Dienstag, 27. März 2018

Kraftquelle Kulturerlebnisse und Familientraditionen - Mein März-Foto für die Mitmachaktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer..." - - - Als verlängerte Fotoaktion auf diesem Blog: Kraftquellen, Stolpersteine, Achtsamkeit und Selbstfürsorge - Kreative Aktion des Bundesverbands Trauerbegleitung zum zehnjährigen Geburtstag

Für Opernerlebnisse durchs Land zu fahren, das war und ist eine uns auch durchs Leben tragende Familientradition, die über das einzelne Erleben hinaus ihre Bedeutung hat.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Osnabrück - Was einen kraftvoll durchs Leben tragen kann - und durch Krisen hindurch - sind durchaus auch die kulturellen Erfahrungen eines Lebens. Meine Eltern haben mir immer und immer wieder von dieser einen großen „La-Bohème“-Inszenierung vorgeschwärmt, die sie in ihrer Münchner Zeit erlebt hatten. Der Star-Regisseur Otto Schenk hatte den Pucciniklassiker dort in Szene gesetzt und es muss ein rauschendes Fest für die Sinne gewesen sein. Jedes Mal, wenn wir auf Puccini-Opern zu sprechen kamen (was bei uns in der Familie häufig geschieht) oder ganz allgemein auf bedeutende oder unbedeutende Operninszenierungen (was auch oft geschieht), standen Otto Schenk und die Bohème wieder im Raum. So habe ich schon in jungen Jahren verinnerlicht: eine rundum gelungene Operninszenierung - das ist ein leuchtender Fixstern am kulturellen Horizont einer Familie, dessen Strahlkraft Generationen überspannen kann. Eine Familientradition, die sich auch in zahlreichen Eintrittskarten ausdrückt - und damit ist sie prädestiniert für meine inoffizielle Teilnahme an dieser offiziellen Fotoaktion.

Richard Wagners "Parsifal" in der Hamburger Staatsoper in der legendären Inszenierung vom Theatermagier Robert Wilson. Von den ersten Takten an war ich gebannt, gefesselt, fasziniert, aller Kargheit und Reduziertheit in allen Bewegungen zum Trotz (oder gerade deswegen). Fünf Stunden Theaterzauber für die Seele, am Ende ein Gefühl wie in einem Drogenrausch. So etwas kann nur die Oper, nur das Theater, also jedenfalls bei mir. Mag ja sein, dass bei anderen der Fußball für adäquate Ersatzrauschzustände sorgen kann. Was mich durchs Leben trägt, sind auch die unvergesslichen kulturellen Augenblicke, die ich erleben durfte. Davon gibt es Gott sei Dank eine Menge - und für diesen unvergleichlichen Luxus bin ich sehr, sehr dankbar.


Und jede Oper für sich ist gleichermßen "hoffnungsvoll und seelenschwer", so wie diese Fotoaktion   (Thomas-Achenbach-Foto)

Die Zauberflöte in Mannheim - die beste, die ich in meinem Leben gesehen habe. Das Lloyd-Webber-Requiem in Kiel, dessen "Pie Jesu" mich trotz aller Kitschnähe mit all seiner Zartheit bis in die Grundfesten erschüttert hat. Die "Madama Butterfly" in Stuttgart, deren inszenatorische und sängerische Intensität meinen Körper und meine Seele durchströmt und kräftig durchgerüttelt hat. Wagners "Tristan und Isolde" im Aalto-Theater in Essen mit einem sich immer schneller drehenden Liebesrad, das die Sänger kräftig durchwirbelte. Und, und, und.... Durch die Republik zu reisen und Kultur zu erleben, das war eine die Familie zusammenhaltende Tradition, das war das kommunikative Grundverständnis, das unter allem lag. Dass wir diese Tradition dann nach dem Tod meiner Mutter noch einmal zelebrieren durften, war auch eine Art Ehrerbietung für sie, wie wir sie als passend erlebt haben. Was ich da erlebt habe, das war prägend, tragend, stützend, das wirkt noch nach. Damit passt all das hervorragend zu dieser Aktion mit dem Namen "Hoffnungsvoll und seelenschwer" (und ist nicht beinahe jede Oper irgendwie sowohl seelenschwer wie auch hoffnungsvoll...?). Darum geht es:


Eine Reise auch durchs eigene Leben, gemessen an kulturellen Stationen, die gleichermaßen Lebensstationen waren, bildet dieser Weg aus gesammelten Eintritskarten (Thomas-Achenbach-Foto).

Der Bundesverband Trauerbegleitung (BVT) - in dem ich ebenfalls Mitglied bin - feiert seinen zehnten Geburtstag in Form einer kreativen Mitmachaktion. Gegründet mit dem Ziel, der Ausbildung zum Trauerbegleiter in Deutschland einen einheitlichen Lehrplan und ein einheitliches Zertifikat verschaffen zu können, versteht sich der Verband inzwischen als Sprachrohr und Interessenvertretung für alle Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise. Sie sind es auch, die sich zur Teilnahme an der Aktion eingeladen fühlen sollen (alle Infos gibt es unter diesem Link). Wer sich ganz kreativ beteiligen möchte, kann sogar versuchen, ganze 365 Beiträge beizusteuern. Also für jeden Tag eines Kalenderjahres einen. Der Kreativität und der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, allein das Oberthema der Aktion gilt es zu beachten:


Wobei der hier gelegte Weg immer nur einen kleinen Ausschnitt zeigen kann.... (Thomas-Achenbach-Foto).

Nämlich die Fragestellung: Was sind Kraftquellen, Stolpersteine, was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Was bringt Wut in den Bauch, was streichelt meine Seele? Was lässt mich stolpern und wobei schöpfe ich Kraft? Es geht darum, Gefühle und Ressourcen sichtbar zu machen. In Wort, Bild oder anderen kreativen Ausdrucksformen. Die Idee ist es, aus allen Einsendungen eine bundesweite Wanderausstellung zu schaffen. Gleichermaßen soll die Aktion dazu dienen, wieder fokussierter und konzentrierter durchs Leben gehen zu können. Denn dass sich auf den Smartphones die schnell gemachten Fotos häufen, diese aber kaum mehr wahrgenommen werden, ist ein Phänomen unserer Zeit.

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Alle Infos zur Aktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" gibt es auf der BVT-Website....

Erster Beitrag zur Fotoaktion (Januar): Warum auch meine alten ausgelatschten Chucks eine Kraftquelle für mich sind

Zweiter Beitrag zur Fotoaktion (Februar): Kraftquelle Waldeswillen - wie sich ein alter und gestürzter Baum einfach nicht unterkriegen lässt und warum das so gut tut

Dritter Beitrag zur Fotoaktion (März): Kraftquelle Kulturerlebnisse - wie sich mein Leben mit allen Tiefern und Höhen auch in Eintrittskarten abbilden lässt

Vierter Beitrag zur Fotoaktion (April): Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

Fünfter Beitrag zur Fotoaktion (Mai): Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

Sechster Beitrag zur Fotoaktion (Juni): Die alte Teekanne meiner Oma als ein Symbol für die Beständigkeit von Geteiltem im Leben - und für erlebtes Leiden

Siebter Beitrag zur Fotoaktion (Juli): Kindheit, die erste Heimat auf dieser Welt - so voller Mysterien und doch so zerbrechlich - von der Wirkmacht der ersten Jahre

Achter Beitrag zur Fotoaktion (August): Eintauchen in andere Welten durch Rock-LPs und ihre Plattencover - wie mir die Vermischung zweier Künste durch die Zeit half

Neunter Beitrag zur Fotoaktion (September): Standfest, sicher und ausgesetzt - warum die Bäume auf einem Osnabrücker Berg einen so hohen Symbolwert haben 

Zehnter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die erste): Warum eine fundierte Ausbildung für einen Trauerbegleiter so wichtig ist und warum in meiner Schlümpfe eine Rolle spielen

Elfter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die zweite): Ein ganzes Leben unter bunten Buchdeckeln - Warum Blanko-Notizbücher eine Kraftquelle sein können

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 

Und im Kultur-Blog des Autors: Was "Babylon Berlin" wirklich zu einer ganz besonderen Serie macht - und das ist nicht alleine Bryan Ferry von Roxy Music

Dienstag, 20. März 2018

Achtung, Blogger und Webseitenbetreiber, die DSGVO kommt - was sich alles ändern könnte, wenn ab 25. Mai 2018 die Europäische Datenschutzverordnung aktiv wird (Datenschutzgrundverordnung für alle Blogs und alle Webseiten-Betreiber) - das AUS für die Bloggerszene*?

Osnabrück - Ein Gespenst geht um. Oder besser: Die Angst geht um. Die Angst vor wild um sich greifenden juristischen Abmahnungen, die jeden treffen könnten, die Angst davor, dass sich das (Un-) Wesen der Abmahnvereine auf alle verteilen wird, die eine Website betreiben, und sei es auch nur eine soziale wie die eines Hospizes - dazu mehr am Ende dieses Textes -, oder die einen Blog betreiben. Denn am 25. Mai 2018 tritt die Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Oder anders: Die Übergangsfrist läuft aus. In Kraft ist die DSGVO schon längst. Eine Folge davon wird schon jetzt spürbar: Obwohl es bislang schon nicht so einfach war, hier in diesem Blog einen Kommentar zu posten, werde ich das nun noch etwas komplizierter machen müssen. Warum das so ist, erkläre ich später. Und, hier mein Disclaimer, nein, dieser Artikel hier ersetzt ganz gewiss keine Rechtsberatung, dieser Artikel hier wird nicht ausreichend sein für alle, die betroffen sind (also eigentlich alle, die sich irgendwie online irgendwo tummeln), und nochmals, nein, ich übernehme keine Haftung, keinerlei, für niemanden. Wer alleine diesen Zeilen hier vertraut, ist sicher nicht ausreichend informiert. 

* Das "Aus" für die Bloggerszene ist zugegebenermaßen eine arg überspitzte Überschrift, die vor allem neugierig machen soll. Und doch war ich überrascht, wie weitgreifend all diese Veränderungen nun sind. Da habe ich ja lange Zeit gedacht, dass meine beiden Blogs - also mein Kulturblog und dieser Trauerblog - von den kommenden Regelungen weitestgehend ausgeschlossen sein dürften. Immerhin nutze ich weder Google Analytics, noch verdiene ich mit meinem Blog in irgendeiner Form Geld (das wäre schön, tatsächlich kostet mich das Geld). Denn bei mir kann derzeit niemand eine Werbung schalten, jedenfalls hat mich bis heute noch keiner gefragt. Außerdem sende ich keinen Newsletter heraus, was nach Aktivwerden der DSGVO auch eine sehr kritische Sache werden wird, noch speichere ich selbst aktiv irgendwelche Nutzerdaten, nirgendwo - aber natürlich tut das Blogger.com, also die hier zugrundeliegende Plattform. Allerdings ist es nun meine Verantwortung, die Leser darauf hinzuweisen, so verstehe ich das jedenfalls. Und weil die Software, die mir meinen Blog ermöglicht, ebenfalls mit Cookies arbeitet und weil ich hier eben auch eine Kommentarfunktion anbiete, bei der Blogger.com jedes Mal die Nutzerdaten irgendwo abspeichert, ja, abspeichern muss, bin ich also genauso betroffen wie alle anderen (wer eine eigene Website anbietet, einen Newsletter, die Möglichkeit, auf dem Blog zu werben, etc., der ist indes gleich mehrfach betroffen). Warum? Nun, deswegen... - hier ist der juristische Hintergrund, also so, wie ich ihn verstehe (also alleine meine persönliche Auffassung des Ganzen)...


Eine neue EU-Verordnung sorgt für viele Irritationen in der Bloggerszene - werden auch Blogger demnächst kollektiv an den Abmahnpranger gestellt?   (Thomas-Achenbach-Foto)

Aber zuerst einmal, zugegeben: Ich weiß das alles, was hier steht, auch nur aus den Blogbeiträgen darüber, die ich mir so im Internet zusammengesucht habe, ich habe auch nicht alles davon verstanden, und, ja, ich werde mich von Rechtsanwälten dazu beraten lassen. Lieber einmal 500 Euro für einen Anwalt vorher ausgeben als nachher 5000 Euro Strafgebühr für eine wie auch immer geartete Abmahnung. Also, so sieht es wohl aus: Bei der DSGVO - also der Datenschutzgrundverordnung - handelt es sich um ein EU-Gesetz, das in Wahrheit schon längst in Kraft getreten ist - am 25. Mai 2016 nämlich - und das somit auch für alle Mitgliedsländer gilt. Doch der Gesetzgeber hat eine zweijährige Übergangsfrist eingeräumt, die nun bald, am 25. Mai 2018, auslaufen wird. Daher ist die Panik derzeit allerorten sehr groß. Denn die DSGVO wird jetzt für alle zur Pflicht. Und die Unsicherheiten sind derzeit gewaltig, weil keiner, wirklich keiner, irgendwie voraussagen kann, was sich alles verändern wird. In der Bloggerszene schießen die Spekulationen dementsprechend ins Kraut und nicht wenige prophezeien einen gewaltigen Wandel dessen, was derzeit möglich ist. Sei es beim Betreiben einer Website oder bei der Möglichkeit, mit seinen Blogs ein wenig Geld zu verdienen, siehe oben. Ob das berechtigt ist? Nun, sicherlich, teilweise ja, muss ich leider sagen. Denn: Mit Abmahnvereinen habe ich so meine Erfahrungen.  


Da sitzt Geld drin: Abmahnen ist ein Wirtschaftszweig


Denn eines muss klar sein: Beim Abmahnwesen handelt es sich um einen Wirtschaftszweig, der darauf spezialisiert ist, sein Geld damit zu machen. Was sich durchaus lohnen kann, weil die Strafen zuweilen empfindlich hoch sein können, so auch bei der  DSVGO. Irgendwann, so Ende der 90er Jahre, hatten sich die entsprechenden Anwälte darauf eingeschossen, bei allen Medien strengens darauf zu achten, dass alles, was Werbung war, auch entsprechend gekennzeichnet war - und damals betraf das zu 99 Prozent die Zeitungen und Zeitschriften. Damals war ich noch als Mediengestalter aktiv und ein Teil meiner Aufgabe war es, dafür Sorge zu tragen, dass alle im redaktionellen Teil stehenden Anzeigen im Printbereich mit einer Linie abgetrennt und entsprechend als "Anzeige" gekennenzeichnet waren. War das einmal nicht der Fall, war die entsprechende Abmahnung keine Sache des Zufalls, sondern man konnte getrost davon ausgehen, dass ein entsprechendes Schreiben eintreffen würde. Irgendwann, mit zunehmenden Aktivitäten im Internet, verlagerte sich das Geschehen an andere Stelle. Zuletzt hatte ich mit Abmahnvereinen nur noch indirekt zu tun, wenn es um Urheberrechtsfragen im Internetbereich ging - wenn beispielsweise jemand als Facebooknutzer ein Foto hochgeladen hatte oder auch nur einen Beitrag mit einem Foto darin weitergeleitet hatte, drohten Unterlassungsklagen. Eine Zeitlang geisterte die Aussage durch das Netz, der normale Facebookauftritt eines durchschnittlichen Jugendlichen könnte bis zu 20000 Euro an Abmahngebühren wert sein, wenn man danach suchen wollte. Ob das wirklich so war oder nur eine Latrinenparole, kann ich nicht sagen. Wohl aber das: Dass es jetzt eine potentielle Bedrohung für unbescholtene Internetnutzer geben könnte, ist nicht von der Hand zu weisen. Also was tun? Das muss jeder für sich selbst rausfinden! Für mich wären offenbar diese drei Schritte die nächsten. 


Nur weil ein Blogger selbst keine Daten speichert, bedeutet das nicht, dass nicht die von ihm genutzte Software das tut - aber es ist dann wiederum seine Verantwortung, das alles nachzuweisen.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Denn wenigstens diese drei Pflichten ergeben sich offenbar für mich ebenso wie für alle anderen, die online unterwegs sind: Ich muss ein sogenanntes Verarbeitungsverzeichnis vorweisen können, also ein Verzeichnis, das auflistet, welcher Betreiber was an Daten speichert. Ich muss einen individuell für mich aufgesetzten Datenschutzhinweis implementieren, der nicht aus einem Formtext bestehen darf - ich habe zwar bereits eine Datenschutzerklärung auf meinen Blogs, aber die werde ich mir nochmal ganz kritisch angucken müssen. Ob ich parallel auch eine Datenverarbeitungsvereinbarung mit meinen Blogbetreibern eingehen muss, habe ich noch nicht verstanden, manche Blogger legen den Gesetzestext so aus, als müsste das nur beim Einsatz von Google Analytics geschehen. Wer indes eine Website betreibt, muss das auf jeden Fall tun, so verstehe ich das jedenfalls (hatte ich eigentlich schon darauf hingewiesen, dass dieser Beitrag hier keinesfalls eine Rechtsberatung ersetzt und ich keine Haftung übernehme)? Wegen all dieser Schritte habe ich mich entschieden, das Kommentieren auf diesem Blog nur noch über eine vorherige Anmeldung möglich zu machen und somit eine Möglichkeit zu haben, in meinen bald neu geschriebenen Datenschutzverordnungen entsprechend darauf aufmerksam zu machen. 


Wenn's hart auf hart kommt: Einfach abschalten


Auch das muss klar sein: Im schlimmsten Fall wird es diesen Blog - und gleichermaßen meinen Kulturblog - ab dem 25. Mai 2018 einfach nicht mehr geben. Dann nämlich, wenn ich mich tatsächlich, wie von manchen befürchtet, einer undurchschaubaren Klagewut ausgeliefert sehen sollte. Dann gäbe es nur noch eine Möglichkeit: Stecker raus und fertig. Ende, Aus, vorbei. Aber selbst, wenn ich mich dann auf das Schreiben von in Briefen an interessierte Leser verschickten Beiträgen fokussieren sollte, komme ich nicht darum herum - auch dann muss ich den Anforderungen der DSGVO Rechnung tragen. Denn der ist es vollkommen egal, ob die Daten digital gespeichert werden oder auf Papier. Überall, wo Daten gespeichert werden, greift die Verordnung. Sprich: Letztlich sogar bei jedem einzelnen E-Mail-Programm... Okay, kommen wir zum Fazit. 



Eine recht gute Zusammenfasssung über das Thema gibt es auch bei den Blogs "Selbstständig im Netz/Thema DSGVO" oder beispielsweise bei diesem Blog zum Thema Reisen und Fotografien sowie bei, öhm, ja, dem "Testbeautyblog". Wobei alleine schon das Einbauen von Links zu anderen Blogs wieder so eine Sache sein könnte.... Aber das führt jetzt vermutlich zu weit. Was ab dem 25. Mai geschehen wird, ist vorerst offen. Ob es tatsächlich die große Veränderung geben wird, wie sie viele derzeit befürchteten, werden wir sehen. Ob ganze Geschäftsmodelle eingehen werden. Oder ob sich gar nicht sooo viel verändern wird. Aber: Vorbereitet sein, kann sicher nicht schaden... Und sich schlaumachen, also auch an anderen Stellen, nicht nur hier...


Und was gilt jetzt genau für Internetseiten - für Hospize etc.?


Und weil ich das jetzt oft gefragt worden bin, hier wie anfangs versprochen noch ein paar Hinweise für alle, die die "nur eine Internetseite haben", aber keinen Blog anbieten: Ja, leider sind nach meinem Verständnis auch alle Webseitenanbieter betroffen, also alle, die irgendwie eine Internetseite haben. Auch hier gilt, natürlich, dass ich alles nur nach meinem Verständnis schildere und dass dieser Artikel sicher keine Rechtsberatung ersetzen kann und dass ich keine Haftung übernehme. Aber so wie ich es verstehe, helfen alleine schon diese Fragen einem weiter bei der Beurteilung, ob die eigene Internetseite auch von den Regelungen der DSGVO betroffen ist: Über welche Software bzw. welchen im Hintergrund tätigen Anbieter wird die Website betrieben? Benutzt diese Website oder diese Software auch Cookies (alleine diese Frage wird zu 99,6 Prozent mit Ja beantwortet werden müssen)? Kann es möglich sein, dass die Software alle Besucher der Internetseite im Hintergrund irgendwo erfasst und diese Daten abspeichert - ggf. inklusive der IP-Adressen (auch hier gilt: 99,6 Prozent Chance auf Ja). Sind das Impressum und die Datenschutzerklärung auf der Internetseite rechtlich abgesichert, so dass sie sich leicht an die neuen Regelungen anpassen lassen - oder gibt es ggf. noch gar keine Erklärungen? Wenn auch nur eine der Fragen mit einem Bin mir nicht sicher oder einem Ja beantwortet werden muss, empfehle ich eine Rechtsberatung bzw. das Sich-schlau-machen bei Fachleuten außerhalb dieses Blogs. Randbemerkung: Dass sich jetzt alle Blogger und Seitenbetreiber soviele Gedanken über Datenschutzkrams machen müssen, während die große blaue Datensammelkrake im neuesten Skandal rund um #DeleteFacebook und Cambridge Analytics als offenbar einer der Hauptmanipulatoren der Trumpwahl dazustehen scheint, wie neueste Berichte zeigen, ist irgendwie auch pikant und nicht so ganz gerecht, aber sei's drum. Wie heißt es im Kölnischen Grundgesetz: Ett ess wie et ess.

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Und im Kulturblog des Autors: Charlie Chaplins Leben als knallbunte Groteske - so ist das brandneue Musical "Chaplin" im Theater in Osnabrück als deutsche Erstaufführung



Dienstag, 13. März 2018

Eine Frage der Haltung: Trauerbegleiter sollten stabil sein und sich mit ihren eigenen Schicksalsschlägen beschäftigt haben - und: sie sollten selbst begleitet sein, wenn sie begleiten - warum es so wichtig ist, sich eine Haltung anzueignen und diese immer wieder zu überprüfen

Osnabrück - Immer für eine Überraschung gut, fragte die Stuttgarter Bestatterin Barbara Rolf - die als eine Art "Junge Wilde der Bestattungsbranche" bekannt ist - kürzlich all ihre Facebook-Freunde im sozialen Netzwerk: Was versteht Ihr eigentlich unter "Haltung", was bedeutet dieses Wort für Euch....? Eine sehr gute Frage, wie ich finde. Wir schmeißen oft allzu inflationär und allzu unbedacht mit diesem Wort um ums, ohne es zu hinterfragen. Gerade für ausgebildete Trauerbegleiter, die Menschen in hochsensiblen Phasen ihres Lebens zur Seite stehen, ist es wichtig, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Nicht bloß einmal, sondern immer wieder. Also ein guter Anlass, noch einmal selbst zu gucken, wie das mit der Haltung so ist. Hier also ein paar persönliche Ideen zum Thema - und meine Überlegungen, warum es so wichtig ist, eine Haltung zu haben. Und warum Trauerbegleiter immer selbst ganz stabil sein sollten und wissen sollten, wo ihre Schwachstellen liegen.

Wenn wir uns das Wörtchen "Haltung" mal vom Wortsinne her anschauen, dann bedeutet es etwas, das einem Halt gibt, also: Halt und Stütze. Soll also heißen: Wenn ich mich schon vorher mit allem beschäftigt habe, was mich unsicher machen könnte, was meine Stabilität gefährden könnte, wenn ich um diese Gefahren weiß, wenn ich mir wichtige Fragen dazu gestellt habe, dann habe ich auch eine Haltung gefunden. Dazu gehört, sich eine klare Meinung zu bilden - und aus dieser dann auch Verhaltensweisen abzuleiten. Hmmm.... Alles etwas zu abstakt? Stimmt schon, also ein paar Beispiele. 


Wenn sich jemand bei einem anderen Menschen hilfesuchend anlehnen möchte, dann ist es umso wichtiger, dass dieser andere Mensch eine gute und stabile Haltung gefunden hat - und Halt geben kann.  (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)

Wenn die Menschen von einem Trauerbegleiter eines erwarten sollten und können, dann ist es vor allem dies: Dass dieser Mensch, der Ihnen gerade zur Seite steht, während dieser Phase einer Begleitung ganz frei ist von eigenen Schicksalsschlägen, dass er vergangene Schicksalsschläge angenommen und für sich geklärt hat und eben eine eigene Haltung dazu ausgebildet hat. Kurz gesagt: Dass er stabil genug ist um begleiten zu können. Denn kein Mensch kann begleiten, wenn er sich selbst gerade trösten lassen muss, wenn er selbst gerade emotional instabil sein sollte. Nicht umsonst gehört es zur Ausbildung eines Trauerbegleiters dazu, sich mit seinen eigenen Gefühlen und Erfahrungen, mit seiner ganz eigenen Trauerbiografie und den gemachten Todeserfahrungen intensiv auseinanderzusetzen (das gilt natürlich auch für alle weiblichen Trauerbegleiterinnen - doch angesichts des Frauenüberschusses in diesem Metier bevorzuge ich die rein männliche Schreibweise, sozusagen aus der Sicht der Underdogs).


Wenn das Mitfühlen zu eigenem Leiden wird - Obacht!


Es geht darum, als Trauerbegleiter seine eigenen Schwachstellen zu kennen. Was wirft mich evtl. aus der Bahn? Welche Themen sind mir zu übermächtig? Welche Themen machen mir andererseits gar keine Angst mehr? Das alles zu wissen ist wichtig. Denn am Ende des Tages geht es um ganz andere Fragen: Wen kann ich wirklich begleiten, wen vielleicht nicht? Wessen Trauer- und Todesgeschichte kann in mir etwas auslösen, das mich begleitungsunfähig machen sollte, weil ich dadurch selbst ins Wanken gerate? Wann wird aus dem Mitfühlen ein solches Mitleiden, dass ich selbst umgerissen werde? Damit beginnt die Auseinandersetzung, die zu einer Haltung führt, aber damit ist sie noch nicht zu Ende. Denn es gibt noch eine Reihe weiterer Fragen, die es mit sich selbst zu klären gilt.


Wer auf der Suche nach seiner eigenen Haltung ist, der sollte wissen, wann ihm selbst das Umkippen drohen könnte - eine zentrale Frage in der Auseinandersetzung mit sich selbst.  (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)

Jeder Mensch ist einzigartig und etwas Besonderes, jeder hat seine eigene Disposition und seine Geschichte, die ihn zu dem gemacht hat, was er (jetzt gerade) ist. Jeder Mensch ist sehr daran interessiert, sein Leben selbst zu bestimmen, ihm Sinn und Ziel zu geben, aber gerade das kann in einer Verlustkrise besonders schwer fallen. Denn da regiert oft die Ohnmacht, nicht unbedingt die Lebensfähigkeit, da sind Ressourcen oft verschüttet und bleiben erstmal unzugänglich. Für die Traubegleitung übersetzt bedeutet das, dass ein Trauernder mit einem festen Gefüge und mit einer Idee zu uns kommt, wie die Welt aus seiner Sicht ist bzw. wie sie zu sein hat. Dem sollte - das wäre jedenfalls meine Haltung - eine Begleitung auch Rechnung tragen. Letztlich geht es um die alte, aber wichtige Frage: Will ich einem Menschen, den ich begleite, in Wahrheit nur mein Weltbild aufdrängen oder kann ich ihn in seiner eigenen Welt lassen und ihn dort abholen? Wann droht mir die Gefahr, dass ich damit anfange, vielleicht auch nur unbewusst, mein eigenes Weltbild aufdrängen zu wollen? Bin ich immer davor gefeit, dass das geschieht?


Was Trauerbegleitung leistet: Verstehen & aushalten können


Was mir ganz persönlich meine Trauerbegleiterausbildung vermittelt hat, neben vielem anderen, ist zudem der seelsorgerische Aspekt des Sich-Hineinfühlens in andere. Also nicht tiefenanalytisch auf Ursachenforschung gehen und in der Psyche herumwühlen, sondern alleine die Gefühle wirken lassen, so, wie sie sind – das galt es zu lernen, das war war mir, der ich mich bislang vorwiegend mit Coachingzielen auseinandergesetzt hatte, seinerzeit neu. Es gibt den wunderbaren Satz: Verstehen hilft. „Das möchte ich verstehen“ – als grundsätzliche Fragehaltung, das gehört für mich ebenfalls zur Haltung dazu. Aushaltenkönnen ist außerdem eine wichtige Fähigkeit. Es gibt eine Menge, das auszuhalten ist, das lehrt die Erfahrung immer wieder. Gemeinsam Ohnmacht ertragen. Keine Angst vor Schweigen haben, keine Angst vor Tiefe, keine Angst vor Tränen, keine Angst vor dem Grundwasser im Menschen – dort anzukommen kann ein hilfreicher Schritt sein. Den Schmerz nicht lindern wollen. Ihn annehmen, aushalten, ihn aber nicht kleinreden, wie es das Umfeld oft tut. Kein „Aber“. Und um nochmal zum Ausgangspunkt zurückzukehren - offen zu sein für ein eigenes Begleitetwerden ist ebenfalls eine wichtige Haltungsfrage.


Vorsicht, Stolperfallen: Die Gefahren lauern in Details


Denn wer andere begleitet, sollte sich selbst immer wieder in eine Supervision oder eine andere Form von eigener Begleitung begeben, jendenfalls, wenn er (oder sie) merkt, dass da etwas im Inneren ins Wanken gerät. Das geschieht vielleicht schneller als man denkt - oder es kommt zu einem anderen Zeitpunkt als gedacht. Oft halten wir uns jedoch für abgeklärter, als wir es vielleicht sind, und während wir es kaum merken, beginnen die zuvor so klar abgesteckten Grenzen bereits zu erodieren oder sich aufzuweichen. Oft lauern die Fallstricke in den Details, die man noch nicht genug beachtet hat. Das alles sind natürlich auch ganz persönlichen Haltungen, es sind Fragen, die ich mir selbst gestellt habe. Es sind allerdings auch Beobachtungen und Erfahrungen drin, die mein Spektrum in den vergangenen Jahren dankbarerweise erweitert haben. Hatte ich anfangs, direkt nach meiner Ausbildung zum Trauerbegleiter, noch gedacht, dass ich bei einer ganz bestimmten Sorte von Verlust andere Menschen nicht würde begleiten können, weil ich mich da zu nah am eigenen Grundwasser wähnte, hat die Erfahrung dann gezeigt, dass es doch geht. Dass es sogar sehr viel besser geht als gedacht. Was mich zum letzten, meiner Meinung nach fast dem wichtigsten Punkt beim Thema Haltung führt...:


Sich mit den Trümmern seines Lebens auseinanderzusetzen, kann hilfreich sein. Auch aus Stolpersteinen lässt sich schließlich etwas bauen.   (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)

Nämlich: Was auch immer ich mir einmal als Haltung überlegt habe, es muss auch flexibel dehnbar bleiben, es darf nicht gänzlich verwischen, darf aber auch kein so starres Konzept werden, dass es einen selbst bis zur Erstarrung verkrampfen lässt. Dann gibt eine solche Haltung eben keinen Halt mehr, sondern wird zur dogmatischen Fahrbahnverengung. Und dass so etwas nicht geschehen darf - das ist auch wieder eine Frage von Haltung.... 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

Alle aktuellen Termine, Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare etc. mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Den Blog zum Anhören als Podcast - bitte hier klicken für die aktuelle Episode aus dem Trauer-ist-Leben-Podcast...

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde in einer Verlustkrise alles so tun und warum einem das nicht peinlich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 

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Dienstag, 6. März 2018

Trauer im Beruf - was die Kollegen dann tun können - Tipps für den Umgang mit trauernden Mitarbeitern im Büro (Jahresthema Trauer im Job/ Trauer im Berufsleben, Teil 5)

Osnabrück - "Wechselt nicht das Gespräch, wenn ich den Raum betrete." Was die Dresdner Trauertherapeutin Diana Mirtschink in ihrer Liste mit dem Titel "Die Bitten der Trauernden" so unnachahmlich auf den Punkt bringt, ist in einem Trauerfall vor allem für den kollegialen Umgang am Arbeitsplatz ein maßgeblicher Punkt. Denn vor allem im beruflichen Umfeld fällt es den Menschen oft besonders schwer, mit Kollegen in einer Verlustkrise umzugehen. Irgendwie muss es ja auch alles weitergehen, die Arbeit, der Alltag. Dennoch gibt es eine ganz Menge, was Mitarbeiter an kollegialen Hilfen geben können. Hier eine kleine Liste - zum Abschluss meines seit einem Jahr behandelten Schwerpunktthemas "Trauer in der Arbeitswelt". 

Ich erinnere mich an Trauerfälle im Kollegenkreis. Ich erinnere mich daran, wie unterschiedlich die Reaktionen waren. Da gab es einen Kollegen, dem so gar nichts anzumerken war und der einfach weitermachte wie bisher, vermutlich, weil ihm diese Alltagsnormalität gut getan hat. Da gab es eine Kollegin, der die Erschütterung und Fassungslosigkeit jederzeit anzumerken war, die aber sofort allen Kollegen klargemacht hatte: Bitte nicht darauf ansprechen, bitte nicht darüber sprechen. Damit hatte diese Kollegin, vielleicht ganz unbewusst, genau das Richtige getan: Größtmögliche Transparenz kann sehr hilfreich sein. Denn in einem Trauerfall im Kollegenkreis sind die Unsicherheiten eben sehr, sehr groß. Was kann noch alles helfen? Ein paar Gedanken:


Eine simple Spielzeugampel - in einem Großraumbüro lässt sich so ein Accessoire sinnvoll einsetzen, um den Kollegen Signale zu setzen, beispielsweise wenn ein Mitarbeiter in Trauer ist: Bin ansprechbar, bin nicht ansprechbar.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Den betroffenen Kollegen zuhause abholen, einen Fahrdienst durch Kollegen organisieren

- Dem betroffenen Kollegen (am besten sogar ungefragt) etwas zu essen mitbringen (denn Menschen in einer Verlustkrise haben manchmal Schwierigkeiten mit den simpelsten Alltagstätigkeiten oder keine Energie für solche Basis-Dinge)

- Blumen und Karten sind wertvoll und hilfreich, aber echtes Interesse ist noch besser - ein ehrlich gemeintes "Wie geht es Dir?" oder ein ehrliches "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll" sind immer besser als Floskeln oder Schweigen

Die Gespräche nicht unterbrechen, sondern den betroffenen Menschen aktiv einbeziehen

Spielregeln vereinbaren - beispielsweise: Sprecht mich bitte im Büro nicht drauf an, aber in der Kaffeepause möchte ich sehr gerne darüber reden, wie es mir geht

- Sichtbare Zeichen am Arbeitsplatz vereinbaren, ob ein Kollege ansprechbar sein mag oder nicht, vor allem in Großraumbüros - eine simple Spielzeugampel hilft hier schon weiter

- Hilfreich kann es sein, wenn sich die Kollegen oder die Vorgesetzten ein bisschen Wissen über Trauer aneignen, darüber, was alles an Gefühlen dazugehören kann, was es mit Menschen machen kann

- Hilfreich ist zu wissen, dass Trauer ein sehr, sehr langer Prozess sein kann mit ganz unterschiedlichen Phasen, die sich überlappen können, parallel verlaufen, wo alles drin sein kann

- Akzeptieren, dass es Phasen geben kann, in denen sich die betroffenen Menschen arbeitsunfähig schreiben lassen müssen (wohlgemerkt: nicht krank!)

- Gibt es Ruheräume? Rückzugsräume, auch für anderes? Falls nein: Lassen sich Alternativen schaffen oder verabreden? 

- Gibt es eine Notfallmappe für Trauerfälle im Unternehmen - auch für Mitarbeiter?

Es kann wichtig sein, dass Trauernde die Möglichkeit haben, sich kurz zurückzuziehen. Vielleicht einfach nur, damit sie einmal kurz in aller Ruhe weinen können, ohne das Gefühl zu haben, sich am Arbeitsplatz "zusammenreißen zu müssen" (was besonders schwierig ist, wenn es einen im Inneren gerade eher zu zerreißen scheint). Es ist dann immer denkbar ungünstig, wenn hierfür nur das Klo zur Verfügung steht. Wenn das räumliche Umfeld aber nichts hergibt, lassen sich vielleicht andere Möglichkeiten besprechen: Ein rotes Schild an der Küchentür signalisiert dann vielleicht "Bitte nicht stören, gleich fertig". Oder etwas Ähnliches. Hier ist allerdings auch Geduld gefragt. Und menschlicher Teamgeist. Was natürlich etwas ist, das nicht in allen Teams und bei allen Bürokollegen anzutreffen ist - womit wir wieder auf der Führungsebene wären. Denn wie mit Trauer umgegangen wird im beruflichen Umfeld, ist eben auch - nicht nur, aber auch - eine Führungssache (mehr dazu hier....).

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Das Buch zum Thema: "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" von Thomas Achenbach aus dem Campus-Verlag enthält viele Tipps und Anregungen rund um die Themen Trauer am Arbeitsplatz, Mitarbeiter in Pflegeverantwortung und mehr.

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an. Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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