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Samstag, 7. Oktober 2023

Ein Trauer-Fundstück, das mir besonders am Herzen liegt: Den Sarg vor der Bestattung im eigenen Garten aufbahren und warum das für den Trauerprozess so hilfreich sein kann - was in Österreich geht, sollte auch in Deutschland möglich gemacht werden (ist es?)

(Pressefoto: Lichtblick-Bestattungen, ccc)

Osnabrück/Wien - Je länger ich mich mit Trauerprozessen beschäftige und mit den seelischen Vorgängen, die der Umgang mit Tod und Sterben mit sich bringt, desto klarer wird mir: Erlaubt sollte alles sein, was den Menschen gut tut. Gerne auch etwas Unkonventionelles. Umso bemerkenswerter finde ich, welche besondere Dienstleistung ein österreichisches modernes Bestattungsinstitut kürzlich für einen Kunden erbracht hat: Die Aufbahrung des Sarges im eigenen Garten. Immer dem - richtigen und wichtigen - Motto folgend: Ein gelungener Abschied kann einen guten Start in eine gesunde Trauerarbeit bedeuten.  

Die Tage, in denen der Sarg im Garten der Familie stand, seien für alle Angehörigen eine wahre Lebensfeier gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung des Bestattungsunternehmens Lichtblick aus Österreich (hier zu finden) - eines in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerten Unternehmens, dazu später mehr. Diese Zeit des Abschieds rund um den aufgebahrten Sarg habe den Angehörigen dabei geholfen, ihre Trauer zu verarbeiten und ihre Liebe für den Verstorbenen zu zeigen. Zeitvorgaben wie in einer Trauerhalle gab es dabei nicht, anders geartete Zugangsbeschränkungen auch nicht. Ein solches Konzept ermögliche es, den Abschied von einem geliebten Menschen in einer ruhigen und privaten Atmosphäre zu feiern, die für alle Beteiligten angenehm und tröstlich ist.

Die Aufbahrung des Sarges im eigenen Garten sei in Niederösterreich einfach umzusetzen und biete eine Alternative zu traditionellen Bestattungsformen, schreibt das Unternehmen weiter in seiner Mitteilung. Ein Vertrauensarzt müsse die Unbedenklichkeit bescheinigen und die Gemeinde könne danach die Aufbahrung genehmigen. 

Das Bestattungsunternehmen Lichtblick wurde 2017 von Jörg Bauer gegründet, der bereits 2007 das in Österreich und darüber hinaus sehr bekannte Trauerportal "Aspetos" ins Netz stellte. Im Jahre 2017 sei Lichtblick nach eigener Darstellung das erste Bestattungsunternehmen gewesen, das transparente Preisangaben auf seiner Website veröffentlichte. Bis heute seien viele Unternehmen diesem Beispiel gefolgt. 

Ein "Bestatterrebell", der die Branche aufmischt

Ebenfalls 2017 wurde Jörg Bauer erstmals in der Kronenzeitung als "Bestatterrebell" bezeichnet, weil er sich stets kritisch gegen geltende, teis unsinnige Bestimmungen stellte, dass Verstreuen der Asche einforderte und die hohen Preise der Friedhöfe in Wien monierte. "Unsere Philosophie ist es, die Wünsche unserer Kunden zu erfüllen und ihre Trauerreise so persönlich und einzigartig wie möglich zu gestalten", wird der Geschäftsführer von Lichtblick in der Mitteilung zitiert.

Gut so. Ich persönlich kann es nur begrüßen, wenn Bestattungsunternehmen sich dieses Motto als Leitbild wählen und nicht die traditionellen, ausgelutschten Wege beschreiten, so wie es in Deutschland noch viel zu oft geschieht (siehe dazu auch meinen Blogbeitrag: "Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich ist, wenn Menschen das wollen", zu finden unter diesem Link). 

Quelle: Original-Pressemitteilung des Unternehmens, 2023, hier klicken.

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Ein weiteres Trauerfundstück: Ein Trauerautomat auf dem Friedhof und was er den Trauernden zu bieten hat (bitte hier klicken, um zum Beitrag zu kommen).

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Der Autor dieser Zeilen steht in Osnabrück und im Osnabrücker Land als Trauerbegleiter zur Verfügung. Thomas Achenbach ist zertifizierter Trauerbegleiter nach den Standards des BVT (Große Basisqualifikation). 
Thomas Achenbach ist der Autor dieser drei Bücher: 
-> NEU: "Das ABC der Trauer" (Patmos-Verlag, Herbst 2023)
-> "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" (Campus-Verlag).
-> "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag)

Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 


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Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer und Schuldgefühle gehören zusammen - warum sich so viele Trauernde nach dem Tod eines Menschen schuldig fühlen

Ebenfalls auf diesem Blog: Ein neuer Raum und neue Möglichkeiten - wo ich in Osnabrück jetzt Trauerbegleitung anbieten darf (weiterhin auch als Spaziergang

Ebenfalls auf diesem Blog: Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen? - Impulse bei großer Unsicherheit 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Was bedeutet "Personen auf der Fahrbahn", warum hört man das so oft - eine ganz persönliche These dazu, was dahintersteckt

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie der Suizid der Mama das System einer Familie ins Wanken bringt, eindrucksvoll erzählt in einem sensiblen sehenswerten Film

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Donnerstag, 5. September 2019

Gibt es so etwas wie Leichengift? Und wie gefährlich ist es? Stimmt es, dass die Nägel der Toten noch lange weiterwachsen? Die sechs größten Irrglauben rund um Tod, Verwesung und Sterben - ein spannendes Aufklärerstück vom Berliner Online-Bestattungshaus "Mymoria" zeigt die wichtigsten Fragen auf

Osnabrück/Berlin - Um das Sterben, den Tod und Bestattungen ranken sich viele Irrglauben. Gibt es so etwas wie Leichengift? Und wie gefährlich ist es? Stimmt es, dass die Nägel der Toten auf unbestimmte Zeit weiterwachsen? Hier sind die sechs größten Irrglauben rund um Trauer, Tod und Sterben.

Noch nie habe ich für diesen Blog eine mir zugeschickte Pressemitteilung komplett übernommen, sondern immer auf eigene Artikel gesetzt. Aber was mir jetzt das Berliner Unternehmen Mymoria zugeschickt hat, finde ich so gut gemacht, dass ich es gerne übernehmen möchte. Schon der Titel macht neugierig (vor allem nach diesem Sommer):"Sterben bei Hitze wirklich mehr Menschen als bei Kälte? Mymoria zeigt sechs Irrglauben zu Tod und Bestattung". Es handelt sich bei "Mymoria" übrigens um ein Internetunternehmen, das Beerdigungen online plant, wobei es auf regionale Partner zurückgreift - und mir ist wichtig zu betonen, dass ich weder jemals für dieses Unternehmen gearbeitet habe noch in irgendeiner anderen Geschäftsfbeziehung dazu stehe. Mymoria macht schlicht und ergreifend eine sehr clevere, weil aufklärende und allen etwas Erläuternde Pressearbeit. Dass bei einer Meeresbestattung beispielsweise gar keine Asche ins Meer gestreut wird oder dass es gar nicht die Würmer sind, die in die toten Körper unter der Erde eindringen, habe ich selbst bisher auch nicht gewusst, trotz einer fast täglichen Beschäftigung mit den Themen Tod, Trauer und Sterben.

Hier ist also die mir zugeschickte Pressemitteilung im Wortlaut: 

Berlin - Um das Sterben, den Tod und Bestattungen ranken sich viele Irrglauben. Björn Wolff, Gründer und Geschäftsführer des digitalen Bestattungshauses Mymoria, erklärt sich das so: „Wir reden viel zu wenig über den Tod und wissen deshalb kaum etwas darüber. Das lässt viel Raum für falsche Annahmen, die sich oft hartnäckig halten. Um das zu ändern müssen wir das Tabu brechen." Mit seinem Team von Mymoria will er aufklären und einen unbeschwerten Umgang mit dem Tod erreichen (....):


Irrglaube 1: Im Sommer sterben mehr Menschen als bei Kälte


Viele Menschen glauben, dass bei Hitze besonders viele Menschen sterben, weil der Kreislauf bei hohen Temperaturen überbeansprucht wird und schnell versagen kann. Das Gegenteil ist der Fall: Der Körper ist in kalten Jahreszeiten anfälliger, weil sich zusätzlich zur Schwächung auch Viren und Bakterien besser ausbreiten können. Durch die vermehrten Krankheiten sterben im Winter mehr Menschen als im Sommer.


Irrglaube 2: Bei Verstorbenen wachsen Nägel und Haare weiter


Das stimmt nicht, weil ohne Stoffwechsel keine Zellteilung mehr stattfindet, also auch kein Wachstum. Die Erklärung dafür, warum es trotzdem so aussieht, als würden Haare und Nägel weiter wachsen, ist recht simpel: Das umliegende Gewebe schwindet durch den Wasserverlust.


Irrglaube 3: Leichengift macht Tote ansteckend


Früher glaubte man, dass durch Gerüche Krankheiten übertragen werden können. Vermutlich kommt der Irrglaube an ein Leichengift daher, dass ein Leichnam unangenehm riechen kann. Bei der Verwesung entstehen zwar Stoffe, die aber bei Hautkontakt nicht schädlich sind.


Foto: Thomas Achenbach


Irrglaube 4: Asche wird ins Meer gestreut


Bei Seebestattungen in Deutschland wird die Asche nicht, wie oft in Filmen gezeigt, einfach verstreut. Von Schiffen werden spezielle Urnen ins Wasser abgelassen, die aus löslichen Materialien bestehen und sich mit der Zeit zersetzen. Im Gegensatz zu Erdbestattungen gibt es bei Beisetzungen auf dem Meer keine Gebinde und Trauerkränze. Der Umwelt zuliebe dürfen Angehörige nur ein paar Blumen zur Urne ins Wasser werfen. 


Irrglaube 5: Verstorbene sind leichenblass


Der Begriff "leichenblass“ ist irreführend. Denn entgegen des damit verbundenen Irrglaubens ist die Haut von Leichen meist farbintensiv. Das liegt daran, dass das Blut aus den Gefäßen nach unten sinkt, wenn der Blutkreislauf still steht. Das Blut sammelt sich an der Körperunterseite und zeichnet sich durch die Haut in verschiedenen Farbtönen ab.


Irrglaube 6: Würmer zerfressen den Körper in der Erde


Die Vorstellung, dass man von Würmern zerfressen wird, ist weit verbreitet, stimmt aber gar nicht. Denn in der durchschnittlichen Grabtiefe von rund 2 Metern, sind keine Würmer zu Hause. Diese leben weiter oben, wo es mehr Humus gibt. Die Verwesung im Grab passiert durch Zersetzungsprozesse und unterschiedliche Bakterien - Würmer braucht es dafür nicht.

Soweit die Pressemitteilung des Unternehmens. Noch eine Anmerkung meinerseits dazu: Mit seinem Angebot steht Mymoria natürlich in direkter Konkurrenz zu allen vor Ort ansässigen Bestattern mit allen Nach- oder auch Vorteilen, die das haben kann, aber das ist eine ganz andere Form von Diskussion, die wir bereits an anderer Stelle geführt haben (Links am Ende dieses Artikels). Ziel von Mymoria ist es laut eigener Aussage, "die Bestattungsindustrie zu digitalisieren". 

Und weiter heißt es in der Eigendarstellung: "Mymoria bietet  Hinterbliebenen unter www.mymoria.de die Möglichkeit, online eine vollumfängliche Bestattung zu beauftragen, und das bei voller Kostentransparenz. In gewohnter Umgebung und im geschützten Raum können sie sich intuitiv alle für die gewünschte Bestattung benötigten Dienstleistungen und Produkte zusammenstellen. (...). Das Unternehmen wurde 2015 in Berlin von Björn Wolff und Peter Kautz gegründet. Das Team besteht aktuell aus rund 40 Mitarbeitern."

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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