Freitag, 28. Juni 2019

Bis Ende August ist auf diesem Blog noch Sommerpause - in der Zwischenzeit ein paar Lese- und Hörtipps sozusagen als Best Of aus dem ersten Halbjahr 2019 - bis bald, allen einen guten Sommer!


(Wenn nicht anders gekennzeichnet, alle Fotos: Thomas Achenbach)

Osnabrück - Noch bis Ende August ist dieser Blog in seiner alljährlichen Sommerpause. Aber hier ist ein kleiner Newsletter für diesen Zeitraum - und eine Zusammenfassung dessen, was sich innerhalb der ersten sechs Monate dieses Jahres so getan hat. Das war eine ganze Menge, so dass es ganz hilfreich sein kann, die vielen Angebote zum Hören, Lesen und Downloaden, die es innerhalb und außerhalb dieses Blog so gegeben hat, noch einmal komprimiert in einem Beitrag zu versammeln. Bald wird es hier im Blog weitergehen mit neuen Inhalten und neuen Beiträgen. 

Noch während ich emsig an meinem eigenen Podcastprojekt arbeitete, war ich plötzlich selbst als Interviewgast im Radio gefragt - in der immer am Montagabend ausgestrahlten "Beziehungsshow" des Senders SWR 3 ging es Anfang April um das Thema "in guten wie in schlechten Zeiten" - mit der Betonung auf den schlechten Zeiten. Wie halten Partnerschaften und Beziehungen es eigentlich aus, wenn sie plötzlich mit den Themen Tod, Trauer und Sterben konfrontiert werden, was hilft dann, was eher nicht? Als einer von mehreren Ansprechpartnern rund um diese Themen sind mein Beiträge eher im hinteren Teil der Sendung zu hören. Die gesamte Sendung - ohne die Musik - ist noch eine ganze Weile auf der Website des SWRs zu finden und anzuhören - unter diesem Link.


(Foto: Stefanie Hiekmann)

Ein ehemals Alkohol- und Spielesüchtiger, der sich aus einer Sekte befreien musste und heute Menschen in Trauer-, Verlust- und Lebenskrisen beiseite steht; ein Buchautor, dessen lebenserfahrenen und von wertvollen Impulsen durchdrungenen Werke immer mal wieder auf den Bestsellerlisten auftauchen und ein ehemaliger Journalist, dessen Hospiz-und-Musik-Projekt die Herzen vieler Menschen berührt und als eindrucksvolles Live-Erlebnis zu faszinieren weiß... mit Kai Sender, Pierre Stutz und Stefan Weiller habe ich für den Start meines Podcasts nicht nur eindrucksvolle Menschen interviewen dürfen, sondern auch gute Gespräche führen dürfen, die zahlreiche wertvolle Impulse enthalten, auch über die eigentlichen Themen hinaus. Aus jedem Gespräch bin ich selbst irgendwie bereichert herausgegangen, auch darüber freue ich mich - wie über den gelungenen Start meines Podcastprojekts. Alle bisher veröffentlichten Folgen gibt es unter diesem Link.


Nun geht das Jahr 2019 schon in seine zweite Hälfte - und ich freue mich sehr darüber, dass mein im März erschienenes Buch "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag) weiterhin Aufmerksamkeit erzeugt für ein meiner Meinung nach sehr wichtiges und unterschätztes Thema. Im Herbst des Jahres stehen weitere Vorträge und Lesungen in ganz Deutschland auf dem Programm, in denen dann neben dem Thema Trauer bei Männern auch die Frage im Vordergrund stehen wird, was speziell Männern in Krisen hilft und ob das etwas anderes sein muss als das, was Frauen hilft. Ein etwas anders gestricktes Kapitel aus dem Buch, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, zieht den thematischen Rahmen noch ein bisschen weiter: Es geht um Männer und Musik und ich freue mich sehr darüber, dass ich diesen Abschnitt meines Buchs als kleine "Autorenlesung" - und ergänzt um anderess Material zum Thema - ebenfalls auf meinem Podcast zur Verfügung stellen konnte (hier geht es zu dieser Podcastfolge).



Ab dem Herbst 2019 geht übrigens auch die Wanderausstellung "Hoffnungsvoll und seelenschwer" des Bundesverbands Trauerbegleitung auf eine kleine Tournee durch das Land, die auf der Messe "Leben und Tod" ihre Premiere feierte - eine Fotoausstellung rund um die Fragen, was eigentlich Kraftquellen, Stolpersteine oder Hilfen im Leben sind? Was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Es geht darum, Gefühle und Ressourcen sichtbar zu machen. Mich hatten diese Fragen im vergangenen Jahr zu einem eigenen kleinen Fotoprojekt angeregt - und dass nun der Bundesverband Trauerbegleitung eine Reihe meiner Fotos in seine Ausstellung mit aufgenommen hat, macht mich sehr froh und stolz, aber ganz abgesehen davon ist es so oder so eine sehenswerte Ausstellung geworden (die übrigens auch weiterhin ausgeliehen werden kann) - die nächsten Stationen der Fotoausstellung sind u. a. Haltern, Hildesheim, Neustrelitz und Düsseldorf, die konkreten Termine und Ausleih-Informationen gibt es hier.



Und wo wir gerade beim Thema Bilder sind: Dass die Initiative "Memento Tag" ein paar meiner Fotos ausgewählt hat, um sie in Form von kleinen mit Impulsfragen versehenen Postkarten in ihrem Downloadbereich zur Verfügung zu stellen, hat mich ebenfalls sehr gefreut. Soweit das erste halbe Jahr. Aber nun muss Zeit sein für andere Projekte, die mich eine Weile beschäftigen werden - und dafür brauche ich Zeit im Sommer. 


Gegen Mitte/Ende August 2019 geht es hier weiter auf diesem Blog. Dann wird es wieder, wie gewohnt, etwa einmal pro Woche einen neuen Blogbeitrag geben, so dass sich das wöchentliche Vorbeischauen hier dann auch wieder lohnt. Bis dahin aber ersten: Allen eine gute Zeit. Und allen, die gerade in einer akuten Trauer-, Verlust oder sonstigen Lebenskrise stecken: Lasst Euch nicht unterkriegen! 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

Alle aktuellen Termine, Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare etc. mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Den Blog zum Anhören als Podcast - bitte hier klicken für die aktuelle Episode aus dem Trauer-ist-Leben-Podcast...

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Mutter von Rolf Zuckowski auf dem Sterbebett einen Song ihres Sohnes zitierte - der Kindermusiker über seine Trauererfahrungen

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde in einer Verlustkrise alles so tun und warum einem das nicht peinlich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Mittwoch, 19. Juni 2019

Warum Trauer als Gefühl in Deutschland zum festen Ausbildungsbestandteil werden müsste, was Trauernden wirklich hilft - und wie sich Kai Sender nach dem Aufwachsen in einer Sekte in ein neues Leben arbeiten musste - zweiter Teil meines Interviews mit Kai Sender

Kai Sender im Mai 2019 auf der Bremer Messe Leben und Tod, auf der es auch einen prunkvollen Pferde-Bestatterwagen zu bestaunen gab (im Hintergrund).  Alle Fotos: Thomas Achenbach

Osnabrück - "Trauer als Gefühl muss in Deutschland Ausbildungsbestandteil werden" - diese These hatte die Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper kurz zuvor in ihrem Vortrag in den Raum gestellt. Und nur wenige Minuten später war es der Trauerchat-Moderator und Website-Verantwortliche Kai Sender, der das in meinem persönlichen Interview mit ihm nur unterstreichen konnte: "Jeder Mensch - ausnahmslos jeder Mensch! - kommt irgendwann in eine Trauer, aber keiner ist jemals darauf vorbereitet", sagt Kai. Außerdem erzählte er von seinem harten Lebensweg, dem Aufwachsen in einer Sekte, die Zeit der Befreiung und seinen Süchten. Wie einen das prägen kann für das Leben, das vertiefen wir nun im zweiten Teil des Interviews, das jetzt in meinem Podcast als Episode 8 zum Anhören zur Verfügung steht (ein Klick hier führt direkt zu der Podcastfolge)... 

Jeder Mensch ist irgendwann mal mit dem Tod konfrontiert - ob im persönlichen Umfeld, in der Verwandtschaft oder Freudes- und Bekanntenkreis. Aber kein Mensch ist in irgendeiner Weise darauf vorbeitet. Menschen wie Kai Sender und Mechthild Schroeter-Rupieper machen sich dafür stark, dass sich das ändert. "Ja, es müsste ein Schulfach werden", sagt Kai Sender in diesem Interview, in dem wir über Trauer als Gefühl sprechen, vor allem aber darüber, welchen harten Lebensweg Kai selbst beschreiten musste - und was Menschen beachten können, die einen Süchtigen in der Familie begleiten und ihm helfen wollen. Auch bei diesem Thema spricht Kai Sender Klartext...: 


"Ein Süchtiger ist ein Mensch mit einem sehr starken Wilen, er schafft es jeden Tag seinen Stoff zu besorgen, der hat eine solche Energie, weil das das Wichtigste im Leben ist", sagt Kai und räumt damit mit einem alten Vorurteil auf: "Manche halten Süchtige ja für willensschwach, aber das Gegenteil ist der Fall." Parallel beleuchten wir im Gespräch die Frage: Aufwachsen in einer Sekte, aber auch der Weg in die Sucht war schon beschritten - wie lässt es sich aus solchen Fallstricken des Lebens befreien? 

Weil ich mich nun darüber freue, es der Öffentlichkeit zum Anhören zur Verfügung zu stellen - geht es hier jetzt zum zweiten Teil unseres Gesprächs...

Und hier ist zum Nachhören noch der erste Teil unseres Gesprächs verfügbar.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

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Donnerstag, 13. Juni 2019

Fotoprojekt: Wie lässt sich das Thema der Endlichkeit des Lebens in eigenen Fotos symbolisieren? Wie mich die Initiative des "Memento-Tags" zu einem eigenen kreativen Projekt angeregt hat....

Osnabrück/Sundern - Wie lässt sich die Fülle des Lebens einerseits, aber seine Vergänglichkeit andererseits - und wir als Personen so mittendrin zwischen diesen beiden Polen - in Form eines Fotos umsetzen? Das fand ich mal eine spannende Aufgabe. Und für eine spannende neue Aufgabe wurde es mal wieder höchste Zeit. Oder auf Neudeutsch gesagt: Für eine "Challenge"!? Nachdem mich im vergangenen Jahr das Fotoprojekt "Hoffnungsvoll und seelenschwer" des Bundesverbands Trauerbegleitung zu einer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit allerlei Themen und Fragen des Lebens inspiriert hatte, war es diesmal die Initiative "Memento-Tag", die den Anstoß gab. Wobei ich deren Ideen wirklich ganz charmant finde... Aber der Reihe nach.

Es geschah auf der Messe "Leben und Tod" in Bremen, das mir eine freundliche Dame eine Postkarte in die Hand drückte und mich auf den "Memento-Tag" aufmerksam machte. Dieser soll jeweils am 8. 8. eines Jahres stattfinden und soll, der Philosophie des "Memento Mori" folgend (Bedenke, dass Du sterblich bist), die Menschen an ihre eigene Vergänglichkeit erinnern. Also: An ihren eigenen Tod, der ja unweigerlich einmal folgen wird. Vorbild dafür ist der australische "Dying To Know Day", der bereits seit 2013 einmal im Jahr begangen wird. Wobei die Zahl Acht hier als aufrecht stehendes Symbol der Unendlichkeit zu verstehen ist und der Tag nicht nur als Impulsgeber dienen soll für ein Nachdenken über das eigene Leben, sondern auch für allerlei Aktionen. 

(Alle Fotos: Thomas Achenbach)

"Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, Themen wie Endlichkeit, Tod, Sterben und Trauer wieder etwas mehr ins gesellschaftliche Bewusstein zu holen", hatte die im Sauerland arbeitende Trauerbegleiterin Iris Willecke in einem Facebook-Post dazu geschrieben. "Den Tag können dann unterschiedlichste Gruppen, Organisationen, Dienstleister, … für eigene Aktionen rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer nutzen, ähnlich also wie z.B. beim ,Tag des Friedhofs' oder dem ,Tag der Kinderhospizarbeit'..." In einer Pressemitteilung über ihr Projekt sagt die Initiative außerdem: "Gedanken an den Tod und das Sterben werden in unserer Gesellschaft oft verdrängt. Wir reden zu wenig über unsere Wünsche, Ängste und Sorgen in Hinblick auf das Lebensende."


Die Initiative ist schon recht weit mit ihren Vorbereitungen: So gibt es schon ein eigenes Logo, einen Instagram-Account, eine eigene Website und die auf der Messe verteilte Postkarte. Nur an geeigneten Fotos und Bildmotiven, so schrieb es mir Iris Willecke persönlich, mangele es derzeit noch. Das war dann das Stichwort, das bei mir etwas angetriggert hatte. Fotos, die Vergänglichkeit symbolisieren, aber auch Fülle... Gute Aufgabe, eigentlich, zumal ich hier ja schon einmal eine Art Loblied auf die Fotografie als Hobby gesungen habe.



Was bräuchte man wohl dafür? Wie könnte das aussehen? Mir hat das irgendwie keine Ruhe gelassen. Also rasch ein bisschen Material ausgesucht und dann ran an die Arbeit. Wie passend, dass gerade bei uns im Garten die Rosen blühten - und zum Teil schon verblüht waren. So sind dann die hier gezeigten Aufnahmen entstanden. Aber: Richtig gut kommen die Fotos jetzt vor allem mit den zusätzlichen Impulsfragen, mit denen sie die Initiative Memento-Tag in ihren Downloadbereich gestellt hat, zu finden unter diesem Link....   


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

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Mittwoch, 5. Juni 2019

Warum bei Trauer- und Lebenskrisen auch anonyme Online-Chats eine gute Hilfe sind und wie sie funktionieren - und wie ein Alkohol- und Spielesüchtiger seine inneren Dämonen überwunden hat - ein Interview zum Anhören

Kai Sender im Mai 2019 auf der Bremer Messe Leben und Tod, auf der es auch einen prunkvollen Pferde-Bestatterwagen zu bestaunen gab (im Hintergrund).  Alle Fotos: Thomas Achenbach

Osnabrück - Trauernde, rät der Bremer Kai Sender, sollten sich viel öfter trauen, ihre Ansprüche geltend zu machen und aktiv um Hilfe zu bitten. Was ihnen dabei helfen soll, ist der wöchentlich mehrmals stattfindende Trauerchat im Internet. Der ist inzwischen ein echtes Erfolgsmodell und soll noch weiter ausgebaut werden: die wöchentlich stattfinden Trauerchats im Internet, die über die Website trauer.de angeboten werden, kommen gut an. Dahinter steckt der in Bremen arbeitende Macher und Moderator Kai Sender. Was den Trauerchat ausmacht und wie er funktioniert und warum sein eigenes von Schicksalsschlägen gepägtes Leben andere Menschen ermutigen kann, erklärte mir Kai Sender in einem Interview, das wir am Rande der Messe "Leben und Tod" für meinen Podcast geführt haben. Der erste Teil dieses insgesamt zweiteiligen Gesprächs steht jetzt in meinem Podcast als Episode 7 zum Anhören zur Verfügung (ein Klick hier führt direkt zu der Podcastfolge) ... 

"Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass der Trauernde alleinegelassen wird", sagt Kai Sender. In unserem Gespräch geht es am Rande auch um die Unfähigkeit in unserer Gesellschaft, mit Gefühlen im Allgemeinen und Trauer im Besonderen umzugehen. "Die ist doch noch sehr groß", sagt Kai Sender. Und das könne teilweise eben zu Verletzungen führen, wenn sich nicht alle richtig verstanden fühlen. In einem früheren Interview hatte Kai einmal gesagt: "Ich habe einmal einer Teilnehmerin geraten, die von ihrer Freundin gefragt wurde, wie es ihr gehe und die daraufhin geantwortet hat, sie sei traurig, worauf die Antwort kam ,Ach, immer noch?'; wenn Dich das nächste Mal jemand fragt: "Immer noch traurig?" - Dann sage "Ja, denn er ist immer noch tot!" 



Weil ich mich nun darüber freue, es der Öffentlichkeit zum Anhören zur Verfügung zu stellen - geht es hier jetzt zu diesem ersten Teil unseres Gesprächs.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

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Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Mutter von Rolf Zuckowski auf dem Sterbebett einen Song ihres Sohnes zitierte - der Kindermusiker über seine Trauererfahrungen

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde in einer Verlustkrise alles so tun und warum einem das nicht peinlich sein sollte

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Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

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Mittwoch, 29. Mai 2019

Warum selbst ein Popstar wie Sarah Connor ihren Angehörigen und Freunden nicht das Trauern verbieten sollte - und warum wir das als Gesellschaft auch nicht tun sollten - Impulse von der Messe "Leben und Tod" 2019

Bremen - In ihrem Song "Das Leben ist schön" fordert die beliebte Popsängerin Sarah Connor für den Fall ihres Todes und für ihre eigene Trauerfeier: "Ich will keine Tränen sehen, keinen Chor, der Halleluja singt, ich will, dass ihr feiert, ich will, dass ihr tanzt..." - Seinen Freunden und Angehörigen das Traurigsein zu verbieten, hält die Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper aus Gelsenkirchen jedoch für eine sehr schlechte Idee, wie sie auf der Messe "Leben und Tod" im Mai 2019 bei einem Vortrag sagte - und sie hatte gute Gründe dafür. Interessanter Nebenaspekt, übrigens: Auch der Kindermusiker Rolf Zuckowski beschrieb auf dieser Messe seine eigenen Trauerprozesse - was insofern spannend ist, als dass der besagte Sarah-Connor-Song von seinem Sohn, dem die aktuelle deutsche Musikszene beherrschenden Songwriter Ali Zuckowski, mitgeschrieben wurde.... 

Es gibt ohnehin kaum ein deutschsprachiges aktuelles Musikprokekt, bei dem Alexander "Ali" Zuckowski nicht irgendwie seine Finger mit drin hätte, wie es vor einigen Jahren ja auch der Satiriker Jan Böhmermann recht spektakulär nachgewiesen hatte. Und die spannende Frage bei solchem Co-Songwriting ist natürlich immer: Wie hoch ist der Anteil an dem Lied, das der Künstler tatsächlich selbst beigesteuert hat - man schaue sich alleine mal die Songwriting-Credits bei einem Helen-Fischer-Album an...? Aber das nur als kleine Randbemerkung. Zurück zu Mechthild Schroeter-Rupieper und ihren Vortrag auf der Messe. Wie schon vor zwei Jahren hatte die Trauerbegleiterin - die sich mit ihrem Lavia-Institut auch um viele Angehörigen der Germanwings-Katastrophe von März 2015 gekümmert  hatte - unsere allgemeine gesellschaftliche Unfähigkeit zu trauern und deren Ursachen zu einem zentralen Thema ihres Vortrags gemacht. Und hatte aufgezeigt, wie wir mit Jugendlichen und Kindern so umgehen können, dass sie hier neue Wege und Impulse vermittelt bekommen können.

(Alle Fotos: Thomas Achenbach)

Einmal habe sie einer der Jugendlichen aus ihrer Gruppe gefragt: Kann ich von Trauer eigentlich depressiv werden? Und sie habe geantwortet: Die Gefahr depressiv zu werden ist viel größer, wenn Du nicht trauerst, berichtet Mechthild Schroeter-Rupieper. Und doch bekommen Kinder und Jugendliche auch heute noch allzu oft zu hören: Sei doch nicht so traurig. Oder sie bekommen ein Lob dafür, wenn sie den Verlust eines Elternteils oder eines Geschwisterkindes scheinbar "gut wegstecken"; wenn sie "ganz tapfer" bleiben - anstatt dass wir mal hingucken, wie es diesen Kindern im Inneren eigentlich wirklich geht und ob sie nicht vielleicht nicht einfach nur versuchen, sich irgendwie zusammenzureißen (was immer schwer ist, wenn da im Inneren alles zerrissen ist). Diese vermeintlich lobenswerte Tapferkeit ist übrigens immer wieder ein Thema auf der Messe Leben und Tod (siehe dazu auch "Der Fluch der Tapferkeit") - wie auch die spannende und unbedingt diskutierenswerte Frage, wie sehr wir Kinder eigentlich mit dem Tod konfrontieren dürfen. Ein Thema, bei dem ich selber gerne mal allzu missionarisch werde und in manche Diskussion unter Freunden und guten Bekannten mit einer Verve einsteige, der einer eigentlich zurückhaltenden Haltung, wie ich sie als angebrachter und professioneller erlebte, nicht immer entspricht... 


Und dennoch: Meiner Meinung nach - und nach allem, was ich so höre von Bestattern und Trauerbegleiterkolleginnen - gelingt gerade Kindern die Konfrontation mit dem Tod oft tausendmal besser und natürlicher als vielen Erwachsenen und wir dürften sie sehr viel mehr mit dem Tod befassen als wir das oft tun. Aber: Den Tod stattdessen lieber ins Heimlichgetue wegzumauscheln, in so eine merkwürdige Hach-Bessernichthingucken-Ecke   - das genau erzeugt ja gerade die Unsicherheit, die wir Erwachsenen heutzutage bei diesem Thema allzu  oft haben. Und warum haben wir sie? Vielleicht gerade deswegen, weil wir als Kinder noch nicht offensiv genug mit dem Thema zu tun gehabt haben? Oder weil wir einfach das Glück hatten, dass während unserer recht unversehrten Kindheit nicht so oft gestorben wurde (wie in meinem Fall geschehen)? Aber wenn es mal der Fall sein sollte: Dann sollten wir sollten die Kinder ruhig an die Hand nehmen und sie sanft hinführen und mitnehmen, empfahl jedenfalls Mechthild Schroeter-Rupieper in ihrem Vortrag auf der "Leben und Tod" 2019 - und anders als manches Mal behauptet, ist es für Kinder nicht immer hilfreich, ihnen die Entscheidung selbst zu überlassen, ob sie die Toten denn noch einmal sehen wollten oder nicht. Die Frage könne Kinder überfordern, denn sie könnte die Tragweite solchen Entscheidung gar nicht wirklich überblicken und einschätzen, sagte Mechthild Schroeter-Rupieper. Noch eine spannende und diskutierenswerte These.



So oder so, sagt Mechthild Schroeter-Rupieper: Wir sind mit dem Talent geboren worden, auch traurig zu sein. Warum also nutzen wir diese eigentlich sehr gute Lebenskunst dann so selten? Und warum finden wir es im Grunde total gut, wenn Sarah Connor sagt: Seid bloß nicht traurig, wenn ich mal sterbe, sondern feiert das Leben? Und was, wenn da trotzdem Trauer ist? Einfach weg damit - oder wie? Geht ja gar nicht...

* Ergänzung und Aktualisierung: In einem auf diesen Artikel reagierenden Facebook-Kommentar hat Mechthild Schroeter-Rupieper inzwischen davon berichtet, dass ihr Sarah Connor persönlich einmal gesagt habe, der Song sei eigentlich ganz anders gemeint. Und weil es eine gute Ergänzung darstellt, möchte ich Mechthilds Beitrag auch hier noch einmal zitieren: "Sarah Connor hat mir damals auf Facebook dazu geschrieben, dass sie es ganz anders meint - allerdings ist genau da auch eines der großen Probleme: Vieles wird anders gesagt als gemeint: „Oma ist friedlich eingeschlafen.“ „Opa ist heimgegangen.“ „Wein nicht...“...."

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Freitag, 17. Mai 2019

Warum die Mutter von Rolf Zuckowski auf dem Sterbebett eines der Lieder ihres Sohnes zitierte und was das mit dem Musiker gemacht hat - Eindrücke vom Auftritt des Kindermusikers auf der Bremer Messe "Leben und Tod": Angekommen im Leben jenseits der Weihnachtsbäckerei

"Wir sind gemeinsam unterwegs..." - mit diesem Lied eröffnete der Musiker Rolf Zuckowski (72) seinen Auftritt auf der "Leben und Tod" in Bremen im Mai 2019  (alle Fotos: Thomas Achenbach).

Bremen - "Mit jedem Abschied wird man irgendwie neu geboren" - so sagte es der beliebte Kinderliedermacher Rolf Zuckowski im Mai 2019 auf der Messe "Leben und Tod" in Bremen bei einer Podiumsdiskussion, und fügte hinzu: "Das habe ich gelernt". So wie er auch dieses inzwischen gelernt hat: "Es gibt ein Leben jenseits der Weihnachtsbäckerei". Und in diesem Leben musste sich der bekannte Musiker auch mit dem Tod auseinandersetzen, sogar mehrfach und schon recht früh. Auf der Bühne in Bremen berichtete der 72-Jährige gleichsam intensiv wie sensibel von seinen eigenen Trauerprozessen. Die mit dem Suizid des Vaters begannen.

Sein Vater hatte es immer recht schwer, wenn er zuhause war, erinnert sich der Kindermusiker - oder besser gesagt: Wenn er an Land war. Denn der gestandene Seemann fühlte sich auf Schiffen und auf dem Meer zuhause, aber mit festem Boden unter den Füßen wollte ihm das Leben nicht so recht gelingen. Viel Alkohol, viel Flucht, und irgendwann wollte er einfach nicht mehr - seinen Suizid verkündete er mit einer entsprechenden Aussage. "Er hat sich 1981 von uns verabschiedet", erzählte der Musiker. Für den etwa 30 Jahre alten Rolf Zuckowski, der da gerade als Musiker in Hamburg durchstartete, war das der Anlass, sich an Kinderliedern zu versuchen - er wollte den Kindern Mut machen. "Das hat auch damit zu tun, dass es meinem Vater anders ging", sagte er auf der Messe.



Als dann 2004 seine Mutter bereits im nahenden Sterben lag, sagte sie: "Ich möchte ja doch zu ihm rüber", berichtete der Sänger bei der Podiumsdiskussion. Und später zitierte die Mutter auf dem Sterbebett eines der Kinderlieder ihres Sohnes - in Anlehnung an seinen Song "Kinder werden groß, man hat sie lieb und lässt sie los" sagte sie zu ihm: "Weißt Du, Rolf, auch Eltern werden groß - man hat sie lieb und lässt sie los", erinnert sich der Sänger. "Trauer...", sagte er dann: "Da ist immer wieder das Gefühl, da bleibt etwas". 



Zuckowski erinnert sich noch daran, wie er auf dem Balkon des Altenheims stand, gleich an dem Vormittag, nachdem seine Mutter in der Nacht gestorben war - und wie er von dort vom Hamburger Flughafen die erste Morgenmaschine starten sah. "Ich habe gedacht: Ja, so isses", erzählt der 72-Jährige. Nun seien beide Eltern drüben und er noch hier. Als Folge dieses Erlebnisses entstand das Lied "Drüben", das sich ebenfalls auf seinem 2016 veröffentlichten Trost- und Traueralbum "Deine Sonne bleibt" finden lässt und das der Musiker in Bremen spielte ("Drüben ist Ruhe, drüben ist Frieden, drüben sind alle gleich / Drüben ist jeder irgendwann, drüben kommt jeder sicher an").


Medienrummel auf der Messe - Rolf Zuckowski ist da


"Nun werde ich auch für Dich hier leben", habe er dort auf dem Balkon noch gedacht, erinnert sich Rolf Zuckowski. Der Auftritt des Musikers sorgte übrigens für einen gewissen Medienrummel, der diesmal selbst für "Leben und Tod"-Verhältnisse ungewöhnlich hoch war: Fernsehteams von Sat.1, RTL und dem NDR, mehrere Zeitungsreporter und Fotografen wuselten durch das Forum, also den öffentlich zugänglichen Vortragsbereich in der Messehalle 6. Wobei es gar nicht so unpassend ist, wie man meinen könnte, einen Rolf Zuckowski als Podiumsgast auf einer Trauermesse anzutreffen - doch dass der Musiker hat eine CD mit eigenen Trost- bzw. Trauersongs veröffentlicht hat, ist nur den Wenigsten bekannt. Dieses Album - "Deine Sonne bleibt" - entstand auch in einer neuerlichen Auseinandersetzung mit dem Tod seiner Mutter bzw. seiner Eltern. Der wahre Grund für die Anwesenheit des 72-Jährigen auf der Messe war jedoch ein anderer.



So ist Rolf Zuckowski einer der Beteiligten bei einer neuen Ausstellung mit Bildern und Musikbeiträgen zum Thema Trauer, die jetzt allen Einrichtungen, die sie gerne ausleihen möchten, zur Verfügung steht. Sie heißt wie ein bekanntes Lied von Rolf Zuckowski, das dieser auch gleich zu Beginn seines Auftritts spielte: "Gemeinsam unterwegs". Wobei die Ausstellung noch mit dem Untertitel versehen ist: "Eine Ausstellung über Leben und Endlichkeit". 



Hauptbestandteil dieser Schau sind jedoch die Bilder des Malers Anselm Prester - besser bekannt als "der Inselmaler Anselm", der auf der Nordseeinsel Langeoog ein Atelier unterhält und dort schon zahlreichen Kindern und Erwachsenen in Kursen das Malen nähergebracht hat. So auch der in Hanau arbeitenden Diakonin Kerstin Slowik, die dort einen Ambulanten Hospizdienst leitet - und die die Idee hatte, diese beiden für sie in ihrer eigenen Kindheit so prägenden Elemente für eine Wanderausstellung zu kombinieren: Die Musik von Rolf Zuckowski und die Bilder des Inselmalers Anselm. Der erzählte auf dem Podium dann auch von seinen Bestrebungen, die Senioren der Insel Langeoog auch zum Sterben dort lassen zu können - und sie nicht in die ungewohnte Ferne des Festlands entsenden zu müssen. Wo es Insulaner nicht immer so schön finden, wie Anselm Prester auf der Messe erzählte: "Beim Aussteigen habe ich noch so gedacht, Mensch, was habt Ihr Bremer hier eigentlich für eine Luft...!" - sagte er. 



Dem Sterben - das in seinen Bildern immer wieder auch ein Thema ist - kann der Inselmaler übrigens viele Aspekte abgewinnen, wie er berichtete: "Ich habe durchaus auch humorvolle Sterbeszenen erlebt", erinnerte er sich. Infos über die Ausstellung "Gemeinsam unterwegs" und die Konditionen zum Ausleihen gibt es über die Internetseite www.ausstellung-gemeinsam-unterwegs.de


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

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Sonntag, 12. Mai 2019

Ein Beerdigungsclown, neue Aktionstage zum Totengedenken und zur Erinnerung an die Endlichkeit des Lebens und der brandneue Export eines Bremer Erfolgsmodells über den Weißwurst-Äquator hinaus - Impulse und Neuigkeiten von der Messe "Leben und Tod" im Jahre 2019 (zehnter Messe-Geburtstag!)

Mitbringsel von der Messe - inklusive der Erinnerung: ich werde sterben. Vielleicht nicht heute. Aber wer weiß, was morgen so ist.  (Alle Fotos: Thomas Achenbach)

Bremen - In Deutschland könnte es in naher Zukunft noch mehr solcher Tage zum Gedenken an die Gestorbenen und zur Unterstützung von Trauernden geben, wie es der Tag des "World Wide Candle Lighting" jeweils im Dezember ist. Das ist eine der wesentlichen Lehren der 2019er-Auflage der Messe "Leben und Tod" in Bremen, die dort am 10./11. Mai stattfand - übrigens mittlerweile zum zehnten Mal und so erfolgreich, dass es in 2020 zu einer süddeutschen Ausweitung kommen wird (aber dazu später mehr). Wie immer gab es auf der Bremer Messe zahlreiche neue Trends in der Trauer- und Bestattungskultur zu entdecken - so zum Beispiel einen Beerdigungsclown.

"Ein Licht für Dich" - unter diesem Motto möchte der Vidu, der Selbsthilfeverein für Verwitwete, einen weiteren Gedenktag nach dem Muster des Sternenkindgedenkens etablieren. Das Wort Vidu steht dabei für Witwe, denn es ist die lateinische Vokabel dafür. Und darum geht es: Jeweils am letzten Sonntag im Oktober - in 2019 also am 27. 10. - sollen alle, die das wollen, ein Teelicht ins Fenster stellen und leuchten lassen, wobei das Teelicht mit einer speziellen Banderole umwickelt sein sollte, die der Verein als Download auf seiner Website anbietet und die Vereinsmitglieder auch auf der Bremer Messe verteilten. Die Aktion soll für die Belange aller Menschen sensibilisieren, die sehr früh einen Partner verloren haben - früh verwitwete also. Den Sonntag als Aktionstag haben die Verantwortlichen dabei sehr bewusst gewählt.



Denn der Sonntag gilt allgemein als der Familientag, also als ein Tag, der den Charakter von unverletzter Heiler Welt in sich trägt. Dem Verein zufolge geht es hierbei um Frauen und Männer, die den Partner durch Krankheit, Unfall oder Suizid früher als "normal" verlieren; Mütter und Väter, die nicht nur die eigene Trauer, sondern auch die ihrer Kinder aushalten und auffangen müssen; zerplatzte Lebensträume, ausradierte Zukunftsvorstellungen, begleitet durch psychische, häufig auch materielle Not. Und weil Ende Oktober die kommende Dunkelheit des Winters wieder ausbricht, ist das Leuchten eines Lichts ein starkes Symbol. Anders als beim "World Wide Candlelighting" gibt die Initiative jedoch keine feste Uhrzeit vor. Einen Gedenktag ganz anderer Art plant indes eine von der Trauerbegleiterin Iris Willecke aus dem Sauerland ins Leben gerufene Projektgruppe.


Aktionstag soll an unsere Sterblichkeit erinnern


Dieser soll "Memento Tag" heißen und jeweils am 8. 8. eines Jahres stattfinden. Wobei die Zahl Acht hier als aufrecht stehendes Symbol der Unendlichkeit zu verstehen ist. Anders als bei den zuvor genannten Aktionstagen geht es hier nicht um das Gedenken, sondern um das Bewusstmachen. Nicht umsonst erinnert das namensgebende "Memento" an die Tradition des "Memento Mori", auf Deutsch also: Erinnere Dich daran, dass Du sterblich bist. Dass Du sterben wirst. Genau darum soll es bei dem Aktionstag gehen: Die Menschen an die Endlichkeit des Lebens zu erinnern und damit ein neues Bewusstsein zu schaffen dafür, wie besonders es eigentlich ist. Oder wie Iris Willecke in ihrem Blog dazu schreibt:



"Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, Themen wie Endlichkeit, Tod, Sterben und Trauer wieder etwas mehr ins gesellschaftliche Bewusstein zu holen. Ich glaube, dass dazu ein deutschlandweiter „Memento – Tag“ eine tolle Sache wäre. Den Tag können dann unterschiedlichste Gruppen, Organisationen, Dienstleister, … für eigene Aktionen rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer nutzen, ähnlich also wie z.B. beim „Tag des Friedhofs“ oder dem „Tag der Kinderhospizarbeit“..." Die Initiative ist schon recht weit mit ihren Vorbereitungen: So gibt es schon ein eigenes Logo, einen Instagram-Account, eine eigene Website und eine Postkarte, die auf der Messe "Leben und Tod" verteilt wurde. Auch an anderen Stellen ging es bei der Bremer Messe sehr lebensnah und bunt zu - so zum Beispiel am Stand von Kaala Knuffl.


Nur ein Clown darf sowas - Bälle am Grab & Friedhofspoesie


Hinter diesem Namen verbirgt sich die Psychologin Birgit Sauerschell aus Franken, die als "Beerdigungs-Clown" auf der Messe zu erleben war. Klassisch ausgestattet mit roter Nase, aber ansonsten etwas dezenter angezogen, soll Kaala Knuffl nicht als knallbunter Zirkus-Spaßmacher verstanden werden, sondern noch tiefergehender als eine Mischung aus Narr und Symbolkünstler. Aber was macht so ein Beerdigungs-Clown eigentlich? Birgit Sauerschell sagt: "Er bringt vor allem Poesie". Die Tradition geht zurück auf eine im alten Rom verbreitete Methode, die inzwischen auch in den Niederlanden weit verbreitet ist: Wie ein Narr am Hofe eines Königs darf ein Clown auch die Macken und Ticks eines gestorbenen Menschen auf augenzwinkernde Art bei der Beerdigung zeigen - oder darf einen Fußball ins Grab rollen lassen, wenn dort beispielsweise ein Mensch liegt, dem dieser Sport viel bedeutet hat. Respektvoll, mit einem gewissen Zauber, aber mit Charme und dem Schalk im Nacken, das Leben eines Gestorbenen zum Glänzen bringen, das ist die Aufgabe eines solchen Trauer-Clowns, erzählte mir Sauerschell, die übrigens auf mehrjährige Erfahrungen als Klinik-Clown zurückgreifen kann. Dass sie noch den weiten Fahrweg aus dem tiefen Süddeutschlandnach Bremen auf sich nehmen musste, um auf der "Leben und Tod" präsent sein zu können, wird sich in 2020 übrigens ändern.



Denn im kommenden Jahr ist die "Leben und Tod" gleich zwei Mal zu erleben - am klassischen Veranstaltungsort in den Bremer Messehallen im Mai und als norddeutscher Exportschlager erstmals auch in Freiburg, wo sie im Oktober neu stattfinden wird. Das verkündeten die Messeverantwortlichen bei der Eröffnung der diesjährigen "Leben und Tod". Obwohl die Veranstaltung in Freiburg stattfindet, wird sie vom Bremer Erfolgsteam gesteuert und verantwortet - „damit findet erstmals eine Eigenveranstaltung der Messe Bremen dauerhaft an einem zweiten Standort statt“, heißt es in der Pressemitteilung dazu. Die Nachfrage sei schon immer groß gewesen, wird Bereichsleiterin Andrea Rohde von der Messe Bremen darin zitiert: „Wir wurden immer wieder von anderen Messestandorten, Institutionen und Fachteilnehmern angesprochen.



Ich habe noch mehr von der diesjährigen Messe "Leben und Tod" zu berichtenWarum sogar Rolf Zuckowski auf einer Trauermesse auftritt und was er zum Thema zu sagen hat und wie ein ehemals Spielsüchtiger zum erfolgreichen Betreiber mehrerer Trauerchats geworden ist - dazu und zu anderen Themen bald mehr in meinem Podcast und hier auf diesem Blog. 

Infos: Die nächste Messe "Leben und Tod" findet am Freitag und Samstag, 8. und 9. Mai 2020, in Bremen sowie am Freitag und Samstag, 23. und 24. Oktober 2020, erstmals in Freiburg statt. 


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

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Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Mutter von Rolf Zuckowski auf dem Sterbebett einen Song ihres Sohnes zitierte - der Kindermusiker über seine Trauererfahrungen

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