Sonntag, 4. Dezember 2016

Am 13. 12. 2020 ist es wieder soweit - dann ist wieder das "World Wide Candle Lighting" im Jahr 2020... Ein Licht für alle, die viel zu früh von dieser Welt gegangen sind, geht einmal um die Welt - so funktioniert das World Wide Candle Lighting für gestorbene Kinder/Sternenkinder

Ein Lichterband umspannt die ganze Welt - das ist die Idee des weltweiten Gedenktages an verstorbene Kinder.  (Thomas-Achenbach-Foto

Osnabrück - Oft sind es die simpelsten Gesten, die uns tief berühren. Bei Trauer ist es das Anzünden einer Kerze. Als ebenso simples wie eindrucksvolles Symbol dafür, dass das Licht des Menschen, der von dieser Welt gehen musste, noch immer in einem leuchtet. Diesen Effekt macht sich eine berührende Aktion zunutze, die immer in der Vorweihnachtszeit stattfindet, einer für Trauernde ganz besonders schwierigen Zeit. Denn für alle Eltern, die ein Kind verlieren mussten, gibt es immer am 2. Sonntag im Dezember das "World Wide Candle Lighting" (in 2020 am Sonntag, 13. 12.). 

Weltweit werden Kerzen in die Fenster gestellt, um der verstorbenen Kinder zu gedenken - aber immer um 19 Uhr der jeweiligen Landeszeit, von Kontinent zu Kontinent. So zieht sich innerhalb von 24 Stunden ein Lichterband um die ganze Welt - und das leuchtet für all die Kinder, die mit ihrem Leben (wie kurz es auch gewesen sein mag) einmal die Welt erhellt haben. Aber es leuchtet auch für alle Eltern, die sich mit ihrer Trauer oft unangemessen alleingelassen fühlen. Und obwohl ich als Papa mit dem großen Glück gesegnet bin, als nicht verwaister Elternteil ein Kind aufziehen zu können, wird auch bei mir eine Solidaritätskerze im Fenster leuchten - für alle Eltern, denen es nicht mehr so geht und mit denen ich im Verlauf des Jahres über solche Erfahrungen gesprochen habe. Denn ein solcher Tag erinnert uns wieder daran, wie wenig selbstverständlich alles ist, was wir als vermeintlich normal hinnehmen - dass wir morgens aufstehen und atmen, beispielsweise. 


So wird es am Sonntag, 13. 12. 2020 wieder in meinem Bürofenster aussehen: Eine Kerze leuchtet als Bestandteil des weltweiten Lichtbands am "World Wide Candle Lighting".   (Thomas-Achenbach-Foto)

Eine Gedenkaktion für alle gestorbenen Kinder


Übrigens ist es an diesem Trauertag ganz egal, wie alt das Kind gewesen ist und wann es oder wie es gestorben ist. Denn der Gedenktag wurde von den "Compassionate Friends" ins Leben gerufen, einer aus den USA stammenden Vereinigung von Eltern, die zu Waisen werden mussten. In Deutschland entsteht -  auch wegen vieler an diesem Tag stattfindenden Aktionen in Kliniken und Geburtshäusern - gelegentlich der Eindruck, das "World Wide Candle Lighting" sei vor allem für Sternenkinder, also still geborene Kinder, eingerichtet worden (und selbstverständlich sind auch all diese Kinder integraler und sicherlich besonders schmerzvoller Bestandteil der Gedenktag), aber die Aktion richtet sich grundsätzlich an alle verwaisten Eltern. Um Kinder zu trauern, so formulierte es der Bayerische Rundfunk in einem Beitrag, sei wie "eine Amputation des Herzens." Und Eltern bleiben immer Eltern, ganz egal, ob das Kind 21 Monate oder 21 Jahre alt ist. 


Ein jährlich wiederkehrendes Charity-Projekt zugunsten aller trauernden Eltern, die ein Kind verloren haben, ist die "Aktion Lichtpunkt".  (Thomas-Achenbach-Foto)

"Die Hoffnung, dass das Leben der Angehörigen nicht dunkel bleibt"


Besonders schön ist, was der Bundesverband Verwaister Eltern auf seiner Website zum Aktionstag schreibt: "Das Licht steht auch für die Hoffnung, dass die Trauer das Leben der Angehörigen nicht für immer dunkel bleiben läßt. Das Licht schlägt Brücken von einem betroffenen Menschen zum anderen, von einer Familie zur anderen, von einem Haus zum anderen, von einer Stadt zur anderen, von einem Land zum anderen. Es versichert Betroffene der Solidarität untereinander. Es wärmt ein wenig das kalt gewordene Leben und wird sich ausbreiten, wie es ein erster Sonnenstrahl am Morgen tut." Es sind diese Zeilen, die mich ermutigt haben, auch eine Solidaritätskerze in mein Fenster zu stellen.


Ein Lichtpunkt zum Tragen an der Kleidung


Der Gedenktag ist auch der Abschlusstag einer in Deutschland parallel stattfindenden Aktion, die die Künstlerin Stefanie Oeft-Geffarth ins Leben gerufen hat - die Aktion "Lichtpunkt". Dafür hat sie eine weiße Version ihrer eigentlich in schwarz gehaltenen Trauernadel entworfen, also einen kleinen weißen Punkt, der als Schmuck getragen werden kann. Das kleine Schmuckstück, das an Blazer oder Sakko oder der Bluse geheftet werden kann, soll eine moderne Interpretation dessen sein, was als „Trauerflor“ bis in die 70er Jahre hinein gang und gäbe war: Wer in Trauer war, der zeigte das auch. In der weißen Version wird daraus der "Lichtpunkt", der die Idee des "World Wide Candlelightings" weiter transportiert. Diese "Lichtpunkte" sind dabei immer ab dem 1. 11. und bis Mitte Dezember erhältlich. 


Übrigens: Lust drauf, diesen Blog auch als Podcast zu hören? Dann bitte hier klicken für die Übersicht über alle bisher veröffentlichten Episoden, darunter meine Interviews mit dem Buchautoren Pierre Stutz, dem "Letzte Lieder"-Macher Stefan Weiller und dem Trauer-Chat-Moderator und Ex-Spielsüchtigen Kai Sender....

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor des Buches "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag, 17 Euro, erschienen im März 2019. Mehr Infos gibt es hier.

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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