Mittwoch, 9. November 2016

Noch mehr Tipps zum Umgang mit Trauernden - "Sei doch bitte wieder normal" geht leider gar nicht - Und lässt sich Trauer wirklich "bewältigen"?

Osnabrück  - Die schwierigste Phase für Angehörige, die einen geliebten Menschen verloren haben, ist nicht etwa die Zeit kurz nach dem Ereignis. Es sind die Monate oder die Jahre lange nach dem Verlust, in denen die Betroffenen sich ganz alleingelassen fühlen. Das kann lange dauern.

Denn kurz nach dem Tod ist die Bereitschaft zu helfen bei Freunden und Verwandten noch groß: Unterstützung geben, da sein, zuhören, das alles ist möglich und wird gerne zugestanden. Aber die Empathie im Todesfall schwindet oft schnell – und schon bald schleicht sich bei vielen dem Trauernden Nahestehenden so etwas wie eine Erwartungshaltung ein, unter der die Betroffenen besonders leiden: „So langsam muss es doch wieder gut sein“, „Allmählich müsste wieder etwas mehr Normalität einkehren“… so empfinden es die Angehörigen und Freunde. 


An den Erwartungen, die bald an sie gerichtet werden, können Menschen in einer Verlustsituation auch mal verzweifeln.  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)


Auch wenn Gedanken wie diese nicht immer unmittelbar geäußert werden, stehen sie oft störend im Raum. Denn Trauernde befinden sich in einer emotionalen und seelischen Krise – und in einer solchen Situation sind Menschen hochsensibel, nehmen auch kleinste Signale wahr, begreifen viel von dem, was nicht ausgesprochen wird.


Was gebraucht wird: Aushalten können, auch gemeinsam


Es ist den Menschen, die einem Trauernden so begegnen, kein Vorwurf zu machen. Denn tatsächlich ist das Schwierigste im Umgang mit Verlusterfahrungen das (gemeinsame) Aushalten der Ohnmacht und der Schwere, die sich bei Trauer zwangsläufig einstellt. Das zu ertragen ist nicht leicht. Vor allem als Nicht-Betroffener. Was das Aushalten zusätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass es so wenig konkrete Hilfsmöglichkeiten gibt. Verständlich, dass sich Freunde und Angehörige im Aktionismus-Modus stets wohler fühlen als im Schweigen. Etwas tun, etwas unternehmen, das fühlt sich eben besser an als ein - vielleicht sogar wohltuendes – Nichtstun. Klar: Für den Rest der Welt geht das Leben einfach weiter wie bisher, bleibt der Alltag turbulent und munter, vielleicht sogar bunt und lebenswert. Wer in diesem Lebensstrudel steckt, kann sich auf Trauernde nur schwer einlassen. Das ist okay so. Denn genau dafür gibt es die Trauerbegleitung


Menschen dort abholen können, wo sie gerade stehen


„Trauerbegleitung ist ein Aushaltenkönnen, mehr ist es auch nicht“. So hatte es die Vorsitzende des Bundesverbands Verwaiste Eltern in Deutschland, Petra Hohn, auf der Messe „Leben und Tod“ im Jahr 2015 bei einem Vortrag formuliert. Und sie trifft es auf den Punkt: Mehr ist es nicht, weniger aber auch nicht. Was kann Trauerbegleitung also? Sie kann Trauernde dort abholen, wo sie gerade stehen. Kann sie so sein lassen, wie sie gerade sind, wenn es den anderen Menschen schwer fällt, das zu tun. Sie kann Trauernde annehmen und aufnehmen, wenn sie sich anderen schon nicht mehr zumuten wollen, weil sie mit ihren Gefühlen nicht nerven wollen. Sie kann die Trauer indes nicht aus der Welt verschwinden lassen, das kann vermutlich nichts. Nicht einmal die Trauerarbeit oder Verarbeitung, falls es so etwas überhaupt gibt. Aber das ist auch gar nicht nötig.


Trauer lässt sich nicht "bewältigen" - das geht gar nicht


Die Therapeutin Monika Müller aus Rheinbach, eine der Expertinnen für Trauer und eine Ikone der Hospizbewegung, hat in einem Vortrag einmal sinngemäß gesagt: Es ist ein Märchen, dass sich Trauer verarbeiten lässt. Wozu auch? Trauer ist ein so naturgegebenes Gefühl wie Freude. „Und in keinem Buch der Welt steht, man solle doch bitte seine Freude einmal verarbeiten und bewältigen“, sagt Müller weiter. Überhaupt, das Wort „bewältigen“ missfällt der „Grande Dame der Trauer“ ganz besonders, denn eytmologisch gesehen heißt es: „Gewaltsam unter Kontrolle bringen“. Was sich aus diesen klugen Sätzen herausfiltern lässt, ist der beste Umgang mit Trauer: Sie sollte durchlebt werden. Oder anders gesagt: „Ins Fließen kommen‘“. Das bestätigte auch die Vorsitzende des Bundesverbands Trauerbegleitung, Christine Strockstrom, in einem Interview auf diesem Blog (siehe hier)


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Der Autor dieser Zeilen steht in Osnabrück und im Osnabrücker Land als Trauerbegleiter zur Verfügung. Thomas Achenbach ist zertifizierter Trauerbegleiter nach den Standards des BVT (Große Basisqualifikation). 

Thomas Achenbach ist der Autor dieser drei Bücher: 

-> "Das ABC der Trauer - 77 Rituale und Impulse" (Patmos-Verlag)
-> "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" (Campus-Verlag)
-> "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag)

Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Ist Trauerbegleitung ein echter Beruf? Kann man von Trauerbegleitung leben? Und wie werde ich überhaupt Trauerbegleiter?  

Ebenfalls auf diesem Blog: Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen? - Impulse bei großer Unsicherheit 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie lange darf Trauer dauern? Ist es normal, wenn es jahrelang weh tut? Und ab wann wird trauern krankhaft?

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer und Schuldgefühle gehören zusammen - warum sich so viele Trauernde nach dem Tod eines Menschen schuldig fühlen

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde alles so vermeintlich "Merkwürdiges" tun und warum das nicht peinlich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie uns die Trauer vor Aufgaben stellt und was das für den Trauerprozess bedeuten kann - über die "Aufgaben der Trauer"

Ebenfalls auf diesem Blog: Entrümpeln, Ausmisten und Aufräumen nach dem Tod eines Menschen - was mache ich damit und warum ist das so hart?

Ebenfalls auf diesem Blog: Professionelle Gesprächsführung mit Menschen in einer Krise - was wir von der Spiegeltechnik fürs Leben lernen können

Ebenfalls auf diesem Blog: Wir sind auf dem Weg in eine Sterbegesellschaft - Zahlen, Fakten und Daten darüber, wir eine gute Trauerkultur brauchen werden  

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer ein Kind verloren hat, sollte nicht arbeiten gehen müssen - was wir von einer britischen Rechtsprechung lernen können 

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Mittwoch, 2. November 2016

"Hospiz- und Palliativszene kommen immer mehr zusammen" - was bringt das neue Hospiz- und Palliativgesetz vom 5. 11. 2015? - Ein Interview mit Winfried Hardinghaus als Vorsitzenden des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands

Osnabrück - Auch wenn sich dieser Blog vorwiegend an Trauernde wendet und Ihnen mit ein wenig Rat und Tat zur Seite stehen möchte, wird es hier immer mal wieder auch um alle anderen Themen gehen, die mit Tod, Sterben und Trauer in Berührung stehen. Zum Beispiel die große Politik - und die Frage, was das neue Gesetz bisher gebracht hat. Und dass es zum Beispiel auch Ängste weckt. Und warum es noch eine gesellschaftliche Veränderung diesen Themen gegenüber braucht. 

Denn inzwischen gibt es seit dem 5. November 2015 ein neues "Hospiz- und Palliativgesetz", das der Bundestag mit großer Mehrheit beschlossen hat und das im Dezember rechtskräftig wurde. In einem Interview, das mir der Vorsitzende des deutschen Hospiz- und Palliativverbands, Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, gegeben hat und das heute in der Neuen Osnabrücker Zeitung erschienen ist (Zum Wortlaut hier klicken), beschreibt der Mediziner die aktuelle Lage ein Jahr nach dem Beschluss und erzählt, wie die Verhandlungen mit den Krankenkassen derzeit laufen. Und so positiv das Gesetz auch gesehen wird - bei manchen Mitarbeitern weckt es auch Sorgen und Ängste. Hier sind die Fragen und Antworten, die ich wegen ihrer speziellen Thematik aus dem Neue-OZ-Interview herausgekürzt habe. 


Winfried Hardinghaus war vor rund 25 Jahren an der Gründung der Hospiz- und Palliativinitiatve "Spes Viva" beteiligt und steht heute dem Bundesverband DHPV vor.  (Niels-Stensen-Kliniken-Foto mit freundlichen Genehmigung)

Herr Hardinghaus, wir sprachen auch über die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Bereiche. Das Stichwort greife ich mal in anderer Form auf: Sehen Sie denn eine Gefahr, dass die Hospizinitiativen und die Palliativinitiativen jetzt gegensätzliche Interessen entwickeln oder um Gelder konkurrieren könnten? Dass die beiden also auseinanderdriften?

Hardinghaus: Ich sehe eher die Tendenz, dass beide mehr zusammenkommen, was auch sinnvoll ist. Es ist ja in wenigen Ländern wie in Deutschland so, dass Hospiz und Palliativ so getrennt sind. Viele Menschen verstehen den Unterschied auch gar nicht. Nach wie vor nicht. Das Hospiz als von vornherein bis zum Ende geplante Einrichtung – und die Palliativmedizin im Krankenhaus als akute Krisenintervention, geplant mit dem Ziel der Entlassung, meinetwegen ins Hospiz, meinetwegen nach Hause. Das sind die großen Unterschiede. Und so erlebe ich auf den Tagungen und Kongressen, auf denen ich bin: Hospiz- und Palliativszene kommen immer mehr zusammen, gehen zusammen zu Fortbildungen, sprechen sich ab. Es gibt in Deutschland zwei große Fachgesellschaften, einmal der Deutsche Hospiz- und Palliativverband, den ich leite, und die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, die mehr so die wissenschaftliche Seite vertritt. Wir verstehen uns gut und treffen uns in Vorständen, stimmen uns ab. Also das wird sowohl auf Verbands- als auch auf Mitarbeiterarbeiterebene sicher zusammenwachsen, was auch sehr vernünftig ist.

Fehlt es eher an ambulanten Diensten oder ist auch da die Versorgungslage gut?

Hardinghaus: Beides. Sowohl ambulant als auch stationär. In manchen ländlichen Gebieten fehlt insbesondere noch ein ambulantes Angebot, auch die sogenannte spezialisierte ambulante Palliativversorgung, SAPV genannt.

Bräuchten wir denn nicht auch eine Sterbehilfe in Deutschland? Der Bundestag hat ja parallel mit dem Hospiz- und Palliativgesetz auch über dieses Thema beraten.

Hardinghaus: Eine aktive Sterbehilfe? Nein. Klares Nein! Einmal ethisch nicht, aber auch spirituell nicht. Das wäre eine ganz große gesellschaftliche Gefahr. Wenn wir da einmal die Tür öffnen, dann geht es los. Vor der großen Urlaubszeit heißt die Frage dann: Wohin mit Oma oder Opa? Das kommt garantiert! In Holland gibt es bereits eine virtuelle Sterbeklinik. Das heißt, Sie können anrufen, da kommt dann einer vorbei, wie der Bäcker am Donnerstag, und macht Sterbehilfe. Und das ist vor Urlaubszeiten stärker frequentiert. Man hat die ersten paar Hundert Fälle untersucht und solche Auffälligkeiten festgestellt. In Belgien hat es ja jetzt gerade den ersten Fall der aktiven Sterbehilfe am Kind gegeben.

Die Zeit hatte mal berichtet über einen Mediziner, der sinngemäß sowas sagt wie: „Natürlich gibt es solche Fälle. Wir dürfen keinen assistierten Suizid durchführen, aber wir können natürlich Medikamente hinstellen und den Raum verlassen. Der Patient nimmt die Medikamente dann selbst. Dann haben wir keinen assistierten Suizid durchgeführt.“

Hardinghaus: Genau. Denn bleiben Sie im Raum drin, können Sie sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar machen.

Das ist ja letztlich eine völlig verzwackte Rechtslage. Brauchen wir da ein schärferes Gesetz?

Hardinghaus: Nein. Weil man nicht alles gesetzlich regeln kann. Auch das nicht. Dann wird es ein schärferes Gesetz geben - und dann wird es wieder eine Lücke geben. Ich würde mal diese Grauzone, die es da gibt, so belassen. Gerade am Ende des Lebens ist es für Mediziner hilfreich, ein klein bisschen Spielraum zu haben. Gerade, wenn solche Entscheidungen anstehen, die ja immer ganz individuell sind und eigentlich nie vergleichbar sind und vor denen lange Gespräche vorausgehen mit Angehörigen, mit dem Betroffenen selbst, mit dem Team…. Auch das ist wichtig: Alles, was man macht als Mediziner, sind Teambesprechungsergebnisse. Es wird ja niemals ein Arzt allein entscheiden, auch auf der Palliativstation nicht, beispielsweise.

Sie sind jetzt knapp ein Jahr aus dem aktiven Dienst als Mediziner ausgeschieden, sind aber trotzdem noch sehr aktiv. Wo wäre Ihre persönliche Ziellinie, wo Sie sagen: „Jetzt kann ich mich richtig in meinen totalen Ruhestand zurückziehen?“

Hardinghaus: (lächelt) Ich habe ja auch meine Schwächen. Jeder Mensch hat seine Schwächen. Ich bin in meinem Leben mehr eine Art Workaholic gewesen und insofern wird mir das auch nicht leichtfallen, dieses Loslassen eines Tages, was ich dann aber auch mal tun muss. Aber er wird kommen, dieser Zeitpunkt, da bin ich ganz realistisch.

Wie alt sind Sie jetzt?

Hardinghaus: 65 Jahre.

Was würden Sie sich denn noch wünschen? Sie haben ja gesagt: Das Gesetz ist gut, die Hospizlage in Deutschland ist gut. Also alle Wünsche erfüllt?

Hardinghaus: Ein großer Wunsch ist immer noch das gesellschaftliche Bewusstsein. Das muss noch offener werden für die Themen Sterben, Tod und Trauer - und dass wir eines Tages dahin kommen, dass jeder Mensch an jedem Ort in Deutschland gut und würdevoll begleitet werden kann und schmerzfrei sterben kann.

Gesellschaftlich gesehen ist die Angsthürde bei diesen Themen noch immer zu hoch - oder wie beobachten Sie das?

Hardinghaus: Es ist auch immer noch ein Tabuthema, dass viele Menschen weit von sich drängen. Dahinter steckt meines Erachtens die Angst vor dem eigenen Tod. Damit will man sich nicht befassen. Wir müssen uns hier noch weiter enttabuisieren. In allen Schichten bei allen Menschen.  

Mehr zum Thema bei noz.de: "Es fehlt ein Hospizbedarfsplan" - wie der Bundesverband der Hospiz- und Palliativeinrichtungen die aktuelle Lage beurteilt

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück sowie im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie funktioniert eigentlich ein Friedwald - und braucht es heute überhaupt noch Trauerorte, die sich von Angehörigen aufsuchen lassen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie funktioniert eigentlich Trauerbegleitung? Was bringt sie? Und wird das Ganze von den Krankenkassen bezahlt - hier klicken...

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Und im Kultur-Blog des Autors: Finde den Bullshit in Deinem Text - drei gute Linktipps für alle, die schreiben und mit Sprache arbeiten



Mittwoch, 26. Oktober 2016

Wie funktioniert eigentlich ein Friedwald? Wie sieht es dort aus? Ein Foto-Streifzug durch den Friedwald zwischen Bramsche-Achmer und -Ueffeln (in der Nähe von Osnabrück) - und eine Abwägung der Vor- und Nachteile

Osnabrück/Bramsche - Gottseidank gibt es hier auch eine Toilette. Zwar ist es kein festgemauertes Häuschen, sondern eine - immerhin rollstuhlgeeignete - XXL-Version eines Plastik-Dixi-Klos, aber es erfüllt den Zweck. Puh. Denn nachdem die Fahrt von Osnabrück-Stadtmitte bis zum Friedwald zwischen den Bramscher Ortsteilen Ueffeln und Achmer rund 20 Minuten gedauert hat, drückt es mir doch ein wenig auf die Blase. Es ist ein wunderschöner Oktobervormittag, einer der goldenen Sonnentage bricht an, die diese Jahreszeit so lebenswert machen. Feines Fotografierwetter. Nachdem ich kürzlich anlässlich des "Tags des Friedhofs" einen Foto-Streifzug über einen klassischen Friedhof unternommen habe (siehe auch hier), interessiert mich diesmal brennend, wie ein Friedwald aussieht. Denn in unserer Trauerbegleiterausbildung haben wir viel über dieses Thema gesprochen.

Die "Institution Friedhof" bekommt heutzutage immer mehr Konkurrenz, sei es durch alternative Angebote wie Friedwälder oder durch liberalere Bestattungsgesetze, die sogar das Beisetzen der Asche von Verstorbenen im eigenen Garten erlauben (wie beispielsweise in Bremen, vorausgesetzt, der Verstorbene hat dies zu Lebzeiten so verfügt). So begrüßenswert das auch ist, so sehr müssen die Vor- und Nachteile solcher Möglichkeiten beachtet werden. Darüber haben wir in unserer Trauerbegleiterausbildung viel diskutiert. Zu Recht. 


Ein Lageplan zu Beginn des Waldweges informiert darüber, wie die einzelnen Bereiche aufgeteilt sind. Dennoch verläuft man sich schneller als gedacht - unter anderem, weil man, sprichwörtlich gesagt, den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Denn eine Trauerstätte erfüllt ja zweierlei Funktionen: Zum einen soll sie den Wünschen oder Ideen des gestorbenen Menschen entsprechen, soll zu dem Menschen und zu seinem Leben passen. Zum zweiten aber soll der Ort auch den Hinterbliebenen dienen als eine Stätte, die sie besuchen und an der sie traurig sein können, ihren Gefühlen nachgehen können. Ein Ort, an dem das Gefühl erlaubt sein darf, dass man den Gestorbenen ganz nahe ist, vielleicht sogar mit ihnen reden kann. Gerade in der ersten und in heftigen immer wiederkehrenden Trauerphasen ist das wichtig (Weiterlesen: Zehn Tipps für den Umgang mit Trauernden). 


Die Hauptwege im Friedwald haben Namen und sind durch eine Art "Straßenschild" gekennzeichnet - das erleichtert die Orientierung.   (Thomas-Achenbach-Foto/alle folgenden Fotos: Achenbach)

Ein Wald allerdings ist nun einmal ein Wald. Auch wenn die Hauptwege gut ausgebaut sind, gibt es doch einige Hürden für Rollstuhlfahrer oder die Benutzer von Rollatoren. Die kleineren und den Friedwald durchkreuzenden Passagen beispielsweise sind mit Hackschnitzeln ausgestreut, ein Fortkommen mit Reifen jedweder Art (Buggy, Rollstuhl oder Rollator) ist hier schwierig. Außerdem ist ohne eigenes Auto ein Hinkommen zu diesem Friedwald unmöglich, einen öffentlichen Bus bis zum Parkplatz gibt es nicht. Andererseits ist es hier wirklich friedlich. Und still. Und menschenleer. Ein richtiger Wald eben, idyllisch eingebettet in ein größeres Waldgebiet, von dem nur ein kleinerer Teil als Friedwald ausgewiesen ist. Hier und da ist ein vereinzelter Vogel zu hören. Über einem ist ein leises Windesrauschen in den Baumwipfeln. Hier und da knackt es. Ansonsten: Nichts. Das ist herrlich. Und sehr würdevoll. Vielleicht sogar würdevoller als mancher Friedhof.


Ein gelbes Band um einen Baum markiert einen freien Urnenplatz an einem Gemeinschaftsbaum. Hier werden mehrere Menschen bestattet, die sich nicht kannten, für eine Dauer von bis zu 99 Jahren, wie es im Friedwald-Flyer heißt. 

Die verrottbaren Urnen, die es für jede Bestattung im Friedwald braucht, sind in den pauschalen Beisetzungskosten von 275 Euro enthalten, wie es in einem Flyer heißt. Weitere Kosten entstehen durch die Art des gewählten Baumes (von 490 Euro bis 1200 Euro reicht das Spektrum) sowie durch die kleinen runden Namenstafeln, die an einem Baum angebracht werden können. Es gibt verschiedene Baumarten: Familienbäume (blaue Bänder), Einzel- oder Partnerbäume (rote Bänder), Gemeinschaftsbäume (gelbe Bänder) oder Sternschnuppenbäume für kleine Kinder bis zum dritten Lebensjahr. Klar: Särge können hier nicht bestattet werden, die Urne ist Pflicht. Für manche ist das verständlicherweise ein No Go, weil der Gedanke, verbrannt zu werden, einige Menschen abschreckt. 


Gewaltige Baumwurzeln, spannendes Licht- und Farbenspiel, eine würdevolle Stille und Ruhe - so ein großer Wald in all seiner Abgeschiedenheit ist in jedem Fall ein stimmungsvoller Ort.


Der Friedwald verfügt über eigene Förster, die hier für die Pflege sorgen. Hinter dem Friedwald-Konzept steckt ein kommerzieller Anbieter aus dem hessischen Griesheim (Nähe Darmstadt), der auch die Fläche bei Osnabrück betreibt. Wer sich für eine Führung mit den Friedwald-Förstern interessiert, die in den Herbstmonaten September/Oktober bis November mehrmals monatlich angeboten werden, kann sich unter www.friedwald.de oder per Telefon unter 06155/848-200 informieren. Auch einen würdevollen Ort für eine mögliche Trauerzeremonie findet man hier. Wobei - eigentlich sind es zwei Orte. Auf einer künstlichen Lichtung mitten im Wald ist eine Art Gedenkstein eingerichtet worden. Dies ist auch der einzige Ort, an dem kleine Symbole oder Blumen oder Stofftiere oder andere Gedenkutensilien abgelegt werden dürfen. Denn wie die 3-Sat-Dokumentation "Ruhe sanft - über die Krise der Bestatter" im November 2016 berichtete, werden alle Gegenstände, die um die Bäume herum oder auf dem Waldboden abgelegt werden, von den Förstern wieder entfernt. Der Wald soll eben Waldcharakter haben und behalten, so ist das Konzept des Friedwalds. 


Spezielle Schilder informieren darüber, wo der Friedwaldbereich anfängt und der "klassisch genutzte" Waldbereich aufhört. 


Weil dieser aber im Freien steht und es in der Region Osnabrück gerne auch mal viel regnet, gibt es auch noch einen großen überdachten Unterschlupf zu Beginn des Friedwalds. Der hat zwangsläufig mehr den Charakter einer überdimensionierten Wanderschutzhütte. Ob er tatsächlich auch für Trauerfeiern genutzt wird oder nicht, habe ich noch nicht recherchieren können - es machte aber ganz den Eindruck.


Eine Gedenktafel an einem Gemeinschaftsbaum listet die Namen und Daten der hier Bestatteten auf. Die Plaketten sehen immer gleich aus und sind dezent, nicht zu groß, an den Baum genagelt, so dass sie erst beim näheren Hinsehen auffallen. Der Hauptcharakter der Ruhestätte soll durch den Baum geprägt sein.

Was hier an Zeremonien möglich ist, obliegt ganz den Wünschen der Angehörigen. Laut Friedwald-Flyer ist alles denkbar: Von klassischer Trauerfeier mit Musikbegleitung bis zu einer stillen kleineren Version. Aufgrund der Stille des Ortes bzw. der Naturgeräusche dort erscheint mir gerade letzteres besonders reizvoll zu sein. Zumal ich mich sehr gerne in einem Wald aufhalte und die Würde eines solchen Ortes besonders schätze. 


Nicht immer ist die Trauerplakette gut erreichbar, hier sind junge Triebe so ausgewachsen, dass sie zur Seite gebogen werden müssen, damit ein Hingelangen an den Baumstamm möglich wird. 
Ein blaues Band an einem Baum kennzeichnet die freien Familien- oder Freundschaftsbäume. 

Die kühle Oktoberluft kitzelt mir in der Nase, als ich richtig tief in das Innere des Waldes eindringe. Die Füße streifen über Blätter und Baumwurzeln. Die Finger sind kalt geworden, das Drücken auf den Auslöser fällt schwerer. Und doch kann ich mich noch nicht losreißen, weil mich die Stille und Würde dieses Ortes umfangen hält. Was mir ganz gut gefällt, an so einem Friedwald, ist seine Übertragbarkeit: Wer seine Angehörigen hier bestattet, kann - wenn er mag - jeden Wald, irgendwo auf der Welt, zu einem symbolischen Überträger machen und überall dort seiner Lieben gedenken. Und da es hierzulande so viele schöne Wälder gibt - zumal im Teutoburger Wald rund um Osnabrück - ist das ein reizvolles Konzept für die Region... Noch ein Vorteil: Eine Grabpflege ist nicht nötig. Bleibt also die Frage, ob die Angehörigen einen festen Trauerort als Rückzugsort für ihre Gefühle benötigen. Was vielen so geht und was ebenfalls sein darf. So wie bei Trauer eben alles sein darf, was sich aufdrängt und die Gefühle in Fluss bringt.

Die Plaketten an den Bäumen lassen sich individuell beschriften. 

Hier ist ein Platz an einem ganz jungen und frischen Bäumchen frei - ob es sich dabei um einen der "Sternschnuppenbäume" für junge Kinder handelt? 

Auf einer Lichtung steht dieser Gedenkstein. Der Platz lädt dazu ein, für Zeremonien oder Trauerfeiern benutzt zu werden.

Menschen haben ihre Blumen und Kerzen auf der oberen Fläche des Steins abgelegt.

Verwunschene Waldbilder, wo man auch hinsieht. Und das Licht- und Farbenspiel eines Oktobervormittags. 

Hier und da überspannen hölzerne Brücken die kleinen Bachläufe und Gräben, die den Wald durchziehen.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier



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Ebenfalls auf diesem Blog: "Sei doch bitte wieder normal" geht leider gar nicht - Trauernde brauchen langfristiges Verständnis ohne Ziele 

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Und im Kultur-Blog des Autors: Was "Babylon Berlin" wirklich zu einer ganz besonderen Serie macht - und das ist nicht alleine Bryan Ferry von Roxy Music

Freitag, 7. Oktober 2016

Wer Sterbende begleitet hat, sollte die Begleitung der Angehörigen später anderen überlassen - ein Artikel für den Bundesverband Trauerbegleitung

Osnabrück - Als sowohl bloggendes wie auch im Hauptberuf als Redakteur arbeitendes Mitglied des Bundesverbandes Trauerbegleitung habe ich jetzt - in ehrenamtlicher Arbeit - einen Artikel recherchieren und schreiben dürfen, den sich der Bundesverband von mir gewünscht hat. 

Themen: Der Welthospiztag. Und Trauer. Hatte ich anfangs nicht ganz gewusst, wie sich diese beiden Gebiete am besten übereinander legen lassen, schälte sich im Laufe der Recherche immer deutlicher heraus, was das Thema des Textes sein wird - nämlich genau das, wonach ich in den Fragen gesucht hatte: Wieviel Gleichheiten gibt es in Hospiz- und Trauerkultur und wo liegen die Abgrenzungspunkte bzw. die Grenzlinien? Hier ist also der gesamte und ungekürzte Artikel, der vom Bundesverband als Presse-Aussendung auch an verschiedene Medien geschickt werden soll:


(Thomas-Achenbach-Foto)

Warum die Welt der Hospize und die Welt der Trauer miteinander verknüpft sein sollten - und wo die Grenzen liegen


Osnabrück/Troisdorf/Raesfeld-Erle (ta/bvt) - Mit der Hospizkultur ist auch die Trauerkultur in Deutschland ein großes Stück vorangekommen. Als am 8. Oktober 2016 (Samstag) mit zahlreichen auch in Deutschland stattfindenden Veranstaltungen (Lesungen, Musikaufführungen Gottesdiensten und mehr) der jährliche Welthospiz- und Palliativ-Care-Tag gefeiert wurde, durften sich auch professionelle Trauerbegleiter als integraler Bestandteil dieser Bewegung fühlen. 

Und doch ist es immens wichtig, die verschiedenen Bereiche wie Sterbebegleitung, Palliativ Care und eben Trauerbegleitung klar voneinander abzugrenzen und sogar mit verschiedenen Personen zu besetzen, wie die Alltagserlebnisse von erfahrenen Trauerbegleiterinnen zeigen. Der noch sehr frische Bundesverband Trauerbegleitung hat sich auf den Weg gemacht, die Professionalisierung in diesem Segment weiter voranzutreiben und zu begleiten.

Eine Sterbebegleitung, sagt die 56-jährige Uta Schmidt aus dem nordrhein-westfälischen Troisdorf, ist auf eine andere Art und Weise fordernd: „Wenn ich im Sterbeprozesss bin, weiß ich ja, da geht etwas zu Ende –  das kann neben allem Schmerz auch etwas Entlastendes haben“, sagt die Trauerbegleiterin und Supervisorin, die ihre Dienste im Krankenhaus anbietet: „Trauernde, die in die Beratung kommen und sehr bedürftig sind, weil sie von ihren Gefühlen überrannt werden und ihren Trauerprozess nicht verstehen, brauchen wesentlich mehr an Strukturierung“, hat sie oft erlebt.

Wie so viele anderen Menschen, die sich in Sachen Tod und Sterbn ihre ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Aufgaben suchen, hat auch Uta Schmidt nicht nur ein Standbein, sondern mehrere. Nach einer mehrjährigen Arbeit als Koordinationskraft in einem Hospizverein war die Diplom-Theologin eine Zeitlang freiberuflich als ausgebildete Supervisorin und Trauerbegleiterin unterwegs. Heute bietet sie ihre Dienste als Trauerbegleiterin, aber auch als Begleiterin von Sterbeprozessen, im Krankenhaus an.


Uta Schmidt ist im Krankenhaus in Troisdorf tätig, wo sie Trauerbegleitung anbietet und Familien in Sterbepriozessen begleitet. Das sind aber nur zwei Standbeine von mehreren.  (Schmidt-Foto/Eingesandt/Mit Genehmigung)

Im Fokus hat sie dabei stets die Angehörigen: „Ich begleite trauernde Angehörige im Sterbeprozess des anderen – das macht einen wichtigen Unterschied“, sagt Schmidt. Und ergänzt: „Wer in der Sterbebegleitung tätig gewesen ist und dann in die Rolle der Trauerbegleitung für die Angehörigen wechselt, überschätzt sich schnell – weil Begleitende dann sehr rasch zum Familiensystem gehören und aus dieser Rolle nicht mehr herauskommen. Dann sind sie zu verwickelt.“

Eine Erfahrung, die die im Caritas-Hospizdienst für das Dekanat Borken tätige Koordinatorin Judith Kolschen  (49) aus Raesfeld-Erle nur unterstreichen kann: „Ich würde einen deutlichen Unterschied machen zwischen Sterbebegleitung und Trauerbegleitung. Wir setzen da auch tatsächlich verschiedene Personen ein“, sagt die ehemalige Krankenschwester, die heute die Koordination eines ambulanten Hospizdienstes für den Kreis Borken mitsteuert, sich dort um die Trauerbegleiterinnen kümmert und parallel als Trauerrednerin sowie als Trauerbegleiterin arbeitet.

Auch sie hat oft erlebt, dass die Begleiter schnell ins Familiensystem hineinwachsen: „Unsere Sterbebegleitungen im ambulanten Hospizdienst sind immer auch Angehörigenbegleitungen“, berichtet Kolschen. „Weil der Sterbende vielleicht schon auf dem Rückzug ist, nicht mehr so aufnahmefähig ist.“

Auch das Setting ist jeweils ein ganz anderes: Im Haus des Sterbenden findet die Sterbebegleitung statt, in einem externen Beratungszimmer die Trauerbegleitung. Dieser Unterschied hat sicher eine Wirkung auf die Begleitenden und die, die Begleitung suchen.

Das Thema der Trauer ist indes in beiden Fällen wichtig: „In der Sterbebegleitung hat man zwar oft auch schon mit Trauer zu tun, da kann man sich anschauen, welche Trauer zu dem Sterbenden gehört, der sich ja von alles und jedem verabschieden muss.“ Dieses gemeinsame Überlegen, welche Prozesse jetzt gut tun könnten, auch mit den Angehörigen, sei ganz wichtig, ergänzt Uta Schmidt: „Wenn Angehörige merken: Alles hat hier seinen Platz, es war traurig, aber stimmig, gehen sie anders in die Trauerprozesse als wenn jemand von Tod und Übergriffigkeit überrannt worden sind“.

„Es gibt ja auch die vorgezogene Trauer“, sagt dazu Judith Kolschen. „Wenn jemand jahrelang erkrankt war, zum Beispiel an Krebs oder Demenz, und Angehörige schon vorher stückweise den Verlust von Fähigkeiten betrauert haben, was wir als Begleiter mitbegleitet haben, macht der Verlust nicht mehr ganz so ohnmächtig wie bei einem ganz plötzlichen Todesfall“. Doch zurück in die Welt der Hospize.


Judith Kolschen aus Raesfeld-Erle bietet Trauerbegleitung sowie die Gestaltung von Trauerfeiern/Trauerreden an und arbeitet im ambulanten Hospizdienst als Koordinatorin.   (Kolschen-Foto/Eingesandt/mit Genehmigung)

Wenn Uta Schmidt als Ausbilderin unterwegs ist und beispielsweise Trauerbegleiter nach den neu definierten Qualitätsstandards des Bundesverbands ausbildet – was sie auch gelegentlich tut –, macht sie immer wie die Erfahrung, dass eine Vorerfahrung mit Hospizen oder Palliativstationen ganz hilfreich sein kann: „Wer aus der Hospizkultur kommt, ist für Trauerbegleitung oft schon gut vorgeprägt, weil die hilfreiche personenzentrierte Haltung und Kommunikation dort zur Kultur gehört und immer wieder trainiert wird“, betont sie. Menschen, die aus anderen Berufen stammten, müssten sich hier manchmal neu eindenken. 

„In den vergangenen Jahren haben sich die Hospizvereine sehr gut entwickelt und habe, jedenfalls hier im Raum Troisdorf, jetzt alle auch eigene Trauerangebote“, betont Uta Schmidt.

Übrigens: Lust drauf, diesen Blog auch als Podcast zu hören? Dann bitte hier klicken für die Übersicht über alle bisher veröffentlichten Episoden, darunter meine Interviews mit dem Buchautoren Pierre Stutz, dem "Letzte Lieder"-Macher Stefan Weiller und dem Trauer-Chat-Moderator und Ex-Spielsüchtigen Kai Sender....

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich Trauernde förmlich zerrissen fühlen müssen - eine Einführung in das "Duale Prozessmodell der Trauer" und seine Fallstricke

Ebenfalls auf diesem Blog: Gibt es so etwas wie Leichengift? Und stimmt es, dass die Nägel von Toten noch lange weiterwachsen? Ein paar Antworten auf sechs große Fragen

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie eine Familie den Geburtstag der gestorbenen Tochter jedes Jahr als Abschieds- und Lebensfest gestaltet und warum das Mut machen kann

Ebenfalls auf diesem Blog: Darf ich einen Menschen in Trauer eigentlich auf seinen Trauerfall ansprechen oder mache ich damit alles nur noch schlimmer? Ein paar Tipps...

Ebenfalls auf diesem Blog: 27 gute Rituale für eine Trauerfeier - wie sich eine Gedenkfeier so gestalten lässt, das sie den Angehörigen/Trauenden gut tun kann

Ebenfalls auf diesem Blog: Was muss ich machen, wenn ich wegen Trauer krankgeschrieben werden möchte? Geht das überhaupt und wenn ja, wie denn?

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

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Dienstag, 13. September 2016

Warum Friedhöfe wichtig und wertvoll sind, aber nicht der einzige Gedenk- und Bestattungsort sein sollten - inklusive frischer Impressionen vom Heger Friedhof in Osnabrück an einem sonnigen Septembermorgen (zum Tag des Friedhofs 2016)


Osnabrück/Bonn - Einmal im Jahr findet der Tag des Friedhofs statt. Ein Weltgedenktag ist das indes nicht - sondern ein von deutschen Friedhofsgärtnern und dem Gartenbauverband geschaffener PR- und Werbetag für die Institution des Friedhofs an sich. Kein ungeschickter Schachzug. 


Denn die "Institution Friedhof" bekommt immer mehr Konkurrenz, sei es durch alternative Angebote wie Friedwälder oder durch liberalere Bestattungsgesetze, die sogar das Beisetzen der Asche von Verstorbenen im eigenen Garten erlauben (wie beispielsweise in Bremen, vorausgesetzt, der Verstorbene hat dies zu Lebzeiten so verfügt). Diese liberalere Öffnung der Gesetze und der Traditionen ist meiner Meinung nach unbedingt zu begrüßen - denn so wie jede Trauer eine ganz individuelle Angelegenheit ist, sollte auch jedes Gedenken so individuell wie es irgend geht möglich sein. Doch so oder so: Friedhöfe sind wichtig, wertvoll, würdevoll. Und wunderschön. Beweise gefällig? Okay, das kann ich gerne versuchen. 

Fotoimpressionen zum Tag des Friedhofs 2016 (am 18. 9.) - aufgenommen auf dem Heger Friedhof in Osnabrück.  (Thomas-Achenbach-Fotos)

Denn so ein Friedhof ist immer gut geeignet für eine Fotopirsch, also die Suche nach schönen Motiven. Vor allem an einem sonnigen Septembermorgen. So eine Lichtstimmung gibt es nur dann: Wenn die Kühle der Nacht noch in der Luft hängt, aber die aufsteigende Sonne - noch kräftig, aber bereits mit den ersten Spuren von Oktober-Rot durchsetzt - damit beginnt, sich dagegen durchzusetzen. Dann bilden sich lange Lichtfinger aus Dunst und ein eindrucksvolles Farbenspiel, bei dem das vom Leben übersatt gewordene grün-gelbe Laub der Bäume in goldenem Gegenlicht wie von selbst zu leuchten scheint. 

Was sich einem dann an Motiven zeigt, das gibt es nur jetzt, nur hier, nur im gegenwärtigen Augenblick. Schon wenige Minuten später ist das Licht wieder anders geworden, hat sich verschoben, hat an Intensität zugenommen, um Nuancen, aber merklich. Schon ist weiter hinten wieder ein Blatt vom Baum gefallen, bald schon werden alle Blätter auf dem Boden liegen. Und doch gibt es diesen einen Moment des Wahrnehmens. Unwiderbringlich, einmalig, kostbar. So wie das Leben all der Menschen, die hier begraben liegen, sich aus Abertausenden, vielleicht Millionen solcher Augenblicke zusammengesetzt hatte. Und auch davon erzählen die Grabsteine.

Wirken sie doch so massiv, als ob die kompakte Masse aller dieser Momente in ihrer Verdichtung darin stecken könnte. So betrachtet, wird aus einem Friedhof nicht allein ein Ort des Abschieds und der Trauer, sondern auch ein Ort des Reichtums, der viel vom Leben an sich erzählen kann. Also ein Ort des Lebens. Und das wird einem in dieser Intensität nur auf einem Friedhof bewusst. Alleine deswegen ist es gut, dass es diese Einrichtung gibt - als ein Angebot von mehreren. Bald mehr dazu auf diesem Blog.

Hier ist also eine kleine Sammlung meiner ganz persönlichen Lieblingsmotive vom Heger Friedhof in Osnabrück - aufgenommen Mitte September 2016 zum "Tag des Friedhofs".











Fotoimpressionen zum Tag des Friedhofs 2016 (am 18. 9.) - aufgenommen auf dem Heger Friedhof in Osnabrück.  (Thomas-Achenbach-Foto)

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück sowie im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Denn Trauer will eben mitgeteilt werden - warum sich an einem Feinkostgeschäft in der Osnabrücker Altstadt die Trauerbekundungen sammeln

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie funktioniert eigentlich Trauerbegleitung? Was bringt sie? Und wird das Ganze von den Krankenkassen bezahlt - hier klicken...

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Und im Kultur-Blog des Autors: Finde den Bullshit in Deinem Text - drei gute Linktipps für alle, die schreiben und mit Sprache arbeiten




Mittwoch, 7. September 2016

Denn Trauer will eben mitgeteilt werden (über wilde Trauerstätten, erster Teil) - warum sich an einem Geschäft in der Osnabrücker Altstadt die Trauerbekundungen sammeln

Osnabrück - An dem Feinkostgeschäft "Schinken Gerdes" in der Osnabrücker hingen Briefe, die dort normalerweise nicht hängen. Eine Kerze in einem Glasgefäß stand vor der Tür, die dort früher noch nicht war. Die Tür war geschlossen und ein improvisiertes Schild "Vorübergehend geschlossen" hing in den Fenstern. Manchmal lagen Blumen auf der Türschwelle, manchmal auch nicht. Beim Lesen der dort hängenden Briefe (und beim Betrachten der Fotos) wurde dem Vorübergehenden klar: Hier ist offensichtlich der Besitzer gestorben. Und die Menschen, die ihn mochten oder hier einfach nur gerne einkaufen gingen, machen ihm eine letzte Aufwartung. 


Jemand hat einen Brief geschrieben und ihn aufgehängt - einen öffentlich zu lesenden Abschiedsbrief, der ans Herz geht. Mitten in der Altstadt von Osnabrück findet sich im Sommer 2016 eine "Wilde Trauerstätte". Nicht weit entfernt von dem Stromverteilkasten, an dem bereits ein weiterer Trauerort geschaffen worden war.  (T.-Achenbach-Foto)

Das Phänomen solcher "Wilder Trauerstätten" beschäftigt mich schon eine lange Zeit, schon lange, bevor ich mich entschlossen hatte, eine Ausbildung zum Trauerbegleiter zu absolvieren. Von den Behörden irgendwie geduldet (vermutlich durch gekonntes Augen-Zu-Drücken im Vorbeigehen - und solange keine Gefährdung hiervon ausgeht), sind im Alltag in den Innenstädten oder an den Straßenrändern immer mal wieder solche liebevollen Solidaritätsbekundungen mit Gestorbenen zu entdecken. Mit Blumen, Kerzen, ewigen Lichtern, Briefen, Steinchen oder Symbolen geschmückt, erinnern sie an Menschen, die anderen etwas bedeutet haben, vielleicht sogar, ohne es zu ahnen. Eine berührende Geste, so simpel und so gut. 


Beim Vorbeigehen stets vor Augen: Das Gesicht des Gestorbenen


Ich erinnere mich beispielsweise an einen sehr sympathischen älteren Verkäufer der Straßenzeitung "Abseits", der seine festen Plätze auf dem Wochenmarkt an der St.-Joseph-Kirche und gegenüber des Osnabrücker Doms hatte. Als eines Tages dort Rosen lagen und kleine rote Kerzchen brannten, war sofort klar: Dieser Mann, der stets durch eine stille Freundlichkeit und gelassene Sanftheit aufgefallen war, musste gestorben sein. Und jeder, der wollte, konnte für einen Augenblick stehenbleiben und seinen persönlichen Umgang damit versuchen. Mich hat das berührt, weil ich von dem Tod des Mannes nicht gewusst hatte, seine Abwesenheit wegen einer Abwesenheit meinerseits noch nicht mitbekommen hatte - und nun doch eine Chance hatte, mich dankbar an ihn zu erinnern. Und noch heute sehe ich, wenn ich an eben jenem Stromverteilkasten vorbeigehe, an dem der Mann immer gelehnt hatte, sein Gesicht vor mir. Ohne den Mann je besser gekannt zu haben als es halt nach so einem Mini-Klönschnack beim Kauf der Zeitung so der Fall ist. Oder im Wald des Schölerbergs in Osnabrück.


Wurde hier sogar eine improvisierte Trauerfeier abgehalten?


Auch dort haben Menschen für einen Gestorbenen eine Trauerstätte geschaffen, die beinahe schon Friedhofscharakter hat. Die einfach rund um einen Baum gelegten Symbole und Fotos (in Schutzfolie) lassen den Schluss zu, dass hier regelrecht ein gemeinsames Ritual zelebriert worden ist, vielleicht eine kleine improvisierte gemeinsame Trauerfeier, ein gemeinsames Niederlegen. Für mich sind diese Orte nicht nur Stätten eines wertvollen Erinnerns, sondern auch eine innerliche Beruhigung.


Im Schölerbeg in Osnabrück haben Unbekannte einen Trauerort geschaffen, der fast schon Friedhofscharakter hat - inklusive kleiner Steine und selbst beschrifteter Schilder (fotografiert im September 2015).   (Achenbach-Fotos)


Denn mir zeigen diese wilden Trauerstätten auf eine eindrucksvolle Art und Weise, wie sehr sich viele Menschen in einem Trauerprozess auf ihren Instinkt verlassen und etwas tun können, das ihnen selbst wiederum gut tut. Trauer will eben gezeigt, geteilt, gelebt und sichtbar gemacht werden - und verstanden werden. Das geschieht hier ganz unvermittelt und durch wenig Aufwand. Viele Menschen haben also einen ganz natürlichen Zugang zu alledem, das ist gut so (auch wenn sie dann vermutlich keine Trauerbegleitung brauchen, aber sei's drum, umso besser). 

Die folgenden Tipps, was Trauernden gut tun könnte, lassen sich aus so einem improvisierten Trauerort auch für alle anderen ableiten:

- einen Brief an den Verstorbenen schreiben (und diesen auch abschicken, an Verwandte/Freunde beispielsweise, oder irgendwo hinhängen) 

- eine Kerze anzünden und ihr Licht leuchten lassen als Symbol dafür, dass etwas weiterleuchtet

- sich einen ganz eigenen und selbst gestalteten Trauerort einrichten, der nicht an das Friedhofsgrab geknüpft sein muss.


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück sowie im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

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