Montag, 17. April 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #April 2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 4

 

 

"Leid ist ein menschlicher Zustand, kein medizinischer. (...) Leidtragende sind nicht deprimiert, sondern nur gebührend, angemessen, mathematisch genau traurig - es tut exakt so weh, wie es die Sache verdient."

Julian Barnes, Lebensstufen

(btb, München, 2014, Seite 88)


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Montag, 27. März 2023

Ein neuer Raum und neue Gesprächsmöglichkeiten: Warum ich meine Trauerbegleitung in Osnabrück jetzt auch im so genannten Leisen Speicher anbieten darf - und gleichzeitig weiterhin meine Angebote für gemeinsame Trauerspaziergänge aufrechterhalte


(Alle Fotos: Thomas Achenbach)


Osnabrück - Seit geraumer Zeit darf ich meine Einzelbegleitungen in einem neuen Raum in Osnabrück anbieten - einen Raum, der sich bereits verändert hat, aber immer noch eine wundervolle Atmosphäre bietet: Gelegen im so genannten Leisen Speicher, einem Gebäude, in dem sich allerlei Kreative, Grafikerinnen, Coaches und andere Selbstständige versammelt haben, ist es ein Ort, der perfekt geeignet ist für Begleitungen. Wir sind unter uns, umgeben von Backstein und Beton, in einer postindustriellen, inspirierenden Atmosphäre. Und schön eingerichtet ist er auch, das liegt aber nicht an mir....



Denn ich darf den Luxus genießen, als Untermieter einen Raum mitnutzen zu können, der bereits eingerichtet ist. Aktuell von Dagmar Paschen, die dort Coachings und Yoga anbietet. Behaglich und anregend, angenehm und schlicht, kommt diese Einrichtung unser beider Angebote zunutze. Damit ist es mir möglich, meine Einzelbegleitungen von dem zuvor genutzten Raum in unserem Haus in eine neue Umgebung zu verlagern, was aus verschiedenen Gründen dringend nötig war.



Denn die Coronapandemie hatte zuvor die Verhältnisse bei uns langfristig auf den Kopf gestellt und das Durchführen von Begleitungen an alter Stelle unmöglich gemacht. Das war während der Pandemie nicht weiter tragisch, weil ich meine Begleitungen einfach in Form von Spaziergängen nach draußen verlagert hatte (ein Setting, das ich nach wie vor nutze und das auch nach wie vor gerne angenommen wird), aber nicht für alle Klienten waren Spaziergänge gut geeignet, wie sich im vergangenen Jahr gezeigt hat.   



Und als der noch recht warme November 2022 zu Ende ging und ein Winter mit einigen bitterkalten Tagen einzog, wurde die Frage nach einer neuen Behausung für meine Trauerbegleitungen umso dringlicher. Mit dem neuen Raum gibt es nun wieder die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, wenn es draußen arg ungemütlich ist oder wenn einem Gast mehr danach ist, in einem Raum zu sein statt sich draußen in gemeinsamer Bewegung zu unterhalten. Was übrigens gar nicht immer der Fall ist, denn viele schätzen das gemeinsame Unterwegssein.    



So oder so: Ob gehend oder sitzend, ob im Leisen Speicher oder im Freien, kann ich nun Trauerbegleitung in Osnabrück dort anbieten, wo es für alle gut passt. Darüber freue ich mich sehr. Zumal der neue Raum einen weiteren unschlagbaren Vorteil mit sich bringt, den ich vorher noch nicht hatte: Dass mein Telefon nicht dort steht und ein Anruf mitten in eine Begleitung hineinplatzen kann. 



Und auch sonst ist der Leise Speicher übrigens ein faszinierender Ort: Gebaut im Jahre 1938 als eine Lagerstätte für die "Heeresverpflegung", ist der Bau einer von noch zwei großen Speichergebäuden, von denen es ursprünglich einmal fünf gegeben hat. Hier wurde während des Krieges Getreide gespeichert, aus dem Brot für die Soldaten gebacken werden konnte. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Gebäude durch die britische Armee genutzt, jedoch wurden mehrere der Speicher abgerissen. Die noch verbleibenden zwei werden seit wenigen Jahren kreativ genutzt: Einmal als Leiser Speicher für alle, die in Ruhe arbeiten oder beraten wollen, und als Lauter Speicher im Gebäude daneben, in dem Bands und Musiker ihre Proberäume finden oder ausgebildet werden. Sportangebote unter dem Dach gibt es auch, zudem ein Café. Sehenswert zudem der nahe Hafen und die frisch aufgebaute Containerstation mit zwei Kränen, die so auch im Hamburger Hafen zu finden sein könnten



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Montag, 6. März 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #März2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 3

   

"In der Trauer fühlst du die Abwesenheit eines bestimmten Lebens, nicht des Lebens an sich. In der Depression ist das anders: Du fühlst dich vom Leben abgeschnitten."

 

K. R. Jamison, Nothing was the same

(zitiert nach Heidi Müller/Hildegard Willmann, "Trauerforschung",
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2020, Seite 56)


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Dienstag, 7. Februar 2023

Wie aus Trauer Liebe und Dankbarkeit wird - warum sich das Buch meiner Kollegin Iris Willecke lohnt und welche Anregungen es für die Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise bereithält - eine Buchempfehlung für Trauernde (Buchtipp für Menschen in einer Krise)

Osnabrück - Erstmal das Wichtigste: Selbst wenn Dir das Schreiben nicht liegt; selbst wenn Du keinen der in diesem Ratgeber genannten Impulse in die Tat umsetzen möchtest, kann Dir dieses Buch in einem akuten Trauerprozess eine gute Hilfe sein. Obwohl der Titel und der Inhalt das nicht vermuten lassen. Aber lass mich erstmal erläutern, worum es hier überhaupt geht: Die Trauerbegleiterin Iris Willecke hat vor einigen Monaten ein Buch veröffentlicht: „Wie aus Trauer Liebe und Dankbarkeit wird“ heißt es - und worum es geht, verrät der Untertitel: "Schreibimpulse für einen bewussten Weg durch die Trauer." Frei nach dem Motto: Schreib es Dir von der Seele, wenn Du nicht drüber sprechen kannst. Es ist dieses bewusste Wahrnehmen, das das Buch auch außerhalb vom Schreiben empfehlenswert macht - aber nicht nur das.

Denn Iris Willecke hat auch zahlreiche Zitate gefunden, die alleine schon einen Schatz an hilfreichen Sätzen und Impulsen darstellen. Außerdem gibt Iris Willecke ihren Lesern immer wieder die Erlaubnis, so sein zu dürfen, wie sie jetzt sind. 

Zum Beispiel, indem sie sie zum bewussten Jammern einlädt, einer meiner Lieblingstipps aus ihrem Buch: "Geben Sie sich zum 'Baden in Selbstmitleid' maximal 15 Minuten Zeit", rät sie. Als Schreibübung kann dieses Jammern beginnen mit dem Satz "Es tut mir so leid für mich, dass"... Um dann den Fokus umzudrehen, indem sie dazu anregt, auch für den gestorbenen Menschen eine Jammerliste anzulegen: "Es tut mir so leid für Dich, das..." Ich glaube, dass das eine kraftvolle Übung sein kann, die gut tun kann. Ein weiterer Lieblingstipp von mir findet sich im Kapitel über Schuldfragen.


(Alle Fotos: Thomas Achenbach)


Das ist immer wieder ein großes Thema in vielen Trauerprozessen. Denn die Fragen nach der Schuld können sehr quälend werden, viele Menschen sind in ihrem Trauerprozess tage- wie auch nächtelang mit Grübeleien darüber befasst. Iris Willecke bietet hierzu eine Metaebene an, die hilfreich sein kann: Indem man sich vorstellt, ein Staatsanwalt und ein Verteidiger würden über den konkreten "Schuldfall" sprechen - auch wenn sie das in Wahrheit gar nicht dürften, was Iris Willecke unumwunden einräumt -. Nun versucht jeder den anderen zu überzeugen, einerseits von der tatsächlichen Schuld, andererseits von der Nicht-Schuld. Auch das kann, so glaube ich, eine hilfreiche Übung werden. Wenn man sich darauf einlassen kann, versteht sich.

Aber welche Erfahrungen hat Iris Willecke selbst mit solchen Schreibangeboten gemacht, was funktioniert in Trauergruppen besonders gut, was erleben die Betroffenen als hilfreich? Ich hatte die Chance, Iris ein paar Fragen zu ihrem Buch zuschicken zu können, die sie freundlicherweise für mich beantwortet hat:



Hast Du die Schreibübungen auch schon in Begleitungen (Gruppen/Einzel) erproben können?

Iris Willecke: Ich gebe Schreibimpulse gerne Trauernden als Idee für zuhause an die Hand. Manche probieren es aus und berichten mir dann beim nächsten Mal von ihren Erfahrungen, einige bringen ihre Texte sogar mit. Gelegentlich baue ich kurze Schreibeinheiten in meine Trauergruppenabende ein, das ist aber eher die Ausnahme.

Gibt es eine Übung, die besonders gut ankommt?

Iris Willecke: Viele Trauernde freuen sich über die Möglichkeit, Ihren Verstorbenen Briefe und Botschaften schreiben zu können. Einige berichten, dass sie zwar schon ganz am Anfang einen Abschiedsbrief geschrieben und dem Verstorben mitgegeben haben, sie aber nicht von allein auf den Gedanken gekommen wären, dass es nicht bei diesem einen bleiben muss. Die Beziehung zum Verstorbenen darf ja bestehen bleiben und Kommunikation gehört zu einer Beziehung dazu. Dem Verstorbenen etwas zu schreiben ist eine Form der Kommunikation.Manche Trauernde brauchen aber erst eine Art Erlaubnis und Ermutigung dazu, denn sie haben leider die irrige Vorstellung, dass es seltsam und falsch wäre, wenn sie weiterhin die Verbindung zum Verstorben halten. 

Hast Du eine Schreibübung, von der Du sagen würdest, dass es Deine Lieblingsübung ist?



Iris Willecke: Nein, eigentlich nicht. Ich mag aber mittlerweile Elfchen (Gedichte aus 11 Wörtern) sehr, denn ich habe herausgefunden, dass die vorgegebene, feste Struktur vielen den Zugang zum Gedichteschreiben erleichtert. In einer Trauergruppe bekamen die Teilnehmer mal die freiwillige Hausaufgabe, ein Elfchen zum Thema Verbundenheit zu schreiben. Eine der Teilnehmerinnen kam beim nächsten Abend mit nicht nur einem, sondern ganz vielen wunderbaren Kurzgedichten wieder, die sie uns vorgelesen hat und die bei mir Gänsehautmomente erzeugt haben. Für sie war es zu dem Zeitpunkt offenbar genau die richtige Aufgabe gewesen.

Ist in der Zwischenzeit vielleicht sogar eine Übung dazugekommen, die noch nicht ins Buch konnte?

Iris Willecke: Mir fallen in Gesprächen manchmal spontan Schreibthemen und „Übungen“ ein, die ich dann auch direkt vorschlage. Davon ist mir bisher aber keine in bleibender Erinnerung geblieben.

Iris Willecke ist übrigens gelernte Krankenschwester und hat unter anderem in einem Hospiz gearbeitet. Inzwischen ist sie als freiberufliche  Trauerbegleiterin unterwegs und bezeichnet sich selbst als "Traueraktivistin und ,End-Lich-Botschafterin'". Über die von ihr gestalteten speziellen Postkarten für Trauernde habe ich hier bereits ebenso berichtet wie über den von ihr propagierten "Memento Tag in Deutschland".


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen? - Impulse bei großer Unsicherheit 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die Formulierung "Mein Beileid" immer noch das Beste ist, was Du einem Menschen mit einem Verlust sagen kannst

Ebenfalls auf diesem Blog: Neue Serie - Das Trauer-Zitat des Monats - Auftakt und Folge 1 aus dem Januar 2023

Ebenfalls auf diesem Blog: Eine wichtige Frage: Wie lange kann Trauer dauern? Das Trauer-Zitat des Monats aus dem Februar 2023 

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Mittwoch, 1. Februar 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Februar2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 2



"Die Leute fragen mich oft: Wie lange werde ich trauern? (...)  Meine Antwort auf die Frage ist: Wie groß war deine Liebe? Denn genau darin liegt die Antwort." 
    

Patrick O'Mealy

Psychotherapeut und verwaister Vater


(zitiert nach: ARD Alpha, "Trauern ist ein Zeichen von Liebe", Yvonne Maier, 2022)


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Sonntag, 22. Januar 2023

"Macht es die Hinterbliebenen nicht noch trauriger, wenn wir sie auf ihren Verlust ansprechen?" - warum diese Frage immer wieder ein wichtiges Thema im Alltag ist und wieviel Verständnis auch die Nicht-Betroffenen in ihrer Unsicherheit brauchen - Tagebuchnotizen aus meinem Trauerbegleiterleben, Januar 2023

Ein guter Freund berichtet beim gemeinsamen Abendessen von einer jungen Familie, die er gut kennt und deren Kind kurz nach der Geburt gestorben ist. Und von seiner eigenen Hilflosigkeit angesichts dieses Prozesses. Und wie so oft steht die Frage im Raum: Sollten wir den Verlust denn überhaupt ansprechen, macht das die Betroffenen nicht noch trauriger als sie ohnehin schon sind? Das ist eine wichtige Frage, die mit gutem Recht immer wieder aufs Neue besprochen sein will. Für mich ist es außerdem ein neuerliches Anzeichen dafür, wie wichtig es sein kann, dass es "Traueraktivisten" gibt (das Wort prägte eine gute Kollegin), die diese Themen immer wieder in die Gesellschaft tragen und für ein gegenseitiges Verständnis werben. 

Denn das ist so wichtig, finde ich: Verständnis für beide Seiten aufzubringen, eben auch für diejenigen, die nicht akut von dem Trauerfall betroffen sind. Denn wer kann sich schon komplett freisprechen von diesen Unsicherheiten? - Also, ich gewiss nicht. Nicht im Privaten, jedenfalls, so ganz ohne professionelles Setting, trotz all meiner tagtäglichen Beschäftigung mit diesen Themen.

Darin spiegelt sich die Unsicherheit unserer Gesellschaft wieder, wie sich mit allen Themen rund um Tod, Trauer und Sterben souverän umgehen lässt. Einer Gesellschaft, die Tag für Tag zigtausend Fernsehkrimi-Unterhaltungstode aushält, aber bei einem echten Kontakt mit dem Tod immer wieder ganz ratlos davorsteht, weil ihr alle Konventionen abhanden gekommen sind. Und mir wird durch die Frage immer wieder bewusst, wie wichtig doch zwei wesentliche Botschaften und ihr stetiges Wiederholen sind - nämlich diese beiden



1.) Nein, es macht die Menschen nicht trauriger, ganz im Gegenteil. Menschen, die einen solchen Verlust erleiden mussten, sind innenraumgreifend ausgefüllt von diesem Kummer. Und das über einen sehr langen Zeitraum, dazu weiter unten gleich mehr. Den Verlust ins Wort zu bringen, ist das, was hilfreich sein kann: Jede Anerkennung dieses Verlusts und dieses Schmerzes kann eine wichtige Unterstützung für die Betroffenen in ihrem Prozess sein. Es anzusprechen, erstmal ganz sanft und vorsichtig, ist nie verkehrt. Es totzuschweigen schon eher, auch wenn ich gut verstehen kann, wie groß die Unsicherheit bei allen Nicht-Betroffenen ist. Deswegen als Ermutigung: Das Wichtigste (und das Einfachste), was du tun kannst, ist, den Menschen mit ihrem Verlust einfach zuzuhören. Nur zuhören, auch wenn sie sich vielleicht oft wiederholen. Und, nein, du brauchst selbst nichts dazu sagen. Gar nichts, wirklich. Stell Fragen. Das reicht. Ehrlich. Du machst ihnen ein großes Geschenk (und sehr viel mehr machen wir in der Trauerbegleitung auch nicht, ehrlicherweise, nur halt aus einer verinnerlichten Haltung heraus).  

2.) Die Betroffenen haben mit ihrem Trauerfall lebenslänglich. Ein solcher Schmerz bleibt nicht nur über Wochen oder Monate, auch seine Intensität nimmt nicht allzu bald ab. Ein solcher Schmerz bleibt über Jahre, mehrere, viele, von denen die ersten zwei oder drei oft besonders hart sein können. Ich denke da an verwaiste Eltern - Mütter wie Väter -, die mir so etwas gesagt haben wie: "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an mein gestorbenes Kind denke" - auch noch Jahrzehnte nach dem Ereignis. Die Wunde mag irgendwann vernarben, aber die Narbe bleibt dick und fett in der Seele kleben und reißt immer mal wieder auf. In all diesen Jahren brauchen die Hinterbliebenen Freunde, die treu sein können, auch wenn das für die Freunde selbst hart werden kann. Aber das ist es, worum es geht: Es geht ums Aushalten. Das ist so wichtig.

Übrigens, was "Traueraktivisten" angeht, eine Notiz noch dazu:

 



Das Wort gefällt mir immer besser. Geprägt hat es meine Kollegin Iris Willecke. Ich finde es super. Klar, eine gewisse Nähe zu den Themen Klima und Klebstoff ist nicht von der Hand zu weisen. Ebenso wie der Vorwurf, auf eine terroristische Art und Weise etwas brutal in die Gesellschaft zu tragen, das vielen missfällt. Trauerterrorist, das passt genausogut. Trauer ist oft auch Terror. Für die Hinterbliebenen vor allem



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Ebenfalls auf diesem Blog: Die Irrungen und Wirrungen der Bestattungsgesetze in Deutschland - das Dilemma beginnt direkt vor meiner Haustür 

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Ebenfalls auf diesem Blog: Weil Trauernde nicht die Konzentration für lange Texte haben und weil es manchmal kurze Erläuterungen sein müssen 

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Trick mit der Selbstwirksamkeit - wie wir uns selbst gut in seelischen Krisen helfen können: psychologische Tipps

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum sich Trauernde förmlich zerrissen fühlen  - eine Einführung in das "Duale Prozessmodell der Trauer" und seine Fallstricke

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Sonntag, 1. Januar 2023

Das Trauer-Zitat des Monats - #Januar 2023 - bemerkenswerte Sätze über Trauer, Tod und Sterben aus Literatur, Interviews und Zeitschriften, Teil 1

 


"Menschen, die vor kurzem jemanden verloren haben, zeigen einen bestimmen Ausdruck, wahrscheinlich nur für diejenigen wahrnehmbar, die diesen Ausdruck schon auf ihren eigenen Gesichtern gesehen haben. (...) Es ist ein Ausdruck extremer Verletzlichkeit, Nacktheit, alles ist sichtbar."

Joan Didion, Das Jahr magischen Denkens

(List-Verlag, Berlin, 2008/2017, Seite 84)


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