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Montag, 11. März 2024

Das Trauer-Zitat des Monats - #Februar/März2024 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 14

 

"Ich halte am Tod fest, weil nichts anderes möglich ist. Ich halte am Tod fest, weil er die Wirklichkeit meines Sohnes darstellt. Er ist in der Wirklichkeit des Todes - der Tod ist die Wirklichkeit. So lautet die Bedingung."


 Naja Marie Aidt, Carls Buch

(Zu meiner Besprechung des Buches bitte hier klicken; Luchterhand-Verlag, München, 2021, Seite 140)


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Dienstag, 23. Januar 2024

Das Trauer-Zitat des Monats - #Januar2024 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 13

  

(Foto: Thomas Achenbach)

"Ich will immer noch den Namen meines Kindes aussprechen können. Ich will immer noch die Geschichten von meiner Mutter, meinem Vater oder meinem verstorbenen Partner, meines Bruders oder meiner Schwester erzählen dürfen. Sie sind nicht einfach verschwunden. Sie haben einen Platz. Und der Platz ist in meinem Herzen und in meiner Familie. Ihre Fotos hängen immer noch an der Wand. Und das aus gutem Grund."

 

Robert Neimeyer

Psychotherapeut von der Uni Memphis


(zitiert nach: ARD Alpha, "Trauern ist ein Zeichen von Liebe", Yvonne Maier, 2022)


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Donnerstag, 21. Dezember 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Dezember2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 12

 

"Offensichtlich bin ich gerade in großer Bedrängnis, und es ist kein Zufall, dass ich regrediere (= wieder in Kindheitsmuster verfalle, ta). Wie ein Kind suche ich kreischend nach mütterlichem Beistand."   

 

Irvin D. Yalom

über die Trauer nach dem Tod seiner Frau


("Unzertrennlich", Irvin D. & Marilyn Yalom, btb, München, 2021, Seite 233)


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Dienstag, 21. November 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #November2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 11

(Foto: Pixabay.de/garten-gg/CC-0-Lizenz)

"
Ohne die Erfahrung von Trauer kann wohl kein Mensch ein vollwertiges Leben führen. Niemand will eine Tragödie erleben, aber sie ist ein unausweichlicher Teil des Lebens."
 
 

Henning Mankell, Treibsand

(Zsolnay-Verlag, Wien, 2015, Seite 136)


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Montag, 23. Oktober 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Oktober 2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 10

(Foto: Thomas Achenbach)


"Wenn man stirbt, können selbst die unglücklichsten Erinnerungen eine Art zärtlicher Wehmut hervorrufen, als sei Freude nicht ausschließlich den guten Zeiten vorbehalten, sondern ziehen sich wie ein goldgewirkter Faden durch das ganze Leben." 
 

Cory Taylor, Sterben - eine Erfahrung

(Allegra-Verlag, Berlin, 2016, Seite 34)


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Sonntag, 10. September 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #September2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 9

    

(Foto: Pixabay.de/jarmoluk/CC-Lizenz)

"Meine Gedanken kreisten nicht um die Sinnlosigkeit des Lebens, sondern darüber, ein Leben schmerzlich zu vermissen. Ein Geist, der Liebe vermisst, ist noch zu Hoffnung fähig."

 

K. R. Jamison,
Nothing was the same

(zitiert nach Heidi Müller/Hildegard Willmann, "Trauerforschung",
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2020, Seite 56)


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Donnerstag, 10. August 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #August2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 8

   

"Wir sollten aufhören, die Trauer als unseren Feind zu betrachten. Sie ist viel eher eine gute Freundin, die uns ein Stück begleiten möchte. Wenn wir sie willkommen heißen und gut behandeln, hilft sie uns dabei, den Verlust in unser Leben zu integrieren.... (...)".

Iris Willecke,
Wie aus Trauer Liebe und Dankbarkeit wird

(Humboldt-Verlag, Hannover, 2021, Seite 9)


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Donnerstag, 20. Juli 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Juli2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 7

  

"Ich höre einen neuen Ton in der Frage von Bekannten, wie es mir gehe, einen Ton, den ich zuvor nicht bemerkte und den ich in zunehmenden Maße als besorgniserregend empfinde, sogar als demütigend: Während mich diese Bekannten ungeduldig, halb besorgt, halb missmutig fragen, scheint es, als wären sie nicht länger an der Antwort interessiert. Als wäre ihnen zu sehr bewusst, dass die Antwort eine Klage sein wird."

Joan Didion, Blaue Stunden

(Ullstein-Verlag, Berlin, 2012/2019, Seite 119)


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Mittwoch, 21. Juni 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Juni2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 6

 

"Es fällt mir auch nach sieben Jahren weiterhin schwer, Fotos anzugucken, vor allem Kinderfotos, ich habe mich nur an wenige gewöhnt. Seine Stimme auf Videos zu hören ist noch schlimmer, das versuche ich zu vermeiden, denn Trauer muss man dosieren." 
 

Naja Marie Aidt, Autorin, im Interview mit der SZ

(Süddeutsche Zeitung Nr. 303, Silvester/Neujahr 2022, Seite 52)


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Montag, 8. Mai 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Mai 2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 5

   

"Ich halte für ein eigentliches Unglück: das Verbinden von Wunden, die noch voller Eiter sind (...), das Vergessen der Dinge, die nicht durchschaut, nicht begriffen, nicht überwunden und daher nicht vergangen sind."

Max Frisch, Tagebuch 1

(Zitiert in: "Sind Sie sich selber ein Freund?, Suhrkamp, 2011, Seite 8)


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Donnerstag, 27. April 2023

Eine Mutter verliert ihren erwachsenen Sohn - wie sie diesen Verlust literarisch verarbeitet, ist ergreifend und lesenswert - kein Werk hat mich in jüngster Zeit mehr bewegt als "Carls Buch" von Naja Marie Aidt - "Mein Schmerz war zu groß, um ihn in Worte zu fassen"

Hat der Tod Dir etwas genommen, dann gib es zurück. Mit diesem Satz auf dem Umschlagtitel hat mich das Buch direkt gepackt. Was uns die dänische Autorin Naja Marie Aidt nach dem tragischen Tod ihres 25-jährigen Sohnes zurückgibt, ist ein kleines Buch mit gar nicht so vielen Seiten - aber jede Zeile darin ist mit soviel Bedacht und Sorgfalt geschrieben, dass sich dieser wenige Text zu einem Destillat verdichtet, das Trauer begreifbar macht. Dieses Buch tut weh beim Lesen - und das ist gut so. Ein eindrucksvolles Werk, das mich genau zum richtigen Zeitpunkt angetroffen hat. 

Ich war - passenderweise, könnte man sagen - auf dem Weg zu den verwaisten Eltern, zu ihrem Jahreskongress in Leipzig 2022, als ich das Buch gelesen habe. Nur unterbrochen von meinem Workshop dort und dem Tagesaufenthalt in Leipzig, habe ich das Werk in zwei Zugfahrten nicht einfach nur gelesen, sondern förmlich in mich aufgesogen. "Das Schreiben gab mir die Möglichkeit, etwas Sinnvolles aus etwas Sinnlosem zu schaffen", hatte die Autorin Naja Marie Aidt der Süddeutschen Zeitung zu Beginn 2022 im Interview gesagt (SZ Nr. 303, Silvester und Neujahr 2022, Seite 52 - Link zum Text, allerdings Paywall). Sinnvoll ist das Werk geworden, wie wahr. Weil es Naja Marie Aidt gelungen ist, trotz aller Sprachlosigkeit exakt zu fixieren, wie Trauer sich anfühlen kann. 



Vor einigen Jahren hatte die Literatin ihren 25-jährigen Sohn Carl verloren. Er war nach der Einnahme von halluzinogenen Pilzen aus einem Fenster gesprungen. Aus dem vierten Stock. Die Einlieferung ins Krankenhaus, die bangen Stunden der Ungewissheit, sein Tod wenige Tage später, all das erleben wir in "Carls Buch" ganz unmittelbar aus der Perspektive seiner Mutter mit. Geschrieben in einer Mischung aus Tagebuchskizzen, literarischen Verdichtungen und teilweise Passagen in einem einzigen ungestoppten Bewusstseinsstrom ("stream of consciousness"), werden wir Zeuge dieses Prozesses. 

Gebrochenes Herz - medizinisch attestiert

Gleichermaßen macht Aidt auf einer zweite Ebene zum Thema, wie unfähig die Sprache doch ist, diesem Schmerz einen adäquaten Ausdruck verleihen zu können.Marie Aidt wird im Verlauf ihres Prozesses das "Broken Heart Syndrome" attestiert, eine besonders schwere Form der Trauer und, wie alles im Kontext von Tod und Sterben, zwar vorübergehend, aber lange anhaltend und tief in die Seele schneidend.


Alles beginnt mit einem Telefonanruf, der in mehreren Wiederholungen wieder aufgegriffen wird und sich dabei immer weiter fortspinnt. Alleine diese literarische Technik ist bemerkenswert, spiegelt sie doch die Unfähigkeit, überhaupt begreifen zu können, was geschehen ist. Eine Unfähigkeit, von der mir manche Trauernde bei unseren Begleitungen berichtet haben. Diese literarische Ebene, das gekonnte Spiel mit Sprache als Werkzeug, ist das Besondere, was dieses Buch aus der immer größer werdenden Masse der "Mein-Trauererlebnis-Berichte" heraushebt.  

"Mein Schmerz war zu groß..." - und doch ging es


Es war die Süddeutsche Zeitung mit dem oben bereits erwähnten Samstagsinterview - übrigens eine meiner absoluten Lieblingsseiten in der Wochenendausgabe -, die mich auf das Buch hat aufmerksam werden lassen. Darin beschreibt Naja Marie Aidt ebenfalls, wie sehr sie sich von der Sprache im Stich gelassen fühlte: "Ich habe immer geglaubt, dass mich Sprache retten kann", sagt sie. Aber in der Trauer funktionierte der Mechanismus nicht: "Mein Schmerz war zu groß, um ihn in Worte zu fassen". Umso lesenswerter dieses Destillat, das ihr trotz allem geglückt ist

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Der Autor dieser Zeilen steht in Osnabrück und im Osnabrücker Land als Trauerbegleiter zur Verfügung. Thomas Achenbach ist zertifizierter Trauerbegleiter nach den Standards des BVT (Große Basisqualifikation). 

Thomas Achenbach ist der Autor dieser drei Bücher: 

-> "Das ABC der Trauer - 77 Rituale und Impulse" (Patmos-Verlag)
-> "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" (Campus-Verlag)
-> "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut" (Patmos-Verlag)

Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Ist Trauerbegleitung ein echter Beruf? Kann man von Trauerbegleitung leben? Und wie werde ich überhaupt Trauerbegleiter?  

Ebenfalls auf diesem Blog: Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen? - Impulse bei großer Unsicherheit 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Wie lange darf Trauer dauern? Ist es normal, wenn es jahrelang weh tut? Und ab wann wird trauern krankhaft?

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer und Schuldgefühle gehören zusammen - warum sich so viele Trauernde nach dem Tod eines Menschen schuldig fühlen

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde alles so vermeintlich "Merkwürdiges" tun und warum das nicht peinlich ist

Ebenfalls auf diesem Blog: Das Trauerzitat des Monats - bemerkenswerte Sätze aus Literatur und Interviews - Auftakt der neuen Serie auf diesem Blog

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Montag, 17. April 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #April 2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 4

 

 

"Leid ist ein menschlicher Zustand, kein medizinischer. (...) Leidtragende sind nicht deprimiert, sondern nur gebührend, angemessen, mathematisch genau traurig - es tut exakt so weh, wie es die Sache verdient."

Julian Barnes, Lebensstufen

(btb, München, 2014, Seite 88)


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Montag, 6. März 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #März2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 3

   

"In der Trauer fühlst du die Abwesenheit eines bestimmten Lebens, nicht des Lebens an sich. In der Depression ist das anders: Du fühlst dich vom Leben abgeschnitten."

 

K. R. Jamison, Nothing was the same

(zitiert nach Heidi Müller/Hildegard Willmann, "Trauerforschung",
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2020, Seite 56)


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Dienstag, 7. Februar 2023

Wie aus Trauer Liebe und Dankbarkeit wird - warum sich das Buch meiner Kollegin Iris Willecke lohnt und welche Anregungen es für die Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise bereithält - eine Buchempfehlung für Trauernde (Buchtipp für Menschen in einer Krise)

Osnabrück - Erstmal das Wichtigste: Selbst wenn Dir das Schreiben nicht liegt; selbst wenn Du keinen der in diesem Ratgeber genannten Impulse in die Tat umsetzen möchtest, kann Dir dieses Buch in einem akuten Trauerprozess eine gute Hilfe sein. Obwohl der Titel und der Inhalt das nicht vermuten lassen. Aber lass mich erstmal erläutern, worum es hier überhaupt geht: Die Trauerbegleiterin Iris Willecke hat vor einigen Monaten ein Buch veröffentlicht: „Wie aus Trauer Liebe und Dankbarkeit wird“ heißt es - und worum es geht, verrät der Untertitel: "Schreibimpulse für einen bewussten Weg durch die Trauer." Frei nach dem Motto: Schreib es Dir von der Seele, wenn Du nicht drüber sprechen kannst. Es ist dieses bewusste Wahrnehmen, das das Buch auch außerhalb vom Schreiben empfehlenswert macht - aber nicht nur das.

Denn Iris Willecke hat auch zahlreiche Zitate gefunden, die alleine schon einen Schatz an hilfreichen Sätzen und Impulsen darstellen. Außerdem gibt Iris Willecke ihren Lesern immer wieder die Erlaubnis, so sein zu dürfen, wie sie jetzt sind. 

Zum Beispiel, indem sie sie zum bewussten Jammern einlädt, einer meiner Lieblingstipps aus ihrem Buch: "Geben Sie sich zum 'Baden in Selbstmitleid' maximal 15 Minuten Zeit", rät sie. Als Schreibübung kann dieses Jammern beginnen mit dem Satz "Es tut mir so leid für mich, dass"... Um dann den Fokus umzudrehen, indem sie dazu anregt, auch für den gestorbenen Menschen eine Jammerliste anzulegen: "Es tut mir so leid für Dich, das..." Ich glaube, dass das eine kraftvolle Übung sein kann, die gut tun kann. Ein weiterer Lieblingstipp von mir findet sich im Kapitel über Schuldfragen.


(Alle Fotos: Thomas Achenbach)


Das ist immer wieder ein großes Thema in vielen Trauerprozessen. Denn die Fragen nach der Schuld können sehr quälend werden, viele Menschen sind in ihrem Trauerprozess tage- wie auch nächtelang mit Grübeleien darüber befasst. Iris Willecke bietet hierzu eine Metaebene an, die hilfreich sein kann: Indem man sich vorstellt, ein Staatsanwalt und ein Verteidiger würden über den konkreten "Schuldfall" sprechen - auch wenn sie das in Wahrheit gar nicht dürften, was Iris Willecke unumwunden einräumt -. Nun versucht jeder den anderen zu überzeugen, einerseits von der tatsächlichen Schuld, andererseits von der Nicht-Schuld. Auch das kann, so glaube ich, eine hilfreiche Übung werden. Wenn man sich darauf einlassen kann, versteht sich.

Aber welche Erfahrungen hat Iris Willecke selbst mit solchen Schreibangeboten gemacht, was funktioniert in Trauergruppen besonders gut, was erleben die Betroffenen als hilfreich? Ich hatte die Chance, Iris ein paar Fragen zu ihrem Buch zuschicken zu können, die sie freundlicherweise für mich beantwortet hat:



Hast Du die Schreibübungen auch schon in Begleitungen (Gruppen/Einzel) erproben können?

Iris Willecke: Ich gebe Schreibimpulse gerne Trauernden als Idee für zuhause an die Hand. Manche probieren es aus und berichten mir dann beim nächsten Mal von ihren Erfahrungen, einige bringen ihre Texte sogar mit. Gelegentlich baue ich kurze Schreibeinheiten in meine Trauergruppenabende ein, das ist aber eher die Ausnahme.

Gibt es eine Übung, die besonders gut ankommt?

Iris Willecke: Viele Trauernde freuen sich über die Möglichkeit, Ihren Verstorbenen Briefe und Botschaften schreiben zu können. Einige berichten, dass sie zwar schon ganz am Anfang einen Abschiedsbrief geschrieben und dem Verstorben mitgegeben haben, sie aber nicht von allein auf den Gedanken gekommen wären, dass es nicht bei diesem einen bleiben muss. Die Beziehung zum Verstorbenen darf ja bestehen bleiben und Kommunikation gehört zu einer Beziehung dazu. Dem Verstorbenen etwas zu schreiben ist eine Form der Kommunikation.Manche Trauernde brauchen aber erst eine Art Erlaubnis und Ermutigung dazu, denn sie haben leider die irrige Vorstellung, dass es seltsam und falsch wäre, wenn sie weiterhin die Verbindung zum Verstorben halten. 

Hast Du eine Schreibübung, von der Du sagen würdest, dass es Deine Lieblingsübung ist?



Iris Willecke: Nein, eigentlich nicht. Ich mag aber mittlerweile Elfchen (Gedichte aus 11 Wörtern) sehr, denn ich habe herausgefunden, dass die vorgegebene, feste Struktur vielen den Zugang zum Gedichteschreiben erleichtert. In einer Trauergruppe bekamen die Teilnehmer mal die freiwillige Hausaufgabe, ein Elfchen zum Thema Verbundenheit zu schreiben. Eine der Teilnehmerinnen kam beim nächsten Abend mit nicht nur einem, sondern ganz vielen wunderbaren Kurzgedichten wieder, die sie uns vorgelesen hat und die bei mir Gänsehautmomente erzeugt haben. Für sie war es zu dem Zeitpunkt offenbar genau die richtige Aufgabe gewesen.

Ist in der Zwischenzeit vielleicht sogar eine Übung dazugekommen, die noch nicht ins Buch konnte?

Iris Willecke: Mir fallen in Gesprächen manchmal spontan Schreibthemen und „Übungen“ ein, die ich dann auch direkt vorschlage. Davon ist mir bisher aber keine in bleibender Erinnerung geblieben.

Iris Willecke ist übrigens gelernte Krankenschwester und hat unter anderem in einem Hospiz gearbeitet. Inzwischen ist sie als freiberufliche  Trauerbegleiterin unterwegs und bezeichnet sich selbst als "Traueraktivistin und ,End-Lich-Botschafterin'". Über die von ihr gestalteten speziellen Postkarten für Trauernde habe ich hier bereits ebenso berichtet wie über den von ihr propagierten "Memento Tag in Deutschland".


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen? - Impulse bei großer Unsicherheit 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Neue Serie - Das Trauer-Zitat des Monats - Auftakt und Folge 1 aus dem Januar 2023

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine wichtige Frage: Wie lange kann Trauer dauern? Das Trauer-Zitat des Monats aus dem Februar 2023 

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Mittwoch, 1. Februar 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Februar2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 2



"Die Leute fragen mich oft: Wie lange werde ich trauern? (...)  Meine Antwort auf die Frage ist: Wie groß war deine Liebe? Denn genau darin liegt die Antwort." 
    

Patrick O'Mealy

Psychotherapeut und verwaister Vater


(zitiert nach: ARD Alpha, "Trauern ist ein Zeichen von Liebe", Yvonne Maier, 2022)


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Das Trauerzitat des Vormonats: Bitte hier klicken

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Sonntag, 1. Januar 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Januar 2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 1

 


"Menschen, die vor kurzem jemanden verloren haben, zeigen einen bestimmen Ausdruck, wahrscheinlich nur für diejenigen wahrnehmbar, die diesen Ausdruck schon auf ihren eigenen Gesichtern gesehen haben. (...) Es ist ein Ausdruck extremer Verletzlichkeit, Nacktheit, alles ist sichtbar."

Joan Didion, Das Jahr magischen Denkens

(List-Verlag, Berlin, 2008/2017, Seite 84)


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Sonntag, 14. Juni 2020

Wie wir Kindern und Teenagern die Themen Tod und Sterben so erklären können, dass sie auch im späteren Leben ohne Ängste und Unsicherheiten damit umzugehen wissen - Wissens-Experte Ralph Caspers gibt in einem neuen Buch angenehm knackige Tipps und gute Impulse - Die Toten sind gestorben, sie sitzen nicht auf Wolken

Osnabrück - Was Kinder von uns Erwachsenen brauchen, wenn wir ihnen den Tod eines Menschen erklären wollen, íst in Wahrheit ganz wenig. Am besten nur ein ganz kurzer Satz, das reicht. Und das dann erstmal sackenlasssen. Denn worauf wir uns getrost verlassen können, ist das: Wenn die Kinder etwas wissen wollen, dann werden sie uns schon fragen. Aber sie wissen selbst am besten, wann sie wieder mehr Informationen aufnehmen können. Deswegen ist es viel, viel besser, nur zu sagen: Die Oma ist gestorben. Anstatt die Kinder ungefragt mit einem Konglomerat an Informationsbrocken zu überfrachten, die alle gar nicht zusammenpassen wollen: Die Oma ist gestorben, deswegen werden wir sie jetzt in der Erde verbuddeln, aber dann ist die Oma auch im Himmel und guckt von einer Wolke auf uns runter, trotzdem siehst Du sie niemals wieder... Häh?? Wie jetzt? Sich ganz kurz zu halten, auch wenn es schwerfällt, das ist nur einer von vielen Tipps, die der bekannte TV-Moderator Ralph Caspers in seinem neuen Buch gesammelt hat. Ein wertvolles Buch mit vielen guten Hinweisen und Impulsen, nur an wenigen Stellen ein bisschen arg zugespitzt.

"Wenn Papa jetzt tot ist, muss er dann sterben?" - Schon der Titel seines neuen Buches ist original Ralph Caspers. Ein bisschen augenzwinkernd und ironisch, gleichsam aber seine Zielgruppe ganz ernstnehmend. Und den Autoren - den kennt jedes Kind. Sei es aus der "Sendung mit der Maus", aus dem Kika, aus der Sendung "Wissen macht Aah" oder einem anderen Fernsehformat. Immer ein bisschen nerdig, immer ein bisschen witzig, ein guter Typ. Was nur die wenigsten wissen: Ralph Caspers hat im Alter von 15 Jahren seinen Vater verloren. Und er war dann vermutlich mit all den Erfahrungen konfrontiert, denen er jetzt mit seinem Buch entgegentritt: Vor allem die Hilflosigkeit und eigentlich gut gemeinte Ungeschicktheit der Erwachsenen. Die sind es auch, die die wahre Zielgruppe des Buches sind, auch wenn manche der Passagen sich genausogut als Vorlesestoff für wissbegierige Kinder eignen. Denn Ralph Caspers ist halt einer, der selbst komplexe Sachverhalte wie einen Verwesungsprozess so erklären kann, dass sich echte Aha-Effekte einstellen.


Den kennt man!  Ralph Caspers moderiert unter anderem die TV-Sendung "Quarks" (Foto: WDR-Presse/Linda Meiers, mit freundlicher Genehmigung)

Das gelingt ihm im ersten Teil seines Buches wirklich gut. In angenehm kurzen, angenehm verdichteten, dabei aber wunderbar simplen Informationshappen arbeitet sich Caspers in munterem Plauderton durch alles, was Kinder (und Erwachsene) zum Thema Tod, Trauer und Sterben so wissen sollten und wissen wollen. Für alle Fragen, mit denen neugierige Kinder ihre überforderten Eltern löchern, gibt es gute Antworten. Darf ich etwas in den Sarg mit hineinlegen (Antwort: Ja, so ziemlich alles, das kann bei der Trauerverarbeitung sogar ein wohltuender Prozess sein). Darf ich auch lachen, wenn ich in Trauer bin (Antwort: Ja, natürlich, Du darfst alles tun, was Dir gut tut). Aber auch tiefergehende Fragen wie: Was kann ich gegen das Vergessen meiner Erinnerungen tun?  Wie schnell muss der Tote abgeholt werden? Was ist, wenn ich mich vor dem Tod noch mit der gestorbenen Person gestritten habe? Und, und, und...  Dabei hat das Buch gleich mehrere Zielgruppen im Blick.


(Dieses und alle folgenden Fotos: Thomas Achenbach)

Immer mal wieder wendet sich Ralph Caspers direkt an die Eltern und beantwortet einige ihrer drängendsten Fragen: Darf ich mich von meinem Kind trösten lassen? Darf ich vor meinem Kind auch weinen? Hier räumt Ralph Caspers mit dem Trugbild auf, dass die Eltern immer die "Starken" sein müssen bzw. dass Starksein eben nichts damit zu tun, sich nicht von Tod und Trauer berührt zu zeigen. Für trauernde Eltern kann es sehr wohltuend und hilfreich sein, wenn sie diese Erlaubnis bekommen. Und die vielleicht allerwichtigste im Buch behandelte Frage lautet: Wieviel Wahrheit vertragen Kinder? Antwort, zusammengefasst: Eine Menge! Vielleicht sogar mehr als die Erwachsenen, manchmal. Das wäre jedenfalls meine ganz persönliche These.


Bittere Pillen zu schlucken - das Thema hat Tiefenwirkung


Eine These, die nicht überall auf Wohlwollen stößt, dessen bin ich mir bewusst. Denn was das Thema Kinder und der Tod angeht, habe ich selbst schon manche bittere Pille schlucken müssen und hier auch schon kontrovers diskutierte Blogbeiträge veröffentlicht ("Bitte nehmt die Kinder mit...." - siehe hier). Was für mich total selbstverständlich wäre, nämlich den Kindern im Falle eines gestorbenen Angehörigen einen möglichst unverkrampften Umgang mit dem Tod anzubieten, indem man sie zum Beispiel fragt, ob sie den toten Körper vielleicht noch einmal sehen möchten, begleitet durch einen Erwachsenen, zum Beispiel, das war für manche meiner allerbesten Freunde fast ein Affront und eine Zumutung. Wie brutal, wie gemein, sowas könne man doch nicht machen... Wäre fast zum Streit gekommen. Mit einem wertvollen Lerneffekt für mich. 



Nämlich diesem: In Sachen Kinder und der Tod niemals die Tiefensprengkraft des Themas unterschätzen. Viele Eltern haben da offenbar eine große Scheu - oder Angst. Was das alles mit Ralph Caspers neuem Buch zu tun  hat? Nun, eine ganze Menge, wie die ersten Amazon-Leserrezensionen des Buches deutlich machen. Denn das Buch erhält dort viel Kritik, vor allem wird seine "Härte" gegenüber den Kindern und sein vermeintlich zu geringer Anteil an "christlichem Glauben" bemängelt. Unverständlicherweise, wie ich finde. Denn, hey Leute, bitte nicht vergessen: Ralph Caspers hat das alles doch selbst erlebt! Also wer, wenn nicht einer wie er, dürfte seine Erfahrungswerte mit der Welt auch in der Form teilen, dass er sagt: Wie ihr damit umgegangen seid, das hat mir nicht gut getan - und deswegen sage ich Euch jetzt mal, was mir stattdessen gut getan hätte. 



Denn genauso ließe sich das Buch ebenfalls lesen. Wobei seine persönliche Geschichte hier allenfalls in kurzen Erwähnungen am Rande thematisiert wird. Die Marke Ralph Caspers ist halt eine Erklärmarke, kein Betroffenheitsprodukt. Diesem Anspruch wird auch "Wenn Papa tot ist..." in all seinen Teilen gerecht. In seinem Mittelteil geht das Buch der Frage nach, welche Besonderheiten jeweils ein spezieller Todesfall mit sich bringen kann und was dann hilfreich sein könnte - dabei werden wie bei einer mathematischen Gleichung alle nur erdenklichen Konstellationen durchgespielt. Gestorben ist (bitte einsetzen): Mutter, Vater, Geschwisterkind, Oma, Opa, Tante, Nachbar, Freund der Familie, Haustier, Schulfreund, Spielfreund, Cousine, Cousin.... you name it. Das von der Trauer betroffene Kind ist (einsetzen): Baby, Kindergartenkind, Grundschulkind, Teenager, in der Pubertät... Das Buch guckt mit großem Verständnis auf all diese erdenklichen Situationen und bietet Erklärungen an. Was wir bei Teenagern zum Beispiel oft erleben, das scheinbar unberührte Weitermachen mit dem Alltag von vor dem Todefall, ist ebenso ganz normal wie das Grundschulkind, das übergangsweise wieder mit dem Bettnässen anfängt. Und vieles mehr.



Aber warum fällt es uns Eltern bloß so schwer, sich auf dieses Thema und seine Besonderheiten einzulassen? Warum erzählen wir unseren Kindern lieber solche Fantasiegeschichten, von denen wir doch genau wissen, dass sie einer realistischen Prüfung durch Kinderfragen niemals standhalten werden? Denn warum sollte man die Oma auf der Wolke nicht besuchen dürfen? Es gibt doch Hubschrauber und Flugzeuge! Warum müssen wir die Oma überhaupt verbuddeln? Wie soll sie denn von unter der Erde nach da oben auf die Wolke gelangen? Nicht wenige Eltern dürften sich angesichts all dieser und weiterer Fragen in einem Wurzelgeflecht mystischer Erläuterungsversuche verfangen haben, die am Ende weitaus esoterischer geworden sind als man sich das anfangs vorgestellt hatte. Und warum tun wir so etwas? Vielleicht, weil uns der Tod selbst soviel Angst macht? Weil wir unseren Kindern die schreckliche Wahrheit "ersparen" wollen, dass wir alle einmal sterben wollen. Alle. Mama, Papa, die Geschwister, die Freunde, die Haustiere, manche sogar nach einem gar nicht mal soooo langen Leben, gemeinerweise? Aber was genau ersparen wir unseren Kindern eigentlich damit, wenn wir ihnen das vorenthalten? Was, wenn nicht die Chance darauf, eines Tages einen wirklich guten Umgang mit dem Tod pflegen zu können - und nicht in diese schwerfällige Hilflosigkeit zu verfallen, die unseren elterlichen Umgang mit dem Thema auszeichnet?



Genau an dieser Leerstelle möchte Ralph Caspers ansetzen. Das ist gut so. Es gibt jedoch zwei Passagen, mit denen ich nicht so ganz einverstanden bin. Wenn es zum Beispiel um die in einem Trauerprozess immer mal wieder auftauchenden Schuldfragen geht, steht dort im ersten Teil des Buches nur ein sehr kurzer Absatz, der es im Wesentlichen bei einem "Nein, natürlich bist Du nicht schuld" belässt. Das ist natürlich richtig, allerdings geht es bei Schuldgefühlen ja oft um etwas ganz anderes - nämlich um die eigentlich wohltuende Illusion, der enormen Ohnmacht dem Ereignis des Todes gegenüber doch noch etwas entgegensetzen zu können. Deswegen wird in der Qualifizierung zum Tauerbegleiter grundsätzlich empfohlen, Schuldgefühle nicht einfach so vom Tisch zu wischen. Zwar gibt es weiter hinten im dritten Teil des Buches einen vertiefenden Abschnitt zum Thema Schuld, der all diesen Erkenntnissen gerechter wird - aber dass ein so großes Thema in zwei verschiedenen Sektionen etwas unterschiedlich behandelt wird, gehört zu den Schwachstellen des Buches, was mein zweiter Kritikpunkt wäre. 


Aktueller Stand der Forschung: Gibt es Trauerphasen?


An anderen Stellen wiederum gibt es einen eindrucksvollen Einblick in viel aktuelles Wissen, zum Beispiel was die verschiedenen Trauerphasen angeht, bei denen ich zwar die Ideen des Dualen Prozessmodells vermisst habe, die ich kürzlich hier vorgestellt habe - mich aber andererseits gefreut habe, dass die Traueraufgaben nach William Worden dort auftauchen (ebenfalls schon hier vorgestellt). Kurzum: Es ist ein wertvolles Buch, das viel sinnvolle Hilfe anbieten kann. Von mir gibt es eine Rundum-Kauf-und-Lese-Empfehlung dafür. Und die Oma darf dann auch runter von der Wolke - weil es niemals grausam ist, den Kindern die Wahrheit anzubieten. Solange man es kindgerecht tut. Danke, Ralph Caspers!


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