Natürlich habe ich die Absender vorher gefragt, ob das für
Sie so in Ordnung ist. Die Antwort lautete:
„Wir würden uns beide sehr freuen, wenn Sie den Brief für Ihre Arbeit „nutzen“
können bzw. wenn wir anderen Trauenden damit etwas Trost oder Hilfe geben können.“
Und weiter heißt es in dem zweiten an mich adressierten Brief: „Antonias Namen können Sie selbstverständlich erwähnen. Solange
man über unsere Verstorbenen spricht, sind sie noch bei uns“. Noch so ein Satz, der mich berührt. Aber von Anfang an:
Noch kurz vor Ausbruch der Coronakrise hatte ich die Ehre, eine Vortragslesung zum Thema Männertrauer geben zu dürfen, zu der rund 120 Zuhörer gekommen waren. Eine stolze Zahl, doch es kam noch besser: denn was sich im Anschluss an meinen Vortrag alles an Wortbeiträgen und Diskussion ergab, ging sehr tief und war intensiv. Auch die Briefeschreiberin hatte ihren Worten zufolge noch lange mit sich gerungen, ob sie noch etwas erzählen wollte, denn öffentlich zu sprechen fällt ihr nicht leicht. Als sie sich schließlich doch noch dazu entschlossen hatte, war der Abend dann vorbei. Also schrieb sie mir einen Brief. Und wie schon im ersten Teil dieser kleinen Miniserie geschildert: Menschen in Trauer tut es oft sehr gut, wenn sie einfach davon erzählen dürfen.
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| (Alle Fotos/Symbolfotos: Thomas Achenbach) |
Noch kurz vor Ausbruch der Coronakrise hatte ich die Ehre, eine Vortragslesung zum Thema Männertrauer geben zu dürfen, zu der rund 120 Zuhörer gekommen waren. Eine stolze Zahl, doch es kam noch besser: denn was sich im Anschluss an meinen Vortrag alles an Wortbeiträgen und Diskussion ergab, ging sehr tief und war intensiv. Auch die Briefeschreiberin hatte ihren Worten zufolge noch lange mit sich gerungen, ob sie noch etwas erzählen wollte, denn öffentlich zu sprechen fällt ihr nicht leicht. Als sie sich schließlich doch noch dazu entschlossen hatte, war der Abend dann vorbei. Also schrieb sie mir einen Brief. Und wie schon im ersten Teil dieser kleinen Miniserie geschildert: Menschen in Trauer tut es oft sehr gut, wenn sie einfach davon erzählen dürfen.
Kann gut tun: Das tote Kind zuhause wissen
Also schildert mir das Ehepaar, das übrigens gemeinsam zu dem Vortragsabend
gekommen war, wie es unerwartet und ganz überraschend seine jugendliche Tochter Antonia verloren hatte - und was danach geschah. Drei
Tage lang, so schildert es mir die Briefeschreiberin, sei der Leichnam zu
Hause gewesen, also aufgebahrt und unter professioneller Betreuung. Diese drei
Tage seien zwar einerseits sehr schmerzvoll gewesen, aber andererseits auch irgendwie
gut. Weil sich alle die Zeit nehmen konnten für einen richtigen Abschied. Wörtlich
heißt es in dem Brief: „Es mag sich sonderbar anhören, aber es war irgendwie
auch schön“.
Die Briefeschreiberin erinnert sich an Kinder aus der
Nachbarschaft, die zum Abschiednehmen vorbeigekommen waren, und an gute Momente
des gemeinsamen Schweigens mit Kondolenzbesuchern. Seither feiert die Familie
jedes Jahr Antonias Geburtstag als großes Fest mit vielen Gästen – und als
Abschieds- wie auch als Lebensfest. Und am im Winter liegenden Todestag trifft
man sich auf dem Friedhof, je nach Kälte auch mal mit Glühwein dabei.
Beim Lesen dieses Briefes habe ich gemerkt, wie diese Zeilen etwas mit mir gemacht haben und wie in mir der Wunsch wach geworden ist, dass viele Menschen diesen Brief lesen könnten, um eine Ahnung davon bekommen zu können, was selbst in diesen Momenten – die ja immer Augenblicke eines großen Überfahrenseins und eines Preisgegebenseins an Ohnmächte sind – doch noch alles möglich sein kann. Dass es immer noch Möglichkeiten der Gestaltung gibt und dass es gut ist, diese auch wahrzunehmen. Das ist oft Thema in diesem Blog. Von solchen Erfahrungen haben mir auch andere Trauernde berichtet - und ich habe es seinerzeit beim Tod meiner Mutter selbst so erleben können:
Ein Brief, der anderen Mut machen kann
Beim Lesen dieses Briefes habe ich gemerkt, wie diese Zeilen etwas mit mir gemacht haben und wie in mir der Wunsch wach geworden ist, dass viele Menschen diesen Brief lesen könnten, um eine Ahnung davon bekommen zu können, was selbst in diesen Momenten – die ja immer Augenblicke eines großen Überfahrenseins und eines Preisgegebenseins an Ohnmächte sind – doch noch alles möglich sein kann. Dass es immer noch Möglichkeiten der Gestaltung gibt und dass es gut ist, diese auch wahrzunehmen. Das ist oft Thema in diesem Blog. Von solchen Erfahrungen haben mir auch andere Trauernde berichtet - und ich habe es seinerzeit beim Tod meiner Mutter selbst so erleben können:
Trotz aller Tragik können sich in diesen Tagen nach dem Tod auch Augenblicke von einer großen Klarheit ergeben, einer wohltuenden Abgerücktheit von der Welt und eines ganz menschlichen Miteinanders, das seinesgleichen sucht. Vermutlich ist das eine Erfahrung, die sich anderen Menschen nur schwer plausibel beschreiben lässt, wenn sie ein solches Erlebnis noch nicht hatten. Und doch ist es eine, von der manchmal berichtet wird. Ein herzliches Danke an die Eltern von Antonia, dass wir das hier teilen dürfen – und ich wünsche Ihnen von Herzen einen weiteren Trauerweg, der in aller Schwere auch gut sein darf.
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