Freitag, 28. September 2018

Standfest, sicher und trotzdem allen Widrigkeiten ausgesetzt - warum die Bäume auf einem Osnabrücker Berg einen so hohen Symbolwert für mich haben - Meine September-Fotos für die Mitmachaktion "Hoffnungsvoll und seelenschwer" (Bundesverband Trauerbegleitung)



Mannshohe Wurzelberge - selten so offen zu erleben.   (Thomas-Achenbach-Fotos)

Osnabrück - Einer der eindrucksvollsten Spazierwege, die ich kenne, schlängelt sich durch den Osnabrücker Schölerberg. Meterhohe Bäume, die wie eine Kirchenkathedrale links und recht von Dir und über Dir eine Umhausung bilden, machen diesen Weg zu etwas Besonderem. Aber nicht nur sie: Auch die sich teilweise über Sand-und-Geröllberge und Steinklippen windenden Baumwurzeln sind eine Wucht. So offenliegend, nicht in der Erde versteckt, so hoch wie ein Mann, sind Wurzeln selten zu sehen. Das hat was, auch eine hohen Symbolwert: Bewusst wahrnehmen zu können, mit welchen machtvollen Greifwerkzeugen die Natur solche Bäume ausgestattet hat. Bäume sind ja überhaupt etwas Faszinierendes. Allen Launen des Wetters und der Umstände relativ schutzlos ausgesetzt, jedenfalls obenrum, brauchen Sie eine besondere Standfestigkeit - so wie wir Menschen oft. Und deswegen sind diese Wurzelberge des Schölerbergs ebenfalls "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" - und damit prädestiniert für meine inoffizielle Teilnahme an dieser offiziellen Aktion... 

Auf den ersten Blick ist dieser Wald gar nichts Besonderes: Der Weg ist nicht besonders weit und nur teilweise recht steil, aber dort sind steinerne Treppenstufen eingebracht. Die Stadt ist niemals allzu weit entfernt, wenn auch nicht überall zu sehen. Ein Großteil des Schölerbergs wird außerdem vom Osnabrücker Zoo benutzt, der durch diese Waldlage seinen besonderen Zauber erhält. Wer hier im freien Teil des Berges umherspaziert, der muss wissen, wo er seine Blicke hinrichten sollte - beispielsweise in Richtung Bergkamm. Dort sind zu finden, die Baumwurzeln, die sich so eindrucksvoll und schutzlos zeigen wie sonst selten in einem Wald. Nicht immer haben es die Bäume damit geschafft, ein von mir besonders geliebter Wurzelberg trägt leider inzwischen keinen Stamm mehr - deswegen sind diese Bäume und ihre offenen Wunden auch irgendwie "Hoffnungsvoll und seelenschwer". So wie diese Aktion hier.



Denn der Bundesverband Trauerbegleitung (BVT) - in dem ich ebenfalls Mitglied bin - feiert seinen zehnten Geburtstag in Form einer kreativen Mitmachaktion, zu der noch bis zum Ende des Jahres alle, die Lust haben, zur Teilnahme aufgerufen sind. Auch ohne jeden Bezug zum Thema. Wobei es interessant sein kann, sich den BVT einmal näher anzugucken. 



Gegründet mit dem Ziel, der Ausbildung zum Trauerbegleiter in Deutschland einen einheitlichen Lehrplan und ein einheitliches Zertifikat verschaffen zu können, versteht sich der Verband inzwischen als Sprachrohr und Interessenvertretung für alle Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise. Sie sind es auch, die sich zur Teilnahme an der Aktion eingeladen fühlen sollen (alle Infos gibt es unter diesem Link). Wer sich ganz kreativ beteiligen möchte, kann sogar versuchen, ganze 365 Beiträge beizusteuern. Also für jeden Tag eines Kalenderjahres einen. Der Kreativität und der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, allein das Oberthema der Aktion gilt es zu beachten.



Nämlich die Fragestellung: Was sind Kraftquellen, Stolpersteine, was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Was bringt Wut in den Bauch, was streichelt meine Seele? Was lässt mich stolpern und wobei schöpfe ich Kraft? Es geht darum, Gefühle und Ressourcen sichtbar zu machen. In Wort, Bild oder anderen kreativen Ausdrucksformen. Die Idee ist es, aus allen Einsendungen eine bundesweite Wanderausstellung zu schaffen. Gleichermaßen soll die Aktion dazu dienen, wieder fokussierter und konzentrierter durchs Leben gehen zu können. Denn dass sich auf den Smartphones die schnell gemachten Fotos häufen, diese aber kaum mehr wahrgenommen werden, ist ein Phänomen unserer Zeit.



---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Alle Infos zur Aktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" gibt es auf der BVT-Website....

Erster Beitrag zur Fotoaktion (Januar): Warum auch meine alten ausgelatschten Chucks eine Kraftquelle für mich sind

Zweiter Beitrag zur Fotoaktion (Februar): Kraftquelle Waldeswillen - wie sich ein alter und gestürzter Baum einfach nicht unterkriegen lässt und warum das so gut tut

Dritter Beitrag zur Fotoaktion (März): Kraftquelle Kulturerlebnisse - wie sich mein Leben mit allen Tiefern und Höhen auch in Eintrittskarten abbilden lässt

Vierter Beitrag zur Fotoaktion (April): Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

Fünfter Beitrag zur Fotoaktion (Mai): Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

Sechster Beitrag zur Fotoaktion (Juni): Die alte Teekanne meiner Oma als ein Symbol für die Beständigkeit von Geteiltem im Leben - und für erlebtes Leiden

Siebter Beitrag zur Fotoaktion (Juli): Kindheit, die erste Heimat auf dieser Welt - so voller Mysterien und doch so zerbrechlich - von der Wirkmacht der ersten Jahre

Achter Beitrag zur Fotoaktion (August): Eintauchen in andere Welten durch Rock-LPs und ihre Plattencover - wie mir die Vermischung zweier Künste durch die Zeit half

Neunter Beitrag zur Fotoaktion (September): Standfest, sicher und ausgesetzt - warum die Bäume auf einem Osnabrücker Berg einen so hohen Symbolwert haben 

Zehnter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die erste): Warum eine fundierte Ausbildung für einen Trauerbegleiter so wichtig ist und warum in meiner Schlümpfe eine Rolle spielen

Elfter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die zweite): Ein ganzes Leben unter bunten Buchdeckeln - Warum Blanko-Notizbücher eine Kraftquelle sein können

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 













Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen