Montag, 10. Dezember 2018

Warum und wie auch Friedhöfe eine Kraftquelle sein können - Meine Dezember-Fotos für die Mitmachaktion des Bundesverbands Trauerbegleitung (letzter Beitrag zum Thema "Hoffnungsvoll und seelenschwer")

Ein paar Noten auf dem Grabstein- das sagt schon viel über den Menschen, der hier liegt.... (Thomas-Achenbach-Fotos)

Osnabrück - Können Friedhöfe eine Kraftquelle sein? Für manche mag diese Idee bizarre klingen und ungewohnt. Für manche ist der Friedhof eher ein Ort, der sie runterzieht, stimmungsmäßig. Ich mag Friedhöfe tatsächlich ganz gerne. Ich bin gerne dort, ich genieße die würdevolle Ruhe und den Frieden dort. Oder, wie auf dem herrlichen Heger Friedhof in Osnabrück, die Verbindung mit einem Wald. Für mich sind sie durchaus Orte, die mich erden können, die mich wieder mit anderem verbinden. Und damit sind Friedhöfe gut geeignet als mein letzter inoffizieller Beitrag zur offiziellen Fotoaktion "Hoffnungsvoll und seelenschwer" des Bundesverbands Trauerbegeleitung (BVT), die mich nun selbst ein ganzes Jahr lang zu einem biographischen Fotoprojekt inspiriert hat. 

Vor genau einem Jahr hatte der BVT dazu aufgerufen, sich Gedanken zu machen über diese Fragestellungen: Was sind Kraftquellen, Stolpersteine, was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Was bringt Wut in den Bauch, was streichelt meine Seele? Was lässt mich stolpern und wobei schöpfe ich Kraft? Bei der Aktion "Hoffnungsvoll und seelenscher" ging es jetzt ein Jahr darum, Gefühle und Ressourcen sichtbar zu machen. In Wort, Bild oder anderen Ausdrucksformen. Gleichermaßen sollte die Aktion dazu dienen, wieder fokussierter und konzentrierter durchs Leben gehen zu können. Das hatte mich angesprochen und ich habe darin ein gutes Projekt gesehen, das mich nun ein Jahr lang begleitet hat. Und das nun eben auf dem Friedhof endet, aber im Guten. 



Ich mag nicht nur die Stille, die Friedhöfe ausstrahlen, sondern vor allem die Idee, dass hier nicht einfach nur Menschen begraben liegen, sondern Geschichten. So wie Heinrich Heine es sagt: "Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte". Vielleicht sind es ja sogar Geschichten, die andernorts noch erzählt und weitergetragen werden. Also etwas, das bleibt. Vielleicht sind es Geschichten, die verloren gegangen sind. Dann sind sie auch Teil des Lebens.



Ich verbinde mich auf Friedhöfen gerne mit der Idee meiner eigenen Sterblichkeit, so als quasi meditative Übung. Das geht an kaum einem anderen Ort besser als hier. Sich bewusst zu machen, dass man selber nichts anderes ist als so eine Hülle, die auch bald hier liegen kann – und wer so eine Arbeit macht wie ich, der weiß, dass das jeden Tag der Fall sein kann –, bringt wieder eine gute Portion an Demut zurück ins Leben, das bringt vieles wieder ins Gleichgewicht. Meistens lässt uns der Alltag nicht genug Demut erleben, dabei bräuchte es davon viel mehr, das ist meine feste Überzeugung.



Für mich sind Friedhöfe aber auch ein Ort einer großen Dankbarkeit. Wenn ich am Grab meiner Mutter stehe, bin ich auf einer tiefen Ebene verbunden mit all dem Guten, das es gegeben hat und ich denke dankbar daran zurück, dabei wissend und akzeptierend, das es all das Gute im Leben nicht ohne etwas Schlechtes geben kann. Weil das Leben immer ein Gleichgewicht braucht.



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Alle Infos zur Aktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" gibt es auf der BVT-Website....

Erster Beitrag zur Fotoaktion (Januar): Warum auch meine alten ausgelatschten Chucks eine Kraftquelle für mich sind

Zweiter Beitrag zur Fotoaktion (Februar): Kraftquelle Waldeswillen - wie sich ein alter und gestürzter Baum einfach nicht unterkriegen lässt und warum das so gut tut

Dritter Beitrag zur Fotoaktion (März): Kraftquelle Kulturerlebnisse - wie sich mein Leben mit allen Tiefern und Höhen auch in Eintrittskarten abbilden lässt

Vierter Beitrag zur Fotoaktion (April): Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

Fünfter Beitrag zur Fotoaktion (Mai): Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

Sechster Beitrag zur Fotoaktion (Juni): Die alte Teekanne meiner Oma als ein Symbol für die Beständigkeit von Geteiltem im Leben - und für erlebtes Leiden

Siebter Beitrag zur Fotoaktion (Juli): Kindheit, die erste Heimat auf dieser Welt - so voller Mysterien und doch so zerbrechlich - von der Wirkmacht der ersten Jahre

Achter Beitrag zur Fotoaktion (August): Eintauchen in andere Welten durch Rock-LPs und ihre Plattencover - wie mir die Vermischung zweier Künste durch die Zeit half

Neunter Beitrag zur Fotoaktion (September): Standfest, sicher und ausgesetzt - warum die Bäume auf einem Osnabrücker Berg einen so hohen Symbolwert haben 

Zehnter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die erste): Warum eine fundierte Ausbildung für einen Trauerbegleiter so wichtig ist und warum in meiner Schlümpfe eine Rolle spielen

Elfter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die zweite): Ein ganzes Leben unter bunten Buchdeckeln - Warum Blanko-Notizbücher eine Kraftquelle sein können

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 


Und im Kultur-Blog des Autors: Was "Babylon Berlin" wirklich zu einer ganz besonderen Serie macht - und das ist nicht alleine Bryan Ferry von Roxy Music



Dienstag, 4. Dezember 2018

Bewegendes Bilderbuch: Wenn der Suizid eines Elternteils viele Fragen aufwirft, von denen eine kluge Eule hier einige beantworten kann - für Kinder ab etwa sechs Jahren, derzeit nur im Selbstverlag erhältlich

Eine Illustration aus "Eule Milly und ein Koffer voller Fragen".  (Carolin-Gallacher-Repro) 

Hildesheim/Osnabrück - Dieses Buch ist leider nicht im regulären Buchhandel erhältlich, aber vielleicht ändert sich das ja noch. Denn die Geschichte der kleinen Pippa, deren Vater sich das Leben genommen hat, ist einerseits wunderschön bebildert und mit viel Feingefühl betextet, nimmt aber andererseits die Kinder und die sich ihnen nach einem Suizid stellenden - bohrenden - Fragen ernst. In dieser Mischung ist das Buch sicher ein gelungenes Angebot für Eltern, die ihre Kinder in einer so schwierigen Lage unterstützen wollen (wofür doch oft die Kraft fehlt). Pippa trägt einen alten Koffer ihres Vaters bei sich, in dem sie all die Fragen gesammelt hat, die sie so bewegen - aber es braucht dann schon eine lebenserfahrene Eule, damit die Fragen auch beantwortet werden.

Vor kurzem hatte ich das Vergnügen, bei einem hervorragend organisierten Symposium in Sachen Trauer und Trauerbegleitung als Referent mit dabei sein zu dürfen, aber mir auch alle anderen Vorträge des Tages anhören zu können. Organisiert von dem in Hildesheim aktiven Verein "Trauerzeit" und dem Kolping Bildungs- und Sozialwerk Hildesheim, waren bei dieser Veranstaltung etwa 50 Teilnehmer aus allen möglichen Kontexten versammelt - Hospizarbeit, Trauerredner, Notfalleinsatzkräfte -, um sich über Trauerbegleitung zu informieren. In einem am Vormittag stattfindenden Vortrag stellten die beiden jungen Buchautorinnen ihr Werk vor: Die Trauerbegleiterin Katharina Homann und die Illustratorin Carolin Gallacher. Und ihr Buch bzw. ihr Vortrag bewegte durchaus die Gemüter der Anwesenden. Rückmeldungen kamen unter anderem von den Angehörigen um Suizid: Ja, so ein Buch habe bislang gefehlt, es müsste am besten im Buchhandel erhätlich sein... Was macht das Buch so besonders?


Passend zu ihrem Buch hatten die beiden Autorinnen beim Symposium in Hildesheim diesen mitgebrachten Koffer gestaltet, der die Themen des Buches aufnimmt (Thomas-Achenbach-Foto).

Vor allem die sanfte Annäherung, das Feingefühl, aber auch der Ernst: In "Eule Milly und ein Koffer voller Fragen" begegnet die kleine Pippa einer weisen Eule. Das trifft sich gut, denn Pippa schleppt einen Koffer voller Fragen mit sich herum, seit sie ihren Vater durch Suizid verloren hat. Auch wenn die Eule Milly nicht alle der Fragen beantworten kann, so bemerken beide doch, wie wohltuend und wichtig ihre Gespräche sind. Und so kommt Pippa der Auseinandersetzung mit dem Suizid ihres Vaters und den dadurch entstandenen Gefühlen und Empfindungen näher. Man könnte auch sagen: Sie ist in so einer Art  Trauerbegleitung. Als schließlich alle Fragen beantwortet sind, wird der Koffer in einen Erinnerungskoffer umfunktioniert und der Blick wieder etwas positiver in eine mögliche Zukunft gerichtet. Transportiert wird das über die Bilder und die Texte gleichermaßen. Das Bemerkenswerte an den Bildern sind die darin verwendeten Farbwelten...


Zum Symposium TrauerZeit.Lebenszeit in Hildesheim kamen mehrere Referenten - eine lohnende und spannende Veranstaltung (Gburek-/Trauerzeit-Repro).

Helle, warme Farben tauchen nämlich immer an den Stellen auf, an denen Fragen geklärt werden, wie die Autorinnen mir in einem kurzen E-Mail-Dialog noch mitgeteilt haben: So steht schon der gelbe Kerzenschein auf Seite 1 für die Weisheit der Eule. "Die übrigen Seiten bleiben bewusst etwas ,trüb', da Pippa hier auch noch sehr traurig ist und noch viele Fragen unbeantwortet sind; im Laufe der Geschichte tauchen immer mehr Lichtstrahlen auf und auf der letzten Seite ist der Höhepunkt erreicht, der das Weitermachen symbolisieren soll", schreibt mir die 28-jährige Illustratorin Carolin Gallacher mir in der Mail weiter.  


Illustatorin Carolin Gallacher (links) und Autorin Katharina Hohmann freuen sich über ihr Kinderbuch  (Foto: eigen).

Die Landschaftsarchitektin bekam noch während ihres Studiums den Tipp eines Dozenten, dass sie auch mit einem Grafikzeichentablet zeichnen könne - und das Zeichnen war schon seit Kindertagen ihr Hobby. Mit dem Zeichnen von Bilderbüchern hat sie eine gewisse Erfahrung, denn sie mag daran am liebsten, "dass hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind". Eule Milly ist jedoch die erste Arbeit, die sie für eine andere Autorin angefertigt hat. Jedes Bild wurde erst "analog" mit einem schwarzen Buntstift gezeichnet und nach dem Einscannen am Zeichentablet digital koloriert. Jede Seite hat ca. einen Tag oder manchmal auch nur einen Abend gedauert, berichtet die Illustratorin weiter. Das Buch rund um Eule Milly ist innerhalb von 2 Monaten diesen Sommers abends, im Zug und am Wochenende entstanden. Für die 27-jährige Autorin Katharina Hohmann war das gleichzeitig ihre Abschlussarbeit am Ende einer Trauerbegleiterausbildung.


Denn Katharina Hohmann beendet gerade ihr Psychologie-Studium mit einer Masterarbeit. Aber das Thema Trauer beschäftigt sie schon lange: So ist sie ausgebildete Notfallseelsorgerin und Trauerbegleiterin für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsen. "Das Thema der (Kinder-)Trauer begleitet mich eigentlich schon mein Leben lang, so verlor ich bis zum 8.Lebensjahr sechs Familienangehörige auf unterschiedliche Weise", schreibt die Autorin mir in einer E-Mail. "Nach dem Abi arbeitete ich dann im Kinderhospiz Balthasar in Olpe, einem Kinderhospiz und Aidswaisenhaus in Südafrika und machte eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin, bevor ich mit dem Psychologiestudium begann. Auch dort begleitete mich das Thema Trauer, Tod und Sterben auf wissenschaftlicher Ebende immer mal wieder."


Wie ist das Buch erhältlich? "Eule Milly und ein Koffer voller Fragen - was Pippa über Suizid lernte" ist durch die Unterstützung des Kolping Bildungs- und Sozialwerks Hildesheim und des Vereins Trauerzeit als limitierte Stückzahl in gedruckter Form erhätlich (17 Euro). Zu bekommen ist es per E-Mail an trauerbegleitung@kolping-hildesheim.de oder an trauerzeit@mail.de oder direkt bei der Autorin unter katharina.hohmann@gmx.net. Mich persönlich hat das Buch sehr bewegt und ich halte es für rundum gelungen. 


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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


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Und im Kultur-Blog des Autors: Was "Babylon Berlin" wirklich zu einer ganz besonderen Serie macht - und das ist nicht alleine, aber auch, Bryan Ferry von Roxy Music

Mittwoch, 28. November 2018

Ein ganzes Leben unter mehreren bunten Buchdeckeln - Warum auch Blanko-Notizbücher eine Kraftquelle sein können - Meine zweiten November-Fotos für die Mitmachaktion des Bundesverbands Trauerbegleitung (plus: Tiipps für "Erfolgstraining" und "Superbuch")


Blanko-Notizbücher - ohne die geht es nicht.... (Alle Fotos: Thomas Achenbach)

Osnabrück - Für meine Lebensgestaltung sind sie essentiell - und auch sonst habe ich eine Schwäche für sie: Ohne Notizbücher könnte ich nicht leben. Sie sind ein ausgelagertes Gedächtnis, ein Ankerpunkt in der Erinnerung daran, was die Tage wertvoll gemacht hat und ein Sammelpunkt für alles, an das ich denken muss. Und weil ich gerade versuche, irgendwie drei bis vier Leben in eines zu packen - Familie, Hauptberuf, Trauerbegleitung, dazu noch das Schreiben, Bloggen, die Fotografie und noch das eine oder andere -, ist es besonders sinnvoll, alles, was gerade flüchtig im Gedächtnis herumspukt und das vielleicht erinnert werden sollte, rasch aufzuschreiben. In diesen verschiedenen Prozessen begleiten mich meine verschiedenen Notizbüchern, in denen sich mein ganzes Leben findet. Also sind sie eben auch: Kraftquellen. Außerdem: "Hoffnungsvoll und Seelenschwer". Und damit sind sie als Thema prädestiniert für meine inoffizielle Teilnahme an dieser offiziellen Aktion... als zweiter Beitrag im November, weil ich im Oktober keine Zeit dafür hatte.

Ich will ganz ehrlich sein: Am Anfang kam ich mir reichlich bescheuert vor, als ich damit begann, ein „Glückstagebuch“ oder „Erfolgstagebuch” anzulegen. Tagebuch zu führen, das hatte ich durchaus schon mal ausprobiert, aber es hatte mich doch immer irgendwie befremdet oder mir sehr wenig gebracht. Und dann als Über-30-Jähriger mit einer ganz besonderen Sorte Tagebuch anzufangen... – ganz schön Eso, irgendwie. Andererseits hatte ich auch noch die deutlichen Worte der Persönlichkeitstrainerin und Managementberaterin im Kopf, mit der ich damals einen Vortrag organisiert hatte: Man solle sich am Ende eines jeden Tages wenigstens drei Dinge notieren, die positiv gewesen sind. Um den Fokus auf das Gute im Leben zu richten. Denn: „Beachtung bringt Verstärkung.“ 



Ein simpler psychologischer Trick, der zu deutlich mehr Zufriedenheit im Leben führen soll. Und mehr Zufriedenheit hatte ich zu jenem Zeitpunkt in meinem Leben bitter nötig. Das war vor mehr als zwölf Jahren. Seither bin ich ein überzeugter Fan und Befürworter dieser Technik. Und habe keine Angst davor, es zugegeben. Manager nutzen diese Methode. Geschäftsführer nutzen sie. Erfolgreiche Menschen nutzen sie. Auch wenn es im ersten Moment etwas esoterisch anmuten mag: Es funktioniert. Ich persönlich nenne die Methode gerne „Positiv-Training“. Das klingt pragmatischer. „Glückstagebuch”, wie es viele bevorzugen, das schmeckt für mich dann doch zu sehr nach Teenagerträumen und Seifenoper. Aber „Training“ – das klingt hübsch aktiv und sportlich. Und so geht es: Man besorgt sich ein Buch mit leeren Seiten und einen Stift. Am Abend lässt man, vielleicht vor dem Schlafengehen, den Tag in Gedanken noch einmal Revue passieren und notiert sich einfach alles, was gut gewesen ist. Aber eben nur das. Das Schlechte bleibt einfach weg.




Das Ganze ist also weniger ein Tagebuch als vielmehr eine Art Wahrnehmungsschule. Für den Anfang reicht es, sich jeden Tag drei Dinge zu notieren. Schon nach wenigen Wochen werden es meiner Erfahrung zufolge automatisch mehr. Warum das Training so gut funktioniert, ist schnell gesagt: Weil man als Mensch zum Perspektivwechesl gezwungen ist. Denn von Natur aus ist der Mensch eben so gestrickt, dass er immer zuerst auf die negativen Seiten des Lebens sieht. Hand aufs Herz: Wenn Sie abends bei Familie oder Freunden erzählen, wie Ihr Tag gewesen ist – wie oft erzählen Sie etwas Gutes? Und wie oft etwas Negatives? Eher Letzteres, oder? Wie kommt das? Ganz einfach: es sind vor allem die kleinen positiven Ereignisse, die viel schneller in Vergessenheit geraten als alles, über das man sich aufregt. Wobei, eines muss klar gesagt sein: In einer Trauer- und Verlustkrise ist diese Technik erstmal zu ambitioniert. Aber es gibt eine ganz pragmatische und niederschwellige Methode, die sich dann anwenden lässt und die ich hier in diesem Blog bereits an anderer Stelle einmal beschrieben habe ("Sammeln Sie Ihre Immerhins..."). Aber dieses tägliche Training ist nur eines der Bücher, die ich in täglicher Benutzung habe.



Das andere ist mein "Superbuch". Ja, zugegeben, das klingt auch erstmal bizarr und esoterisch. Ist aber ganz einfach: Viele Jahre lang habe ich alles das, was mir gerade irgendwie im Kopf herumgespukt ist, auf den nächstverfügbaren Notizzettel oder auf einen gelben Post It geschrieben. Dazu kamen noch allerlei To-Do-Listen und Schmierzettel. Mit dem Resultat, dass ich irgendwann eine wilde und bei jedem Lüften durch die Gegend flatternde Sammlung an Minizetteln und Klebezetteln irgendwo herumliegen hatte, was erstens ziemlich schrecklich aussah und zweitens auch nicht unbedingt das gewünschte Ergebnis gebracht hatte (also: sich tatsächlich an etwas zu erinnern). Und je komplexer mein Leben so wurde, desto ausufernder wurde auch dieser Zettelberg. Ich bin tatsächlich erst sehr spät in meinem Leben und durch einen Blogbeitrag in "Frau Momos Minimalismus" auf die Methode mit dem Superbuch gestoßen. Die Idee ist eigentlich total simpel: Da kommt einfach alles rein. Alles. All die Zettelcheninhalte, Gedanken, Notizen, To Dos, Einkaufslisten, alles. Und wie Frau Momo so schön schreibt: Alles ganz unabhängig von geladenen Akkus. So begleiten mich zwei Notizbücher durch meinen Alltag: Mein Trainingsbuch und mein Superbuch. Und es kommen noch mehr dazu.


Denn es gibt noch Notizbücher mit zielgerichteten Notizen, also projektbezogene Bücher, wo ich alles, was das Projekt braucht, versammelt finde. Also: Jede Menge Leben und jede Menge Pläne und jede Menge Gutes ist da versammelt zwischen diesen Buchdeckeln. Und dennoch ist es immer wieder ein schönes Gefühl, ein neues, leeres Notizbuch in den Händen zu halten, aufzuschlagen und mit den ersten Zeilen zu beginnen. Das hat so etwas von: Das Leben geht weiter, ein neues Kapitel fängt an... Jedes Mal ein kleines Ritual der Erneuerung, der Fortsetzung und der weiteren Bereicherung (dafür, dass ich -Ung-Wörter eigentlich nicht ausstehen kann, waren das jetzt eine ganze Menge davon). Und damit ist ist auch das irgendwie "auch Hoffnungsvoll und Seelenschwer". So wie diese Aktion hier.




Denn der Bundesverband Trauerbegleitung (BVT) - in dem ich ebenfalls Mitglied bin - feiert seinen zehnten Geburtstag in Form einer kreativen Mitmachaktion, zu der noch bis zum Ende des Jahres alle, die Lust haben, zur Teilnahme aufgerufen sind. Auch ohne jeden Bezug zum Thema. Wobei es interessant sein kann, sich den BVT einmal näher anzugucken. Gegründet mit dem Ziel, der Ausbildung zum Trauerbegleiter in Deutschland einen einheitlichen Lehrplan und ein einheitliches Zertifikat verschaffen zu können, versteht sich der Verband inzwischen als Sprachrohr und Interessenvertretung für alle Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise. Sie sind es auch, die sich zur Teilnahme an der Aktion eingeladen fühlen sollen (alle Infos gibt es unter diesem Link). Immer unter der Fragestellung: Was sind Kraftquellen, Stolpersteine, was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Was bringt Wut in den Bauch, was streichelt meine Seele? 

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Alle Infos zur Aktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" gibt es auf der BVT-Website....

Erster Beitrag zur Fotoaktion (Januar): Warum auch meine alten ausgelatschten Chucks eine Kraftquelle für mich sind

Zweiter Beitrag zur Fotoaktion (Februar): Kraftquelle Waldeswillen - wie sich ein alter und gestürzter Baum einfach nicht unterkriegen lässt und warum das so gut tut

Dritter Beitrag zur Fotoaktion (März): Kraftquelle Kulturerlebnisse - wie sich mein Leben mit allen Tiefern und Höhen auch in Eintrittskarten abbilden lässt

Vierter Beitrag zur Fotoaktion (April): Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

Fünfter Beitrag zur Fotoaktion (Mai): Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

Sechster Beitrag zur Fotoaktion (Juni): Die alte Teekanne meiner Oma als ein Symbol für die Beständigkeit von Geteiltem im Leben - und für erlebtes Leiden

Siebter Beitrag zur Fotoaktion (Juli): Kindheit, die erste Heimat auf dieser Welt - so voller Mysterien und doch so zerbrechlich - von der Wirkmacht der ersten Jahre

Achter Beitrag zur Fotoaktion (August): Eintauchen in andere Welten durch Rock-LPs und ihre Plattencover - wie mir die Vermischung zweier Künste durch die Zeit half

Neunter Beitrag zur Fotoaktion (September): Standfest, sicher und ausgesetzt - warum die Bäume auf einem Osnabrücker Berg einen so hohen Symbolwert haben 

Zehnter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die erste): Warum eine fundierte Ausbildung für einen Trauerbegleiter so wichtig ist und warum in meiner Schlümpfe eine Rolle spielen

Elfter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die zweite): Ein ganzes Leben unter bunten Buchdeckeln - Warum Blanko-Notizbücher eine Kraftquelle sein können

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 


Und im Kultur-Blog des Autors: Was "Babylon Berlin" wirklich zu einer ganz besonderen Serie macht - und das ist nicht alleine Bryan Ferry von Roxy Music


Donnerstag, 22. November 2018

Bevor wir in die Adventszeit starten, hier noch ein paar Tipps für Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise - wenn das erste Weihnachten nach einem Verlust besonders weh tut und wann in 2018 der gestorbenen Kinder gedacht wird (World Wide Candle Lighting), Tipps zum Umgang mit Trauernden

Osnabrück (eb) - Für Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise ist die Weihnachtszeit oft besonders hart. Vor allem, wenn der Verlust noch recht frisch ist und es sich bei diesem Weihnachtsfest um eines dieser "ersten Male" handeln sollte, von denen das erste Jahr nach dem Trauerfall ja so voll ist. Manchmal steht die Frage im Raum: Wie sollen wir das bloß aushalten und überstehen? Im Laufe der Jahre habe ich hier auf diesem Blog bereits verschiedene Beiträge zu diesem Thema veröffentlicht - und weil es nun wieder so weit ist und die Adventszeit wieder vor der Tür steht, möchte ich diese hier gerne noch einmal zusammenfassen und erneut darauf aufmerksam machen - für neue Leser oder zum Nochmal-lesen oder einfach so:

1.) Eine Ermutigung: Unter dem Motto "Fünf kleine Tipps für Trauernde" habe ich ein paar Anregungen und Ideen gesammelt, wie sich die Symbole und Rituale der Weihnachtszeit auch umdeuten und anders bewerten lassen...

Hier geht es zu diesem Text:  "Versuch einer Ermutigung in der Adventszeit, fünf kleine Tipps für Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise".


Hilfe, muss das sein? Für Trauernde ist die Vorweihnachtszeit oft keine besonders schöne Zeit. All das Leuchten und freudige Erwarten um einen herum kann etwas Überforderndes haben.   (Thomas-Achenbach-Foto)

2.) Für frisch verwaiste Eltern: Eine inzwischen immer bekannter werdende Aktion und eine wertvolle neue Tradition ist das "World Wide Candlelighting", bei dem auf der ganzen Welt quasi zeitgleich Kerzen für die gestorbenen Kinder - nicht alleine nur Sternenkinder - entzündet werden. In 2018 wird dies wie immer am zweiten Sonntag im Dezember sein. Alle weiteren Infos dazu und wie es zu dieser Tradition kommt, beschreibt mein Artikel.

Hier geht es zu diesem Text:   "Ein Licht für alle, die viel zu früh von dieser Welt gehen mussten - das World Wide Candle Lighting". 


Kerzen anzünden als bewusste Geste des Erinnerns und Gedenkens - so lässt sich das Leuchten in der Weihnachtszeit auch für Trauernde (um-) interpretieren.   (Thomas-Achenbach-Foto)

3.) Zur alten Frage: Warum wird die Weihnachtsdekoration besser erst nach dem Totensonntag aufgehängt?  -  Auch wenn diese Tradition ursprünglich christliche Wurzeln hat, wenn auch nicht unbedingt katholische, gibt es auch einige weltliche Gründe dafür, warum es sinnvoll sein kann, so einen Gedenktag zu begehen und sich erst danach dem Lichterzauber hinzugeben.

Hier geht es zu diesem Text:   "Warum es richtig ist, den Weihnachtssschmuck erst nach dem Totensonntag anzubringen (und warum das weniger mit Religion zu tun hat)"

Empfinden nicht nur Gläubige als unpassend: Leuchtender Adventsschmuck noch vor dem Totensonntag. Die Tradition hat sich jedoch mittlerweile von ihren kirchlichen Ursprüngen her verselbstständigt.    (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)
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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Was einem helfen kann - Fotoaktion: Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: "Sei doch bitte wieder normal" geht leider gar nicht - Trauernde brauchen langfristiges Verständnis ohne Ziele 

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 

Und im Kultur-Blog des Autors: Was "Babylon Berlin" wirklich zu einer ganz besonderen Serie macht - und das ist nicht alleine Bryan Ferry von Roxy Music

Dienstag, 20. November 2018

Warum es so wichtig ist, sich als Trauerbegleiter auf eine umfassende Grundausbildung verlassen zu können und warum für mich ein Koffer und die Schlümpfe als Symbole dafür stehen - Meine ersten November-Fotos für die Mitmachaktion des Bundesverbands Trauerbegleitung

Koffer. Schlümpfe. Trauer. Kann alles zusammengehören... (Alle Fotos: Thomas Achenbach).

Osnabrück - Eine solide Ausbildung zu haben, das ist ein wertvolles Fundament, auf das sich bauen lässt. Ich merke das immer wieder, wenn ich mich auf eine Begleitung von Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise vorbereite oder wenn ich während des Gesprächs an einen Punkt gerate, in dem ich spüre, ah ja, sieh mal, hier hättest Du noch vor wenigen Jahren vermutlich ganz anders reagiert. Ich habe meine Ausbildung zum Trauerbegleiter abgeschlossen mit der "Großen Basisqualifikation" - und dieser ganze Kurs, der sich über ein ganzes Jahr erstreckte, mit all seinen Teilnehmern und Dozenten und Inhalten war ein wertvoller Baustein meines Lebens. Zu den ganz wichtigen Bestandteilen dieser Ausbildung gehörten zwei Elemente: Koffer und Schlümpfe. Man könnte auch sagen: Tiefe und Leichtigkeit. Somit ist auch dieses Thema eben "Hoffnungsvoll und Seelenschwer". Und damit ist es ebenfalls gut geeignet für meine inoffizielle Teilnahme an dieser offiziellen Aktion... (und weil ich im Oktober vor lauter Stress keine Fotos habe machen können, gibt es im November nun zwei Beiträge)...

Wie das Leben oft so spielt... - kann das noch ein Zufall sein? Kaum waren die Schlümpfe mir in meiner Trauerbegleiterausbildung wiederbegegnet, also die kleinen Plastikfiguren, wie wir sie als Kinder in den 80ern geliebt haben, da stieß ich in meinem Elternhaus auf meine dort noch vorhandene ganz eigene Sammlung alter Schlumpffiguren. Von der ich gar nicht mehr wusste, dass sie dort noch auf mich wartete. Seither finden sich diese Schlümpfe in vielen Variationen immer wieder auch als Fotomotiv und als Symbolfiguren auf diesem Blog und auf meinem Kulturblog. Denn mit diesen kleinen Figürchen lässt sich wesentlich mehr machen als nur spielen oder seine Sammelleidenschaft bedienen. Das war eine der wichtigen Botschaften, die wir aus unserer Trauerbegleiterausbildung mitgenommen haben.



Wobei es natürlich nur eine von vielen Botschaften und Inhalten war, die diese insgesamt sehr reiche und sehr vielfältige Ausbildung uns vermittelt hat. Absolviert im Haus Ohrbeck in der Nähe von Osnabrück, startete diese sich über ein Jahr erstreckende Fortbildung im Februar und endete im März des darauffolgenden Jahres. In der Zeit dazwischen gab es Einheiten, die rund eine Woche lang gingen und Einheiten, die nur ein Wochenende beanspruchten. Unser Kurs, der sich alsbald hervorragend verstand, wuchs eng zusammen und wurde eine verschworene Einheit. Wenn wir zusammen waren, entstand Energie, da gab es ein gegenseitiges Getragensein und eine tiefe Vertrautheit. Was natürlich auch damit zu tun hat, dasss die Ausbildung zum Trauerbegleiter - sinnvollerweise - mit dem Erkunden der eigenen Biographien und der eigenen Trauerwege beginnt. Und da geht es dann gleich zu Beginn richtig ans Eingemachte. Das schweißt zusammen. Dazu kamen zahlreiche Sachinformationen – was ist Trauer, wie äußert sie sich, welche Prozesse gibt es –, psychologische und kreative Einheiten, Exkurse in Sachen Notfallseelsorge und Traumdeutung und einen Ausflug in ein Bestattungshaus. Aber das Allerwichtigste: Jeder von uns hat gelernt, eine Haltung zu entwickeln, aus der heraus er begleiten möchte. Das ist enorm wichtig und sehr hilfreich, es hilft mir bis heute. Und zu alledem gesellten sich dann noch die Schlümpfe.



Denn diese etwa daumengroßen Plastikschlümpfe lassen sich auch anders betrachten und einsetzen: Lässt man einmal ihre Comic-Herkunft beiseite und schaut sich die Figuren mal aus einem anderen Blickwinkel an, wird einem der Reichtum an Motiven und Symbolen bewusst, der sich hier entfaltet. Es gibt zum Beispiel einen Schlumpf mit einer Lupe, also einen Suchenden. Es gibt einen Schlumpf, der schwer zu tragen hat und ins Schwitzen gerät. Es gibt einen Papa-Schlumpf, der als Dirigent im Frack gerade den Taktstock schwingt. Überhaupt, die Figur des Papa Schlumpfs so als der Weise, Erfahrene, Väterliche. Und, und, und... Ein perfekt geeignetes Sammelsurium an Symbolismen und Bildern also, mit denen sich beispielsweise in einem Seminar oder einer Trauerbegleitung oder in einem Coaching sehr gut arbeiten lässt...



Anstelle der oftmals eingesetzten Bildkarten (meistens kombiniert mit einer Aufgabe wie: Suchen Sie sich eine aus, die zu ihrer aktuellen Situation passt und erklären Sie uns, warum Sie gerade diese Karte gewählt haben...) lassen sich nämlich Spielfiguren nehmen. Auch und gerade im Trauerkontext, denn gerade hierbei darf es auch mal spielerisch zugehen. Und eben weil diese Schlümpfe bei uns in der Ausbildung immer mal wieder eine Rolle spielten und wir das insgesamt ebenso witzig wie anregend fanden, hatten wir auch bald einen Spitznamen für unseren Jahrgang und die dazugehörige Whats-App-Gruppe: Die Trauerschlümpfe. Womit wir zum nächsten für mich wichtigem Symbol kommen: Meinem Koffer.



Denn auch der ist natürlich eher symbolistisch zu verstehen als gegenständlich. Rund ein Jahr nach dem Ende unserer Trauerbegleiterausbildung konnte es mir alles nicht schnell genug gehen. Mit frischem Hintergrundwissen ausgestattet, war ich sehr daran interessiert, mich und meine Dienste nun auch anzubieten - für konkrete Begleitungen, für Trauerseminare und Vorträge und für alles, was sich sonst noch anbot. Schnell war klar: Weil die Hospizgruppen und Hospize, denen ich mich als Trauerbegleiter angeboten hatte, jeweils auf einer zusätzlichen und oft wieder über ein Jahr dauernden eigenen Ausbildung bestanden (worin ich noch einen Kritikpunkt in Sachen Ausbildungswesen sehe, aber das nur am Rande bemerkt), würde ich also als Einzelanbieter unterwegs sein. Gerade zu diesem Zeitpunkt traf sich unser Ausbildungsjahrgang zum ersten Treffen rund ein Jahr danach zu einer weiteren Fortbildung bzw. Supervision. Und in dieser kam dann der Koffer mit ins Spiel...


Seinen eigenen noch ganz leeren und noch ganz blanken Koffer zu gestalten, diese Tätigkeit auch als eine Art Gedankenreise und Zwischenbilanz zu verstehen, nach dem Motto "Was ist alles schon drin, was müsste noch mit hinein?", das war eine für mich sehr wertvolle Reflektionseinheit. Denn auf einmal konnte ich, anders als vorher, all das sehen, was es in der Zwischenzeit gegeben hatte: Mehrere Vorträge, ein bald stattfindendes Trauerseminar unter meiner Leitung, eine sich gerade gründende Trauergruppe. Es war viel mehr los als ich so dachte. Und auch das Bemalen dieses Pappkoffers war eine erfrischend gute Tätigkeit: Zwar hatte ich das Malen in der Schule stets als etwas Schreckliches erlebt - es war jedes Mal eine mehr unbeholfene und dahingepfuschte Versuchsansordnung mit dem ohnehin verhassten Wasserfarbkasten -, aber sich mit Acrylfarben ganz frei und unbefangen und ohne gegenständliche Mal-eine-Rose-Vorgaben kreativ austoben zu können, hatte eine ganz eigene Qualität. Somit war auch ein alter Schulfluch gebrochen dank dieser Aufgabe. Inzwischen ist bei mir übrigens wirklich vieles ins Rollen gekommen in Sachen Trauerbegleitung - und wenn mir auch anfangs alles nicht schnell genug gehen konnte, so staune ich heute manches Mal darüber, was sich inzwischen alles ergeben hat und wie schnell das gegangen ist. Und damit ist ist auch das irgendwie "auch Hoffnungsvoll und Seelenschwer". So wie diese Aktion hier.



Denn der Bundesverband Trauerbegleitung (BVT) - in dem ich ebenfalls Mitglied bin - feiert seinen zehnten Geburtstag in Form einer kreativen Mitmachaktion, zu der noch bis zum Ende des Jahres alle, die Lust haben, zur Teilnahme aufgerufen sind. Auch ohne jeden Bezug zum Thema. Wobei es interessant sein kann, sich den BVT einmal näher anzugucken. Gegründet mit dem Ziel, der Ausbildung zum Trauerbegleiter in Deutschland einen einheitlichen Lehrplan und ein einheitliches Zertifikat verschaffen zu können, versteht sich der Verband inzwischen als Sprachrohr und Interessenvertretung für alle Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise. Sie sind es auch, die sich zur Teilnahme an der Aktion eingeladen fühlen sollen (alle Infos gibt es unter diesem Link). Immer unter der Fragestellung: Was sind Kraftquellen, Stolpersteine, was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Was bringt Wut in den Bauch, was streichelt meine Seele? 

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Alle Infos zur Aktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" gibt es auf der BVT-Website....

Erster Beitrag zur Fotoaktion (Januar): Warum auch meine alten ausgelatschten Chucks eine Kraftquelle für mich sind

Zweiter Beitrag zur Fotoaktion (Februar): Kraftquelle Waldeswillen - wie sich ein alter und gestürzter Baum einfach nicht unterkriegen lässt und warum das so gut tut

Dritter Beitrag zur Fotoaktion (März): Kraftquelle Kulturerlebnisse - wie sich mein Leben mit allen Tiefern und Höhen auch in Eintrittskarten abbilden lässt

Vierter Beitrag zur Fotoaktion (April): Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

Fünfter Beitrag zur Fotoaktion (Mai): Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

Sechster Beitrag zur Fotoaktion (Juni): Die alte Teekanne meiner Oma als ein Symbol für die Beständigkeit von Geteiltem im Leben - und für erlebtes Leiden

Siebter Beitrag zur Fotoaktion (Juli): Kindheit, die erste Heimat auf dieser Welt - so voller Mysterien und doch so zerbrechlich - von der Wirkmacht der ersten Jahre

Achter Beitrag zur Fotoaktion (August): Eintauchen in andere Welten durch Rock-LPs und ihre Plattencover - wie mir die Vermischung zweier Künste durch die Zeit half

Neunter Beitrag zur Fotoaktion (September): Standfest, sicher und ausgesetzt - warum die Bäume auf einem Osnabrücker Berg einen so hohen Symbolwert haben 

Zehnter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die erste): Warum eine fundierte Ausbildung für einen Trauerbegleiter so wichtig ist und warum in meiner Schlümpfe eine Rolle spielen

Elfter Beitrag zur Fotoaktion (Herbst, die zweite): Ein ganzes Leben unter bunten Buchdeckeln - Warum Blanko-Notizbücher eine Kraftquelle sein können

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 


Und im Kultur-Blog des Autors: Was "Babylon Berlin" wirklich zu einer ganz besonderen Serie macht - und das ist nicht alleine Bryan Ferry von Roxy Music