Dienstag, 21. Februar 2017

Keine Sorge, alles normal: Was Trauernde oft so tun und warum es Angehörigen und Freunden nicht peinlich sein sollte - ein Plädoyer für ein entspannteres Miteinander (Tipps für den Umgang mit Trauernden)

Osnabrück - Was Trauernde manchmal so tun, ist für Außenstehende oft nur schwer verständlich oder auch nur schwer nachvollziehbar. Ja, es kann sogar sein: Angehörige oder Freunde oder Kollegen schämen sich vielleicht dafür. Sie sind irgendwie unangenehm berührt, wollen das nicht so sehen.. oder schütteln mit dem Kopf. Dabei gilt für vieles, was Menschen in Verlustkrisen so tun: Alles ganz normal! Das Reden mit den Toten. Das Fühlen der Dinge des gestorbenen Menschen. Und noch mehr. Dieser Text ist ein stark bearbeiteter Auszug (bzw. ein mögliches inhaltliches Modul) aus einem Vortrag zum Thema Trauer, den ich gelegentlich halte - gleichzeitig hatte ich den Text exklusiv als Beitrag zur Blogparade "Alle reden über Trauer" vorgesehen, die die Bloggerin Silke von "In lauter Trauer" gestartet hatte (mehr Infos dazu gibt es hier).

Menschen in einer Verlustkrise sind innenraumgreifend von ihrer Trauer ausgefüllt… das ist das alles beherrschende Thema, da gibt oft es nichts anderes – das macht es für Angehörige, Freunde und Bekannte oft so schwer damit umzugehen, weil man das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten, das Gefühl, dass sich nichts tut, dass es nicht weitergeht, dass die Menschen irgendwie feststecken – und das macht einen irgendwann dann mürbe oder vielleicht sogar zornig oder man versucht den Kontakt zu vermeiden, bewusst oder unbewusst…. Aber wechseln wir doch einmal die Perspektive. Gucken wir mal darauf, wie es den Trauernden selbst geht. Versuchen wir ein kleines Stück einzutauchen in ihre Welt.

Kerzen anzünden, damit das Licht der Liebsten weiterleuchtet - ein schönes Ritual. Menschen in einer Verlustkrise sind oft innenraumgreifend von Trauer ausgefüllt, da gibt es kaum Platz für anderes.    (Thomas-Achenbach-Foto)


Manchmal ist einfach alles zuviel. Trauernde kennen das: Selbst die simpelsten Alltagstätigkeiten können einen dann überfordern…. Alles, was vorher so ganz nebenbei und ganz unbedacht geschehen ist, wird zur Mammutaufgabe. Die Spülmaschine ausräumen. Die Wäsche waschen. Ein Telefonat fühlen. Manchmal fehlt schon für solche vermeintlichen Kleinigkeiten die Energie. Das ist nicht nur in der Anfangsphase so, das kann auch später immer wieder mal ausbrechen. Stattdessen stehen andere Dinge im Fokus. 


Mit den Toten reden gehört oft dazu - das kann gut tun


Es ist ganz oft so, dass Menschen in einer Verlustkrise mit den Menschen sprechen, die sie verloren haben, dass sie in irgendeinen Kontakt gehen mit ihnen, vielleicht am Grab, vielleicht an einer Stelle in der Wohnung, wo ein Foto aufgestellt ist. Und es tut ihnen gut, so einen Austausch zu suchen. Sogar Männern tut das gut, wie das Buch "Männer trauern anders" erfahrbar macht. Denn wie Männer trauern, das hat der Autor Dr. Martin Kreuels untersucht, und er hat mit trauernden Männern gesprochen und ein Buch geschrieben darüber – und darin finden wir den Bericht eines Mannes, der sich mit seiner toten Frau regelmäßig austauscht über die Themen seines Lebens, sich sogar richtig von ihr beraten lässt in diesen imaginären Dialogen. 


Es geht nicht ums "Loslassen" - denn das hilft gar nix


So etwas tut Trauernden gut und das ist richtig und gut so, weil es ebenfalls dazu beitragen kann, eine neue Bindung zum gestorbenen Menschen zu finden… Und das ist soviel wichtiger als das "Loslassen", denn es geht nicht ums "Loslassen", es geht darum, eine so feste neue Bindung zu den Gestorbenen zu erreichen, dass sie auch diesen letzten schon gegangenen Schritt, also den Tod, aushält. Der englische Schriftsteller Fort Madox Ford bringt das ganz wunderbar auf den Punkt, indem er sagt: „Man heiratet, damit das Gespräch nicht abreißt“ – und daher stellt der englische Autor Julian Barnes die Zusatzfrage: "Warum soll man dem Tod gestatten, das zu unterbrechen?".  Und Barnes - der hier auf diesem Blog noch öfter eine Rolle spielen wird - schreibt außerdem über seine tote Frau: „Also spreche ich ständig mit ihr, das kommt mir ebenso normal vor wie es notwendig ist…“ 


Im Bett des toten Kindes schlafen - warum denn nicht?


Was Trauernden ebenfalls gut tut, ist es, ihre Sinne anzuregen. Fühlen, Riechen, Schmecken, dadurch eine Nähe zum gestorbenen Menschen spüren. Ein Beispiel: Wir haben in unserer Trauerbegleiterausbildung die Geschichte eines Ehepaares gehört, das ihr Kind verloren hatte. Und nach dem Tod hatte einer der beiden Partner, sagen wir, die Frau, damit begonnen, nachts im Bett des gestorbenen Kindes zu schlafen. Weil sie sich dort ihrem Kind nahe gefühlt hat, weil es ihr einfach gut getan hat. Der Mann hatte das nicht verstanden, er fand das furchtbar, er hat geschimpft. Bis er sich eines Nachts selbst ins Bett des gestorbenen Kindes gelegt hatte. Und von da an wechselten sich die beiden immer ab. Warum auch nicht?


Ein, zwei oder mehr Kleidungsstücke werden ein Stofftier: Jennifer Arndt-Lind und Hendrik Lind zeigen ihre „Mapapus, individuell gefertigte Puppen als Seelentröster. (Thomas-Achenbach-Foto)

Auch die so genannten Mapapus ("Mama-Papa-Puppen") funktionieren deswegen so gut, weil sie so geschickt die Ebene der Sinne bedienen - hierbei handelt es sich um Puppen, die aus Kleidung genäht werden, also aus getragener Kleidung, die oft noch sehr lange nach den Menschen riecht, die sie getragen haben. Ursprünglich für Kinder gedacht, deren Eltern sich trennen - daher der Name -, sind die Stofftiere auch im Trauerfall gefragt. Auf der Messe "Leben und Tod" habe ich die Mapapus und ihre Macher kennenlernen dürfen und mir das Angebot angucken dürfen - über einen Mangel an Arbeit können sich die beiden offenbar nicht beklagen, wie sie sagen, das Geschäft läuft. Klar: Wer die Sinne ansprechen kann, kommt Menschen in einer Verlustkrise entgegen. Dann das Reden. 


Immer wieder das Gleiche - Warum das Reden so wichtig ist


Auch das muss sein. Das immer-wieder-wieder-wieder-darüber-Reden. Vor allem das geht Angehörigen und Freunden schnell auf die Nerven. Warum denn immer das Gleiche reden? Warum sich immer und immer wieder das Gleiche anhören müssen? Hier ist wichtig zu wissen, dass dieses scheinbar immergleiche Aufarbeiten des Todesfalls und all seiner Folgen für Menschen in einer Verlustkrise eine ganz wichtige Funktion erfüllt. Denn es geht in Wahrheit um das Begreifen. Es geht darum, sich einem Verstehen dessen, was geschehen ist, Stück für Stück anzunähern. Wer kann schon verstehen, was der Tod ist? Das Thema ist viel zu groß, vor allem für Menschen in einer Krise. Aber immer wieder darüber reden, immer wieder die Situationen erzählen, das kann so etwas wie ein Begreifen möglich machen. Ganz langsam und Schritt für Schritt. 


Nachsterben wollen: "Die Frage des Selbstmords stellt sich früh..." 


Auch das "Nachsterben wollen" gehört dazu. Ich zitiere Julian Barnes, der in seinem bemerkenswerten Buch „Lebensstufen“, übrigens ein ganz ganz großartiges Buch über den Tod seiner Frau schreibt: „Die Frage des Selbstmords stellt sich früh und vollkommen logisch...“ – Er spricht hier von Selbstmord, deswegen lasse ich den Begriff so stehen. Auch wenn ich von den "Angehörigen um Suizid" lernen durfte, dass das ein schlechter Begriff ist – weil Mord nun einmal Mord ist und damit etwas Kriminelles. Aber ein Suizid ist das nicht.


Sofort-Hilfe bei Suizidgedanken - unbedingt ernst nehmen!


Klar, wenn jemand plötzlich von seinem eigenen Tod spricht, von einer Sehnsucht danach, gehen bei Angehörigen, Freunden oder Kollegen alle Alarmlampen an! Und das mit Recht! Jedoch ist die dann oft gewählte Reaktion, das schnelle Wegreden oder Wegschieben des Themas, leider die falsche. Was stattdessen geschehen sollte, ist das Reden. Ernst nehmen. Gucken, wie ernst es ist (ACHTUNG! Was bei akuten Suizidgedanken helfen kann, folgt im nächsten Absatz).


Dranbleiben, nicht weglaufen, hingucken, reden lassen


Beim Thema Suizid gelten seit meiner Ausbildung für mich zwei Dinge: Erstens: Ich habe weniger Angst vor dem Thema und davor mit den  Menschen darüber zu sprechen, gemeinsam auszuloten, wie ernst das ist (manchmal ist es für Menschen schon entlastend genug, das Thema auszusprechen oder ansprechen zu können). Zweitens: Wenn zu bemerken ist, dass sich die Gedankenschleifen tatsächlich auf dieses Thema festgebissen haben, wenn es das vorherrschende Thema ist, dann ist sofort Hilfe gefragt oder die Angehörigen sind gefragt, diese Hilfe umzusetzen oder anzuregen – die Telefonseelsorge anrufen, in ein psychologisches Klinikum fahren, sich vielleicht selbst dort zum stationären Aufenthalt melden, sofort einen Arzt konsultieren oder auch Feuerwehr oder Polizei anzurufen. Hauptsache handeln. Das gilt vor allem für alle, die sich mit akuten Suizidgedanken plagen: Bitte handeln! Jetzt! (Kostenlose Telefonseelsorge: 0800/1110111 - Mailberatung über Internetseite: www.telefonseelsorge.de)


All die Dinge in den Schränken - sie haben noch eine Funktion


Nichts wegwerfen können…. Oft ein Streitpunkt unter Angehörigen. Da liegen auf einmal Dinge in den Schränken, die keine Funktion mehr erfüllen. Wochen, Monate, oft auch Jahre liegen diese Dinge da und nehmen ihren Platz ein. Klar, dass die naheliegende Reaktion für alle Menschen ohne emotionale Krisenfaktor lautet: Die können jetzt bald mal weg. Aber es wird dabei oft übersehen oder falsch aufgefasst, wie schmerzvoll das Wegwerfen von Dingen für Trauernde oft ist. Vor allem Kosmetik und Kleidung, was ja oft beides als "zweite Haut" bezeichnet wird - für Menschen in einer Verlustkrise ist es vom Gefühl her genauso, als würden sie den geliebten, gestorbenen Menschen ein zweites Mal wegschmeißen. Und wer kann das schon? Was es braucht, ist auch hier: Eine neue Bindung an den gestorbenen Menschen zu finden. Eine, die nicht (mehr) über Gegenstände funktioniert. 


Wenn die Schuld einen plagt - und wo es Hilfe gibt


Ein weiteres wichtiges Thema, aber eines, das hier jetzt den Rahmen sprengen würde, sind Schuldgefühle. Manche Trauernde plagen sich damit - für Außenstehende oft besonders schwer nachvollziehbar. Aber das ist eigenes Thema wert und soll noch an anderer Stelle in diesem Blog behandelt werden. Bleibt am Ende noch eine kleine Bemerkung – soviel Eigenwerbung muss erlaubt sein: Wenn Sie als Angehörige oder Freunde nicht mehr können oder das Gefühl haben, dass es ihnen zuviel wird, dann sind wir ja da – ausgebildete Trauerbegleiter, es gibt mehrere, auch in ihrer Nähe, es reicht manchmal schon ein einziges Gespräch, vielleicht eine einzelne Trauerberatung. Es reicht manchmal das Gefühl, dass man einen Ort hat, wo man hingehen könnte…

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Der Podcast zu diesem Blog: Warum eine bayerische Behörde mit einer bislang einmaligen Initiative zum Vorreiter in Sachen Trauerkultur wird - ein Interview

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum das Sterben in Deutschland seit Januar 2020 nochmal deutlich teurer geworden ist - Die so genannte Leichenschau steht in der Kritik

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Sonntag, 19. Februar 2017

Ruh-Wald, Ruhe-Forst und Friedwald eng nebeneinander: Wie sehr alternative Bestattungsformen im Trend liegen, zeigt die Region Osnabrück - doch was tun mit der neuen Leere auf den Friedhöfen? Beispiele und Ideen...

Bad Essen/Bissendorf/Osnabrück – Wie sehr die alternativen Bestattungsformen als Gegenpol zum klassischen Friedhof im Trend liegen, zeigt die Entwicklung im Landkreis Osnabrück. Hier gibt es inzwischen von allen drei auf diesem Markt tätigen kommerziellen Anbietern jeweils Waldgebiete für die Urnenbestattung in der Natur geben: In Bad Essen hat das Unternehmen Ruhe-Forst im Frühjahr 2017 ein den Bestattungen gewidmetes Waldgebiet eröffnet. In Bramsche-Achmer ist der Friedwald schon länger dabei. Und in Bissendorf-Holte kam im September 2017 die aus Hameln stammende Firma Ruh-Wald mit dazu. Dass alle drei Unternehmen so dicht beieinander vertreten sind, hat Seltenheitswert (nur in der Region Wolfenbüttel/Braunschweig soll es Angaben meiner Blogleser zufolge noch so sein). Die Reihen auf den Friedhöfen werden derweil lichter und lichter - auch rund um meine Angehörigen. Ein Symptom unserer Zeit. 

Meine Mutter hat bald keine Nachbarn mehr. Rund um ihr Grab wird es leer auf dem Heger Friedhof in Osnabrück. Waren an den links und rechts gelegenen Gedenkstätten noch vor kurzem die gelben Schilder mit dem Aufdruck "Angehörige, bitte melden!" zu sehen, die ein letztes Suchen nach verbliebenen Angehörigen vor dem Einebnen eines Grabes dokumentieren, sind dort jetzt nur noch Rasenflächen zu sehen. Und so sehr ich es als zertifzierter Trauerbegleiter und als Mensch der Moderne begrüße, dass heutzutage immer ein individueller und zum gestorbenen Menschen passender Abschied möglich ist, so sehr weiß ich auch, dass es meine Mutter geschmerzt hätte, sähe sie diese Leere rund um sie. Was also ist zu tun?


Viel Resen, viel Fläche - vor gar nicht allzu langer Zeit war hier noch Grab an Grab. Leere Grabreihen aufgenommen auf dem Heger Friedhof Osnabrück im Februar 2017.  (Thomas-Achenbach-Foto)

Nun, zum einen das, was schon getan wird: Was in Osnabrück und andernorts schon längst geschieht, ist das Umwidmen der neu dazugewonnenen Rasenflächen auf den Friedhöfen: Wo bis vor wenigen Jahren noch die Gräber der so genannten Körperbestattung nebeneinander lagen, ist jetzt die Urnenbestattung auf der großen Wiese - ggf. mit einer kleinen Plakette -  freigegeben. Aber wie die vielen neuen Ruhe-Fried-und-sonstigen Wälder zeigen: Das alleine wird nicht reichen. In Bremen ist man da indes schon weiter (nicht nur, aber auch, im Bereich der Friedhofsnutzung ist Bremen vorbildlich modern orientiert).


Obstwiesen statt Gräberreihen - Modell der Zukunft?


Denn im dortigen Ortsteil Blumenthal gibt es das,was einen Friedhof der Zukunft ausmachen könnte. Blumenwiesen statt leerer Grabreihen. Obstbäume auf den Rasenflächen, deren Äpfel zur freien Verfügung stehen (und über deren Giftgehalt gerade eine neue Diskussion ausgebrochen ist - denn vor allem Urnenstaub soll Schwermetalle enthalten, heißt es). Ein Insektenhotel und eine Streuobstwiese für die Bienen. Und, das ist besonders bemerkenswert: 


Bestattungsfelder für sozial Schwache - mit Zierde


Es gibt auch ein Bestattungsfeld für sozial Schwache ohne Verwandten oder Geld. Das Gräberfeld wird geziert durch zwei steinerne Stelen, die einmal zusammengehört haben. Das Auseinanderrupfen der beiden Steinteile wird durch die Bruchkanten an den Seiten sichtbar. Darunter liegen steinerne Scherben. Eine Grabstätte mit hohem Symbolwert - in mehrfacher Hinsicht. Gute Ideen. Sie ließen sich noch weiter fortspinnen - und die Bremer Politiker tun das auch.


Wird diskutiert: Spielplätze auf Friedhöfen anlegen?


Warum nicht beispielsweise mehr Leben auf den Friedhof holen, den Parkcharakter (und zugleich Erholungscharakter) stärker betonen? Ob es unbedingt Spielplätze sein müssen, wie es die Bremer Grünen vorschlagen, muss man diskutieren. Natürlich hat ein Friedhof immer mehr Würde, wenn es dort etwas stiller zugehen kann. Andererseits: Die symbolische Brücke vom Anfang des Lebens zu seinem Ende auch auf diese Weise aufzuzeigen, ist so verkehrt auch nicht. Übrigens, ein kleiner, aber bemerkenswerter Nebenaspekt: 


An den Stellen, wo die Grabreihen schon ganz verschwunden sind, werden oft Felder für die Urnenbestattung eingerichtet, so wie hier im Hintergrund. Leere Grabreihen aufgenommen auf dem Heger Friedhof Osnabrück im Februar 2017.  (Thomas-Achenbach-Foto)

"Asche zu Asche, Staub zu Staub" - auch die ganz klassische Beerdigung auf dem Friedhof - ohne die vorherige Verbrennung des Körpers - arbeitet stets mit dieser Symbolik des ewigen Kreislaufs der Natur. Die gleiche Symbolik also, die auch ein Wald als letzte Ruhestätte vermittelt. Letztlich sind es also sehr ähnliche, wenn nicht gar gleiche Motive, die die Menschen zu der einen oder der anderen Form von Bestattung bringen. In die gleiche Richtung geht auch ein Zitat des für den neuen Ruhe-Forst bei Bad Essen zuständigen Bereichsleiters.


"Das Wunder der Schöpfung" - bitte ohne Pflegeaufwand


„Im Wald erleben wir das Wunder der Schöpfung besonders intensiv: Ehrfürchtig stehen wir vor den vielfältigen Wirkungen des Waldes, er schenkt uns beste Atemluft und reines Trinkwasser“, so wird Rudolf Alteheld von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (die den Ruhe-Forst betreibt) in der Pressemitteilung zitiert. Alteheld, bei der Kammer Leiter des Geschäftsbereichs Forst, bezeichnet den Wald mit seinen zahlreichen Pflanzen- und Tierarten als einen Ort, mit dem sich die menschliche Seele tief verbunden fühlt. Was heute jedoch als der wichtigste Faktor stets mitbedacht werden muss:


Ein Mustergrab im neu eröffneten Ruhe-Forst Schloss Hünnefeld bei Bad Essen: Die Asche der Verstorbenen wird dort in biologisch abbaubaren Urnen in den Waldboden eingebracht.  (Wolfgang-Ehrecke/Landwirtschaftskammer-Pressefoto) 

Sich an einen festen Ort zu binden, der zudem einen Pflegeaufwand (oder einen langfristig zu bezahlenden Gärtner) mit sich bringt, macht vielen Menschen heutzutage eher Angst. Zu ungewiss sind die beruflichen Stationen in diesen Tagen, zu ungewiss sogar die Lebensbindungen. Wer dann für einen langen Zeitraum ein Grab zu pflegen hat in seiner Heimatstadt, aber aus beruflichen oder privaten Gründen mehrere hundert Kilometer entfernt leben muss, sieht sich in einer Zwickmühle. Zumal bizarre Geschichten von fast 100-jährigen Bettlägerigen, die von offiziellen Behörden entweder zur Grabpflege oder einer hohen Bußgeldzahlung aufgefordert werden, nicht dazu beitragen, das Vertrauen in die Institution Friedhof zu stärken (siehe den Bericht der Neuen OZ).


Die Zukunft der Friedhöfe bleibt spannend, aber ungewiss


Kein Wunder also, dass die Wälder als Ruhestätten weiter so sehr im Trend liegen. Denn die Wälder dort werden von Förstern gepflegt. Und wer es am Todestag einmal nicht an den eigentlichen Baum dort schafft, kann sich in jedem anderen Waldstück in Deutschland zumindest symbolisch den verstorbenen Menschen nahefühlen. Es bleibt spannend, was das für unsere Friedhöfe bedeutet. Und in welcher Nachbarschaft meine Mutter wohl bald liegen wird. Neben Obstwiesen? Spielplätzen? Insektenhotels? Im Sommer werde ich mir das Friedhofsprojekt in Bremen-Blumenthal selbst ansehen dürfen. Ich bin gespannt - und werde berichten.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Ein Besuch im Friedwald - Wie sieht es dort aus? 

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer am Arbeitsplatz/Trauer im Arbeitsleben - wie belastend ist Trauer im Beruf, was können Unternehmen tun?

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Und im Kultur-Blog: Theater kosten den Steuerzahler einfach zuviel Geld... ist das wirklich so? Und woher kommt die Theatersubventionierung eigentlich?

Sonntag, 12. Februar 2017

Trauer in der Arbeitswelt/Trauer am Arbeitsplatz - wie belastend ist Trauer im Beruf, was können Arbeitnehmer und Unternehmen tun? (Start meines Jahresthemas 2017)


Osnabrück – Merkwürdig. Aber zum Thema Trauer in der Arbeitswelt bzw. Trauer am Arbeitsplatz gibt es sehr wenig. Fast nichts (bis auf eine thematisch darauf bezogene Ausgabe der Zeitschrift "Leidfaden" aus dem Jahr 2012). Keine Bücher, soweit ich das überschauen kann. Kaum Fachleute, von ein bis zwei mir bekannten Ausnahmen mal abgesehen. Kaum Netzwerke. Höchste Zeit, das zu ändern. Denn wie arbeitsfähig Menschen in einer Verlustkrise sind und mit was für zusätzlichen Fragen beispielsweise ein Team konfrontiert ist, in dem ein Trauernder mitarbeitet - oder ein Team, das einen gestorbenen Kollegen zu beklagen hat - sind wichtige Fragen. Zumal in Zeiten der mitarbeiterorientierten Personalpolitik. Auftakt für mein Thema des Jahres.

Gehört so etwas wie Trauer überhaupt an den Arbeitsplatz? Ist das nicht Privatsache? So wie Liebe? Wer so denkt, sollte wissen, dass Menschen in einer akuten Verlustkrise verschiedene Einschränkungen erleben können (aber nicht müssen). Beispielsweise einen eklatanten Mangel an Konzentrationsfähigkeit, der so stark sein kann, dass so etwas wie das Lesen eines Buches, einer Zeitschrift oder alleine schon einer E-Mail schon zur Herausforderung wird - weil eben alles im Inneren von der Trauer und den damit einhergehenden belastenden Gefühlen ausgefüllt sein kann. Es kann auch sein, dass sich Trauernde von großen Wellen von Traurigkeit oder Verzweiflung überrollt fühlen. Einen Menschen in einer solchen Lage an neuralgischen Punkten arbeiten zu lassen - sagen wir, beispielsweise, in einem Stellwerk oder in der Steuerung eines Stromkraftwerks -, kann mutig sein. Wenn nicht gar gefährlich. Muss es aber auch nicht. 

Sensibel: Was dem einen gut tut, findet der andere scheußlich


Grundsätzlich gilt, erstens: Trauer ist für jeden Menschen etwas anderes. Und so wie es nicht die eine Trauer gibt, die immer zu einem festen Zeitpunkt einsetzt, ist es auch nicht möglich, die Auswirkungen zu generalisieren. Es gibt beispielsweise auch Menschen, die in ihrem täglichen Arbeitsumfeld eine wirkungsvolle Entlastung zu ihrem von der Trauer ausgekleideten Alltag daheim sehen und die es als hilfreich erleben, eine feste Aufgabe mit festen Rhythmen und Zeiten erfüllen zu dürfen. Es gibt Arbeitnehmer, die wollen an ihrem Arbeitsplatz in einem Trauerfall lieber gar nicht darauf angesprochen werden, es gibt Arbeitnehmer, denen es gut tut, wenn ihnen eine gewisse Solidarität gezeigt wird (aber auch nicht zuviel). Das Thema ist also - hochsensibel. Nicht allein deswegen. 


Wenn einer, der in Trauer ist, nicht mehr richtig mitziehen kann, ist er auf der Arbeit schnell in der Außenseiterposition - hier gilt es sensibel und geschickt gegenzusteuern.     (Pixabay.de-Foto, Creative-Common-0-Lizenz)

Denn zweitens gilt, grundsätzlich: Trauer in der Arbeitswelt ist immer systemisch zu betrachten. Man muss sich das vorstellen wie ein Mobile: Gerät ein Teil in Schwung oder wird herausgerissen, ist immer auch das gesamte Gebilde in Bewegung. Das kann beispielsweise zusätzliche Belastungen mit sich bringen: Leistet sich ein Mitarbeiter viele Fehler, vielleicht sogar ärgerliche und Probleme mit sich bringende Fehler, hat das Auswirkungen auf seine Kollegen, seine Vorgesetzten, seine Abteilungen, vielleicht das ganze Unternehmen. Fällt ein Mitarbeiter vielleicht lange aus, sind andere stärker belastet, müssen mehr arbeiten - in Kleinbetrieben mit wenigen Mitarbeitern führt das schnell zu massiven Problemen. Es wäre indes fatal, es dem Trauernden anzulasten oder ihn in eine Abseitsposition zu bringen, die ihn nocht stärker belastet. Noch ein Grund mehr, sich dem Thema intensiver zuzuwenden. Es gibt noch mehr Gründe.

Menschen achtsam zu begegnen zeugt von Größe - auch unternehmerisch


Weil schließlich, drittens, gilt: Menschen in einer Verlustsituation sind sehr sensibel. Wer sich ihnen mit der nötigen Achtsamkeit und Empathie zuwendet, der tut etwas, was nicht allen gelingt und erntet Achtungspunkte (wenn man so wil: Bonuspunkte). Wenn es also Arbeitgebern gelingt, sich in einem solchen Bereich als gut vorbereitet und gut reagierend zu präsentieren, strahlt es wiederum auf sie als Unternehmen ab. Das zeugt von Größe. Trauer sollte also idealerweise ein Human-Ressources-Thema sein. Und die Abteilungen sollten ein wenig, im Rahmen des Möglichen, darauf vorbereitet sein. Denn es stehen ja eine ganze Reihe von Fragen im Raum. Zum Beispiel:


Schwarz und Weiß - genauso unterschiedlich und gegensätzlich sind die Reaktionen der Menschen in einem Trauerfall. Dem einen tut die Arbeit gut, der andere reagiert mit zusätzlichen Stress.   (Pixabay.de-Foto, Creative-Common-0-Lizenz)

Was können die Führungskräfte tun? Was können die Arbeitnehmer selbst tun? Was können die Kollegen tun? All diese Fragen und mehr sollen im Verlauf des Jahres auch auf diesem Blog beantwortet werden, es wird eigene Anregungen und Ideen und Diskussionen dazu geben, es sollen Experten zu Wort kommen. Das ist nötig. Denn wie ein kurzer Selbsttest zeigt, gibt es zu dem Thema wirklich zu wenig. Auf der Suche nach Literatur habe ich die Stichworte "Trauer am Arbeitsplatz" bei den großen beiden digitalen Verkaufsplattformen eingegeben. Und, siehe da: Amazon will mir an erster Stelle ein Buch verkaufen über "Trennungsmanagement in Unternehmen - Trennungsprozesse fair und transparent gestalten." Gefolgt von einem Buch, das sich um Arbeitsunfälle dreht. Und bei E-Bay: "Sex am Arbeitsplatz" an zweiter Position, nach ebenjenem Buch über Arbeitsunfälle. Es ist keine zu steile These, wenn ich sage: Das wird Trauernden nicht gerecht. 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Die Serie "Trauer in der Arbeitswelt/Trauer im Berufsleben", alle Folgen:


Hier geht es zum ersten Teil des Jahresthemas Trauer in der Arbeitswelt/Trauer am Arbeitsplatz bzw. Trauer im Berufsleben - bitte hier klicken.

Hier geht es zum zweiten Teil des Jahresthemas Trauer in der Arbeitswelt/Trauer am Arbeitsplatz bzw. Trauer im Berufsleben - bitte hier klicken

Hier geht es zum dritten Teil des Jahresthemas Trauer in der Arbeitswelt/Trauer am Arbeitsplatz bzw. Trauer im Berufsleben - bitte hier klicken.

Hier geht es zum vierten Teil des Jahresthemas Trauer in der Arbeitswelt/Trauer am Arbeitsplatz bzw. Trauer im Berufsleben - bitte hier klicken

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Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen


Sonntag, 29. Januar 2017

Tipps für Trauernde und Tipps für den Umgang mit Trauernden: Was soll nach dem Todesfall gefeiert werden - auch der Geburtstag oder "nur noch" der Todestag?

Osnabrück – Wenn der Geburtstag eines Menschen naht, der verstorben ist, wird die Unsicherheit in Familien und Freundeskreisen oft groß - soll der Geburtstag noch gefeiert werden? Oder ist er nicht durch den ebenfalls zu würdigenden Todestag als neuen Gedenktag an die verstorbene Person abgelöst worden? Sollten etwa zwei Gedenktage pro Jahr begangen werden? In mehreren Internetforen wird diese Frage ganz kontrovers diskutiert - oft gibt es Unverständnis, wenn Angehörige auch den Geburtstag noch irgendwie feierlich begehen wollen. Dabei gibt es dafür durchaus gute Gründe. Und es gibt gute Vorbilder. 

Die Weihnachtstage. Der Todestag. Und der Geburtstag. Es sind diese neuralgischen Tage, an denen der Verlustschmerz nochmal stärker wird als er ohnehin schon sein mag, an denen der Schmerz vielleicht in den Bereich des Unaushaltbaren vordringt. Vor allem der Geburtstag des verstorbenen Menschen, der zuvor vielleicht als ein Tag des Fröhlichseins und der Lebensfreude erlebt worden ist, macht besonders deutlich, dass es da jetzt eine Lücke gibt. Dass da keine Lebensfreude mehr ist, weil kein Leben mehr da ist. Es ist durchaus verständlich, dass Menschen nach einem Verlust an solchen Tagen nicht alleine sein wollen und dass sie diese Tage irgendwie begehen oder würdigen wollen - und doch stoßen Trauernde bei einem solchen Vorhaben auf Unverständnis. Das zeigen alleine die Einträge in Onlineforen zu diesem Thema: "Ich bin total perplex - bei uns in der Familie ist sowas nicht üblich", heißt es beispielsweise an einer Stelle bei Eltern.de. Was also tun?


Geburtstage von Verstorbenen feiern oder nicht - das ist eine alte Streitfrage.  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)

Wie immer in solchen Fällen gelten zwei wichtige Grundannahmen. Erstens: Es gibt keine allgemeingültigen Regeln (mehr), und das ist auch gut so. Zweitens: Es zählt das, was den jeweiligen Hinterbliebenen gut tut. Und es sollte so gestaltet sein, dass es ihnen gut tut. Das können sie sogar ein wenig selbst in die Hand nehmen und gestalten, wenn sie genug Energie und Muße dazu haben. Es kommt also immer auf den Einzelfall, auf die einzelnen Menschen, drauf an. Es gibt auch Möglichkeiten, den Geburtstag vom Todestag abzugrenzen und ihm ein neues Gesicht zu geben. Hier ein paar Ideen dazu. 


Kleine Teile, großes Ganzes - ein Erinnerungspuzzle


Wer mag, kann den Geburtstag beispielsweise zu einem bunten Erinnerungstag machen und die Freunde, Verwandte und Bekannte bitten, eine persönliche Erinnerung an die verstorbene Person aufzuschreiben und einzuschicken. Das wird zwar einerseits Schmerzen wecken, darauf sollte man gefasst sein, kann aber andererseits dazu beitragen, dass die Grundidee des Geburtstages - das Fröhliche, Bunte, Lebensbejahende - auch in die Zeit nach einem Todesfall transportiert wird. Eingeklebt in ein  Erinnerungsbuch, wird ein ganzheitlicheres Dokument des Erinnerns aus diesen Puzzlestücken. 


Ein Tag der Stille, ein Tag des Weitergebens


Dies kann dazu beitragen, eine neue Form von Bindung an die Gestorbenen - die nach einem Todesfall nötig und wichtig ist - zu stützen und zu fordern. In Abgrenzung dazu kann der Todestag als ein Tag des Trostes und der Stütze verstanden werden, an dem weniger die gestorbene Person als vielmehr die Unterstützung der Hinterbliebenen die größere Rolle spielt. Eine weitere Idee wäre es, den Todestag als einen Tag der Stille und den Geburtstag als einen Tag des "Weiterlebens" oder "Weitergebens" zu gestalten. 


Musik auflegen, die der Verstorbene mochte


Am Geburtstag beispielsweise die Musik aufzulegen, die den Verstorbenen gefallen hat, kann eine schöne Geste sein, die als hilfreich empfunden wird. Oder an einen Ort fahren, den der Verstorbene gemocht hat (und das Dortsein ohne ihn sowie die Erinnerungen bewusst auszuhalten versuchen). Dies alles trägt die Idee, dass etwas in der Welt bleibt, was den verstorbenen Menschen etwas bedeutet hat. Gemeinsam eine Kerze anzünden, das Licht weiterleuchten lassen, solche und ähnliche Rituale helfen an beiderlei Tagen. Kritisch dürfte allerdings die Frage sein, ob zum Geburtstag auch eingeladen werden sollte. 


Angehörigen nicht zuviel zumuten


Denn wie immer in solchen Fällen gilt auch dies: Angehörige oder Freunde könnten sich alsbald überfordert fühlen. Die Aussicht, jedes Jahr aufs Neue an gleich zwei Tagen - dem Geburtstag und dem Todestag - als Trostspender und Gedenkhelfer verlangt zu sein, wirkt leider rasch abschreckend auf viele. Hier bedarf es eines sanften Herantastens und einer gewissen Feinfühligkeit. Dies ist ein sensibler Bereich, weil Trauernde oft unbewusste Erwartungen an ihre Bekannten und Verwandten in sich tragen können, so dass Enttäuschungen nicht ausbleiben. Doch das muss nicht sein.


Nicht alle auf einmal, sondern nacheinander


Eine hilfreiche Idee könnte sein, nicht jedes Jahr einen immergleichen Stamm von Menschen einzuladen - also alle, die an den Geburtstagen ohnehin dabei waren -, sondern jedes Jahr eine ausgewählte Person aus diesem Kreis. Und auch, wenn eine solche Anmerkung auf dem Blog eines Trauerbegleiters als platte Werbung empfunden werden kann, soll doch angemerkt sein: Natürlich stehen ausgebildete Trauerbegleiter ebenfalls zur Verfügung, einen Geburtstag oder Todestag gemeinsam gestalten zu helfen oder an diesen Tagen da zu sein - auch einfach nur zum Zuhören und Verstehen oder zum gemeinsame Schweigen. Denn das alles muss es geben dürfen an solchen Tagen. 

An einen Ort fahren, den die verstorbene Person mochte, erfordert etwas Mut - aber es kann zu einer guten Erfahrung werden.  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)



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Der Autor dieser Zeilen steht in Osnabrück und im Osnabrücker Land als Trauerbegleiter zur Verfügung. Thomas Achenbach ist zertifizierter Trauerbegleiter nach den Standards des BVT (Große Basisqualifikation). 

Thomas Achenbach ist der Autor dieser drei Bücher: 

-> "Das ABC der Trauer - 77 Rituale und Impulse" (Patmos-Verlag)
-> "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" (Campus-Verlag)
-> "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag)

Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Ist Trauerbegleitung ein echter Beruf? Kann man von Trauerbegleitung leben? Und wie werde ich überhaupt Trauerbegleiter?  

Ebenfalls auf diesem Blog: Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen? - Impulse bei großer Unsicherheit 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie lange darf Trauer dauern? Ist es normal, wenn es jahrelang weh tut? Und ab wann wird trauern krankhaft?

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Sonntag, 22. Januar 2017

Willkommen in der Welt des "Spiegelns" - wie eine Gesprächstechnik dabei hilft, besser in die Welt des Gegenübers einzutauchen

Osnabrück – Wer schon einmal ein Gespräch bei einem gut ausgebildeten Therapeuten, Berater oder Trauerbegleiter erlebt hat, der wird diese Methode kennen: Sie nennt sich das "Spiegeln" und es geht dabei darum, tatsächlich zu verstehen, was den Betroffenen beschäftigt. Um hier noch feinfühliger zu werden, um noch differenziert nachvollziehen zu können, was der Mensch dort gegenüber wohl fühlt, wird das zuvor Gesagte in eigenen Worten nochmal zurückgegeben. Die Technik geht zurück auf die „personenzentrierte Gesprächstherapie“, die der Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers erfunden und entwickelt hat. Die grundlegende Idee dabei ist die folgende: 


Helfen dabei, die Gefühle des Gegenübers zu verstehen: Emotionskarten, wie sie im Spes-Viva-Trauerland zum Einsatz kommen.  (Thomas-Achenbach-Foto)

Der Mensch, der Hilfe braucht, ist der eigene Experte für sein Leben, seine Gefühle, und braucht nicht die Steuerung von außen, sondern Bedingungen, die seine eigene Steuerung (wieder) erleichtern. Die Technik findet heute in vielen Psychotherapien Anwendung bzw. ist die Grundlage davon, wird aber oft auch in einem anderen Kontext eingesetzt. Sogar im beruflichen Umfeld außerhalb der Beratung und Psychologie. Denn dass die Gespräche, die nach dem von Carl Rogers geprägten Muster „Empathie, Akzeptanz, Kongruenz“ verlaufen – also Verständnis, Akzeptanz und Echtheit, oder anders die Unverstelltheit oder Authentizität der Dialogpartner – eben oft besonders gute, weil tiefe Gespräche werden, lässt sich nach Ansicht der Schweizer Beratungsfirma Manres auch in den Berufskontext einbetten. Die Trainer der Firma empfehlen jedem Angestellten eines von ihnen beratenen Unternehmens, offener und ehrlicher auf alle Kollegen und/oder Mitarbeiter zuzugehen. Das geht natürlich sehr weit. Aber, klar: Mehr echtes Verständnis füreinander kann grundsätzlich nicht schaden. Ob es funktioniert? Nun...:


Immer beim Gegenüber zu bleiben ist eine hohe Kunst


Im von Spes Viva in Belm betriebenen "Trauerland" für Kinder und Jugendliche jedenfalls wird konsequent gespiegelt – bei Kindern zumeist sehr direkt durch das Wiederholen des Gesagten, bei Jugendlichen schon eher durch eine Wiedergabe des Gesagten durch eigene Worte. Das professionelle Ziel ist wie bei einer Erwachsenen-Begleitung das Sich-Einfühlen-können in den Klienten, der sich dadurch besser verstanden und in seiner Situation als Mensch angenommen fühlt. Konsequent in der Welt des Gesprächspartners zu bleiben und nichts Eigenes hineinzumischen, das ist die hohe Kunst eines solchen Gesprächs.


Sogar beim Toben und Knüppeln wird gespiegelt


Im "Trauerland" geht das Spiegeln sogar so weit, dass auch im Toberaum zurückgegeben wird, was dort geschieht. Hier, wo die Kinder und Jugendlichen sich mit Schaumstoffknüppeln oder weichen Bällen richtig austoben können, sind ebenfalls ehrenamtliche Kräfte anwesend, die den Kindern die Intensität ihres Tuns spiegeln – und damit also die Intensität der damit verbundenen Gefühle wie Wut oder Zorn, so die dahinterliegende Idee. In unserer Ausbildung zum Trauerbegleitung haben wir sehr viel über das Spiegeln gesprochen und diskutiert. In einem Punkt bestand Einigkeit: 


Eine weitere spielerische Annäherung an tiefere Gefühle: Das "M+M-Spiel" im Spes-Viva-Trauerland in Belm gibt durch Fragekärtchen emotionale Impulse.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Es darf keinesfalls nicht zu einem flachen Nachplappern mutieren, das Verstehenwollen muss immer im Vordergrund stehen. Die damit verbundenen Trainingseinheiten haben allerdings auch gezeigt, dass es so einfach, wie es klingt, eben doch nicht ist. Sondern eine Trainingssache. Jeder, der mag, kann es ja mal in seinem Alltag probieren. Aber Vorsicht! Denn wer so etwas sagt wie „Ich weiß GENAU, wie sich das anfühlt“, hat sich schon wieder auf eine andere Straße begeben – er ist nicht mehr beim Gegenüber. Das geschieht übrigens schneller als man denkt. Wer mag, kann ja mal beim nächsten Small Talk mal versuchen, immer konsequent in der Welt seines Gegenübers zu bleiben. Wem es gelingt, wird erfahren können, dass der Gesprächspartner sich gut aufgehoben fühlt. 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Der Podcast zu diesem Blog: Warum eine bayerische Behörde mit einer bislang einmaligen Initiative zum Vorreiter in Sachen Trauerkultur wird - ein Interview

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum das Sterben in Deutschland seit Januar 2020 nochmal deutlich teurer geworden ist - Die so genannte Leichenschau steht in der Kritik

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Sonntag, 15. Januar 2017

Aushalten lernen, Ohnmächte (an-) erkennen... - was die US-Präsidentenwahl rund um Donald Trump und die politische Weltlage insgesamt mit Trauerbegleitung & Trauerverarbeitung zu tun haben (steile These: mehr als man denkt)

Osnabrück – „Ich fühle mich so ausgeliefert und so hilfos..“ - „Ich habe manchmal das Gefühl, ich ertrage das alles gar nicht mehr.“ – Nein, diese Sätze stehen ausnahmsweise einmal nicht im Zusammenhang mit den Themen Trauer und Sterben. Auch wenn sie so klingen. Sie lassen sich in Diskussionsforen und Kommunikationsbeiträgen im Internet finden –  es geht um die täglichen Nachrichten. Also um das, was tagtäglich in der Welt geschieht. Und doch fallen solche und ähnliche Aussagen oft auch bei einem Trauergespräch. Was aber haben das Verfolgen der aktuellen Nachrichten mit einer eigenen Betroffenheit in einem Trauerfall zu tun? Auf einer psychologischen Meta-Ebene betrachtet: Viel mehr als man denkt...

Denn der zugrundeliegende seelische Mechanismus, der uns bei den Weltnachrichten das Gefühl vermittelt, überfahren zu werden, ist letztlich identisch mit einer der inneren Reaktionen, die sich bei einem Trauerfall einstellen können. Es geht um Ohnmacht. Und Hilflosigkeit. Als Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, als sich die Engländer für ihren „Brexit“-Ausstieg entschieden, waren viele Deutsche nicht nur überrascht, sondern zum Teil wie gelähmt. Doch es muss gar nicht die große Weltpolitik sein...: 


Zigtausend Menschen, zigtausend Geschichten - die Welt schrumpft zusammen, seit die Sozialen Medien alles überrollen. Tagtäglich sehen wir uns einer Flut an menschlichen Dramen ausgesetzt, von der viele überfordert sind.   (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)

Auch Berichte über tödlich ausgehende Verkehrsunfälle, entführte Menschen oder misshandelte Kinder wecken in manchen Menschen ein Gefühl des Überfahrenseins. Als "klassische Hilflosigkeitssituation“ beschreibt der Psychologie-Professor Jürgen Margraf solche und ähnliche Fälle in einem Artikel der Deutschen Presse-Agentur (dpa) über das„Trump-Tief der Deutschen“ (November 2016).



Ausgeliefert und machtlos und hilflos


Das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Das Gefühl, dass die ganze Welt unwirklich geworden ist und einen nicht mehr erreicht, als sei sie hinter einem Nebelschleier versteckt. Das Gefühl, nichts, aber auch gar nichts, tun zu können, was die aktuelle Lage verändert. Von diesen und ähnlichen Zuständen berichten auch Trauernde oftmals. Aber eben nicht nur sie – auch die Konsumenten von Nachrichten aller Art erleben, wenn auch in einer geringeren Dosis, eine ähnliche Reaktion auf das, was sie da hören. Es ist alles so schrecklich... Es kann doch alles gar nicht wahr sein. Wird dann oft gesagt. Und so wird es auch erlebt.  


Was hilft gegen Nachrichtenüberforderung?


Was kann helfen? Schon 2011 hatte ich das Thema der „Nachrichtenüberforderung“ und der dadurch geweckten Ängste mit einer Psychologin und Buchautorin besprechen können – in Form eines Interviews für die „Osnabrücker Nachrichten“. Was die in Bad Essen lebende Dr. Elisabeth Mardorf damals an Tipps parat hatte, ist noch immer hilfreich.


Der Mensch im Strudel der Medieneinwirkung - mögen auch viele auf die "Lügenpresse" schimpfen, die sozialen Netzwerke und die persönlichen Filterblasen sind doch heute oft viel wirkmächtiger als jede Presse. Kann man sich diesem Sog enziehen?  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz 

Zum Beispiel das simple Darüber-Reden: „Wenn man das Gefühl hat, man wird überwältigt und ohnmächtig von einem Durcheinander an Ängsten, dann ist es schon sinnvoll, dass man mit diesen Gefühlen nach außen geht.“ Deshalb sollte eine zentrale Frage lauten: „Mit wem kann ich sprechen über meine Ängste? Manchmal ist ja alleine schon das Darüber-Sprechen eine Entlastung.“ Hilfreich dabei ist es vor allem, der Vielfalt der Ängste auf die Spur zu kommen. Denn das hat sicher schon jeder einmal erlebt: 


Was immer hilft: Sich verstanden fühlen. Ganz. 


Dass sich aus Ängsten so eine Art diffuse Ursuppe zusammenbraut, in der sich vieles vermischt. Das kennen wir alle, oder? In einem E-Mail-Dialog mit einer guten Freundin habe ich neulich noch über "unsere Angst" geredet. SIngular. Dann entschlossen wir, diesen Dingen mal konkreter nachzuspüren. Und siehe da, am Ende waren es 12 und mehr verschiedene Ängste vor ganz unterschiedlichen Dingen - Plural. Große und kleine Ängste, alle durcheinander, aber als empfunden als ein "großes Ganzes".  


Die Weltenlage einfach mal aushalten, so wie sie ist


Und das kann auch bei dem Gefühl, von der Weltlage überfahren zu sein, hilfreich sein: Wer seine Ängste (mit-) teilen kann, sich in ihnen verstanden fühlt, der wird eher in die Lage kommen, die Weltenlage so aushalten zu können, wie sie nun einmal ist (und zu akzeptieren, wo die Grenzen sind, wo man nichts mehr tun kann). Es kann sicher niemals schaden, seine Ängste (und alle anderen Gefühle) offen anzusprechen. Das geschieht noch viel zu wenig. Das gilt übrigens auch für Trauernde: Viele erleben es den Angaben von erfahrenen Begleitern zufolge immer wieder als ungemein hilfreich, wenn sie sich einfach verstanden fühlen, wenn sie frei von der Leber einfach über alles sprechen dürfen, ohne das Gefühl haben zu müssen, sich beschränken zu müssen.


Aleinesein ist hilfreich - jedenfalls bei Nicht-Trauernden


Ein weiterer wichtiger Tipp der Psychologin - wenn auch nur bedingt für Trauernde geeignet: Immer wieder auch das Alleinesein suchen – also als qualitätsvolles und gesundes Alleinesein. „Sich jeden Tag ein paar Minuten nur für sich selbst zu nehmen, ganz egal, wie voll der Alltag ist. Das ist ein erster Schritt: Einen Termin mit sich selber einfach in den Tagesplan einzubauen, als wäre es ein offizieller Termin“, sagte Elisabeth Mardorf damals . „Wie man diese Minuten füllt, kann von Mensch zu Mensch ganz verschieden sein. Der eine geht joggen, der andere spazieren, wieder andere halten gern ein kleines Schläfchen, meditieren oder praktizieren eine Entspannungsmethode – oder 20 Minuten Tagebuch schreiben. Es geht einfach drum, eine Zeit am Tag mit sich alleine zu sein. 20 Minuten ist ein guter Zeitraum, das kann eigentlich jeder ganz gut in seinen Tag unterbringen“ (hier geht es zum kompletten Interview). 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

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Samstag, 7. Januar 2017

Vorträge, Seminare, vielleicht auch ein Kennenlernen? - Ein persönlicher Ausblick auf das weitere Jahr 2017 und herzliche Einladungen

Osnabrück (eb) - Das erste Quartal dieses Jahres 2017 stand ganz im Zeichen von Vorträgen, Workshops und neuen Kontakten zum Thema Trauer. Mitte Februar durfte ich zum ersten Mal einen Vortrag in Sachen Trauerbegleitung halten (und ein klitzeklein bisschen Lampenfieber hatte ich ja schon). Das war, sozusagen, die inoffizielle Premiere, weil es sich dabei zwar um einen Vortrag vor einem recht großen Publikum gehandelt hat, es sich aber um eine nichtöffentliche Veranstaltung handelte, die nicht für jeden zugänglich war. Das wird aber im Oktober wieder anders sein. Denn in diesem Jahr wird es für mich noch mehrmals die Möglichkeit geben, Vorträge halten und Seminare anbieten zu können. Wobei zwei Themen gleichzeitig im Fokus stehen: Vom Umgang mit der Trauer. Und vom Umgang mit Trauernden. 

Denn manchmal brauchen auch Angehörige, Freunde oder Bekannte ein paar Impulse und Anregungen, wie sie mit langfristig Trauernden am besten umgehen können - oder auch nur etwas Verständnis für die Besonderheit ihrer Situation. Die Vorträge und Seminare richten sich also sowohl an Menschen, die einen Verlust erlitten haben als auch an Menschen, die mit Menschen zu tun haben, die einen Verlust erlitten haben. Damit einher geht für mich die Hoffnung und die Idee, in beidseitigem Kontakt auch bei beiden Menschen ein wenig mehr Verständnis füreinander wecken zu können und neue Möglichkeiten zu finden, miteinander im Kontakt zu bleiben oder in den Kontakt zu kommen. Hier ist die Übersicht der Termine: 


Einer der Veranstaltungsorte in 2017 ist die Volkshochschule an der Bergstraße in Osnabrück - geplant sind ein Vortragsabend und ein Seminar.   (VHS-OS-Pressefoto) 

Ein öffentlich zugänglicher Vortrag fand am 1. März 2017 (Mittwoch, 19 Uhr) statt. Dieser fand in der Volkshochschule Osnabrück statt. "Trauer verstehen und teilen" ist der Titel. Im Mittelpunkt standen die Unsicherheiten, die es im Umgang mit Trauer oft gibt. Bei den Trauernden selbst - aber auch bei Angehörigen, Freunden oder Nachbarn. Der Vorschlag der WHO, eine länger als ein paar Wochen dauernde Trauer als Krankheit auszuweisen, wird von Trauer-, Hospiz- und Palliativexperten zurückgewiesen. Ziel dieses Vortrags ist es, erste Impulse für einen angemessenen und kreativen Umgang mit den eigenen Gefühlen zu setzen und dazu beizutragen, Trauernde und deren engeres Umfeld in einem neuen Verständnis wieder enger zusammenrücken zu lassen.  Der Vortrag richtet sich neben Trauernden auch an alle, die das Thema interessiert. Weitere Infos: hier klicken.


Weiter ging es ebenfalls im März 2017 - dann allerdings wieder in Form eines nichtöffentlichen Workshops, den ich für die ehrenamtlichen Seniorenbegleiter des Landkreises Osnabrück gehalten habe. Es war ein sehr offener und sehr konzentrierter Workshop ein einer sehr guten Arbeitsatmosphäre, der eingebettet war in das Programm des Treffens der in der Region Osnabrück aktiven ehrenamtlichen Seniorenbegleiter (geschlossene Gruppe, Landvolkhochschule Oesede).



Das neue Programm der Volkshochschule Osnabrück liegt derzeit kostenlos zur Mitnahme an vielen Orten aus, unter anderem bei den Sparkassen. Darin finden sich diese zwei Einträge....   (Thomas-Achenbach-Foto)


Nun steht Mitte Mai erstmal wieder ein Besuch auf der Messe "Leben und Tod 2017" in Bremen auf dem Programm, wo ich in meiner Dreierfunktion als Berichterstatter für die Presse, als Blogger sowie als Trauerbegleiter unterwegs sein werde. Dort allerdings nur als Gast und nicht als Vortragender.

Und nach einer Sommerpause geht es dann im Herbst weiter, wiederum mit einem Vortrag, ganz konkret am 25. Oktober (Mittwoch, 19 Uhr) in Bad Laer im dortigen Gesundheitszentrum am Grünen Weg. Auch in diesem Vortrag stehen die zuvor genannten Themen im Mittelpunkt, weitere Informationen sind zurzeit noch nicht verfügbar, sollen aber alsbald über die Website des dahinterstehenden Netzwerkes unter www.gesundes-netzwerk.info verfügbar sein. 

Vielleicht ist ja ein passender Termin dabei für ein persönliches Kennenlernen, vielleicht ergibt sich ein Gespräch am Rande oder die Möglichkeit für einen weiteren Kontakt - alle Leser sind jedenfalls sehr herzlich eingeladen. 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

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