Osnabrück (eb) - "So wenig einen 'Mord' begeht, wer sich umbringt, so
wenig 'frei' ist, wer in den Freitod geht", schrieb einmal Roger
Willemsen. Auch in der Radiosendung "Tabuthema Suizid" des Deutschlandradios Kultur werden diese klugen Zeilen zitiert - und nicht nur das. Zu Wort kommen auch die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe aus dem Raum Osnabrück: Nämlich die "Angehörigen um Suizid" (Agus). Zudem birgt die Sendung durchaus Diskussionspotenzial: Es wird in unserer Gesellschaft nicht offen genug über Suizid gesprochen, lautet eine der Thesen.
Die Sendung ist bereits vor einigen Jahren ausgestrahlt worden und kann immer noch auf der Internetseite des Deutschlandradios als Manuskript nachgelesen werden oder kann ebendort per Mausklick auf Button "Beitrag hören" auch angehört werden. In dem Beitrag werden auch alle (falschen) Vorurteile und Mutmaßungen angesprochen, denen sich die Angehörigen eines Suizidanten oft ausgesetzt sehen und die sehr schmerzhaft sein können. Beispielsweise der Satz: "In der Familie muss doch etwas schief gelaufen sein..."
Als Journalist und Redakteur habe ich verinnerlicht: Mediale Zurückhaltung beim Thema Suizid ist immer geboten, weil man davon ausgehen kann, dass es den 1974 erstmals so klassifizierten "Werther-Effekt" gibt. Soll heißen: So wie sich seinerzeit nach Erscheinen des Briefromans "Die Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang von Goethe die (zumeist männlichen) Leser in den Suizid stürzten - wie es die Romanfigur am Ende tut -, so ist davon auszugehen, ist sogar nachgewiesen, dass nach Medienberichten über einen Suizid selbiges geschieht. Konkret...:
Je mehr darüber berichtet wird, umso mehr Nachahmer gibt es. So weit, so bekannt. Dass aber diese Zurückhaltung eine vielleicht nötige Debatte über das Thema erschwert, ist ein neuer Aspekt, der bedacht werden sollte. Die Empfehlung eines in der Sendung zu Wort kommenden Experten ist ein "analytisch aufklärerischen Kurs – nur so kann es einen angemessenen Umgang geben". Ganz unaufgeregt an das Thema heranzugehen, empfehlen in der Sendung auch betroffene Angehörige. Gerade sie wissen natürlich am besten: Wo soviele Emotionen im Raum sind, ist unaufgeregt nicht immer einfach.
Wie schmal dieser Grat indes ist, zeigte bereits 1981 die im ZDF gezeigte erwähnte fiktive Sendung "Tod eines Schülers" – der Anstieg an Selbsttötungen stieg nach Ausstrahlung messbar an. Der Radiobeitrag geht auch hierauf ein, ebenso wie auf die Gefühle der Hinterbliebenen, die oft noch Jahre nach dem Ereignis die Hoffnung in sich tragen, es könnte vielleicht doch ein Irrtum gewesen sein.
Wichtig: Wer tatsächlich an einen Suizid denkt und diese Gedanken nicht loswird, findet kostenlose und anonyme Hilfe z.B. bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110111 - oder als E-Mail-Beratung über die Internetseite www.telefonseelsorge.de.
Die Sendung ist bereits vor einigen Jahren ausgestrahlt worden und kann immer noch auf der Internetseite des Deutschlandradios als Manuskript nachgelesen werden oder kann ebendort per Mausklick auf Button "Beitrag hören" auch angehört werden. In dem Beitrag werden auch alle (falschen) Vorurteile und Mutmaßungen angesprochen, denen sich die Angehörigen eines Suizidanten oft ausgesetzt sehen und die sehr schmerzhaft sein können. Beispielsweise der Satz: "In der Familie muss doch etwas schief gelaufen sein..."
Als Journalist und Redakteur habe ich verinnerlicht: Mediale Zurückhaltung beim Thema Suizid ist immer geboten, weil man davon ausgehen kann, dass es den 1974 erstmals so klassifizierten "Werther-Effekt" gibt. Soll heißen: So wie sich seinerzeit nach Erscheinen des Briefromans "Die Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang von Goethe die (zumeist männlichen) Leser in den Suizid stürzten - wie es die Romanfigur am Ende tut -, so ist davon auszugehen, ist sogar nachgewiesen, dass nach Medienberichten über einen Suizid selbiges geschieht. Konkret...:
Fehlt es an einem "aufklärerischen Kurs"?
Je mehr darüber berichtet wird, umso mehr Nachahmer gibt es. So weit, so bekannt. Dass aber diese Zurückhaltung eine vielleicht nötige Debatte über das Thema erschwert, ist ein neuer Aspekt, der bedacht werden sollte. Die Empfehlung eines in der Sendung zu Wort kommenden Experten ist ein "analytisch aufklärerischen Kurs – nur so kann es einen angemessenen Umgang geben". Ganz unaufgeregt an das Thema heranzugehen, empfehlen in der Sendung auch betroffene Angehörige. Gerade sie wissen natürlich am besten: Wo soviele Emotionen im Raum sind, ist unaufgeregt nicht immer einfach.
Noch Jahre danach die Hoffnung: Ist nicht alles nur ein Irrtum?
Wie schmal dieser Grat indes ist, zeigte bereits 1981 die im ZDF gezeigte erwähnte fiktive Sendung "Tod eines Schülers" – der Anstieg an Selbsttötungen stieg nach Ausstrahlung messbar an. Der Radiobeitrag geht auch hierauf ein, ebenso wie auf die Gefühle der Hinterbliebenen, die oft noch Jahre nach dem Ereignis die Hoffnung in sich tragen, es könnte vielleicht doch ein Irrtum gewesen sein.
Suizidgedanken? Anonyme Hilfe gibt es auch per E-Mail
Wichtig: Wer tatsächlich an einen Suizid denkt und diese Gedanken nicht loswird, findet kostenlose und anonyme Hilfe z.B. bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110111 - oder als E-Mail-Beratung über die Internetseite www.telefonseelsorge.de.
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