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Sonntag, 29. Januar 2017

Tipps für Trauernde und Tipps für den Umgang mit Trauernden: Was soll nach dem Todesfall gefeiert werden - auch der Geburtstag oder "nur noch" der Todestag?

Osnabrück – Wenn der Geburtstag eines Menschen naht, der verstorben ist, wird die Unsicherheit in Familien und Freundeskreisen oft groß - soll der Geburtstag noch gefeiert werden? Oder ist er nicht durch den ebenfalls zu würdigenden Todestag als neuen Gedenktag an die verstorbene Person abgelöst worden? Sollten etwa zwei Gedenktage pro Jahr begangen werden? In mehreren Internetforen wird diese Frage ganz kontrovers diskutiert - oft gibt es Unverständnis, wenn Angehörige auch den Geburtstag noch irgendwie feierlich begehen wollen. Dabei gibt es dafür durchaus gute Gründe. Und es gibt gute Vorbilder. 

Die Weihnachtstage. Der Todestag. Und der Geburtstag. Es sind diese neuralgischen Tage, an denen der Verlustschmerz nochmal stärker wird als er ohnehin schon sein mag, an denen der Schmerz vielleicht in den Bereich des Unaushaltbaren vordringt. Vor allem der Geburtstag des verstorbenen Menschen, der zuvor vielleicht als ein Tag des Fröhlichseins und der Lebensfreude erlebt worden ist, macht besonders deutlich, dass es da jetzt eine Lücke gibt. Dass da keine Lebensfreude mehr ist, weil kein Leben mehr da ist. Es ist durchaus verständlich, dass Menschen nach einem Verlust an solchen Tagen nicht alleine sein wollen und dass sie diese Tage irgendwie begehen oder würdigen wollen - und doch stoßen Trauernde bei einem solchen Vorhaben auf Unverständnis. Das zeigen alleine die Einträge in Onlineforen zu diesem Thema: "Ich bin total perplex - bei uns in der Familie ist sowas nicht üblich", heißt es beispielsweise an einer Stelle bei Eltern.de. Was also tun?


Geburtstage von Verstorbenen feiern oder nicht - das ist eine alte Streitfrage.  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)

Wie immer in solchen Fällen gelten zwei wichtige Grundannahmen. Erstens: Es gibt keine allgemeingültigen Regeln (mehr), und das ist auch gut so. Zweitens: Es zählt das, was den jeweiligen Hinterbliebenen gut tut. Und es sollte so gestaltet sein, dass es ihnen gut tut. Das können sie sogar ein wenig selbst in die Hand nehmen und gestalten, wenn sie genug Energie und Muße dazu haben. Es kommt also immer auf den Einzelfall, auf die einzelnen Menschen, drauf an. Es gibt auch Möglichkeiten, den Geburtstag vom Todestag abzugrenzen und ihm ein neues Gesicht zu geben. Hier ein paar Ideen dazu. 


Kleine Teile, großes Ganzes - ein Erinnerungspuzzle


Wer mag, kann den Geburtstag beispielsweise zu einem bunten Erinnerungstag machen und die Freunde, Verwandte und Bekannte bitten, eine persönliche Erinnerung an die verstorbene Person aufzuschreiben und einzuschicken. Das wird zwar einerseits Schmerzen wecken, darauf sollte man gefasst sein, kann aber andererseits dazu beitragen, dass die Grundidee des Geburtstages - das Fröhliche, Bunte, Lebensbejahende - auch in die Zeit nach einem Todesfall transportiert wird. Eingeklebt in ein  Erinnerungsbuch, wird ein ganzheitlicheres Dokument des Erinnerns aus diesen Puzzlestücken. 


Ein Tag der Stille, ein Tag des Weitergebens


Dies kann dazu beitragen, eine neue Form von Bindung an die Gestorbenen - die nach einem Todesfall nötig und wichtig ist - zu stützen und zu fordern. In Abgrenzung dazu kann der Todestag als ein Tag des Trostes und der Stütze verstanden werden, an dem weniger die gestorbene Person als vielmehr die Unterstützung der Hinterbliebenen die größere Rolle spielt. Eine weitere Idee wäre es, den Todestag als einen Tag der Stille und den Geburtstag als einen Tag des "Weiterlebens" oder "Weitergebens" zu gestalten. 


Musik auflegen, die der Verstorbene mochte


Am Geburtstag beispielsweise die Musik aufzulegen, die den Verstorbenen gefallen hat, kann eine schöne Geste sein, die als hilfreich empfunden wird. Oder an einen Ort fahren, den der Verstorbene gemocht hat (und das Dortsein ohne ihn sowie die Erinnerungen bewusst auszuhalten versuchen). Dies alles trägt die Idee, dass etwas in der Welt bleibt, was den verstorbenen Menschen etwas bedeutet hat. Gemeinsam eine Kerze anzünden, das Licht weiterleuchten lassen, solche und ähnliche Rituale helfen an beiderlei Tagen. Kritisch dürfte allerdings die Frage sein, ob zum Geburtstag auch eingeladen werden sollte. 


Angehörigen nicht zuviel zumuten


Denn wie immer in solchen Fällen gilt auch dies: Angehörige oder Freunde könnten sich alsbald überfordert fühlen. Die Aussicht, jedes Jahr aufs Neue an gleich zwei Tagen - dem Geburtstag und dem Todestag - als Trostspender und Gedenkhelfer verlangt zu sein, wirkt leider rasch abschreckend auf viele. Hier bedarf es eines sanften Herantastens und einer gewissen Feinfühligkeit. Dies ist ein sensibler Bereich, weil Trauernde oft unbewusste Erwartungen an ihre Bekannten und Verwandten in sich tragen können, so dass Enttäuschungen nicht ausbleiben. Doch das muss nicht sein.


Nicht alle auf einmal, sondern nacheinander


Eine hilfreiche Idee könnte sein, nicht jedes Jahr einen immergleichen Stamm von Menschen einzuladen - also alle, die an den Geburtstagen ohnehin dabei waren -, sondern jedes Jahr eine ausgewählte Person aus diesem Kreis. Und auch, wenn eine solche Anmerkung auf dem Blog eines Trauerbegleiters als platte Werbung empfunden werden kann, soll doch angemerkt sein: Natürlich stehen ausgebildete Trauerbegleiter ebenfalls zur Verfügung, einen Geburtstag oder Todestag gemeinsam gestalten zu helfen oder an diesen Tagen da zu sein - auch einfach nur zum Zuhören und Verstehen oder zum gemeinsame Schweigen. Denn das alles muss es geben dürfen an solchen Tagen. 

An einen Ort fahren, den die verstorbene Person mochte, erfordert etwas Mut - aber es kann zu einer guten Erfahrung werden.  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)



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Der Autor dieser Zeilen steht in Osnabrück und im Osnabrücker Land als Trauerbegleiter zur Verfügung. Thomas Achenbach ist zertifizierter Trauerbegleiter nach den Standards des BVT (Große Basisqualifikation). 

Thomas Achenbach ist der Autor dieser drei Bücher: 

-> "Das ABC der Trauer - 77 Rituale und Impulse" (Patmos-Verlag)
-> "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" (Campus-Verlag)
-> "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag)

Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Ist Trauerbegleitung ein echter Beruf? Kann man von Trauerbegleitung leben? Und wie werde ich überhaupt Trauerbegleiter?  

Ebenfalls auf diesem Blog: Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen? - Impulse bei großer Unsicherheit 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie lange darf Trauer dauern? Ist es normal, wenn es jahrelang weh tut? Und ab wann wird trauern krankhaft?

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer und Schuldgefühle gehören zusammen - warum sich so viele Trauernde nach dem Tod eines Menschen schuldig fühlen

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde alles so vermeintlich "Merkwürdiges" tun und warum das nicht peinlich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie uns die Trauer vor Aufgaben stellt und was das für den Trauerprozess bedeuten kann - über die "Aufgaben der Trauer"

Ebenfalls auf diesem Blog: Entrümpeln, Ausmisten und Aufräumen nach dem Tod eines Menschen - was mache ich damit und warum ist das so hart?

Ebenfalls auf diesem Blog: Professionelle Gesprächsführung mit Menschen in einer Krise - was wir von der Spiegeltechnik fürs Leben lernen können

Ebenfalls auf diesem Blog: Wir sind auf dem Weg in eine Sterbegesellschaft - Zahlen, Fakten und Daten darüber, wir eine gute Trauerkultur brauchen werden  

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer ein Kind verloren hat, sollte nicht arbeiten gehen müssen - was wir von einer britischen Rechtsprechung lernen können 

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Samstag, 12. November 2016

Warum Weihnachtsschmuck nicht vor dem Totensonntag anbringen (und warum das weniger mit Religion zu tun hat als man so denkt)? Warum Advents- und Weihnachtslichter generell erst nach dem Totensonntag eingeschaltet werden sollten...

Osnabrück - Wer einen Verlust zu beklagen hat, wer gerade in Trauer ist, der ist sehr empfänglich für allerlei Signale. Viel empfänglicher als andere. Für Sehnsüchte. Und vor allem: für Wehmut. So ist vor allem die Advents- und die Weihnachtszeit für Trauernde eine Phase, die viele von ihnen als besonders schmerzvoll erleben. Weil sie so geprägt war von dem Zusammensein mit anderen Menschen, weil selten im Jahr ein Verlust so präsent wird. Da ist es hilfreich, wenn ihnen das Gefühl vermittelt werden kann, dass die Trauer einfach sein darf, dass sie wahrgenommen wird. Warum nicht durch einen gemeinsamen Gedenktag? Genau deswegen - aus Respekt vor diesen Gefühlen - ist es wichtig und richtig, mit der allzu leuchtenden und offensiven Weihnachtsdekoration bis nach dem Totensonntag zu warten. Wobei der Totensonntag selbst umstrittener ist als manche vielleicht denken... 

Wer das Internet durchforstet, der findet diese Frage oft auf den Ratgeberforen: Warum muss ich bis Totensonntag warten mit meinem Weihnachtsschmuck? Manchmal, wenn auch nicht immer, geht die Frage mit einem Unterton nahe der Empörung einher, so nach dem Motto: Worauf muss ich denn noch alles Rücksicht nehmen? Und, zugegeben, auch mir hat es spätestens mit der Zeitumstellung und der langen, langen Dunkelheit am Abend in den Fingern gejuckt, die ersten Lichterketten aufzuhängen, denn wenn es so nasskalt, fies und düster ist, braucht es so sanftes Licht. Es kann einem so gemütlich die Seele ausleuchten, kann eine neuen Form innerer Wärme mit sich bringen. Aber eben nur: Solange es einem gut geht, solange das Leben gerade ohne Tiefschläge verläuft, solange es sich in einer relativ stabilen Phase befindet. Das wissend, habe ich es also gelassen. Aus Respekt - wie oben erwähnt. Weniger aus religiösen Gründen, vielmehr aus allgemein seelischen. 


Wenn schon ein Lichterleuchten vor der Adventszeit, dann vielleicht besser als Grableuchten?   (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)


Dem Gedenken an die Toten einen festen Rahmen zu geben, kann für jeden Trauernden eine hilfreiche Sache sein - wie auch immer dieser Rahmen aussehen mag, wann auch immer er und wie auch immer er organisiert sein mag. Aber einen Tag im Jahr fest installiert zu wissen, an dem ein Trauernder wissen und spüren kann, dass er nicht alleine ist, weil es zumindest diesen einen Tag im Jahr gibt, an dem auch alle anderen ihrer Toten gedenken - diese Idee hat etwas zutiefst Tröstendes und Heilsames. Und so ist allen religiösen und weltlichen Diskussionen zum Trotz ein Totensonntag eine wertvolle Sache. 

Ein preußischer König, der Verluste zu beklagen hatte


Was heute kaum noch einer weiß: der Totensonntag als Institution ist erst von den Preußen eingeführt worden. Friedrich Wilhelm der Dritte war es, der mit der Einführung dieses - kirchlich gesehen: rein evangelischen - Gedenktages tief in die Gestaltung des Kirchenjahres eingriff. Dies vermutlich weniger aus religiösen Gründen als vielmehr aus ganz pragmatischen. Im Kriegsjahr 1813 hatte es auch auf preußischer Seite viele Verluste gegeben in jenen Schlachten, die heute als "Befreiungskriege" (gegen Napoleon) in die Geschichte eingegangen sind. Drei Jahre später ordnete der König das Totengedenken neu. Es muss ihm wohl ein Bedürfnis gewesen sein. Bei den Katholiken ist das traditionell alles etwas anders.

Empfinden nicht nur Gläubige als unpassend: Leuchtender Adventsschmuck noch vor dem Totensonntag.    (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)


Mit dem Volkstrauertag in die "traurigen Tage"


Für sie beginnt das traditionellen Totengedenken alljährlich mit Allerseelen (immer am 2. November), dem Tag nach Allerheiligen. Doch viele Katholiken feiern auch am evangelischen Totensonntag - der in ihrem eigenen Kirchenjahr "Christkönigstag" heißt -  das Totengedenken mit. Zumal dieser Totensonntag alljährlich perfekt eingebettet ist in ebenjene weltliche Woche, die mit dem 1925 erstmals und 1952 erneut eingeführten Volkstrauertag beginnt, der dem Gedenken der in den Weltkriegen gestorbenen Menschen gewidmet ist. So ergibt sich also eine "traurige Woche" (oder auch die "traurigen Tage"), in der ausgiebig getrauert werden darf. Und auch das erleben viele Trauernde als hilfreich: Dass sie eben auch mal trauern dürfen. Bekommen sie doch oft das Gefühl vermittelt, sie dürften es nicht (mehr). 

Und dann: Lichter - das hat auch was Tröstendes


Und wenn dann, am Ende einer Woche voller trauriger Tage, überall die Lichter angehen, dann kann doch auch das eine fast spirituelle, heilsame, vielleicht tröstende Wirkung haben. Wenn auch nicht immer auf Trauernde. Und deswegen: Warten bis nach dem Totensonntag. Aus Respekt. Vor dem Leben...

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Der Autor dieser Zeilen steht in Osnabrück und im Osnabrücker Land als Trauerbegleiter zur Verfügung. Thomas Achenbach ist zertifizierter Trauerbegleiter nach den Standards des BVT (Große Basisqualifikation). 

Thomas Achenbach ist der Autor dieser drei Bücher: 

-> "Das ABC der Trauer" (Patmos-Verlag, Herbst 2023)
-> "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" (Campus-Verlag).
-> "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag)

Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Auf dem Portal der Neuen OZ zu finden: Das ABC der Trauer - wie der Osnabrücker Trauerbegleiter trauernden Menschen Halt geben möchte

Ebenfalls auf diesem Blog: Ein neuer Raum und neue Möglichkeiten - wo ich in Osnabrück jetzt Trauerbegleitung anbieten darf (weiterhin auch als Spaziergang)  

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie lange darf Trauer dauern? Ist es normal, wenn es jahrelang weh tut? Und ab wann wird trauern krankhaft?

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer und Schuldgefühle gehören zusammen - warum sich so viele Trauernde nach dem Tod eines Menschen schuldig fühlen

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde alles so vermeintlich "Merkwürdiges" tun und warum das nicht peinlich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie uns die Trauer vor Aufgaben stellt und was das für den Trauerprozess bedeuten kann - über die "Aufgaben der Trauer"

Ebenfalls auf diesem Blog: Entrümpeln, Ausmisten und Aufräumen nach dem Tod eines Menschen - was mache ich damit und warum ist das so hart?

Ebenfalls auf diesem Blog: Professionelle Gesprächsführung mit Menschen in einer Krise - was wir von der Spiegeltechnik fürs Leben lernen können

Ebenfalls auf diesem Blog: Wir sind auf dem Weg in eine Sterbegesellschaft - Zahlen, Fakten und Daten darüber, wir eine gute Trauerkultur brauchen werden  

Ebenfalls auf diesem Blog: Wer ein Kind verloren hat, sollte nicht arbeiten gehen müssen - was wir von einer britischen Rechtsprechung lernen können 

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