Dienstag, 13. November 2018

Männer trauern anders - wie Männer ihre Trauer ausleben und erleben, an dieses Thema durfte ich mich im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung und auf einem Vortrag vorsichtig annähern - hier sind die Ergebnisse

Osnabrück - Von jemandem anderen interviewt zu werden, ist für mich zwar keine komplett neue Erfahrung - es gab zum Beispiel schon mal zwei Jungs von einer Schülerzeitung, die etwas von mir wissen wollten -, aber es ist schon noch sehr ungewohnt und nun weiß Gott nicht alltäglich. Vor kurzem hat der Redakteur Volker Poerschke mit mir ein Interview für die Neue Osnabrücker Zeitung durchgeführt und dort auch veröffentlicht. Dieses Interview ist bei der Neuen OZ auf den so genannten und jeweils an eine bestimmte Region angepassten sublokalen Seiten erschienen und deswegen nie dort im Online-Auftritt veröffentlicht worden. Daher erlaube ich mir nun, den Rohtext des Interviews einige Wochen nach seinem Erscheinen auch hier auf meinem Blog zu veröffentlichen.

Das ist mir vor allem deswegen ein Anliegen, weil ich es wirklich bemerkenswert fand, was Volker Poerschke da gelungen ist: In wenigen alles verdichtenden Sätzen hat er unser Gespräch sehr genau getroffen und wiedergegeben. Darüber hatte ich mich gefreut. Inzwischen hat übrigens der in dem Interview am Ende erwähnte Vortrag bereits stattgefunden (ein Bericht darüber findet sich hier). Aber es wird weitere Vorträge geben. Wann und wo, findet sich immer im Bereich "Aktuelle Termine, Trauergruppen, Vorträge etc." hier auf diesem Blog (Startseite, dann auf der rechten Seite). Aber jetzt erstmal Bühne frei für Volker Poerschke...

"Von wegen kalter Klumpen"


Frauen trauern, Männer auch - aber anders - Interview mit Thomas Achenbach


Von Volker Poerschke, Neue Osnabrücker Zeitung


„Es gibt in unserer Gesellschaft keine Lobby für Trauernde“, sagt Thomas Achenbach. Er ist ausgebildeter Trauerbegleiter und spricht im Interview über Gefühle, die allzu oft totgeschwiegen werden, Fragen, auf die es keine fertigen Antworten gibt, und sein Selbstverständnis als Begleiter insbesondere trauernder Männer.

Neue OZ: Herr Achenbach, was ist ein Trauerbegleiter, und wie wird man das?

Trauerbegleiter tun genau, was das Wort sagt: Sie begleiten einen Menschen in seiner Trauer. Nicht über die Trauer hinweggehen, nicht darüber hinweghelfen, sondern gemeinsam hindurchgehen. Die Idee, Trauernden einen solchen persönlichen Ansprechpartner zur Seite zu stellen, hat ihren Ursprung in der Hospizarbeit. Die Ausbildung nach bundesweiten Standards gibt es etwa seit zehn Jahren. Ich habe meine Ausbildung in Haus Ohrbeck in Holzhausen gemacht.

Neue OZ: Warum wollten Sie Trauerbegleiter werden?

Das hat nicht nur, aber auch, biografische Hintergründe. Als meine Mutter 2004 an Krebs starb, habe ich gemerkt, wie groß die gesellschaftliche Verunsicherung ist beim Thema Tod und Sterben. Mir ist zwar damals erspart geblieben, wovon mir heute viele Trauernde berichten – dass Bekannte, Nachbarn, selbst gute Freunde auf einmal die Straßenseite wechseln und den Kontakt vermeiden, um sich bloß nicht mit dem Thema beschäftigen zu müssen. Aber an vielen Stellen –auch im familiären Kontext – habe ich nichts anderes wahrgenommen als Verunsicherung. Das hat mich immer beschäftigt. Ich glaube, dass das Thema mehr in die Gesellschaft getragen werden muss, dass wir eine neue Souveränität im Umgang mit dem Tod finden können.

Neue OZ: Das sagt sich so leicht. Aber wie kann man Trauernden begegnen?

Man sollte nicht einfach über die Trauer hinweggehen. Nach einem halben Jahr heißt es oft „Jetzt muss aber auch mal gut sein.“ Ist es aber nicht. Trauer hat kein Verfallsdatum oder verschwindet einfach irgendwann. Trauer ist erlebbar, aber nicht machbar. Das kann man nicht einfach so abhaken. Man kann höchstens lernen, mit der Trauer zu leben. Aber dazu muss Trauer zunächst einmal einen Raum bekommen. Ich erlebe, dass Trauernde wollen, dass ihre Gefühle Raum haben, ohne dass gleich so eine Betroffenheit da ist. Dass einfach jemand da ist, der ihnen zuhört.

Neue OZ:  Das wird vermutlich viele schlicht überfordern . . .

Ja, ganz klar. Bei Trauer ist man wirklich am Bodensatz, an den Grundfesten des Menschen dran. Man muss auch aushalten können, wenn jemand einfach eine Stunde lang weint.

Neue OZ: Und das haben Sie in Ihrer Ausbildung gelernt?

So sah das Original-Interview aus - jedoch in anderen Lokalausgaben der Neuen OZ jeweils mit anderen Bildern bestückt.

Neben der Sachausbildung – was ist Trauer, wie äußert sie sich –, den medizinischen und psychologischen Aspekten, hatten wir auch einen Exkurs Notfallseelsorge. Aber im Wesentlichen lernt man, eine Haltung zum Thema zu entwickeln. Trauer ist etwas ganz Normales und ganz individuell. Das Thema berührt so viele andere Fragen – da gibt es keine allgemeingültigen Antworten.

Neue OZ:  Welche Fragen sind das zum Beispiel?

Viele quälen sich mit der Frage nach dem Warum: Warum musste ausgerechnet mein Partner Krebs bekommen? Warum musste dieser Unfall passieren, der mir meine Frau geraubt hat? Warum musste mein Kind so jung sterben? Die Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann nur dabei helfen, auch diesen Prozess als wichtigen Bestandteil des Trauerwegs zu erleben. Rilke verpackt das so treffend in seiner Formulierung, dass wir oft „die Fragen leben“ müssen.

Neue OZ: Was ist das Schlimmste, womit Sie konfrontiert sind?

Es gibt keine Hitparade der Trauer. Der Verlust eines geliebten Menschen ist immer schmerzhaft. Verliert man ein Kind, ist das aber sicherlich besonders hart.

Neue OZ:  Sie sind selbst junger Familienvater – bringt Sie das nicht an Ihre eigenen Grenzen?

Ich muss zugeben, dass ich da eigentlich nie ranwollte. Jetzt habe ich eine Trauergruppe für verwaiste Väter. Sollte ich da an meine Grenzen kommen, kann ich jederzeit selbst Begleitung, Supervision in Anspruch nehmen. Bislang bin ich allerdings – auch dank meiner Ausbildung – noch nicht an diesen Punkt gekommen. Für mich sind diese Erfahrungen und Begegnungen eine Bereicherung für mein Leben.

Neue OZ:  Welche Angebote machen Sie?

Dazu gehören vor allem Einzelbegleitungen, da laufen derzeit ein paar. Aber es gibt auch die Gruppen. Ich hatte mir anfangs Gruppenarbeit nicht so gut für mich vorstellen können. Ich habe allerdings gemerkt, dass es in der Region Osnabrück kaum Angebote nur für Männer gab. Als dann die Pastoralreferentin Regina Holzinger-Püschel aus Wallenhorst mit der Idee auf mich zukam, gemeinsam eine Trauergruppe für Männer anzubieten, war ich da gerne dabei. Da kamen dann anfangs sowohl verwitwete Männer wie verwaiste Väter. Aber Witwer haben ganz andere Themen, die sie bearbeiten möchten. Da geht es manchmal auch um ganz Alltägliches, zum Beispiel „Wie bügel ich ein Hemd?“ oder „Wie viel Salz muss eigentlich an die Kartoffeln?“ – also ganz praktische Lebenshilfe. Deshalb bieten wir jetzt speziell eine offene Trauergruppe für verwaiste Väter an. Darüber hinaus biete ich auch Vorträge zum Thema an, den nächsten im November in Hagen.

Neue OZ:  Der trägt den Titel „Von wegen kalter Klumpen“ – was steckt dahinter?

Männer werden oft dafür kritisiert, dass sie ihre Gefühle nicht zeigen oder gar leben können. Das ist aber nach meinen Erfahrungen eine Klischeefalle. Männer brauchen einen besonderen Schutzraum, wenn es um Emotionen geht.

Neue OZ: Aber woher kommt das Klischee?


Der Neue-OZ-Fotograf Jörn Martens hat dieses Portrait von mir in meinem Büro in Osnabrück aufgenommen.  (Jörn-Martens-/NOZ-Foto, mit freundlicher Genehmigung).

Männer haben den Umgang mit Gefühlen nicht immer gelernt. Das hängt auch mit dem gesellschaftlichen Männerbild zusammen. In der Antike gab es beides, den Koloss, den Titan in seiner ganzen muskelbepackten Männlichkeit, aber auch den zarten Narziss. Hermann Hesse oder Rainer Maria Rilke kannten durchaus auch sehr emotional empfindsame männliche Charaktere. Aber ich glaube – ohne das wissenschaftlich belegen zu können –, dass der Bruch und diese Verengung auf das Bild des starken Mannes mit den beiden Weltkriegen kam. Männer mussten hart wie Kruppstahl sein, ein Indianer kennt keinen Schmerz, und große Jungs weinen doch nicht. Männer verdrängen mehr. Das muss ja auch gar nicht immer schlecht sein. Mann reagiert vielleicht weniger emotional, fühlt sich erst einmal nicht so überfahren. Aber bei Trauer funktioniert das irgendwann nicht mehr.

Neue OZ: Und warum braucht es eigene Trauergruppen für Männer?

Frauen können ihre Gefühle klarer benennen, ihre Trauer in Worte fassen. Männer müssen erst genauer hinschauen – was ist das denn jetzt? Da geht es zunächst und zuallererst um das Begreifen und Analysieren von dem, was da drinnen so vor sich geht. Und das geht besser in einer reinen Männergruppe. Oft fällt es den Teilnehmern in so einer Gruppe leichter, sich zu öffnen.

Neue OZ: Und dann irgendwann loszulassen?

Das mit dem Loslassen ist – mit Verlaub gesagt – Quatsch. Wie wollen Sie etwas loslassen, das ein Teil von Ihnen ist? Ich kann nur Stück für Stück lernen, diese Gefühle anzunehmen und mit ihnen umzugehen, und das dauert manchmal auch länger.

Mehr zum Thema: Von wegen kalter Klumpen - so war der Vortrag über Männertrauer


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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Serie über Trauer und Musik - die besten Songs und Alben über Trauer und Tod 

Was einem helfen kann - Fotoaktion: Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

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Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Mittwoch, 7. November 2018

Wenn Töne und Texte die Seele ins Schwingen bringen, Teil #01: Trauer und Musik gehören zusammen - Auftakt einer neuen Serie im Trauerblog - Hier geht es um die hilfreichsten und wirkmächtigsten Songs und Alben über Trauer, Tod und Sterben....zum Beispiele diese hier

Musik kann einen beflügeln, einen tragen, kann die inneren Prozesse ins Schwingen bringen. All das kann auch in einem Trauerprozess hilfreich sein... (Thomas-Achenbach-Fotos)

Osnabrück (eb) - "Nachdem mein Vater gestorben war, habe ich dieses Lied rauf und runter gehört, es hat mir jedes Mal Trost gespendet und mich jedes Mal zum Weinen gebracht..." - so ähnlich steht es, von mir frei aus dem Englischen übersetzt, als Kommentar unter einem Youtubevideo der Folkband "Mumford & Sons". Der Song, um den es hier geht, heißt "Ghosts That We Know". Und wie jedes wirklich gute Lied verfügt auch dieser Song über einen Text, der eindeutig genug ist, ein bestimmtes Themengebiet zu umreißen - es geht um das Sterben, die Angst vor dem Tod und um Verluste -, aber doch offen genug, um allerlei vielfältige Interpretationen zuzulassen. Musik hat Kraft und Wirkmacht, wenn es um Trauer geht. Sie kann helfen, aber auch herunterreißen. Und es gibt superviel zu entdecken, wenn wir die Themen Trauer und Musik einmal vermischen. Grund genug, daraus eine neue Serie zu stricken. 

Musik ist meine größte Leidenschaft, das lässt sich in meinem zweiten als Hobby betriebenen Blog oft nachlesen. Die Trauerbegleitung ist eine meiner Professionen und eine meiner Tätigkeiten. Beide Themen zu vermischen, das habe ich schon lange vorgehabt. Jetzt ist eine gute Zeit dafür. Denn in den vergangenen Jahren habe ich emsig gesammelt: Ganz viel Musik über Trauer und Schmerz. Songs, Alben, Orchesterwerke; dazu ganz viele Geschichten, die sich in diesen Tönen und Texten verstecken. Seine eigene Trauer über Musik kreativ auszudrücken, das hat für Komponisten Tradition - überwiegend für männliche Komponisten, übrigens, aber dazu ein andermal mehr. Manchmal führt ein einziger Tod sogar zu mehreren Songs darüber. 



So war das beispielsweise beim Sohn von Eric Clapton: Weil der Hausmeister die Fenster des New Yorker Appartements offenstehen gelassen hatte, fiel der gerade erst Vierjährige beim Versteckenspielen aus dem 49. Stock. Was die Tragik noch ein wenig vertieft: Papa Clapton hatte gerade erst in einer Therapie seine ihn sonst umklammerndern Süchte zu beherrschen gelernt (Alkohol/Drogen) - und zwar für seinen Sohn, wie Clapton es in seiner Biographie erzählt. Zu dem Jungen hatte er deswegen erst kurz zuvor eine Beziehung aufgebaut, nachdem er sich anfangs komplett aus der Kindererziehung zurückgezogen hatte. Der aus dem tragischen Vorfall resultierende Song heißt "Tears In Heaven" und ist inzwischen ein Klassiker auch auf Beerdigungen und bei Trauerfeiern. Weniger bekannt indes ist, dass auch die Rockband Genesis diesem tragischen Ereignis einen Song gewidmet hatte. 


Gute Texte lassen viele Interpretationen zu


Denn die war zum Unlückszeitpunkt gerade im Studio, um ihr wohl bekanntestes Album - We Can't Dance - aufzunehmen. Und als Phil Collins die tragische Geschichte über den Verlust des mit ihm befreundeten Eric Clapton hörte, wuchs auch in ihm der Wunsch, seine Gefühle mit einem Song zu verarbeiten, wie es Phil Collins dereinst in der TV-Sendung "VH 1 Storytellers" erzählte (lässt sich in Ausschnitten bei Youtube finden). Das Ergebnis war "Since I Lost You". Und auch dieser Song arbeitet mit einem Text, der sich in vielerlei Richtungen interpretieren lässt - beispielsweise als Ende einer Paarbeziehung oder einer Ehe. Aber hervorgegangen ist der Song tatsächlich aus der Ahnung eines elterlichen Verlustschmerzs angesichts einer tragischen Todeserfahrung. Und damit noch einmal zurück zu "Mumford & Sons"...



Denn deren Liedtext über die "Geister der Vergangenheit" ist durchaus vielschichtiger gestaltet, ist aber um ein markantes und immer wiederkehrendes Kernelement herum aufgebaut, das sich in freier Übersetzung so lesen müsste: "Bitte gib mir die Hoffnung, dass ich das Licht sehen werde in der Dunkelheit, denn die macht mir so dermaßen Angst - und trotzdem werde ich es aushalten, so lange wie Du willst, versprich mir bitte nur, dass wir in Ordnung sein werden..... (im Original: So give me hope in the darkness that I will see the light; 'Cause oh that gave me such a fright; But I will hold as long as you like; just promise me we'll be alright)". Ohne dass es explizit darin erwähnt wird, dürfte klar sein: Hier geht es um die Angst vor dem Sterben, die Angst vor dem Danach. Aber diese Zeilen sind auch gekoppelt an andere Aussagen, zum Beispiel diese hier: "Denn die Geister, die wir kannten, haben uns düster gemacht oder traurig, aber wir werden ein langes Leben leben; Und die Geister, die wir kannten, werden aus unserer Sicht verschwinden, und wir werden ein langes Leben leben..."- der Song weist also über die eigentliche Sterbeerfahrung hinaus. Aber auf was? Ein anderes Leben an einem anderen Ort? Oder auf das irgendwann wieder unverwundete Weiterleben der Hinterbliebenen? Es lässt sich beides denken und beides interpretieren. Das macht diesen Song so gut. Und so traurig. Und so gut geeignet als Trost- und Trauersong. 

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

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Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Denn da ist etwas, das bleibt in dieser Welt - Warum ich derzeit gerne den Blog einer Toten lese - Zeugnisse aus einem Leben mit sehr viel Schönheit darin

Osnabrück - Beim ersten Blick fallen einem diese Zeilen gar nicht auf. Das macht sie umso schockierender, wenn Du sie erstmal entdeckst. Aber zuvor sieht hier alles so gemütlich aus, so heimelig, so richtig zum Wohlfühlen, so gar nicht nach Tod und Sterben. Kein Wunder, es geht um Dänemark, um "hygge", um die dänische Glücksseligkeit. "Dänemark, wo das Glück wohnt", heißt dieser Blog dementsprechend. Erst beim näheren Hinsehen fällt Dir auf, dass die Blogartikel schon etwas älter sind und es seither keine neuen Einträge gegeben hat. Und dann siehst Du diese Zeilen, da rechts an der Seite, etwas versteckt, und im ersten Augenblick bist Du ganz ratlos, was Du jetzt denken, fühlen und tun sollst...

"Update, Dezember 2016", steht dort, und weiter: "Linda ist im Dezember 2016 verstorben. Es war ihr Herzenswunsch, dass dieser Blog online bleibt. So möchte sie Euch, liebe Leserinnen und Leser, weiterhin an ihrem Dänemark-Glück teilhaben lassen." Das Merkwürdige daran: Obwohl ich mich ja nun täglich mit den Themen Tod, Trauer und Sterben beschäftige, obwohl das ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens ist, hat mich diese Notiz zuerst regelrecht befremdet - das muss ich zugeben. Den Blog einer Toten lesen? Irgendwie ein komisches Gefühl. Oder? Also erstmal: Ein Lesezeichen setzen. Vielleicht später wieder zurückkehren. Doch beim näheren Nachdenken kam dann innerlich in mir die 180-Grad-Wendung.  

Tolle Fotos, tolle Berichte, das ist Lindas Blog  (Achenbach-Screenshots).

Was auch immer Linda widerfahren sein mag - das erfahren wir hier nicht -, sie hatte immerhin noch die Chance, diesen Wunsch äußern zu können. Da gibt es also ihren Blog und sie hat verfügt: Er soll bleiben. Menschen sollen das lesen. Und das tun sie auch. Denn einer wie ich, der ja viel später auf ihre Fotos und Artikel gestoßen ist, nimmt erst zwei Jahre nach ihrem Tod alles das auf und an, was es dort gibt. Eigentlich ja: Ein Geschenk. Und zwar ein doppeltes, also eines, das Linda in ihren letzten Lebenszügen vielleicht - ein kleines bisschen - als etwas Gutes hat erleben dürfen und eines für uns, die wir jetzt sehen dürfen, dass da etwas bleibt in der Welt. Und das von einem Menschen, den wir gar nicht persönlich kannten. Irgendwie auch schön, oder? Wir wollen jetzt gar nicht erst die ganze Debatte rund um den digitalen Nachlass wieder anzetteln, aber selbst unter diesem Gesichtspunkt hat die unbekannte Bloggerin es ja ungewöhnlich gut gehabt.



Denn sie hat jemanden an ihrer Seite gehabt, der diesen Wunsch umgesetzt hat. Es bleibt für uns unsichtbar, wer das ist. Aber irgendjemand hat die oben erwähnten Sätze geschrieben - außerdem hat dieser Jemand die Kommentarfunktion aus- sowie die Kontaktadresse abgeschaltet, also immerhin ein paar nötige Basis-Aufräumarbeiten betrieben. Stöbern wir einmal weiter in Lindas Blog, werden zwei Dinge klar: Dass sie viel zu früh gestorben ist, natürlich an erster Stelle. Dass sie aber viele großartige Erlebnisse hat erfahren dürfen, an zweiter Stelle. Ihr Blog ist jedenfalls voll davon. Eine Schiffsfahrt rund um Norwegen, irre schöne Fotos von einsamen Stränden und vor den Dünen liegenden Waldabschnitten, hübsche kleine Geschäfte in Dänemark und Deutschland. Alles rein aus der Perspektive des Selbsterlebten und frei von Werbung. Du bekommst gleich eine Menge Reiselust, wenn Du Dir das anschaust. Und bist dann gleichzeitig genauso unterwegs, wie sich Linda das gewünscht hat, so steht es jedenfalls in diesen Zeilen. Linda ist gestorben, das ist traurig. Aber es macht Freude, noch immer ihre Zeugnisse aus einem Leben mit ganz viel Schönheit darin vorfinden zu können. Das hat auch etwas Tröstendes. Insofern also: Danke, Linda. 

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Freitag, 28. September 2018

Standfest, sicher und trotzdem allen Widrigkeiten ausgesetzt - warum die Bäume auf einem Osnabrücker Berg einen so hohen Symbolwert für mich haben - Meine September-Fotos für die Mitmachaktion "Hoffnungsvoll und seelenschwer" (Bundesverband Trauerbegleitung)



Mannshohe Wurzelberge - selten so offen zu erleben.   (Thomas-Achenbach-Fotos)

Osnabrück - Einer der eindrucksvollsten Spazierwege, die ich kenne, schlängelt sich durch den Osnabrücker Schölerberg. Meterhohe Bäume, die wie eine Kirchenkathedrale links und recht von Dir und über Dir eine Umhausung bilden, machen diesen Weg zu etwas Besonderem. Aber nicht nur sie: Auch die sich teilweise über Sand-und-Geröllberge und Steinklippen windenden Baumwurzeln sind eine Wucht. So offenliegend, nicht in der Erde versteckt, so hoch wie ein Mann, sind Wurzeln selten zu sehen. Das hat was, auch eine hohen Symbolwert: Bewusst wahrnehmen zu können, mit welchen machtvollen Greifwerkzeugen die Natur solche Bäume ausgestattet hat. Bäume sind ja überhaupt etwas Faszinierendes. Allen Launen des Wetters und der Umstände relativ schutzlos ausgesetzt, jedenfalls obenrum, brauchen Sie eine besondere Standfestigkeit - so wie wir Menschen oft. Und deswegen sind diese Wurzelberge des Schölerbergs ebenfalls "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" - und damit prädestiniert für meine inoffizielle Teilnahme an dieser offiziellen Aktion... 

Auf den ersten Blick ist dieser Wald gar nichts Besonderes: Der Weg ist nicht besonders weit und nur teilweise recht steil, aber dort sind steinerne Treppenstufen eingebracht. Die Stadt ist niemals allzu weit entfernt, wenn auch nicht überall zu sehen. Ein Großteil des Schölerbergs wird außerdem vom Osnabrücker Zoo benutzt, der durch diese Waldlage seinen besonderen Zauber erhält. Wer hier im freien Teil des Berges umherspaziert, der muss wissen, wo er seine Blicke hinrichten sollte - beispielsweise in Richtung Bergkamm. Dort sind zu finden, die Baumwurzeln, die sich so eindrucksvoll und schutzlos zeigen wie sonst selten in einem Wald. Nicht immer haben es die Bäume damit geschafft, ein von mir besonders geliebter Wurzelberg trägt leider inzwischen keinen Stamm mehr - deswegen sind diese Bäume und ihre offenen Wunden auch irgendwie "Hoffnungsvoll und seelenschwer". So wie diese Aktion hier.



Denn der Bundesverband Trauerbegleitung (BVT) - in dem ich ebenfalls Mitglied bin - feiert seinen zehnten Geburtstag in Form einer kreativen Mitmachaktion, zu der noch bis zum Ende des Jahres alle, die Lust haben, zur Teilnahme aufgerufen sind. Auch ohne jeden Bezug zum Thema. Wobei es interessant sein kann, sich den BVT einmal näher anzugucken. 



Gegründet mit dem Ziel, der Ausbildung zum Trauerbegleiter in Deutschland einen einheitlichen Lehrplan und ein einheitliches Zertifikat verschaffen zu können, versteht sich der Verband inzwischen als Sprachrohr und Interessenvertretung für alle Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise. Sie sind es auch, die sich zur Teilnahme an der Aktion eingeladen fühlen sollen (alle Infos gibt es unter diesem Link). Wer sich ganz kreativ beteiligen möchte, kann sogar versuchen, ganze 365 Beiträge beizusteuern. Also für jeden Tag eines Kalenderjahres einen. Der Kreativität und der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, allein das Oberthema der Aktion gilt es zu beachten.



Nämlich die Fragestellung: Was sind Kraftquellen, Stolpersteine, was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Was bringt Wut in den Bauch, was streichelt meine Seele? Was lässt mich stolpern und wobei schöpfe ich Kraft? Es geht darum, Gefühle und Ressourcen sichtbar zu machen. In Wort, Bild oder anderen kreativen Ausdrucksformen. Die Idee ist es, aus allen Einsendungen eine bundesweite Wanderausstellung zu schaffen. Gleichermaßen soll die Aktion dazu dienen, wieder fokussierter und konzentrierter durchs Leben gehen zu können. Denn dass sich auf den Smartphones die schnell gemachten Fotos häufen, diese aber kaum mehr wahrgenommen werden, ist ein Phänomen unserer Zeit.



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Alle Infos zur Aktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" gibt es auf der BVT-Website....

Mein erster Beitrag zur Fotoaktion (Januar): Warum auch meine alten ausgelatschten Chucks eine Kraftquelle für mich sind

Mein zweiter Beitrag zur Fotoaktion (Februar): Kraftquelle Waldeswillen - wie sich ein alter und gestürzter Baum einfach nicht unterkriegen lässt und warum das so gut tut

Mein dritter Beitrag zur Fotoaktion (März): Kraftquelle Kulturerlebnisse - wie sich mein Leben mit allen Tiefern und Höhen auch in Eintrittskarten abbilden lässt

Mein vierter Beitrag zur Fotoaktion (April): Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt

Mein fünfter Beitrag zur Fotoaktion (Mai): Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

Mein sechster Beitrag zur Fotoaktion (Juni): Die alte Teekanne meiner Oma als ein Symbol für die Beständigkeit von Geteiltem im Leben - und für erlebtes Leiden

Mein siebter Beitrag zur Fotoaktion (Juli): Kindheit, die erste Heimat auf dieser Welt - so voller Mysterien und doch so zerbrechlich - von der Wirkmacht der ersten Jahre

Mein achter Beitrag zur Fotoaktion (August): Eintauchen in andere Welten durch Rock-LPs und ihre Plattencover - wie mir die Vermischung zweier Künste durch die Zeit half


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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Mittwoch, 19. September 2018

Unterwegs im Herbst 2018, unterwegs in den Landschaften der Trauer - ein paar öffentliche Veranstaltungen, auf die ich gerne hinweisen möchte

Osnabrück - Ein Vortrags- und Impulsabend über Männertrauer, ein Ein-Tages-Seminar für alle Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise... Mit Beginn des Herbstes 2018 stehen auch wieder ein paar Veranstaltungen in meinem Kalender, bei denen ich als Dozent oder als partnerschaftlicher Mit-Gestalter gebucht bin oder die mir sonst am Herzen liegen. Wer daran teilnehmen mag, ist herzlich eingeladen. Hier sind die Details:


Auch Männer trauern.... (Pixabay.de-/CC-0-Lizenz-Foto)

Vortragsabend Männertrauer: Über diese Einladung habe ich mich sehr gefreut: Am 5. 11. - das ist ein Montag - darf ich abends um 19 Uhr einen Abend zum Thema Männertrauer gestalten und geben. Stattfinden wird er in der Gemeinde Hagen am Teutoburger Wald im dortigen Pfarrheim St. Martinus im Ortskern unterhalb der katholischen Kirche, Veranstalter ist der dort ansässige Hospizverein. Für mich ist es der erste Vortrags/Diskussionsabend in diesem Jahr, denn ich habe meine Engagements diesmal bewusst ein wenig zurückgenommen, nachdem ich im Jahre 2017 recht viel unterwegs gewesen bin. Stattdessen habe ich mich in diesem Jahr sehr intensiv dem Thema Männertrauer zugewandt und habe allerlei Recherchen dazu angestellt. Was gar nicht so leicht gewesen ist, denn an offiziellen Ergebnissen oder Studien herrscht ein gewaltiger Mangel. So muss also auch dieser Vortragsabend eine Annäherung an das Thema sein. Weitere Infos und den Flyer des Hospizvereins Hagen gibt es unter diesem Link...


Karg, kalt und oftmals bedrohlich. Die Landschaften der Trauer.  (Pixabay.de-/CC-0-Lizenz-Foto)

Seminar "Unterwegs in den Landschaften der Trauer": Auch über diese Chance habe ich mich sehr gefreut - ein Seminar gemeinsam mit meiner sehr geschätzten Trauerbegleiterkollegin Luise Rüter aus Hilter gestalten zu dürfen. Stattfinden soll dieser Workshop nun im ersten Halbjahr 2019 (genauer Termin folgt noch) – an einem Samstag zwischen 10 und 17 Uhr in dem zwischen Osnabrück und Bielefeld gelegenen Borgholzhausen, und zwar im dortigen Bürgerhaus. Es geht ganz allgemein um Verlust- und Trauerkrisen und um einen möglichen Umgang damit, angesprochen sind vor allem alle Menschen, die selbst einen Verlust erleiden mussten, aber auch jene, die das Thema allgemein interessiert. Wir wollen uns damit beschäftigen, was nach einem Verlust an Gefühlen, Gedanken und Aufgaben auf uns zukommen kann, wie das Umfeld reagiert und was uns selbst gut tut oder gut tun könnte. Ideen für Rituale gehören ebenso zum Angebot wie praktische Übungen, kurze Textimpulse, neues Wissen über Trauer und die aktuelle Forschung… Luise Rüter ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und Trauerbegleiterin, sie ist, wie ich auch, Mitglied im Bundesverband Trauerbegleitung. Das Seminar soll 38 Euro kosten und wird von der dortigen Volkshochschule veranstaltet, Infos unter Telefon 05201/81090, E-Mail post@vhs-ravensberg.de

Und dann gibt es noch ein paar nichtöffentliche Veranstaltungen, zu denen ich eingeladen bin und auf die ich mich sehr freue sowie eine ganze Reihe von Planungen und Ideen und Gesprächen für das Jahr 2019... Ich würde also sagen: Wir sehen uns.


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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer am Arbeitsplatz/Trauer im Arbeitsleben - wie belastend ist Trauer im Beruf, was können Unternehmen tun?

Ebenfalls auf diesem Blog: "Sei doch bitte wieder normal" geht leider gar nicht - Trauernde brauchen langfristiges Verständnis ohne Ziele 

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Und im Kultur-Blog: Theater kosten den Steuerzahler einfach zuviel Geld... ist das wirklich so? Und woher kommt die Theatersubventionierung eigentlich?

Donnerstag, 13. September 2018

Achtung, Elefant im Raum - wie sich als Trauernder Familienfeiern, Partys oder Betriebsfeiern gut überstehen lassen und was die Gastgeber tun können, um die Situation hilfreich zu gestalten (Fünfter Teil des Dialogs "Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich")

Osnabrück/Berlin – Das neue Buch von Eva Terhorst - "Alleine weiterleben - wenn der Partner stirbt" - ist seit inzwischen frisch auf dem Markt, es ist bereits ihr fünftes Buch. Passend dazu haben Eva und ich unseren mittlerweile fünften Dialog aus unserer Serie "Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich" geführt, die parallel hier auf diesem Blog und auf Evas Blog erscheint. Diesmal haben wir versucht uns von allen Seiten her einem wirklich schwierigen Thema anzunähern: Einladungen, Feiern, Partys, etc. Denn für Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise ist es nicht immer leicht, allen Einladungen zu folgen, gleichzeitig kann die große Unsicherheit, die der Tod in unserer Gesellschaft oft zur Folge hat, die Kommunikation mit einem Hinterbliebenen zu einer ziemlich kranpfigen Rumeierei werden lassen. Aber das muss alles gar nicht so sein. Hier sind unsere Erfahrungen, die wir damit gemacht haben. Diesmal darf wieder Eva den Anfang machen. Los geht's:

Lieber Thomas, die Themen gehen uns nicht aus und ich freue mich immer sehr über unsere Dialoge. Anscheinend helfen sie auch unseren Lesern etwas dabei, sich mit den schweren Themen auch auf diese Weise auseinanderzusetzen und auch von unseren Tipps etwas für sich mitzunehmen. Daher möchte ich heute einen ebenfalls sehr schwierigen Punkt thematisieren: „Wie gehe ich mit Angehörigen, Freunden und Kollegen um?“ Fakt ist: Wenn ein geliebter Mensch stirbt, sind alle gleichermaßen: Umfeld und Betroffene unendlich überfordert. Das führt zu Missverständnissen und Verletzungen. Langjährige Freundschaften beginnen unter der Last der Krise zu wackeln und eigentlich zuverlässige Verbindungen zu Menschen, die uns bisher unwideruflich wichtig erschienen, zerbrechen. Was passiert da eigentlich genau? Das zumindest habe ich mich damals gefragt, als ich getrauert habe und das frage ich mich, wenn Trauernde zu mir kommen und mir davon erzählen. Auch wenn wir alle verschieden sind und jeder Fall anders liegt, scheint die Kommunikation mit der Außenwelt nach dem Tod eines geliebten Menschen fast immer ganz ähnlich kompliziert und hilflos abzulaufen, denn die Menschen, die bereits Ähnliches durchlebt und gut verarbeitet haben, sind selten und gehören nicht immer zu unserem Umfeld. Die anderen fühlen und geben sich zumeist rat- und hilflos, was zu bitteren Verletzungen führen kann. Das macht mich jedes Mal sehr traurig, denn ich denke, dass wir Lebenden unsere Chance an Krisen zu wachsen, im Gegensatz zu den Verstorbenen, nutzen können und sollen. Daher möchte ich dir heute vorschlagen, dass wir beiden uns damit auseinandersetzen, wie es besser laufen könnte und vielleicht hier die wichtigsten Punkte dazu sicht- und vielleicht auch anwendbar machen. Was hältst du davon? Liebe Grüße Eva


Schon oft erlebt, oder? Wenn da ein dicker großer Elefant im Raum steht, das aber keiner ansprechen mag.... (Thomas-Achenbach-Fotos/Symbolfotos)

Liebe Eva, das ist ein wichtiges Thema, was Du da ansprichst. Tatsächlich beklagen fast alle Menschen in einer Verlust- und Trauerkrise, dass sie sich von ihrem Umfeld alsbald nicht mehr verstanden fühlen. Da bricht vieles weg. Sobald ein Todesfall eingetreten ist, gibt es eine große Welle an Empathie und Mitgefühl – aber die Hinterbliebenen selbst sind dann oft noch gar nicht in der Lage, das wertschätzen zu können, zu viel gibt es zu organisieren und zu tun. Wenn dann die Ruhe einkehrt und sich der Schock und das Verstehen so langsam durchsetzen, beginnt das Verständnis von anderen schon ganz langsam zu bröckeln. Und meistens so nach einem Jahr hat sich eine latente Erwartungshaltung breitgemacht. So nach dem Motto: Jetzt muss es aber mal langsam wieder gut sein, es ist doch so lange her, sei mal wieder irgendwie normaler. Das Problem dabei ist ganz einfach dieses: Kein Mensch, der das noch nicht erlebt hat, kann wirklich nachvollziehen, wie sehr einen Trauer in die Krise ziehen kann, wie lange das dauern kann (Jahre, manchmal sogar: Viele Jahre), aber wie normal das alles auch ist… Ich sage immer gern: Trauer hat in dieser Gesellschaft einfach keine Lobby. Ich mag aber den Angehörigen und Freunden und Nachbarn und Kollegen andererseits da ungerne mit dem tadelnden Zeigefinger winken, weil ich sie auch verstehen kann, weil deren Leben eben unverletzt weitergeht und weil deren Leben alsbald wieder auf gewohnten Bahnen verläuft – während sich das Leben eines Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise einmal komplett neusortieren muss. Alles ist dann anders. Wirklich: Alles. Ich glaube, es ist unsere Aufgabe, als diejenigen, die beide Prozesse sehen und begleiten, hier immer wieder um Verständnis zu werben, immer wieder aufzuzeigen, wie normal es eben ist, dass solche Krisen viel Zeit brauchen, ganz viel Zeit. Du kennst solche Prozesse sicher auch aus Deiner Erfahrung, oder? Bin gespannt auf Deine Einschätzung, viele Grüße, Thomas

Lieber Thomas, da es da sehr schwer ist, mit „richtig“ oder „falsch“ zu urteilen, wenn es um die Reaktionen im Umfeld geht, gebe ich ganz gerne ganz konkrete Tipps, wie man vielleicht reagieren kann. Denn manche klagen, dass zu wenige nachfragen, wie es einem geht und was man möglicherweise braucht und andere fühlen sich gestresst über die Anfragen und Redeangebote, die ihnen in hoher Zahl gemacht werden, wobei es aber oft ziemlich schwer sein kann, mit Nichttrauernden über die gerade akuten Gefühle zu sprechen. Die Frage wäre, wie wir das am besten aufzäumen wollen – ich würde vorschlagen, wir fangen einmal damit an, uns an die Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise zu wenden und ihnen konkrete Tipps anzubieten, was meinst Du? Herzliche Grüße, Eva.




Eva Terhorst aus Berlin hat mehrere Bücher zum Thema Trauer geschrieben und arbeitet unter anderem als Trauerbegleiterin. Sie betreibt auch einen Blog zum Thema Trauer.

Liebe Eva, ja, sehr gerne – sowohl Deine Bücher als auch mein Blog richten sich ja vor allem an die Menschen, die sich gerade in einer solchen Situation befinden, da bietet sich das am ehesten an. Ich überlasse Dir gerne den Vortritt, magst Du anfangen? ;-) Herzliche Grüße, Thomas

Lieber Thomas, na klar, gerne:

Speziell, was Einladungen betrifft, bemerken viele schnell, dass sie immer nur eine begrenzte Zeit unter Leuten sein können. Die Zeitspanne ist da bei jedem unterschiedlich aber in der Regel sind zwei Stunden für die meisten Trauernden mehr als genug. Die Sorge, wenn zu oft Absagen erteilt werden, nicht mehr eingeladen zu werden, spielt auch eine belastende Rolle. Oder als die Einladung kam, hatte man gerade einen guten Moment und hat freudig, vielleicht sogar ein wenig euphorisch zugesagt. Gut möglich ist es aber bei dem ganzen Auf und Ab der Gefühlswelt in der Trauerzeit, dass man sich dann am Tag der Feier hundsmiserabel fühlt und an eine Teilnahme an der Festivität nicht zu denken ist.

Da ist guter Rat gefragt und ich schlage vor:

Bekommt ihr eine Einladung fragt euch, ob ihr wirklich dort hin möchtet. Wenn nicht, sagt ohne Wenn und Aber ab. Bekommt ihr eine Einladung die ihr gerne wahrnehmen würdet, erbittet euch bei der Zusage das Verständnis der Gastgeber dafür, dass ihr eventuell kurzfristig absagen werdet, weil ihr zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach nicht sagen könnt, wie es euch bis zum betreffenden Termin geht.

Ein zusätzliches kleines Sicherheitsnetz könnt ihr entweder bereits im Vorfeld oder auf der Feier einbauen, indem ihr klarmacht, dass ihr nur für eine begrenzte Zeit bleiben könnt. Seid ihr zu einer Feier eingeladen, die euch durch die weite Anreise dazu zwingt auch zu übernachten, dann sorgt dafür, dass ihr ein eigenes Zimmer ganz für euch alleine habt und nehmt Gelegenheiten wahr, die sich euch bieten, um sie als Auszeiten für euch zu nutzen, um wieder Kraft zu tanken. Zur Not müsst ihr eben auf ausgedehnte Spaziergänge oder Ähnliches ausweichen.

Nächste Frage: Wie kann man auf unangenehme Fragen und Bemerkungen reagieren?



"Wie geht es dir?" ist da eine ganz harte Nuss. Was soll man darauf antworten? Wie wäre es mit so ausweichend wie möglich? "Wenn einem die Antwort "gut" im Halse stecken bleibt, dann vielleicht mit folgenden Varianten: "Ich wurschtele mich so durch, bin aber voller Hoffnung, dass es irgendwann besser wird." Diese Antwort enthält allerdings eine Falle, denn es ist damit zu rechnen, dass sich das Gegenüber zu einer weiteren Frage hingerissen fühlt: "Wie, dir geht es immer noch schlecht? Aber das ist doch schon x Wochen her?" Furchtbar! Also weg mit dieser Antwort oder ihr versucht es daraufhin mit der Erwiderung, die meistens für Ruhe sorgt: "Meine Trauerbegleiterin hat gesagt, dass sei völlig normal." Im Ernstfall empfehlt ihr mein Buch "Das erste Trauerjahr" - da steht alles drin, was Unwissende und Ungläubige in Sachen Trauer und dem Umgang damit wissen müssen. Schöner wäre es, wenn die Leute einfach nur sagen könnten: "Wie schön, dass du da bist." Das kommt aber leider nicht so oft vor. Eine weitere Möglichkeit auf die Frage "Wie geht es dir?" zu reagieren, könnte sein, einfach die Aufmerksamkeit von euch abzulenken, indem ihr antwortet: "Ach lass uns doch lieber über dich reden." oder "Erzähl mir doch lieber von deinem Urlaub/Studium/deinem neuen Hund/Freund, etc."

Besonders unangenehm sind die Momente, wenn sich vielleicht einige der Freunde zusammenrotten und der Überzeugung sind, dass es nun endlich Zeit wird, „loszulassen“ und sich einen neuen "Lover" zu suchen - am besten noch über das Internet. Böse Falle, denn wenn man sagt, man sei schon bei "Elitepartner" oder "Parship" angemeldet, ist vielleicht Ruhe auch wenn es gar nicht stimmt aber vielleicht geht dann das Getuschel los, dass man sich schon so schnell jemanden Neuen sucht. Es ist unmöglich, es allen recht zu machen. Hier wieder der Satz, der helfen könnte: "Meine Trauerbegleiterin rät mir davon ab, es zu erzwingen. Generell kann man sich gerne weitere Varianten von Entgegnungen ausdenken, die mit "Meine Trauerbegleiterin hat gesagt...", beginnen. Am besten, man legt sich schon etwas im Vorfeld zurecht, damit man nicht so überrasch wird. Aber ich bin gespannt, welche Erfahrungen und Tipps du in diesem Bereich auf der Pfanne hast. Liebe Grüße Eva 


Liebe Eva, vielen Dank für diese wertvolle erste Sammlung – mit dem Verkuppeltwerden hast Du mich echt überrascht, das ist mir bislang noch nicht untergekommen, auweia. Klar, das wird schnell als übergriffig empfunden. Ist ja auch ganz ohne eine Trauer- und Verlustkrise etwas sehr Übergriffiges. Ich möchte an dieser Stelle gerne einmal die Perspektive wechseln. Ich sage immer gern: Trauer ist das am meisten unterschätzte Gefühl, das es gibt. Und das am meisten missverstandene Gefühl. Wer das noch nicht erlebt hat, dem fällt es enorm schwer, das alles zu akzeptieren – dass es beispielsweise so lange dauert. Dass sich die Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise scheinbar so wenig entwickeln, dass es irgendwie nicht weitergeht, nicht vorangeht. Ich kann da beide Seiten gut verstehen. Deswegen werde ich nicht müde zu sagen: Liebe Leute, die ihr einem Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise etwas Gutes tun wollt, bitte beschäftigt Euch mit dem Phänomen der Trauer. Sammelt Wissen darüber. In unserer Gesellschaft heutzutage fehlen die Vorbilder für einen sinnvollen Umgang damit. Das zu ändern, ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Und wir können alle etwas dazu beisteuern. Indem wir uns einfach damit beschäftigen. Und ganz offen darüber reden. 

Was meiner Erfahrung nach Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise besonders gut: Speziell beim Thema Einladungen, Familienfest, Feiern im Freundeskreis und alledem – da steht allzu schnell mal der bekannte „dicke große Elefant im Raum“. Soll heißen: Alle spüren, dass da irgendwie das Thema Tod und Trauer mit im Raum ist. Meistens ist die Folge eine betretene Stille oder ein immer krampfiges Vermeidenwollen dieses Themas, was ein ziemliches kommunikatives Rumgeeier nach sich ziehen kann. Hier hilft meiner Meinung etwas ganz Simples: Traut Euch es anzusprechen. Sprecht den Elefanten an. Wendet Euch diesem Menschen zu, die gerade jemanden verloren hat, und macht ihr klar, dass ihr um die Situation wisst. Das geht zum Beispiel mit einem Satz wie: „Du hast ja kürzlich jemanden verloren, ich könnte mir vorstellen, dass Dich das noch ganz schön beschäftigt, oder?“. Das gibt dem Menschen die Chance, zu reagieren wie Du, Eva, es oben so schön beschrieben hast. Wichtig ist nur: Elefanten im Raum belasten die Atmosphäre. Sie ins Wort bringen zu können, sie benennen zu können, nimmt den Druck aus der Situation. Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise sind sehr sensibel und es hilft nicht, über ihr Schicksal hinwegzuschweigen. Alleine das kann hilfreich sein. Oder was meinst Du, Eva? 



Schwierig, lieber Thomas... Ein netter Gedanke, aber einerseits traut sich das kaum jemand und andererseits weiß ich nicht, ob man als Trauernder so direkt angesprochen werden möchte. Ich glaube, da braucht es noch ein bisschen mehr. Vor allem weil mir auch viele Klienten erzählen, dass sie hier und da selbst Bemerkungen machen, die den Verstorbenen einbeziehen, wie: „Das war Pauls Lieblingsessen.“ oder „Spanien war sein Lieblingsreiseland.“ Trauernden ist es meist wichtig, dass der Verstorbene nicht vergessen wird und man, wenn auch manchmal mit Tränen in den Augen, sich gemeinsam an ihn erinnern kann. Berichtet wird mir bedauerlicherweise, dass oftmals die Umstehenden entweder bedrückt daraufhin schweigen oder sofort das Thema wechseln und die Bemerkung übergehen. Das kann unglaublich niederschmetternd wirken. Gerne würde ich da raten, mit einer kleinen einfachen Entgegnung wie: „Ja, mir fehlt er auch.“ Oder „Wie schön, dass ihr die Gelegenheit nach Spanien zu reisen so oft ihr konntet, wahr genommen habt.“ zu reagieren. Mehr braucht es eigentlich gar nicht. Die einfachsten Gesten, wie jemanden in den Arm zu nehmen, an der Hand zu berühren oder ihm in die Augen zu sehen, können tatsächlich reichen, damit Trauernde sich verstanden und in der Gemeinschaft der Verwandten, Freunde und Bekannten, derer Leben weiter geht, gut aufgehoben zu fühlen. Ich hoffe, dass unsere Leser in der Kommentarfunktion ihre Erfahrungen und Tipps zu diesem Thema mit uns teilen, denn es ist ein tatsächlich schweres Thema bei dem Überforderung und Hilflosigkeit in jeder Ecke lauern. Herzliche Grüße, Eva. 

Liebe Eva, ja, das hoffe ich auch, denn es ist wirklich ein schwieriges Thema. Ich glaube, dieses betretene Schweigen, für das sich die meisten Menschen im Umgang mit dem Thema Tod entscheiden, rührt vor allem aus einer Angst heraus, die ich ungefähr so beschreiben lässt: „Auweia, wenn ich seinen Verlust jetzt anspreche, mache ich diesen anderen Menschen bestimmt wieder traurig. Oder ich bringe ihn damit zum Weinen und das möchte ich nicht…“ Wobei ich immer wieder erfahre: Wer einen Verlust erlitten hat, den beschäftigt dieses Thema sowieso jeden Tag, vielleicht jede Stunde, es ist nie weg. Auch später nicht, wenn etwas Zeit vergangen ist. Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht? Herzliche Grüße, Thomas 



Thomas Achenbach ist der Autor dieses Blogs, er ist in der Region und Stadt Osnabrück als Trauerbegleiter aktiv.   (C.-Achenbach-Foto) 

Lieber Thomas, die Tränen der anderen auszuhalten, ist oft nicht leicht. Das Missverständnis ist, dass Angehörige denken, sie haben die Tränen bei der oder dem Trauernden durch ihre Nachfrage bewirkt - und das möchten sie natürlich auf keinen Fall. Die meisten können sich einfach genau das, was du oben erwähnst, nicht vorstellen: dass Trauernde im Verlauf ihres Tages mehr oder weniger stark mit dem zu bewältigenden Verlust beschäftigt und extrem nah am Wasser gebaut sind. Daher wäre es für alle ganz gut, zu verstehen, dass man in so einem Zusammenhang vielleicht durch Nachfragen der Auslöser für Tränen sein kann aber nicht die Ursache. Auf dem Schulhof oder schon im Kindergarten haben wir gelernt, dass es nicht erstrebenswert ist, andere zum Weinen zu bringen. Diese zurecht anerzogene Schranke ist im Zusammenhang mit Trauer leider nicht passend aber ich verstehe gut, dass es in einer spontanen Situation sehr schwierig sein kann, anders als gewohnt zu reagieren. Daher kann es bei Feiern oder Treffen an denen Trauernde teilnehmen, hilfreich sein, sich im Vorfeld schon darauf einzustellen, einfach auszuhalten, einen Menschen vor sich zu haben, der gerade durch die schlimmste Krise seines Lebens geht. Ja, es ist so schlimm, wie du es wahrnimmst.“, halte ich für einen Satz, wenn er mitfühlend gesagt wird, der Betroffene abholen kann... Liebe Grüße, Eva.

Liebe Eva - dem habe ich nun tatsächlich nichts mehr hinzuzufügen... Herzliche Grüße und vielen Dank an Dich, Thomas

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„Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich“: Hier tauschen sich die beiden Trauerbegleiter Thomas und Eva über die Themen ihrer Arbeit aus. Das soll zu einem besseren Verständnis beitragen, warum Trauerbegleitung wichtig ist und euch helfen, besser zu verstehen, was ihr gerade durch macht, wenn ihr einen geliebten Menschen verloren habt. Auch für Angehörige von Trauernden kann dieser Dialog hilfreich sein. Denn es ist manchmal nicht so leicht nachzuvollziehen, was in jemandem vor sich geht, wenn er trauert. So kommt es schnell zu Missverständnissen und gut gemeinten Ratschlägen, die oft das Gegenteil vom Beabsichtigten auslösen. Sehr, sehr gerne können Trauernde, Angehörige, Trauerbegleiter und alle, die mit dem Thema zu tun haben, mit ihren Kommentaren dazu beitragen, dass dieser Dialog lebendig und hilfreich sein kann! Mehr Infos über Eva und ihre Arbeit gibt es hier....

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe für verwaiste Väter in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier


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