Hintergrund ist der parallel in Frankfurt stattfindende Kongress des internationalen Netzwerks „The Compassionate Friends“, einer weltweit aktiven Vereinigung von Eltern, die ein Kind verloren haben. Aber wie ist das Ganze geplant, wie soll es stattfinden - und, vor allem, wer darf teilnehmen? Die deutsche Mit-Organisatorin der Veranstaltung, Karin Grabenhorst, hatte auf der Messe "Leben & Tod 2016" einen Vortrag darüber gehalten. Im Interview mit diesem Blog gibt sie Auskunft darüber. Das Interview wurde in zwei Durchläufen per E-Mail geführt.
Karin Grabenhorst ist eine der Mit-Organisatorinnen der Tagung "Mourning In Motion" in Frankfurt, zu der der "Walk To Remember" ebenfalls gehört. (Björn-Buder-Foto mit freundlicher Genehmigung) |
Karin Grabenhorst, wenn am 29. Juli in Frankfurt eine große Tagung des internationalen Trauer-Hilfs-Netzwerks "The Compassionate Friends" startet, dann ist an diesem ersten Tag der Tagung ein wesentlicher Bestandteil ein "Walk To Remember", ein Trauermarsch all der Eltern, die ein Kind verloren haben. Wie muss ich mir das vorstellen?
Karin Grabenhorst: Der "Walk to
remember" steht als deutlich sichtbares Zeichen dafür, dass
diejenigen, die um ein Kind trauern, nicht allein ihren Weg durch die Trauer
gehen müssen, sondern dass es "mitfühlende Freunde" gibt (das ist
die Übersetzung von The Compassionate Friends), die mit ihnen gehen - und das
weltweit! Wie tröstlich das ist, in einer so großen Schicksalsgemeinschaft
unterwegs zu sein, habe ich selbst 2012 in Costa Mesa /USA bei der letzten
internationalen Tagung so erlebt. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Tagung
unter dem Motto "Mourning in Motion - Trauer in Bewegung" steht (Anmerkung des Blogautoren: Anmeldeschluss ist am 31. 5. 2016, spannendes Workshop- und Vortragsprogramm). Es
war meine Idee, auch hier deutlich zu machen, dass "Trauer" in
Bewegung gekommen ist und immer weiter aus der Tabuzone herausgeholt wird:
Inzwischen als Forschungsgegenstand an Universitäten, Gründungen von Netzwerken
und Selbsthilfegruppen.
Und wie ist
das Ganze geplant?
Karin Grabenhorst: Konkret treffen
wir uns am 29.7.16 um 17.15 h Uhr vor dem Hotel InterContinental in Frankfurt,
wo die Tagung "Mourning in Motion - Trauer in Bewegung" stattfindet.
Alle TagungsteilnehmerInnen, dazu gehören auch die ReferentInnen und
diejenigen, die sich - angesprochen durch die Presse - spontan mit "auf
den Weg machen wollen", gehen den Weg zum Eisernen Steg und besteigen dort
ein Schiff zu einer Fahrt auf dem Main. Da wir alle grüne T-Shirts mit Logo und
Namen des Kindes tragen, um das wir trauern, wird sich ein grünes Band am
Mainufer entlang ziehen, bis "alle in einem Boot" auf dem Main
schippern.
Viele Eltern
könnten sich sicher vorstellen, an dem Trauermarsch teilzunehmen, aber nicht unbedingt
an der Tagung - ist das möglich und an wen müssten Sie sich wenden, wenn?
Karin Grabenhorst: Der Walk to Remember
ist eine öffentliche Veranstaltung, genauer eine Demo, da ist keine Anmeldung
erforderlich. Der Treffpunkt ist vor dem Hotel InterContinental um 17.15.Uhr.
Im Foyer halten wir einige wenige T-Shirts für diejenigen vorrätig, die sich
noch spontan entscheiden, dazuzukommen und auch die Main-Schifffahrt
mitzumache. Offiziell endet der Anmeldeschluss am 31. 5. 2016, auch für
Tagesanmeldungen.
Es ist ja
erstaunlich, dass so etwas ausgerechnet im Sommer stattfindet und mal nicht an
den "traurigen Tagen im November" - ist das Absicht?
Karin Grabenhorst: Es ist Tradition,
die Internationale TCF-Tagung mitten im Sommer stattfinden zu lassen. Die
meisten internationalen TeilnehmerInnen verbinden die Teilnahme an der Tagung
mit einem Besuch des Gastlandes. Und Deutschland im November ist ja auch nicht
wirklich einladend... Außerdem sind im November alle aktiv in Vorbereitung des
Worldwide Candle Lighting und werden in ihren Trauergruppen gebraucht - eben
wegen der traurigen Tage im November...
Für alle
Leser, die damit nichts anfangen können - was genau ist das "World Wide
Candle Lighting"?
Ein Lichterband umspannt die ganze Welt - das ist die Idee des weltweiten Gedenktages an verstorbene Kinder. (Thomas-Achenbach-Foto) |
Die Compassionate Friends sind wie der Bundesverband der verwaisten Eltern und Geschwister ein Zusammenschluss von Eltern, die Waisen geworden sind - ist die deutsche Vereinigung so etwas wie der "Kleine Bruder"?
Karin Grabenhorst: Wenn Sie auf die
Größe der beiden Länder anspielen: Bei der letzten internationalen Tagung in
Costa Mesa/USA habe ich 2012 erlebt, wie sich die Mitglieder einer
großen Weltfamilie umeinander gekümmert haben, miteinander trauerten,
gemeinsam weinten und auch lachten, das LEBEN mit dem verstorbenen Kind - oder
der verstorbenen Kinder - in den Mittelpunkt stellten und sich dabei
unterstützten, und das generations- und kontinentübergreifend. Gleichwohl ist
die Mitgliederzahl in den USA natürlich um ein vielfaches höher, nicht nur
bedingt durch die Größe des Landes, auch weil viele Kinder - anders als bei uns
- in Kriegen und bei Naturkatastrophen ums Leben kommen.
Bei der
Tagung, die Sie da organisieren, bieten Sie ein qualitativ hochwertiges
Programm auf dem Niveau der "Leben und Tod" in Bremen, sehen Sie da
keine Konkurrenzgefahr?
Karin Grabenhorst: Nein, überhaupt nicht: Die "Leben und
Tod" in Bremen ist eine Messe, dort gibt es immer ein umfangreiches
Vortrags- und Workshop Programm, parallel dazu bieten kommerzielle Aussteller
ihre Produkte an. Bei unserer Tagung (oder, um den englischen Begriff
"Gathering" = "Zusammenkunft" zu verwenden) ist die
Begegnung der weltweiten LändervertreterInnen der Institutionen, die Trauernde
nach dem Tod eines Kindes begleiten und, wie in Deutschland, sich auch
politisch und wissenschaftlich positionieren. Diese LändervertreterInnen
sind oft selbst vom Tod eines Kindes betroffen, es ist wie der Austausch von
Selbsthilfeorganisationen. Hier sah ich die Chance, dass wir neben dem
Netzwerk-Ausbau erstmalig in den Austausch darüber gehen, wie in anderen
Ländern und Kulturen Trauernde nach dem Tod eines Kindes (egal, wie alt und
durch welche Ursache es es ums Leben kam) begleitet werden.
Warum ist dieser Austausch so wichtig?
Karin Grabenhorst: In den
letzten Jahren ist viel in Bewegung gekommen - gleichzeitig ist Tod und Trauer,
insbesondere nach dem Tod eines Kindes, gesellschaftlich immer noch sehr
tabuisiert. Um an dieser Stelle zu schauen, was inzwischen gut auf den Weg
gekommen ist, wo wir in der Trauerbegleitung voneinander lernen können (Best
Practice) und wo Forschung und Lehre stehen, fand ich das Motto "Mourning
in Motion - Trauer in Bewegung".
Haben Sie einen Tipp für alle, die mit trauernden Eltern im Umfeld zu tun haben - wie sollten Sie ihnen begegnen, was brauchen Menschen in einer solchen Situation?
Haben Sie einen Tipp für alle, die mit trauernden Eltern im Umfeld zu tun haben - wie sollten Sie ihnen begegnen, was brauchen Menschen in einer solchen Situation?
Karin Grabenhorst: EINEN Tipp?
Das schaffe ich nicht...
(... und was Karin Grabenhorst dann im Folgenden alles mitgeschickt hat, ist so lesenswert und wertvoll, aber auch so lang, dass es einen ganz eigenen Blogbeitrag an anderer Stelle wert ist... - demächst also mehr dazu auf diesem Blog.)
Zur Person: Karin
Grabenhorst ist Vorstandsmitglied im Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V., außerdem ist sie im International Comitee of The
Compassionate Friends( TCF). Grabenhorst bietet gestaltende
Lebens- und Trauerbegleitung, Projekte
über Leben und Tod, Abschied, Trauer und Hoffnung und ist die Autorin
von "Siris Reise oder Wo ist der Weg zur Ewigkeit?" mit eigenen
Illustrationen, erschienen beim SANTIAGO VERLAG, Goch.
Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück sowie im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier.
Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück sowie im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier.
Ebenfalls auf diesem Blog: Was bringt eigentlich Trauerbegleitung? Was kann sie leisten und was nicht? Ein Interview.
Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen
Und im Kultur-Blog des Autors: Weltweit einmalig: Warum gibt es in Deutschland eigentlich so viele Theater - und die Subvention? Wie kommt das?
Ist eine der Organisatorinnen der Tagung "Mourning In Motion" - die in Deutschland arbeitende Karin Grabenhorst. (Thomas-Achenbach-Foto) |
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