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Montag, 12. Juni 2023

Eine großartige Idee, unbedingt zum Nachahmen geeignet: Ein "Trauerautomat" auf einem Friedhof, der mit vielen liebevollen Kleinigkeiten Menschen in ihren seelischen Prozessen unterstützt - in Zürich inzwischen abgebaut, nachahmenswert auch hier (mein Trauer-Fundstück im Sommer 2023)

(Alle Fotos: Züricher Hochschule der Künste, ZHdK, mit freundlicher Genehmigung)

Zürich - Auf dem größten Stadtfriedhof in Zürich hat es mehrere Jahre einen Trauerautomat gegeben – gefüllt war er mit Produkten, die Trost spenden und zum Nachdenken anregen sollten. Über den Automaten hatte der Südkurier aus Konstanz berichtet, hat diesen Bericht aber inzwischen wieder von der Website genommen. Dennoch ist mir der Automat eine Erwähnung auf meinem Blog wert - als nachahmenswerte Anregung für Friedhöfe allerorten. Zu sehen ist der unter anderem auf einer Website der Züricher Hochschule der Künste (ZHdk), und zwar unter diesem Link

Was war alles drin im Trauerautomaten? Unter anderem Grabkerzen, Taschentücher, schwarze Trauerschleifen zum „Trauer tragen", Teebeutel oder Rosenkränze, aber auch Seifenblasen oder ein faltbares Papierschiff, das dazu einlädt, die Trauer treiben zu lassen. „Jedes Produkt hat seinen Zweck“, so hatte es die Studentin Lea Hofer, Absolventin der Fachrichtung "Style and Design" - also Produktdesignerin -, dem Südkurier im Interview gesagt. Sie hatte den Trauerautomaten entworfen. Es sei darum gegangen, Trauer zuzulassen, Trauer zu zeigen oder sich Zeit für seine eigene Trauer zu nehmen.


  

Ich finde die Idee großartig: Kleine Rituale zum Mitnehmen, die Tiefe der Trauer kombiniert mit einer spielerischen Note, kleine Mitbringsel, die bei der Bewusstwerdung helfen können. Seifenblasen, zum Beispiel, wunderbar schillernd, gleichsam so kurzlebig, zerplatzen so schnell, das macht einem vieles klar. Trauerschleifen zum Tragen lassen die Gefühle nach außen sichtbar werden. Solcherlei Produkte sind sinnvoll für den Trauerproess - so etwas hätten sich gewiss manche der Menschen gewünscht, die ich habe begleiten dürfen.

Ein Unikat - und eine Besonderheit

Der Automat war übrigens das Ergebnis einer Bachelorarbeit - und es gab tatsächlich nur diesen einen (auch wenn ich persönlich davon überzeugt bin, dass ein solches Konzept in Serie gehe sollte, alleine schon, weil es so wohltuend ist). Zum Start hatte der Automat den Berichten zufolge nur im Gebäude der Hochschule gestanden, bevor er auf den Stadtfriedhof Sihlfeld - Zürichs größten Friedhof - umzog. Das war im Jahre 2018. Einziges Problem: Der Automat hat wirklich viel Arbeit gemacht.



Denn wie auf dem Portal der Hochschule zu lesen ist, hatte die Studentin und Betreiberin Lea Hofer alle Produkte selbst gefaltet, hergestellt und den Automaten regelmäßig damit bestückt. Das hatte sogar das weltweite Internetportal "Atlas Obscura" zum Anlass genommen, über den Automaten zu berichten und ihn lobend zu erwähnen



Doch wie in einem im Internet auffindbaren Reisebericht aus dem Jahr 2023 zu lesen ist, steht das Gerät leider nicht mehr auf dem Friedhof. Das ist angesichts der Arbeit, die es gemacht hat, verständlich - und dennoch schade.

Ein weiteres Trauerfundstück: Find ich gut, wenn sogar Top-Liga-Sportvereine sich auf ihrer Website dem Thema Trauer zuwenden - lobenswertes Beispiel von der SG Flensburg-Handewitt (bitte hier klicken, um zum Beitrag zu kommen).

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Der Autor dieser Zeilen steht in Osnabrück und im Osnabrücker Land als Trauerbegleiter zur Verfügung. Thomas Achenbach ist zertifizierter Trauerbegleiter nach den Standards des BVT (Große Basisqualifikation). 

Thomas Achenbach ist der Autor dieser drei Bücher: 

-> NEU: "Das ABC der Trauer" (Patmos-Verlag, Herbst 2023)
-> "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" (Campus-Verlag).
-> "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag)

Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Ein neuer Raum und neue Möglichkeiten - wo ich in Osnabrück jetzt Trauerbegleitung anbieten darf (weiterhin auch als Spaziergang)  

Ebenfalls auf diesem Blog: Ist Trauerbegleitung ein echter Beruf? Kann man von Trauerbegleitung leben? Und wie werde ich überhaupt Trauerbegleiter?  

Ebenfalls auf diesem Blog: Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen? - Impulse bei großer Unsicherheit 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatter bewegen - Plädoyer für eine moderne Bestattungskultur, Beispiele für zeitgemäße Rituale

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich ein Suizid viel öfter verhindern ließe als wir das glauben und warum es so wichtig ist, immer wieder darüber zu reden

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und Trauer - was Menschen in einer Verlustkrise hilft, was man Trauernden sagen kann 

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Samstag, 8. April 2023

Mein Trauer-Fundstück im April 2023... Am 22. April findet in Mühlheim ein Thementag rund um Trauer, Tod und Sterben statt - lobenswerte Initiative regt zum Nachahmen an - noch herrscht ein Mangel an interessierten Männern

Mühlheim - Es geht darum, die Themen Trauer, Tod und Sterben aus der Tabuzone herauszuholen - das ist das Anliegen eines Arbeitskreises aus Mühlheim, über den die Neue Ruhr-Zeitung kürzlich berichtete: Am 22. April 2023 wird das "Ökomenische Trauernetz Mühlheim" einen ganzen Thementag gestalten, an dem Bestatter und Trauerredner ebenso beteiligt sein werden wie Pfarrer, Trauerbegleiter, Psychologen, verwaiste Eltern und in der Hospizarbeit engagierte Menschen. Mein Trauern-Fundstück des Monats (siehe auch den Onlinebericht aus der NRZ).

Satttfinden werde der Thementag den Angaben zufolge an verschiedenen Orten auf dem Kirchenhügel und geplant seien Vorträge, Workshops und ein Markt der Möglichkeiten. 

Gefunden: Das Trauer-Fundstück des Monats (Foto: Achenbach).

Als konkrete Tagungsorte werden das Petrikirchenhaus, die Petrikirche, die Marienkirche und das katholische Stadthaus genannt. Start ist um 9.30 Uhr - und bis 16.15 Uhr soll es dann verschiedene Angebote geben. Angesprochen sind der NRZ zufolge Menschen, die sich mit diesen Themen beruflich, ehrenamtlich, persönlich und interessehalber beschäftigen.

Wie die NRZ weiter berichtet, hätten sich bislang vor allem Frauen für den Thementag angemeldet, weswegen die Veranstalter auch auf männliche Teilnehmer hofften (der Artikel aus der NWZ findet sich unter diesem Link).


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Ein neuer Raum und neue Möglichkeiten - wo ich in Osnabrück jetzt Trauerbegleitung anbieten darf (weiterhin auch als Spaziergang)  

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie aus Trauer Liebe und Dankbarkeit werden kann - ein Buch gibt Impulse und Anregungen für Menschen in einer Verlustsituation

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich ein Suizid viel öfter verhindern ließe als wir das glauben und warum es so wichtig ist, immer wieder darüber zu reden

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und Trauer - was Menschen in einer Verlustkrise hilft, was man Trauernden sagen kann 

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Montag, 20. März 2023

Mein Trauer-Fundstück im März 2023: Warum es neben Sterbe- und Trauerbegleitung noch eine dritte Säule im Bereich der Lebenshilfe geben sollte - ein Artikel der FAZ macht deutlich, wie es gehen könnte

Fundstück des Monats (Foto: Thomas Achenbach).


Sie mag alt sein, aber sie ist weder krank noch sterbend. Sie kann sich weiterhin gut selbst versorgen, aber sie ist einsam. Eine Sterbebegleitung braucht sie nicht. Und auch nicht unbedingt eine Trauerbegleitung, auch wenn sie ihren Mann vor rund drei Jahren verloren hat und die Sehnsucht groß ist. Der Hospizhelfer, der sie regelmäßig besucht, tut dies aus eigenem Antrieb. Er besucht sie einmal die Woche, kocht für sie, spricht mit ihr, ist ihr seelisch nahe. Was ihn dazu motiviert hat, ist ihre große Einsamkeit.    

Die Frau, von der die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 7. Februar 2023 im Feuilleton unter der Überschrift "Man sollte sich verabschieden können" berichtet, ist ein Paradebeispiel für eine Betreuungslücke, die in Deutschland zu meist ungefüllt bleibt - und dass es ein Hospizhelfer ist, der sich dieser Aufgabe zuwendet, finde ich absolut passend. Das Hospiz als ein Ort von Reife, vielleicht auch: Lebens-Reife. Das Hospiz als ein Ort von Weisheit und Erfahrung, eben auch. Lebens-Weisheit. Das Hospiz als Sammelpunkt von Lebensverdichtung. Das ist nicht nur marketingtechnisch sinnvoll.    

Ein Wort für die benötigte Form von Begleitung gibt es nach meiner Auffassung noch nicht: Einsamkeitsbegleitung wäre vielleicht eine Idee. Einfach-nur-da-sein-Hilfe, das wäre zu sperrig, würde jedoch klar machen, worum es ginge: Eben einfach nur da zu sein, ohne dass es einen akuten lebensverändernden Einschnitt dafür bräuchte. Ich finde das überlegenswert. Mein Fundstück des Monats.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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