, das kann gut tun
  • # 2 - Etwas in den Sarg hineinlegen als Beigabe für diese letzte Reise (da geht viel)  
  • # 3 - Sich den toten Menschen nochmal gemeinsam ansehen, falls man das kann

2.) Rituale für den Inhalt/die Gestaltung der eigentlichen Trauerfeier


  • # 4 - Die Trauergäste bringen jeder eine Blume mit und legen sie in der Halle ab, z. B. vor dem Sarg oder an einer Fotowand oder ähnliches
  • # 5 - Die Trauergäste können Fußabdrücke von sich aus Papier mitbringen, die sie beschriftet haben
  • # 6 - Auf diesen Fußabdrücken notieren sie, welche persönlichen Spuren der Mensch hinterlassen hat
  • # 7 - Die Trauergäste sind zuvor ermuntert worden, ein gemeinsames Foto mit dem Verstorbenen mitzubringen
  • # 8 - Diese Fotos können an einer Wand gesammelt oder in ein Blankobuch eingeklebt werden, vielleicht mit eigenen Erinnerungen ergänzt
  • # 9 - Die Trauergäste bekommen Teelichter, diese dürfen sie anzünden und vorne hinstellen, so kann ein großes leuchtendes Symbol entstehen, z. B. in Herzform
  • # 10 - Ein selbst gestalteter Trauerschal kann über den Sarg gelegt werden, die Gestaltung dieses Schals kann vorab als gemeinsames Ritual angelegt sein
  • # 11 - Lebensmomente des gestorbenen Menschen können als Ausstellung gezeigt werden, diese kann auf dem Fußboden ausgelegt werden/es liegen Fotoalben aus
  • # 12 - Eine Fotowand erinnert an den Menschen, Zettel zum Beschriften liegen bereit, diese können mit eigenen Erinnerungen beschriftet werden (oder guten Wünschen)
  • # 13 - Ein Angehöriger oder enger Freund kann den Lebenslauf des Gestorbenen vorlesen oder wichtige Stationen kurz zusammenfassen
  • # 14 - Freunde oder Angehörige, die das können, führen während der Trauerfeier ein Musikstück auf
  • # 15 - Freunde oder Angehörige lesen während der Trauerfeier ein ausgesuchtes Gedicht oder Textstück vor
  • # 16 - Gegenstände, die zum Leben des gestorbenen Menschen passen, zur Deko verwenden
  • # 17 - Auf einem Monitor kann eine Fotoschau durchlaufen, die sich ständig wiederholt, oder es wird eine Präsentation in die Trauerfeier mit eingebaut
  • # 18 - „Was ich Dir noch sagen wollte“ – Gedanken dazu können auf Papier aufgeschrieben und gesammelt werden, Papier hierfür liegt bei der Feier aus
  • # 19 - Dies können entweder alle Trauergäste tun, die das gerne möchten, oder es kann auf einen Brief der Angehörigen beschränkt werden (der vorgelesen wird?)
  • # 20 - Dieses Papier kann dann während der Feier z. B. in den Sarg gelegt werden oder in einer Feuerschale verbrannt werden
  • # 21 - Gemeinsam Luftballons steigen lassen am Grab oder an dem Ort der Feier, das wird vor allem bei Kindern gern gemacht (In Flughafennähe - genehmigen lassen!)
  • # 22 - Eine "Klagemauer" aufzubauen ist auch eine Idee, bei der sich die Trauergäste beteiligen können, hierfür liegen Zettel zum Ausfüllen bereit, die an diese „Mauer“ (z.B. Pinnwand) angebracht werden können (das geht z. B. auch zuhause)
  • # 23 - Die Trauergäste bekommen eine Tüte Blumensamen mit als Geschenk zum späteren Einpflanzen/an den gestorbenen (An-) Denken
  • # 24 - Ein Tanz am Ort der Trauerfeier, sowas ist wie schon erwähnt auch gut – wenn es passt, zum Beispiel weil der Mensch gern Standard/Latein etc. getanzt hat... 
  • # 25 - Am Ort der Trauerfeier stehen Fingerfarbe und Reinigungstücher bereit, damit jeder der Trauergäste seinen Handabruck auf dem Sarg hinterlassen kann
  • # 26 - Auch schön: Anstatt einer Trauerfeier lässt sich in manchen Gegenden (z. B. in der Nähe von Hannover) ein Trauercafé mit dem Sarg dabei organisieren
  • # 27 - Und schließlich: Bei einer Beerdigung ist es meistens möglich, dass die Angehörigen, wenn sie das möchten, selbst das Grab zuschaufeln - das kann gut tun
Übrigens spricht auch nichts dagegen, den Gästen einer Trauerfeier ein Erinnerungsstück mitzugeben - bewährt dafür haben sich zum Beispiel Trauersteine, die z.B. in eine Hosen- oder Jackentasche passen. Gerne werden dafür glatt geschliffene Steine genommen, das muss aber nicht sein. Die Steine haben erstens eine besondere Symbolik, weil Steine so etwas wie Unvergänglichkeit und Unzerstörbarkeit symbolisieren, zweitens dienen sie als gelegentliche Erinnerung an die Trauerfeier und damit den gestorbenen Menschen. 


Trauerspielzeug des Niederländers Richard Hattink ("Funeraltoys"), fotografiert auf der Messe Leben und Tod (Foto: Thomas Achenbach)

Und schließlich, falls gewünscht/benötigt: Ein Ritual des Verzeihens 


Als besonderes Ritual ließe sich auch über eine angeleitete Form des Verzeihens nachdenken, von dem ich ebenfalls schon gehört habe. Bei schwierigen Lebensläufen, als problematisch erlebten Lebenssituationen oder allgemein  bei schwierigen Menschen fällt es den Angehörigen oder Freunden manchmal nicht leicht, einen guten Abschied nehmen zu können. Zum Beispiel, weil sie die Würde, die es dafür bräuchte, als durch andere Gefühle überdeckt erleben. Durch Wut, beispielsweise, durch Zorn, durch heftigere Erinnerungen an schwierige Situationen etc. Hierbei kann es hilfreich sein, auch diesen Gefühlen während in der Trauerfeier in Form eines Rituals einen sanften, aber verzeihenden Raum zu geben - immer auf angemessene Art und Weise und mit viel Würde, versteht sich, also nicht durch ein "Nachtreten" oder durch Äußerungen von Hass oder Zorn. 

Geschehen kann dies z. B. durch einen Augenblick der Stille oder durch ein bestimmtes Stück Musik, das hierfür genutzt wird. Der Trauerredner oder Ritualgestalter oder der Geistliche kann das entsprechend moderieren, zum Beispiel durch einen Satz wie diesen: "Während der nächsten Momente wollen wir uns im Verzeihen versuchen, in einem Verzeihen für alles, worüber wir zu Lebzeiten nicht haben sprechen können. Gleichsam wollen wir der Hoffnung nachspüren, dass der gestorbene Mensch in seinem Tod auch uns hat verzeihen können..." (dieser letzte Satz kann passend sein oder auch nicht, das kommt, wie alles, auf die Situation an). 


4. Die Trauerrede: Nichts Schlechtes sagen, aber gern Menschliches


Über Verstorbene soll man nichts Schlechtes sagen, so lautet eine alte Verhaltensregel, die sich sowohl an die Gäste einer Trauerfeier richtet als auch an diejenigen, die die offizelle Trauerrede halten. Aber bevor wir über den Inhalt einer Trauerrede sprechen können, müssen wir uns erst eine andere Frage stellen: Wer soll diese Trauerrede eigentlich halten - und soll es überhaupt eine geben? Denn auch für die Trauerrede gilt: Es ist kein Muss. Nur weil alle anderen diese Tradition pflegen, kann es auch andere Ideen geben - zum Beispiel einfach nur gemeinsames Musikhören. 

Ein Vorteil einer Trauerrede ist natürlich, dass der Fokus noch einmal auf dem Leben des verstorbenen Menschen liegen kann, dass sein Tun, seine Vorlieben und seine Prägungen spürbar und erlebbar werden können. Hier darf es auch gerne menschlich zugehen oder auch mal lustig, falls das passt. Ein guter Leitspruch für eine Trauerrede ist immer: Der gestorbene Mensch steht hier nicht vor Gericht, es muss nicht über ihn geurteilt werden. Selbst wenn es etwas Abgründiges zu erzählen gäbe, darf das gerne ausgeklammert oder allenfalls oberflächlich gestreift werden, weil die meisten Menschen vermutlich eh davon wissen. Bei einem Menschen, der ein Alkoholproblem hatte, kann dann beispielsweise von "der Krankheit" gesprochen werden - die es ja auch ist -, die das Leben manchmal schwer gemacht hat. Das reicht. Spätestens dann sollte aber wieder etwas Gutes folgen. Eine letzte Würde hat jedes Leben verdient - aber das hatten wir ja schon... 


Trauerspielzeug des niederländischen Pädagogen Richard Hattink ("Funeraltoys"), fotografiert auf der Messe Leben und Tod (Foto: Thomas Achenbach).

Vielleicht noch eine kleine Anmerkung zum "Wer hält die Rede"? Am eindrucksvollsten ist es natürlich immer, wenn direkte Angehörige oder Freunde selbst sich das zutrauen, aber weil es auch eine harte Aufgabe ist, bei der ein gewisses Maß an Professionalität und Erfahrung damit nicht schaden kann, sind freie Redner, Geistliche oder andere hierfür ausgebildete Profis oft eine ebenso gute oder vielleicht auch bessere Wahl.  

5. Die Musik: Auch Mitsingen, nur Anhören, wieviel, was genau?


Was die Auswahl der Musik angeht, gibt es eine zentrale Frage: Soll auch etwas von den Trauergästen mitgesungen werden? Ich selbst bin, da will ich ganz ehrlich sein, kein großer Freund von diesem offiziellen Singenmüssen, ich fühle mich da meist sehr unwohl bei, jedenfalls solange es nicht etwas von Pink Floyd ist (bei "Wish You Were Here" gröhle ich gerne mit, so schief wie es bei mir halt immer der Fall ist). Mir sind ansonsten Feiern viel lieber, bei denen die Musik rein passiv zu erleben ist - aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Und es zählt auch hier einzig und allein die Leitfrage, ob es zum gestorbenen Menschen passt oder nicht. Ist beispielsweise ein enthusiastisches Mitglied eines Männergesangvereins gestorben, wäre es vermutlich irritierend, wenn auf seiner Trauerfeier gerade nicht gesungen wird. 

Auch wenn die Trauergäste nicht mitsingen müssen, stellt sich die Frage, ob die Musik von Konserve kommen soll oder live aufgeführt werden soll? Inzwischen gibt es in manchen Städten auch Musiker, die sich unter anderem für Trauerfeiern spezialisiert haben. Oder es gibt unter den Angehörigen oder besten Freunden Musiker, die sich das zutrauen. Für mich wird unvergesslich bleiben, wie mein Vater bei der Trauerfeier meines Onkels, also seines Bruders, den gar nicht so leichten Trauermarsch aus der Götterdämmerung auf dem Klavier gespielt hat. Das hat perfekt zu meinem Onkel gepasst: Er war ein großer Fan des "Rings der Nibelungen" und der Opern von Richard Wagner. 

Wobei es gar nicht immer nur traurige Musik auf einer Trauerfeier geben muss - am besten passt generell die Lieblingsmusik des gestorbenen Menschen. Und das ist der Punkt: Alleine über die Auswahl der Musik können viele Eindrücke über die Persönlichkeit des gestorbenen Menschen vermittelt werden. Deswegen ist Musik in ihrer Wichtigkeit nicht zu unterschätzen. Warum also nicht eine Playlist zusammenstellen mit der Lieblingsmusik des gestorbenen Menschen und diese den Trauergästen ebenfalls zur Verfügung stellen - beim Wie und Womit können die technikverliebten jüngeren Freunde oder Angehörigen, Enkel oder ähnliche, vielleicht gut helfen? Natürlich könnte man auch eine CD brennen, was als Geste etwas Wunderschönes ist, allerdings ist man bei der halb-/professionellen Vervielfältigung von Musik in einem größeren Rahmen nicht mehr ganz im Bereich des Legalen. 

6.) Am besten mit Ablaufplan und konkreten Zuständigkeiten


Es kann hilfreich sein, den Ablauf der Trauerfeier kurz und knapp auf einem Papier zu skizzieren: Wer ist wann an der Reihe, wer wird welchen Teil übernehmen, welches Lied ist wann zu hören, etc.? Wohlgemerkt: eine kurze Ablaufskizze reicht vollkommen aus. Das muss kein Drehbuch werden, in dem genau vermerkt steht, wann jemand von welcher Seite aus auftritt und wieviele Schritte dann zu gehen sind, etc. - das wäre für alle Teilnehmenden eher eine Überforderung. Eine gute Ablaufskizze lässt Luft zum Atmen und Luft für Eventualitäten - wenn beispielsweise der Auftritt von rechts gar nicht möglich sein sollte etc.



Trauerspielzeug des niederländischen Pädagogen Richard Hattink ("Funeraltoys"), fotografiert auf der Messe Leben und Tod (Foto: Thomas Achenbach)


7.) Nach der Trauerfeier: "Leichenschmaus", "Leidmahl", "Trösterkaffee"?


Im Anschluss an die Trauerfeier zu einem Zusammenkommen einzuladen, bei dem Kaffee, Kuchen, vielleicht eine Suppe oder Butterbrote angeboten werden, gehört zwar zum guten Ton und kann außerdem ein erster guter Schritt sein auf dem eigenen Trauerweg - weil man nochmal alle Menschen versammelt sieht, die nur der gestorbene Mensch so hat zusammenbringen können -, aber auch hier gilt: Wem das zuviel wird, wer es nicht kann, der darf auch darauf verzichten. Wichtig ist die Leitregel: Was wird den Angehörigen und besten Freunden des gestorbenen Menschen gut tun? Diese Form der Zusammenkunft hat übrigens immer unterschiedliche Namen und Ausprägungen. In vielen ländlichen Gebieten war es früher üblich (und ist es noch üblich), auch alkoholische Getränke anzubieten und eine regelrechte Feier aus diesem Ereignis zu machen. Mal spricht man vom "Leichenschmaus", mal vom "Trösterkaffee", mal vom "Leidmahl", mal ganz schlicht vom "Beerdigungskaffee". Das kann eine sehr schöne Einrichtung sein, weil noch einmal Erinnerungen geteilt werden können. Manchmal kommen extra für die Trauerfeiern und die Beerdigungen die Gäste auch von weiter her angereist, so dass es sinnvoll sein kann, ihnen noch ein bisschen was zu essen anzubieten, bevor sie abreisen. 

Wer mag und kann und entsprechende Hilfe dafür hat, kann diese Zusammenkunft gerne zuhause organisieren, in der Nähe von Friedhöfen gibt es meistens darauf spezialisierte Gasthäuser und Cafés.

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Der Autor dieser Zeilen steht in Osnabrück und im Osnabrücker Land als Trauerbegleiter zur Verfügung. Thomas Achenbach ist zertifizierter Trauerbegleiter nach den Standards des BVT (Große Basisqualifikation). 

Thomas Achenbach ist der Autor dieser drei Bücher: 

-> NEU: "Das ABC der Trauer" (Patmos-Verlag, Herbst 2023)
-> "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" (Campus-Verlag).
-> "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag)

Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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