Dienstag, 15. Mai 2018

Blühende Kastanienbäume als mein ganz persönliches Symbol für verborgene Kraftquellen - Wie mich das Verlassenwerden darin bestärkt hat, Krisen des Lebens meistern zu können - Meine Mai-Fotos für die Mitmachaktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer..." des Bundesverbands Trauerbegleitung

Für mich sind sie zu einem Symbol fürs Weiterleben und Weiterkommen geworden - blühende Kastanien, aufgenommen im Mai 2018 an der Kastanienalle der Ernst-Sievers-Straße in Osnabrück (Thomas-Achenbach-Foto).

Osnabrück - Jedes Jahr, wenn die Kastanien blühen, erinnert mich das daran, wie ich einmal in meinem Leben verlassen worden bin. Denn auch damals haben gerade die Kastanien geblüht. Es hat prächtig ausgesehen. Und noch während ich durchaus gelitten habe, innendrin, hat sich fast unmerklich schon etwas Neues gebildet, auch in mir, hat sich eine mich dennoch irgendwie tragende Kraft bemerkbar gemacht, die mich weitergeführt hat. Wenn ich heute an solche Phasen meines Lebens zurückdenke, ist es nicht mehr der Schmerz, den ich noch präsent habe. Sondern das, was daraus geworden ist. Die große Freiheit, die es plötzlich auch gab (auch ein seltener Luxus im Leben, durchaus nicht unangenehm). Die guten Lehren, die ich aus den Erfahrungen ziehen konnte. Ernest Hemingway hat einmal geschrieben: "Die Welt zerbricht jeden - und nachher sind viele an den Bruchstellen stärker". Genau das symbolisieren für mich die Kastanien. Sie sind zu meinem persönlichen Symbol geworden dafür, dass sich Krisen überleben lassen und dass wir sie überstehen können. Sie sind: "Hoffnungsvoll und Seelenschwer". Und damit sind sie als Motiv prädestiniert für meine inoffizielle Teilnahme an dieser offiziellen Aktion...

Ich weiß bis heute nicht, was genau mir eigentlich damals die Sinne so geschärft hat. Welcher Mechanismus da am Werk gewesen ist. Denn tatsächlich waren mir blühende Kastanien niemals zuvor besonders aufgefallen. Ich hatte keinen Sinn dafür gehabt, hatte es nicht wahrgenommen oder wenn, dann eher mit Achselzucken als etwas irgendwie auch immer wieder Passierendes. Ob es zum tiefergehenden Erwachsenwerden einfach dazugehört, einen neuen Sinn für die Natur und den Frühling vermittelt zu bekommen - ich war seinerzeit kurz vor dem 30. Geburtstag -, oder ob es die Krise selbst gewesen ist, die mich unbewusst mit einer neuen Wachheit und Sensibilität für all diese Schönheit um mich herum ausgestattet hatte, kann ich nicht durchdringen. Jedenfalls konnte ich mich auf einmal an diesem Anblick erfreuen - und das war ein schönes Gefühl. Seither geht es mir Jahr für Jahr aufs Neue so. Und es kamen noch weitere Entwicklungen dazu.



Denn aus heutiger Sicht muss ich sagen: Es war wirklich gut, dass ich damals verlassen worden bin. Es war der richtige Schritt, den ich selbst längst hätte gehen sollen - und es hat mich enorm weitergebracht im Leben. Nicht nur, aber auch, weil es mich erneut darin bestärkt hat, dass sich Krisen überstehen und aushalten lassen und dass das Leben danach besser werden kann - aber so etwas weiß man ja immer erst Jahrzehnte später. Kürzlichen haben sie also wieder geblüht, die Kastanien - und mit der ihnen von mir verliehenen Symbolkraft erinnern sie mich wieder an all das. Wie vieles im Leben ist auch das irgendwie "Hoffnungsvoll und Seelenschwer". So wie diese Aktion hier. Denn der Bundesverband Trauerbegleitung (BVT) - in dem ich ebenfalls Mitglied bin - feiert seinen zehnten Geburtstag in Form einer kreativen Mitmachaktion, zu der noch bis zum Ende des Jahres alle, die Lust haben, zur Teilnahme aufgerufen sind. Auch ohne jeden Bezug zum Thema. Wobei es interessant sein kann, sich den BVT einmal näher anzugucken.



Gegründet mit dem Ziel, der Ausbildung zum Trauerbegleiter in Deutschland einen einheitlichen Lehrplan und ein einheitliches Zertifikat verschaffen zu können, versteht sich der Verband inzwischen als Sprachrohr und Interessenvertretung für alle Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise. Sie sind es auch, die sich zur Teilnahme an der Aktion eingeladen fühlen sollen (alle Infos gibt es unter diesem Link). Wer sich ganz kreativ beteiligen möchte, kann sogar versuchen, ganze 365 Beiträge beizusteuern. Also für jeden Tag eines Kalenderjahres einen. Der Kreativität und der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, allein das Oberthema der Aktion gilt es zu beachten:



Nämlich die Fragestellung: Was sind Kraftquellen, Stolpersteine, was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Was bringt Wut in den Bauch, was streichelt meine Seele? Was lässt mich stolpern und wobei schöpfe ich Kraft? Es geht darum, Gefühle und Ressourcen sichtbar zu machen. In Wort, Bild oder anderen kreativen Ausdrucksformen. Die Idee ist es, aus allen Einsendungen eine bundesweite Wanderausstellung zu schaffen. Gleichermaßen soll die Aktion dazu dienen, wieder fokussierter und konzentrierter durchs Leben gehen zu können. Denn dass sich auf den Smartphones die schnell gemachten Fotos häufen, diese aber kaum mehr wahrgenommen werden, ist ein Phänomen unserer Zeit.



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Alle Infos zur Aktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" gibt es auf der BVT-Website....

Erster Beitrag zur Fotoaktion (Januar): Warum auch meine alten ausgelatschten Chucks eine Kraftquelle für mich sind

Zweiter Beitrag zur Fotoaktion (Februar): Kraftquelle Waldeswillen - wie sich ein alter und gestürzter Baum einfach nicht unterkriegen lässt und warum das so gut tut

Dritter Beitrag zur Fotoaktion (März): Kraftquelle Kulturerlebnisse - wie sich mein Leben mit allen Tiefern und Höhen auch in Eintrittskarten abbilden lässt

Vierter Beitrag zur Fotoaktion (April): Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

Fünfter Beitrag zur Fotoaktion (Mai): Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

Sechster Beitrag zur Fotoaktion (Juni): Die alte Teekanne meiner Oma als ein Symbol für die Beständigkeit von Geteiltem im Leben - und für erlebtes Leiden

Siebter Beitrag zur Fotoaktion (Juli): Kindheit, die erste Heimat auf dieser Welt - so voller Mysterien und doch so zerbrechlich - von der Wirkmacht der ersten Jahre

Achter Beitrag zur Fotoaktion (August): Eintauchen in andere Welten durch Rock-LPs und ihre Plattencover - wie mir die Vermischung zweier Künste durch die Zeit half

Neunter Beitrag zur Fotoaktion (September): Standfest, sicher und ausgesetzt - warum die Bäume auf einem Osnabrücker Berg einen so hohen Symbolwert haben 

Zehnter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die erste): Warum eine fundierte Ausbildung für einen Trauerbegleiter so wichtig ist und warum in meiner Schlümpfe eine Rolle spielen

Elfter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die zweite): Ein ganzes Leben unter bunten Buchdeckeln - Warum Blanko-Notizbücher eine Kraftquelle sein können

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

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