Dienstag, 10. Juli 2018

Der Trauerblog geht in die Sommerpause - Ende August 2018 soll es hier weitergehen - allen eine gute Zeit


Osnabrück - Der Kindergarten macht zu. Die Sommerferien sind ausgebrochen und es ist nirgendwo mehr etwas los. Andere Menschen erfordern jetzt noch mehr Aufmerksamkeiten als im Alltag. Die kommenden Wochen und Monate gehören nun also diesen anderen Menschen und ganz anderen Themen. Und sie gehören einer kleinen kreativen Atempause. Denn auch wenn durchaus reichlich Zeit zum Bloggen wäre, kann es ungemein erholsam sein zu wissen: Nein, jetzt nutze ich meine Zeit einfach mal anders. Muss auch mal sein.

Das hat nämlich auch etwas mit Selbstwirksamkeit zu tun. Was überhaupt ein gutes Thema wäre, aber dazu später einmal mehr. Wann es hier weitergehen wird? Vermutlich erst Ende August 2018. Dann wird es wieder, wie gewohnt, jeden Mittwoch einen neuen Blogbeitrag geben, so dass sich das wöchentliche Vorbeischauen auf diesem Blog dann auch wieder lohnt. Bis dahin also: Allen eine gute Zeit. Und allen, die gerade in einer akuten Trauer-, Verlust oder sonstigen Lebenskrise stecken: Lasst Euch nicht unterkriegen! 

Unten anbei finden sich übrigens noch ein paar Lesetipps aus dem Bereich Trauer und Kultur - sozusagen ein Best Of meiner beiden Blogs -, für alle, die Lust haben, in den Sommermonaten ein bisschen herumzustöbern und zu lesen... So, und jetzt aber...:



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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen


Ein Lesetipp aus meinem Kulturblog: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)

Ein Lesetipp aus meinem Kulturblog: Kulturmixmax mit Hörspiel & Musik: Endlich mal wieder eine gute Folge "Die Drei Fragezeichen" und Kamasi Washington bleibt der Beste

Ein Lesetipp aus meinem Kulturblog: Die zehn besten TV-Serien aller Zeiten - eine ganz persönliche Favoritenliste, also bis jetzt und soweit bekannt

Ein Lesetipp aus meinem Kulturblog: Kulturmixmax mit TV & Rockmusik - Netflix überrascht mit Thrillerserie "Safe"; Maiwoche mit Anarchie und ansonsten fast gar nicht

Ein Lesetipp aus meinem Kulturblog: "Tote Mädchen lügen nicht"... 10 Gründe, warum das Buch wesentlich besser ist als das zu Recht umstrittene Netflix-Serienphänomen

Ein Lesetipp aus meinem Kulturblog10 Gründe, warum "The Crown" von Netflix die beste Fernsehserie seit vielen, vielen Jahren ist

Mittwoch, 4. Juli 2018

Kindheit, die erste Heimat auf der Welt - so voller Mysterien und doch so zerbrechlich - warum es so wichtig ist, um die Wirkmacht und Wichtigkeit der ersten Lebensjahre zu wissen, denn die sind allesamt "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" - Meine Juli-Fotos für die Mitmachaktion des Bundesverbands Trauerbegleitung


Symbolisiert für mich die Kindheit, also jedenfalls einen Teil davon: Die Bodenplatten aus dem Lego-Raumfahrtprogramm, die Kenner-Spielfiguren zu den Star-Wars-Filmen und unsere alten Super-8-Filme... (Thomas-Achenbach-Fotos

Osnabrück - "Kindheit, erste Heimat" - So heißt ein wunderbares Buch des Autoren und Süddeutsche-Zeitungs-Redakteurs Heribert Prantl mit vielen sehr lesenswerten Impulsen und Gedanken darin. Aber es ist vor allem der Titel des Buches, den ich so ansprechend finde. Denn ich denke sehr gerne an meine Kindheit in den 70er/80ern zurück, an die Geborgenheit und Sicherheit, die ich damals erfahren durfte, an die Magie und den Zauber, den ich oft als Kind gespürt habe und der sich in vielen Dingen, in Stimmungen, aber auch in der Natur verbergen konnte. Ich musste erst älter werden, um zu begreifen, wie zerbrechlich das alles doch ist. Und dass es immer auch in Gefahr ist, jeden Tag aufs Neue. Weil es einfach das Leben ist. Heute, wo ich mich beinahe täglich mit den Themen Tod, Trauer und Sterben befasse, weiß ich das. Und deswegen ist die Kindheit an sich, das Phänomen der Kindheit, mit all ihrer Lebenskraft und Lebensintensität und der fast unbemerkt darin steckenden Zerbrechlichkeit eben auch: "Hoffnungsvoll und Seelenschwer". Und damit ist sie als Thema prädestiniert für meine inoffizielle Teilnahme an dieser offiziellen Aktion... Als vorletzter Blogbeitrag vor meiner Sommerpause...

"Familie ist jeder Ort, an dem - das klingt ein wenig pathetisch, stimmt aber ganz genau -, der Mensch zu Ende geboren werden kann. Jeder Ort, an dem Kinder das erfahren, ist Familie" - so formuliert es Heribert Prantl in seinem Buch (1). Kindheit ist hoffnungsvoll, weil in jedem Aufwachsen immer die Hoffnungen auf ein gutes Leben versteckt sind. Vielleicht ein besseres Leben. Kindheit ist seelenschwer, weil diese Hoffnungen auf soviel Gegenwind stoßen können. Weil jede neue Erfahrung eine erste ist und sie mit soviel Gewicht die Seele beschwert (oder andersrum: sie beflügelt). Kindheit ist aber auch Trauer, weil sie immer voller Abschiede ist. Weil sich das Kind selbst von vielen Träumen, Ideen und Hoffnungen verabschieden muss, je älter es wird - obwohl doch alles möglich zu sein schien. Und weil sich die Entwicklungsbegleiter, also Eltern oder andere, in vielen kleinen Etappen von ihrem Kind verabschieden müssen. Abschiedlichkeit ist die Natur der Kindheit. Mir wird erst jetzt bewusst, wie sehr. Eines der Projekte, mit denen ich mich aktuell beschäftige, ist das Aufarbeiten unseres Filmarchivs. In den späten 70er und den frühen 80er Jahren, also lange vor der flächendeckenden Markteinführung der Videocassetten und der Videokameras, war es ein besonderer Luxus, Filme aufnehmen zu können. Wie die meisten Haushalte auch benutzten wir damals das System Super 8 von Kodak. Schmale Filmkassetten, die in eine speziellen Handkamera gesteckt wurden und dann von dem Kunden selbst zur Entwicklung per Post an das Labor geschickt wurden. 



Von wo sie dann in so kleinen schmalen und gelben Brieftütchten als fertig entwickelter Film zurückkamen. Natürlich ohne Ton und nicht etwa auf dem heimischen Fernseher abzuspielen (wir hatten sowieso keinen), sondern über einen speziellen Projektor. Das war lange Jahre eine der üblichen Sonntagnachmittagsvergnügungen unserer Familie: Die Leinwand ausrollen und hinhängen und alte Familie gucken. Das Rattern des Projektors und seinen Geruch werde ich nie vergessen. 



Auch heute noch katapultieren mich diese Filmchen direkt in meine Kindheit zurück. Heutzutage gibt es Möglichkeiten, die alten Super-8-Filme - die immer in Eigenarbeit daheim zu großen Filmrollen von bis zu 30 Minuten Laufzeit zusammengeschnitten wurden - auf DVD überspielen zu lassen. Das ist nicht unbedingt günstig, aber ein wertvoller Service. Sehe ich die alten Filme, bin ich wieder mittendrin - in der Kindheit. Das weckt immer auch zweischneidige Gefühle. Einerseits eine tiefe Dankbarkeit, dass ich eine solche letzlich ja paradiesische Kindheit habe erleben dürfen. Denn das war sie: Keiner starb. Keine Katastrophen oder echte Unglücksfälle suchten unsere Familie heim. Keine tiefgehenden Erschütterungen sonstiger Natur galt es auszuhalten. Dass das auch eine Sache von Glück ist, ist eine Erkenntnis, die erst mit den reiferen Jahren dazukommt. Andererseits aber wecken diese Filme auch eine tiefe Sehnsucht nach der Intensität und Geborgenheit und auch der Verträumtheit und Offenheit dieser Jahre, alles Weltenpole, die sich so niemals wieder einstellen im Leben. Was man immer erst zu spät im Leben begreift. Wie gut ist es da, dass ein Teil meines alten Spielzeugs noch immer verfügbar ist - teilweise wieder in neuer Nutzung, wenn auch natürlich nicht durch mich.... :-) Und so liegen wieder Legosteinchen auf dem Fußboden bei uns daheim und es entstehen wieder Häuser, Flugzeuge, Schiffe, alles rein aus der Fantasie heraus. 



Wobei es da ein kleines Spielzeugheiligtum gibt, an das ich keinen anderen heranlasse und vor dessen Verkauf ich immer noch zurückschrecke: Meine alten Star-Wars-Sachen. Für die Spielzeug-Enthusiasten unter uns: Natürlich von Kenner, nicht von Hasbro. Damals, als kleiner Junge, war es mir natürlich unmöglich, die Filme zu sehen, ins Kino konnte ich nicht, einen Videorecorder - als sich diese so ab Mitte der 80er langsam durchsetzten - brauchten wir uns auch nicht zuzulegen, wir hatten ja keinen Fernseher. Alles, was ich kannte, waren kurze Filmausschnitte, die im Spielzeugladen liefen (meine Mutter hat das gehasst, stundenlang mit mir  die immergleichen Filmsequenzen angucken zu müssen) - und die Spielzeugfiguren. Diese faszinierende Mischung aus fremdartigem Mysterium und einer gewissen Düsternis, einer Düsternis, die uns Kinder viel ernster nahm als manches buntes Wabbelspielzeug. Sie waren unsagbar verführerisch, diese merkwürdigen Figuren und Raumschiffmodelle, die einen ganzen Kosmos an Geschichten und Geheimnisse versprachen. Vieles lebte für mich natürlich von diesem Geheimnisvollen, Nicht-Zugelassenen, dem Unbekannten. Kindheit, mit all ihrer Zerbrechlichkeit und all ihren Mysterien, das ist für mich auch in diesem Star-Wars-Spielzeug symbolisiert. Und damit ist ist auch das irgendwie "auch Hoffnungsvoll und Seelenschwer". So wie diese Aktion hier.


Denn der Bundesverband Trauerbegleitung (BVT) - in dem ich ebenfalls Mitglied bin - feiert seinen zehnten Geburtstag in Form einer kreativen Mitmachaktion, zu der noch bis zum Ende des Jahres alle, die Lust haben, zur Teilnahme aufgerufen sind. Auch ohne jeden Bezug zum Thema. Wobei es interessant sein kann, sich den BVT einmal näher anzugucken.



Gegründet mit dem Ziel, der Ausbildung zum Trauerbegleiter in Deutschland einen einheitlichen Lehrplan und ein einheitliches Zertifikat verschaffen zu können, versteht sich der Verband inzwischen als Sprachrohr und Interessenvertretung für alle Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise. Sie sind es auch, die sich zur Teilnahme an der Aktion eingeladen fühlen sollen (alle Infos gibt es unter diesem Link). Wer sich ganz kreativ beteiligen möchte, kann sogar versuchen, ganze 365 Beiträge beizusteuern. Also für jeden Tag eines Kalenderjahres einen. Der Kreativität und der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, allein das Oberthema der Aktion gilt es zu beachten:



Nämlich die Fragestellung: Was sind Kraftquellen, Stolpersteine, was trägt mich in meiner Achtsamkeit, was ist hilfreich für meine Selbstfürsorge? Was bringt Wut in den Bauch, was streichelt meine Seele? Was lässt mich stolpern und wobei schöpfe ich Kraft? Es geht darum, Gefühle und Ressourcen sichtbar zu machen. In Wort, Bild oder anderen kreativen Ausdrucksformen. Die Idee ist es, aus allen Einsendungen eine bundesweite Wanderausstellung zu schaffen. Gleichermaßen soll die Aktion dazu dienen, wieder fokussierter und konzentrierter durchs Leben gehen zu können. Denn dass sich auf den Smartphones die schnell gemachten Fotos häufen, diese aber kaum mehr wahrgenommen werden, ist ein Phänomen unserer Zeit.



Quelle: (1) - Prantl, Heribert; "Kindheit, erste Heimat", Süddeutsche Zeitung Edition, 2015

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Alle Infos zur Aktion "Hoffnungsvoll und Seelenschwer" gibt es auf der BVT-Website....

Mein erster Beitrag zur Fotoaktion (Januar): Warum auch meine alten ausgelatschten Chucks eine Kraftquelle für mich sind

Mein zweiter Beitrag zur Fotoaktion (Februar): Kraftquelle Waldeswillen - wie sich ein alter und gestürzter Baum einfach nicht unterkriegen lässt und warum das so gut tut

Mein dritter Beitrag zur Fotoaktion (März): Kraftquelle Kulturerlebnisse - wie sich mein Leben mit allen Tiefern und Höhen auch in Eintrittskarten abbilden lässt

Mein vierter Beitrag zur Fotoaktion (April): Kraftquellen Fotografie, Kreativität & Gestaltung: Wie das Fotografieren mir den Zen-Buddhismus näherbringt


Mein fünfter Beitrag zur Fotoaktion (Mai): Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die merkwürdige Beständigkeit der Dinge - warum das Wegwerfen von Sachen für Menschen in einer Trauerkrise erstmal nicht möglich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)


Dienstag, 26. Juni 2018

Trauer als Krankheit - das sind die nächsten Schritte auf dem Weg zum "ICD 11", der vieles in Sachen Trauer neu regeln soll - WHO legt jetzt einen zeitlichen Ablaufplan zur Einführung vor, Start ist 2022

Osnabrück - Wohl kaum ein Thema hat die Menschen aus Hospiz-, Palliativ- und Trauerbegleiter-Kreisen in jüngster Vergangenheit so dermaßen bewegt wie die Diskussion um die so genannte "ICD 11", also der derzeit in Überarbeitung befindlichen Klassifikation/dem Regelwerk für alle Codierungen bzw. Diagnoseschlüssel, mit denen alle niedergelassenen Haus- und sonstigen Ärzte arbeiten. Dort gibt es für so ziemlich alles einen Schlüssel. Fast alles. Nur für Trauer noch nicht, was sich aber bald ändern soll. Wie die Wochenzeitung "Die Zeit" in ihrer Ausgabe vom 21. Juni 2018 berichtet, steht jetzt zumindest der zeitliche Fahrplan für die Einführung der ICD 11 fest: Demzufolge wurde eine erste Arbeitsversion der neuen ICD in der vergangenen Woche vorgestellt, verabschiedet werden soll das ganze erst im kommenden Mai auf der Welt Versammlung der Weltgesundheitsorganisation und gültig in Kraft treten am 1. Januar 2022. 

Bislang ist es technisch gesehen nicht möglich, sich alleine wegen Trauer von Fachleuten weiter behandeln zu lassen. Denn Trauer und deren Folgen sind so einfach nicht vorgesehen – jedenfalls nicht im Diagnose-System der Weltgesundheitsorganisation, der ICD ("International Statistical Classification Of Disease and Related Heath Problems"), die bei allen Hausärzten und niedergelassenen Ärzten zum Einsatz kommt. Jedoch ist unbestritten - auch bei den meisten Kritikern -, dass es Menschen gibt, die sich wegen Trauer krankschreiben und von Fachleuten behandeln lassen. Oder besser gesagt wegen der durch ihre Trauer ausgelösten Symptome. Seit einigen Jahren tobt eine heftig geführte Debatte über die Frage: Darf man Trauer überhaupt als "Krankheit" werten? Oder ist das stigmatisierend? Und hier haben alle Fachleute, Hospizler und alle Trauerbegleiter - auch ich - eine sehr klare Meinung und Stellung dazu: 


Krankgeschrieben wegen Trauer - ab 2018 soll das laut der ICD 11 möglich sein. Aktuell ist der Plan jedoch umstritten.   (Achenbach-Foto)

Trauer ist eben keine Krankheit, sondern eine vollkommen natürliche, menschliche Reaktion. Das Gegenstück zur Freude. Die lässt sich ja auch nicht irgendwie verhindern. Aber: Trauer kann auch krank machen. Auch das ist unbestreitbar so. Und so tobt die Diskussion derzeit immer weiter, so, wie ich es bereits vor kurzem hier auf diesem Blog geschildert habe. Leider gibt der "Zeit"-Artikel nun keinen Aufschluss darüber, wie der aktuelle Stand in Sachen Trauer ist, weil er auf vielerlei andere Änderungen in der kommenden ICD eingeht, aber eben nicht auf diese. Es wird also spannend sein zu erfahren, ob sich in dieser Sache etwas Neues getan hat. Sobald ich etwas erfahren sollte, gibt es einen neuen Sachstand auch auf diesem Blog.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Viel mehr als Spendenübergaben - Tipps für eine gelingende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)

Mittwoch, 20. Juni 2018

Eine Checkliste für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - wie sich die Medien optimal für eigene Zwecke nutzen lassen, was Redakteure alles brauchen und welche technischen und sonstigen Voraussetzungen erfüllt sein sollten - "Ultimative Checkliste" für optimale Ergebnisse (inklusive einer Beispiel-Pressemitteilung)

Osnabrück - Aller gute Dinge sind drei - oder? ;-)) Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich hier zwei Blogbeiträge veröffentlicht, in denen ich ein paar Tipps und Anregungen für eine gelungene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gegeben habe - mal so als ganz anderes Thema zwischendurch, mehr so mit der Zielgruppe Hospizvereine etc. Wenige Wochen später habe ich in Lingen im Emsland auch ein Seminar über diese Inhalte gegeben, was ich gelegentlich als Nebenjob tue (Titel: "Intensivworkshop für Presse- &  Öffentlichkeitsarbeit"), das gut angekommen ist. Was ich in diesem Seminar an so genannten Handouts verteilt habe - also an Material zum Mitnehmen -, hat allen Teilnehmern besonders gut gefallen, wenn mir soviel Eigenlob gestattet ist. Vor allem die von mir angefertigte und von mir mit Augenzwinkern gerne als "ultimativ" bezeichnete "Checkliste für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" haben die Teilnehmer als hilfreich erlebt... so dass ich sie hier ebenfalls veröffentlichen möchte, inklusive einer Beispiel-Pressemitteilung.

Die Idee von dieser Checkliste ist eine ganz einfache: Es müssen sich einfach alle der dort genannten Fragen mit einem Ja beantworten lassen (bis auf die ersten beiden Fragen, denn die ergänzen sich, sprich: hier muss nur eine der Fragen mit einem Ja auskommen). Das bedeutet nämlich auch: Die Checkliste wird zu einem gut geeigneten Gradmesser dafür, ob sich die Arbeit überhaupt lohnt. Denn wer weder einen aktuellen Anlass, also etwas konkret Neues, anbieten kann noch einen anderen guten Aufhänger für seine Berichterstattung finden kann, der braucht es auch gar nicht erst zu versuchen: Wenn es gar nichts Neues gibt, nichts, was als aktueller Aufhänger taugt (also zum Beispiel sowas wie: Am Muttertag auch auf die Belange von Sternenkindmütter hinweisen, nach dem Motto "Es gibt auch Mütter, die zwar solche sind, aber keine Blumen bekommen"), wird es ganz sicher auch keine Berichterstattung geben. Redaktionen brauchen einen Nachrichtenwert, sonst geht es nicht. In meinen beiden vorherigen Beiträgen finden sich allerlei Tipps und Impulse, die sicher weiterhelfen, wenn einer der in der Checkliste genanten Punkte irgendwie unklar zu sein scheint (Zu Teil Eins dieser Miniserie geht es per Mausklick hier und zu Teil Zwei dieser Miniserie geht es per Mausklick hier...). 

Ganz wichtig bei Gruppenaufnahmen: Nah ran ans Motiv, also an die Gruppe, und immer eine ganze Serie von Bildern machen - irgendwer hat immer gerade die Augen zu oder einen doofen Gesichtsausdruck.  (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)

Und weil ja, wie schon einmal geschrieben, die wichtigste Regel heutzutage lautet "Wer Öffentlichkeit haben will, muss sie selbst herstellen", habe ich mir gedacht, es könnte eine gute Idee sein, diese Checkliste auch hier zu veröffentlichen und öffentlich verfügbar zu machen. Vor allem in unseren heutigen Zeiten, wo es überall an Ressourcen mangelt, wo in allen Redaktionen oft wenige Mitarbeiter sehr viel auf einmal leisten müssen, ist es umso wichtiger, dass die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auch auf Vereinsebene, Verbandsebene gleich so professionell und so effizient wie möglich betrieben wird... Und wenn ich dabei helfen kann, nutzt das am Ende auch allen Redakteuren. Daher also eine solche Liste. Soweit alles klar? Okay, los geht's:

Von einer gelungenen Öffentlichkeitsarbeit profitieren alle - auch die eigenen Mitarbeiter, weil Öffentlichkeitsarbeit auch nach innen in die eigene Unternehmung gerichtet sein sollte.   (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)


Die ultimative CHECKLISTE für eine gute und gelingende Öffentlichkeits- und Pressearbeit 


(c) by Thomas Achenbach, Redakteur, Blogger und Trauerbegleiter...

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Gibt es überhaupt eine Nachricht (also: Gibt es etwas „Neues“)?
Gibt es einen konkreten, tatsächlichen Anlass für Berichterstattung?

Beispiele: Neuer Termin Trauergruppe, neue Hospizeinrichtung, etc.
Eher ungeeignet: "Wir machen da immer soviel Gutes im Ehrenamt..."

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Oder gibt es einen anderen ebenso gut geeigneten Anlass für Berichterstattung? (Beispiele: Jahrestage, Welttage, etc.)

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Ist dieses Thema auch interessant für ein Nicht-Fachpublikum?

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Ist die Zielgruppe für dieses Thema/die Pressearbeit klar definiert?
(Wer ist mein Publikum? Die Allgemeinheit? Oder andere?)
Hintergrund: Das Zielpublikum macht das zu wählende Medium... 

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Lässt sich das jeweils passende Zielgruppen-Medium finden?
(Beispiel: Trauergruppe für Jugendliche - besser über Whatsapp etc., Trauergruppe für Erwachsene über klassische Medien, Zeitung, etc.)

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Braucht es eine klassische Pressemitteilung (im Folgenden: PM) dafür? Oder geht es auch über Soziale Medien? Reicht das ggf. aus?

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Ist die Pressemitteilung im gängigen Word-Format gespeichert?
Lässt sich der Text ganz einfach aus dem Dokument herauskopieren?

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Sind in der Pressemitteilung selbst alle Kontaktdaten des Absenders/des Presse-Beuaftragten mit angegeben?

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Beginnt die Pressemitteilung gleich sofort mit dem „Neuen“ ?
Steht es gleich zum Beginn ganz oben - nicht etwa erst am Schluss?

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Sind alle zum Verständnis notwendigen Hintergründe und alle grundsätzlichen Infos am Ende angefügt ("Infobox"/"Wer wir sind...")?

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Hat die Pressemitteilung einen journalistischen fetten Vorspann?
Ist ihre Aufmachung so wie ein üblicher journalistischer Artikel?

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Trägt die PM eine journalistische Headline und Subline?
Oder auf Deutsch: Überschrift und Unterzeile?

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Sind alle genannten Namen vollständig, also je Vor- und Nachname?

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Ist der Text der PM allgemeinverständlich (kein Fachdeutsch!)?

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Ist ein Bild im jpg-Format mit beigefügt/verfügbar (besser: Zwei)?

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Hat jedes angefügte Bild eine Mindestgröße von etwa 1 MB? 
Und ist nicht größer als maixmal 2 MB?

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Sind die Bildrechte für alle Veröffentlichungen wirklich geklärt?
Weiß der Urheber des Fotos, der Fotograf, was damit geschieht?

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Sind die auf dem Bild gezeigten Menschen damit einverstanden?

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Ist gleich in der PM eine erklärende Bildunterschrift mit eingebaut?

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Enthält die PM den Fotografennamen mit Vor- und Nachnamen?

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Enthält die PM rechtliche Hinweise zum Foto (frei/kostenlos, etc.)?

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Ist der komplette Text der PM nochmal in den Mailtext einkopiert?
(Weil: Nicht alle Word-Dokumente gehen überall durch die Firewall)

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Sind auch in der Mail/im Mailtext alle Kontaktdaten enthalten?

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Trägt die Mail einen eindeutigen Betreff (Pressemitteilung/Thema)?

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Ist der Mailtext mit Anrede und Bitte um Berichterstattung allgemein freundlich und offen und nett formuliert („bitten um… etc.“)?

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Verfügen Sie über einen gut gepflegten, ganz aktuellen Presseverteiler? Wissen Sie, wen Sie ansprechen müssen?

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Denken Sie auch daran, bei eventuell nötigen Korrekturen, Änderungen, etc., immer alle Originaldokumente neu mitzuschicken?

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Können Sie damit leben, dass Ihnen der redigierte Artikel/Beitrag nicht noch einmal zu Ihrer Korrektur vorgelegt werden wird?

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Haben Sie ihren eigenen Blog-/Facebook- oder Internetauftritt ebenfalls mit der neuen Pressemitteilung/den Bildern gepflegt?

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Können Sie damit leben,dass Sie von den Redaktionen, an die sie das alles verschicken, keinerlei Rückmeldung erhalten werden? 

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Werden Sie es bei maximal einer telefonischen Nachfrage belassen?

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Werden Sie trotz allem ihren Mut und die Kreativität behalten  ;-)) ?

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Gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit macht ein bisschen Arbeit - aber es bringt enorm viel.   (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)


Und hier nun wie versprochen eine jüngstens verschickte Beispiel-Pressemitteilung, die ich per E-Mail an die hiesigen Medien geschickt hatte, mit drei zusätzlichen Symbolfotos dabei - von den Kollegen von der Tageszeitung habe ich ein Lob dafür bekommen, weil die Fotos sowohl im Hoch- also auch im Querformat aufgenommen waren....  Okay, zugegeben, DAS ist dann wirklich Strebertum. Also, so sah die PM aus:



Und hier kommen nun noch die drei angehängten Fotos - es gibt übrigens zwei Gründe dafür, warum ich drei Mal das scheinbar selbe Motiv mitgeschickt habe: Erstens der bereits erwähnte Wechsel zwischen Quer- und Hochformat (aus Erfahrung weiß ich, dass es an Hochformaten oft mangelt, während man mit Querformaten ganze Zeitungsseiten zupflastern könnte). Zweitens wechselt der Bär auf den Bildern die Blickrichtung. Das kann bei der Gestaltung von Zeitungsseiten ein wichtiges Kriterium sein. Muss das Foto nämlich ganz außen stehen, am Rand des Blattes, ist es kontraproduktiv, wenn die Blickrichtung des Bären aus der Zeitungsseite hinausführt. Das kann manche Leser dazu verleiten, ihren Blick - unbewusst - aus der Seite herausgleiten zu lassen. Besser ist es dann, die Dynamik auf den Text zu lenken. Das funktioniert natürlich umso besser, je dynamischer sich das Bildmotiv darstellt - ein fahrendes Motorrad hat mehr Power als, ähm, ein Teddybär aus Stoff, klar, zugegeben:





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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum blühende Kastanien für mich zu einem Symbol dafür geworden sind, dass sich Krisen auch überstehen lassen

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine der schwierigsten Aufgaben in einem Trauerprozess - überhaupt begreifen zu können, was da geschehen ist - was das so schwer macht

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)