Mittwoch, 22. April 2020

Warum die Bremer Messe "Leben und Tod" im Jahr 2020 jetzt doch stattfinden wird (und wie) - kostenlos und mit über 80 geplanten Angeboten auf einer eigenen Website als digitale Version - was Meike Wengler und ihr Team alles planen und am 8./9. Mai 2020 anbieten wollen

Bremen - Hatte es vor kurzem noch geheißen, die für den 8. und 9. Mai geplante Bremer Messe "Leben und Tod" müsse komplett abgesagt werden, so haben sich jetzt Meike Wengler und ihr Team doch noch etwas einfallen lassen, wie eine alternative Messeversion trotzdem stattfinden kann. Die "Leben und Tod" zieht um - ins Internet. "Es ist ein Pilotprojekt", wird Projektleiterin Meike Wengler in einer Mitteilung der Bremer Messe zitiert. Aber die Zahlen zeigen schon jetzt: es könnte ein großes Ereignis werden. Ich werde übrigens auch dabei sein und meine für Bremen geplante Vortragslesung zum Thema Männer und Trauer ebenfalls im Internet anbieten. Damit bin ich aber nicht alleine.

So haben sich der Mitteilung zufolge bereits mehr als 80 Angebote wie Podcasts, Videos und Blog-Beiträge zusammengefunden, die an den beiden Messetagen kostenlos abrufbar sein sollen (Stand: Ende April 2020). Das Angebot beschreiben die Messeveranstalter als "vielfältig und lebensbejahend". Dabei ist unter anderem Musik von Rolf Zuckowski oder Silke Aichhorn, außerdem soll es Autorenlesungen sowie Mitmachangebote wie ein Online-Yoga oder ein gemeinsames Singen geben, heißt es. Zusätzlich bieten Experten allerlei Tipps, zum Beispiel wie Hinterbliebene Verstorbenen – gerade in Zeiten von Corona – nah sein können, ohne sie noch einmal zu sehen.


Fragen wie diese werden in Coronazeiten nochmal dringlicher... (Alle Fotos: Thomas Achenbach)

Für die digitale Version der Messe werden die Verantwortlichen noch eine eigene neue Internetadresse einrichten (unter www.leben-und-tod-vernetzt.de). Die Teilnahme ist dann, anders als bei der physikalischen Messe, für alle kostenfrei. "In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Veranstaltungsverboten möchten wir den Menschen mehr denn je Mut machen, Hoffnung geben und einen Raum für Begegnungen schaffen - nun zum ersten Mal virtuell", wird Meike Wengler in der Mitteilung weiter zitiert. Außerdem planen die Organisatoren den Angaben zufolge noch weitere exklusive Angebote.



So soll es an den Messetagen auch ein Liveprogramm mit Moderatorin Raphaela Dell und Meike Wengler geben. Per Videokonferenz werden sie unter anderem Expertengespräche mit dem Gynäkologen und Onkologen Professor Jalid Sehouli von der Berliner Charité, mit Chris Paul vom Trauerinstitut Deutschland und mit dem Bestatter Eric Wrede führen. All diese Inhalte sollen am Freitag, 8. Mai, und Samstag, 9. Mai, online und vor allem kostenlos zur Verfügung zu stehen. Was meine Vortragslesung angeht, sogar noch länger.



Mein Plan jedenfalls ist, als Beitrag zur digitalen Version der "Leben und Tod" für meinen Podcast zwei neue Lesungen einzusprechen und um kurze Moderationen bzw. Vortragsbestandteile zu ergänzen - eine aus meinem Buch "Männer trauern anders" und eine aus meinem neuen Buch "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen", beides frisch und exklusiv für die Messe neu produziert. Beide Lesungen sollen pünktlich zum Messetermin online hochgeladen sein und werden dann auch über die digitale Messeversion angeboten. Außerdem plane ich eine Best-Of-Sammlung all meiner Messeberichte aus den vergangenen Jahren, die auf diesem Blog erscheinen wird, ebenfalls rund um den Messetermin am 8./9. Mai. Wobei man in diesen Zeiten ja vorsichtigerweise ergänzen muss: Das sind Pläne und sie werden auch Realität werden, immer vorausgesetzt, ich bleibe gesund.

Freiburg bleibt physikalisch - vorerst


Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Veranstalter mehr als 5000 Gäste diese deutschlandweit einzigartige Messe rund um die Themen Trauer, Tod und Sterben besucht. Die Zielgruppe der Veranstaltung sind nicht nur Fachleute aus der Hospiz- und Palliativarbeit, Trauerbegleitung, Bestattungskultur, Seelsorge und Kirche, sondern auch unmittelbar von diesen Themen Betroffene. Die für den 23. und 24. Oktober in Freiburg geplante erste Exportmesse jenseits des von Bremen aus bei Frankfurt liegenden "Weißwurstäquators" soll übrigens nach aktuellen Planungen als tatsächliche, nicht digitale Messe stattfinden. Sofern dies dann wieder möglich sein wird. Und falls nicht, wird das Veranstalterteam sicher auf neue gute Erfahrungen mit digitalen Lösungen zurückblicken können.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de


Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 


-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Den Blog zum Anhören als Podcast - bitte hier klicken für die aktuelle Episode aus dem Trauer-ist-Leben-Podcast...

Im Trauer-ist-Leben-Podcast zu finden: Warum eine bayerische Behörde mit einer bislang einmaligen Initiative zum Vorreiter in Sachen Trauerkultur wird - ein Interview

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 


Ebenfalls auf diesem Blog: Warum das Sterben in Deutschland seit Januar 2020 nochmal deutlich teurer geworden ist - Die so genannte Leichenschau steht in der Kritik


Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Mittwoch, 15. April 2020

Was Chefs und Führungskräften helfen kann, wenn sie Trauergespräche führen müssen (auch per Videochat o.ä.) - neu zum Anhören und als Ersatz für ausfallende Lesungen: Ich stelle ein Kapitel aus meinem Buch "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" aus dem Campus-Verlag vor (und lese auch ein bisschen was aus dem Buch meiner Frau)

Osnabrück - Was kann Chefs, Teamleitern und Führungskräften helfen, wenn sie mit Mitarbeitern in einer Trauersituation sprechen wollen (oder: es müssen) - auch und gerade, wenn es sich dabei wegen der Coronakrise um ein Gespräch handelt, das nur per Telefon oder Videochat stattfinden kann? Das ist nur eines von vielen Themen, die in meinem Buch "Mitarbeiter in Ausnahmesituaionen" eine Rolle spielen. Und weil wegen der Coronakrise eine Reihe an Veranstaltungen ausfallen werden, bei denen ich das Buch - und dieses Thema - eigentlich hatte vorstellen wollen, habe ich mich für ein alternatives Angebot entschieden: Ich lese ein Kapitel daraus in meinem Podcast vor. Und als Zuckerl obendrauf lese ich auch etwas aus dem neuen Roman meiner Frau. 

Für alle, die z. B. bei der digitalen Buchpremiere Mitte April nicht dabei sein konnten oder für alle, die das Thema einfach interessiert, gibt es unter diesem Link die Lesung zu finden. Es war Mitte März 2020, dass diese beiden Bücher - das meiner Frau und mein neues - herausgekommen sind, fast zeitgleich übrigens. Und was ebenfalls zeitgleich nach Deutschland kam, waren das Coronavirus und das Chaos. Ich war gerade noch aus Wien zurückgekommen, wo ich Anfang März einen Vortrag über Männer und Trauer auf der Trauer- und Hospiz-Messe "Seelenfrieden" hatte halten dürfen, dann war überall Stillstand. Alle sind zuhause. Also ist Vorlesen doch eine ganz gute Alternative, oder? 

(Foto: Merle Achenbach)

Meine Frau Cornelia Achenbach hat den Generationenroman "Darüber reden wir später" im Wunderraum-Verlag (gehört zu Random-House) veröffentlicht. Den hatte sie eigentlich auf der Leipziger Buchmesse in Form einer ersten Lesung als Debütautorin vorstellen wollen. Aber die war ja mit einer der ersten Veranstaltungen, die abgesagt worden sind. Und was mein Buch angeht, so richtet es sich vor allem an Führungskräfte, Personalverantwortliche und Betriebsräte. Bei all diesen Personen ist ebenso klar wie nachvollziehbar: Die haben gerade eine Menge anderer Dinge zu tun als ein Buch zu lesen... Personalausfälle, Kurzarbeit, Quarantänemitarbeiter, schon der Wahnsinn, wie sehr sich unser aller Leben binnen weniger Wochen so radikal verändern konnte. Aber jetzt ist all das unser neuer Alltag geworden und wir werden es - einfach aushalten müssen.

Link zur Doppel-Lesung in meinem Podcast: Bitte hier klicken.


---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum das Sterben in Deutschland seit Januar 2020 nochmal deutlich teurer geworden ist - Die so genannte Leichenschau steht in der Kritik

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde in einer Verlustkrise alles so tun und warum einem das nicht peinlich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Mittwoch, 8. April 2020

Warum meine für Mittwoch, den 15. 4. 2020 geplante Buchpremiere mit der IHK Osnabrück jetzt doch noch angeboten werden kann (und wie) - und was die dpa über einen hilfreichen Umgang mit trauernden Kollegen und Mitarbeitern geschrieben hat #Newsletter April 2020

Osnabrück - Nein, eine Lesung von Mensch zu Mensch in einem echten Saal mit echten Publikum wird angesichts der nach wie vor geltenden Corona-Beschränkungen nicht möglich sein. Und dennoch hat die IHK der Region Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim eine Möglichkeit gefunden, wie die gemeinsam für Mittwoch, den 15. April stattfinden kann. Parallel dazu hat die Deutsche Presse-Agentur in ihrem Themendienst dpa tmn einen Artikel darüber veröffentlicht, wie sich Kollegen und Mitarbeiter in Trauer gut unterstützen lassen - ich durfte hierbei als ein Ansprechpartner für das Thema fungieren.

In ihrer Reihe „Wirtschaftsbücher!“ stellt die IHK in Osnabrück in loser Folge regionale Autorinnen und Autoren vor. So soll das auch am 15. April 2020 geschehen (Beginn: 18.30 Uhr), wenn ich als Bestandteil dieser Serie mein neues Buch „Mitarbeiter in Ausnahmesituationen: Trauer, Pflege, Krise“ vorstellen darf. Im März 2020 im Campus-Verlag erschienen, befasst sich das Buch damit, wie persönlichen Problemsituationen am Arbeitsplatz angemessen begegnet werden kann. Doch statt im großen IHK-Saal vor echtem Publikum - wie ursprünglich geplant -, wird die Vortragslesung jetzt anders organisiert, Corona macht es nötig.

Was im realen Kontakt nicht geht, wird jetzt digital angeboten (alle Fotos: Thomas Achenbach).


Und zwar soll die Lesung über eine leicht zugängliche Videoplattform angeboten werden, wie die IHK es in ihrer aktuellen Pressemitteilung schreibt. Interessierte melden sich dafür per Mail an bei Frau Dr. Beate Bößl von der IHK Osnabrück über die Mailadresse boessl@osnabrueck.ihk.de und erhalten dann die Zugangsdaten per Mail.  

Um das Thema Trauer am Arbeitsplatz geht es übrigens auch in einem Artikel, den die Deutsche Presseagentur durch ihren Themendienst dpa-tmn aktuell an viele Medien geschickt hat und für den ich als einer von zwei Ansprechpartnern ein paar O-Töne und Impulse beisteuern durfte. Die dpa hat daraus ein lesenswertes und hilfreiches Stück zusammengewebt. Unter der Überschrift "Trauernde Kollegen begleiten" ist der Text beispielsweise in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht worden und unter diesem Link noch weiterhin abrufbar.


Sobald die Buchpremiere bei der IHK gelaufen ist, werde ich übrigens eine eigene Lesung aus meinem neuen Buch (sowie aus dem neuen Roman meiner Frau, deren Lesung ja ebenfalls ausgefallen ist) in meinem eigenen Podcast veröffentlichen, für alle, die nicht haben dabei sein können. In der Zwischenzeit sei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, dass es in meinem Podcast ein Interview über die erste Betriebsvereinbarung bzw. Dienstvereinbarung zum Thema Trauer im Arbeitsleben zu hören gibt: Warum eine bayerische Behörde mit einer bislang einmaligen Initiative zum Vorreiter in Sachen Trauerkultur wird - hier der Link zum Interview...

Soviel für heute - allen Leserinnen und Lesern ein gutes Osterfest und herzliche Grüße - und nicht vergessen: Erst kommt das Leiden in Form des Karfreitags als dem Tag der Klage und der Trauer, bevor die fröhlicheren Themen Einzug halten können (und die Eier und Osterhasen).... 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Podcast zu diesem Blog: Warum eine bayerische Behörde mit einer bislang einmaligen Initiative zum Vorreiter in Sachen Trauerkultur wird - ein Interview

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum das Sterben in Deutschland seit Januar 2020 nochmal deutlich teurer geworden ist - Die so genannte Leichenschau steht in der Kritik

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Donnerstag, 2. April 2020

Hier ist noch eine gute Nachricht, die in der Coronakrise nicht untergehen darf: In England gilt seit dem 1. April 2020 ein neues Gesetz, das verwaisten Eltern bezahlte Auszeiten ermöglicht - eine bahnbrechende Initiative und weltweit einmalig (eine aktuelle Ergänzung zum Thema Trauer am Arbeitsplatz)

Osnabrück/London - Ausgerechnet England, ausgerechnet das Thema Tod und Trauer. Das hat aktuell in der Coronakrise natürlich alles einen ganz besonderen Tiefgang. Und doch haben auch die Engländer diese ganze Coronakrise nicht kommen sehen, als sie dieses bahnbrechende Gesetz geschaffen haben. Denn das Thema Trauer am Arbeitsplatz bzw. Trauer im Berufsleben ist jetzt auch international zu einem ganz aktuellen Thema geworden. So hat mich meine Münchner Trauerbegleiterkollegin Franziska Offermann auf diese wichtige Entwicklung aufmerksam gemacht: In England dürfen berufstätige Eltern, die ein Kind verloren haben, seit dem 1. April 2020 zwei Wochen lang einen bezahlten Sonderurlaub nehmen - einen Trauerurlaub. Das dürfte weltweit bislang einmalig sein, sagt dazu die Regierung Großbritanniens in einem vor der Coronakrise verfassten Statement. 

Es ist eine von mehreren Entwicklungen, die sich parallel zum Erscheinen meines Buches "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise" ergeben haben und die in einer eventuellen Neuauflage dieses Buches - irgendwann, nach Corona! - sicher ebenfalls Erwähnung finden müssen. Die neuen Regeln in England werden für berufstätige Eltern gelten, die um ein Kind trauern (und auch in England gilt: Ab 18 Jahren ist ein Mensch erwachsen, also dann offiziell kein "Kind" mehr, sprich das Gesetz gilt für Eltern von Unter-18-Jährigen). Dabei ist unerheblich, ob es sich um ein leibliches Kind handelt oder um ein Pflege- oder Adoptivkind. Und im Falle einer Sternenkind- bzw. einer stille Geburt gilt: ab der 24. Schwangerschaftswoche haben die Eltern Anspruch auf diese Regeln. 


(Foto: Pixabay.de, Creative-Common-0-Lizenz)

In mehreren Artikeln über dieses Thema, unter anderem von der Wochenzeitung "Die Zeit", lässt sich das folgende Zitat der britischen Wirtschaftsministerin Andrea Leadsom dazu finden: "Es kann kaum schlimmere Erfahrungen im Leben geben als den Verlust eines Kindes, und ich bin stolz darauf, dass diese Regierung das Jack's Law verabschiedet". Das ist übrigens noch eine Sache, die dieses Gesetz zu etwas ganz Besonderem machen: Es trägt - ihm und seinen Eltern zu Ehren - den Namen eines gestorbenen Kindes. 


Jack ertrank im Teich - Papa musste zur Arbeit


Der kleine Jack war 23 Monate alt, als er durch ein tragisches Unglück im Garten seiner Eltern in einen Teich gefallen und durch Ertrinken gestorben war. Dies geschah bereits im Jahr 2010. Was Jacks Mutter - Lucy Herd - damals besonders aufgeregt: Dass ihr Mann, also Jacks Papa, nach der Tragödie nur drei arbeitsfreie Tage zustanden. Das muss sich ändern, schwor sich die frisch verwaiste Mama - und machte sich an die Arbeit. Jetzt, zehn Jahre später, wird diese von einem großen Erfolg gekrönt: Vom Jack's Law.

Tiefe Schnitte in Herz und Seele - Verlust eines Kindes (Symbolfoto: Thomas Achenbach)

Eltern dürfen den neuen Regeln zufolge selbst entscheiden, ob sie die zwei Wochen im Block nehmen wollen oder sie sie in zwei Einzelwochen aufteilen wollen, die sie je nach Bedarf verteilen können. Außerdem ist es unerheblich, wie lange die Eltern bei ihrem Arbeitgeber tätig sind - ob erst wenige Tage oder schon mehrere Jahre, wie die britische Regierung auf ihrer eigenen Website schreibt (gov.uk). Eine sehr wegweisende Entwicklung. Nun müsste es verstärkt darum gehen, dass dem Tabuthema "Tod eines Kindes" das Stigma genommen werden muss, so wird Clea Harmer, die Geschäftsführerin eines Wohltätigkeitsvereins für Eltern totgeborener Kinder, in einem Beitrag der BBC zitiert (den es jedoch nur auf Englisch gibt, ich habe mir die Freiheit genommen, die Passage selbst zu übersetzen). Denn auch in England gehört dieses Thema zu einem der am liebsten ignorierten oder, man verzeihe mir den in diesem Kontext makabren Begriff: totgeschwiegenen. Dabei gibt es den Angaben der britischen Regierung zufolge um die 7500 gestorbenen Kinder, darunter 3000 Stillgeborene, pro Jahr innerhalb der UK. 


Es tut sich viel in Sachen Trauer am Arbeitsplatz - weltweit


Weitere Praxisbeispiele, wie das Thema Trauer im Arbeitsleben derzeit in Deutschland und der ganzen Welt von Unternehmen und Institutionen gepflegt und bearbeitet wird, finden sich übrigens in meinem Buch "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise". Das Buch versteht sich als Leitfaden für Führungskräfte, Personalverantwortliche und für Betriebsräte. Die darin versammelten Beispiele zeigen, was sich in Deutschland in Sachen Trauer am Arbeitsplatz bzw. Unterstützung von pflegenden Mitarbeitern getan hat, beispielsweise aus Hamburg, dem Ruhrgebiet, Nordhorn, aber auch aus Süddeutschland. 


(Foto: Pixabay.de, Creative-Common-0-Lizenz)

Und doch hat sich, was diese Themen angeht, inzwischen schon wieder viel getan. Manche der aktuellen Entwicklungen habe ich in mein Buch gar nicht mehr mit aufnehmen können, ganz einfach aus dem Grund, weil sie noch nicht offiziell waren, als das Buch in Druck gegangen ist. Mehr zum Thema gibt es übrigens auch auf meinem Podcast, wo sich ein aktuelles Interview über die erste deutsche Betriebsvereinbarung zum Thema Trauer und Verlust am Arbeitsplatz finden lässt (bei Interesse bitte hier klicken).

Die hier zitierten Artikel zum neuen Gesetz in den UK finden sich unter den folgenden Links:

- Beitrag aus "Zeit Online" vom 23. Januar 2020 - bitte hier klicken
- Beitrag der BBC News vom 23. Januar 2020 - bitte hier klicken
- Beitrag der britischen Regierung vom 23. Januar 2020 - bitte hier klicken

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Podcast zu diesem Blog: Warum eine bayerische Behörde mit einer bislang einmaligen Initiative zum Vorreiter in Sachen Trauerkultur wird - ein Interview

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum das Sterben in Deutschland seit Januar 2020 nochmal deutlich teurer geworden ist - Die so genannte Leichenschau steht in der Kritik

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Freitag, 27. März 2020

Jetzt mal etwas anderes als Coronanachrichten - hier ist eine gute Initiative für Mitarbeiter und Angestellte in Verlustsituationen, die Mut machen und andere inspirieren kann - und es gibt ein hörenswertes Interview dazu in meinem Podcast... (der übrigens Geburtstag gehabt hat)

Osnabrück - Ein zartes Anklopfen. Hallo, liebe Leute. Habt ihr vielleicht Bock auf was anderes als Coronanachrichten? Gerade jetzt, wo wir uns alle ein bisschen an die Krise gewöhnt haben und den Ausnahmezustand immer besser als Dauerzustand akzeptieren können, würde ich gerne eine gute Nachricht verbreiten, die ich bislang eher zurückgehalten habe - aus Bammel, dass sie in all der Krisenbeschleunigung erstmal untergehen könnte. Es ist eine gute Nachricht aus einem anderen Themenkosmos - der leider ebenfalls durch die Krise mit einer bemerkenswerten neuen Dringlichkeit aufgeladen ist. Und obwohl ich weiß, dass gerade wirklich alle ihre ganz neu geschaffenen Podcasts und Live-Streams virtuell durch die Gegend ballern, geht es auch hier um einen Podcast - aber einen, der ein paar Tage vor der Krise entstanden ist. Worum genau es geht?

Es geht um das Thema "Trauer und Verluste am Arbeitsplatz" und um eine bemerkenswerte Initiative zugunsten von Angestellten und Mitarbeitern, die im gesamten deutschsprachigen Raum - vielleicht sogar europaweit, aber das ist schwer zu recherchieren - bislang einmalig sein dürfte...:


Wenn einen die Trauer umfängt, kann das beklemmend sein - auch und gerade am Arbeitsplatz (Fotos: Thomas Achenbach)

Denn das Landratsamt im bayerischen Ebersberg in der Nähe von München ist die erste Einrichtung überhaupt, die eine Betriebsvereinbarung zu diesen Themen eingeführt hat (dort heißt es: Dienstvereinbarung). Das darf man als wichtigen Meilenstein in Sachen Trauer am Arbeitsplatz bewerten. Und ganz sicher hat auch das Landratsamt in der aktuellen Krise rund um das Coronavirus - wie alle - ganz andere Sorgen und Nöte. Doch wird sich die Lage in einem solchen Amt eher wieder entspannen als in einem von zusätzlichen finanziellen Sorgen gebeutelten Unternehmen, sprich, auch die neue Dienstvereinbarung wird dort rascher wieder eine Rolle spielen können als andernorts. Zumal es zu dieser Dienstvereinbarung gehört, als Mitarbeiter eine Ansprechpartnerin bei allerlei Sorgen und Nöten rund um Verluste konsultieren zu können. Und Verluste könnte es als Folge der Krise ja leider überall geben. 


Ansprechpartnerin bei allen Themen rund um Verluste


Jutta Hommelsen ist im Landratsamt Ebersberg als Leiterin des Zentralen Sozialdiensts beschäftigt - und jetzt ist sie dort zusätzlich als Trauervertrauensperson installiert und ansprechbar zu allen Themen rund um Trauer und Verlust. Sie war es auch, die den Anstoß gegeben hatte und beim Formulieren und Gestalten der Dienstvereinbarung mitgewirkt hatte. Schon im Februar habe ich mit Jutta Hommelsen, die ich persönlich schon über andere Netzwerke in Sachen Trauer kennenlernen durfte, ein Interview für meinen Podcast aufnehmen dürfen, in dem sie von dieser neuen Dienstvereinbarung und dem Weg dorthin berichten konnte (hier klicken, um direkt zum Interview zu kommen)... Aber wie funktioniert genau sie, diese erste deutsche Betriebsvereinbarung zum Thema Trauer und Verlust? 

Über das und mehr unterhalten wir uns in dieser Episode meines Podcasts - der inzwischen übrigens schon seinen ersten Geburtstag feiern konnte, weil er bereits seit über einem Jahr existiert (es ist also eben kein krisengeschaffenes neues Podcastangebot).... und hier ist zum Geburtstag eine ganz persönliche "Top-3"-Auswahl meiner drei bisherigen Lieblingsfolgen aus meinem Podcast...:

Platz 3 - Zwei kurze Lesungen - aus dem Buch "Letzte Lieder" von Stefan Weiller und aus meinem Buch "Männer trauern anders..." - bitte hier klicken 

Platz 2 - Trauer am Arbeitsplatz & ein bahnbrechender Schritt - warum in Bayern Unternehmensgeschichte geschrieben wird, ein Interview - bitte hier klicken

Platz 1 - Mein Gespräch mit dem bekannten Buchautoren Pierre Stutz über Trauer allgemein und über Trauer und Spiritualität - bitte hier klicken.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum das Sterben in Deutschland seit Januar 2020 nochmal deutlich teurer geworden ist - Die so genannte Leichenschau steht in der Kritik

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde in einer Verlustkrise alles so tun und warum einem das nicht peinlich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------




Sonntag, 22. März 2020

Beerdigungen und Trauerfeiern in Zeiten der Coronakrise und der Ausgangssperren: Wenn das Coronavirus einem die Trauer zusätzlich erschwert und was sich alles tun lässt - Tipps, Anregungen und positive Beispiele - und: Was tun, wenn wir italienische Verhältnisse bekommen?

Osnabrück - Nicht wenige Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise kenne ich, die gehen jeden Tag oder zumindest jede Woche einmal zum Grab der Gestorbenen. Es tut ihnen gut, dort zu sein und es ist ein wichtiges Ritual für sie. Wenn uns jetzt in Zeiten der Coronakrise wegen Ausgangssperren wie in Bayern oder wegen gesperrter Friedhöfe auch der Gang zum Grab verwehrt bleibt, haben diese Menschen damit auch keinen Zugang mehr zu einem wichtigen Ritual. Sie sind nicht die einzigen, denen die Krise die Trauer erschwert - alle, die jetzt eine Trauerfeier und eine Beerdigung organisieren müssen, sehen sich mit massiven Auflagen konfrontiert. Das kostet zusätzliche Energie. Was dabei helfen kann, das beschäftigt aktuell in vielen Diskussionen das Internet, so zum Beispiel in speziellen Bestatterforen bei Facebook. Wie sollen wir umgehen mit der Trauer in Zeiten des Coronavirus? Hier ein paar Ideen, Anregungen und "Best-Practice"-Beispiele. Außerdem äußern sich Bestatter zu der Frage: Was bedeutet das Mehr-als-zwei-Menschen-Kontaktverbot für Beerdigungen?

Wenn das Grab als Trauerort nicht mehr zur Verfügung steht, dann ist es vielleicht an der Zeit, sich daheim eine eigene kleine Trauerecke einzurichten. Oder, falls es einen gibt, im eigenen Garten eine Ecke zu schaffen, die diese Funktion erfüllt. Manche der Menschen, die ich bislang begleiten durfte, haben das ohnehin getan. Die Idee dabei ist dieselbe: Es gibt einen Ort, den ich aufsuchen kann, zu dem ich mich bewusst hinbegen, den ich aber auch wieder verlassen kann. Einen Ort, an dem ich vielleicht das Gefühl habe, dem gestorbenen Menschen dort nahesein zu können. Manchen reicht es schon, diesen Ort mit einem Foto und einer Kerze zu schmücken - oder, falls es ein Platz im Garten ist, dort einen besonderen Stein hinzulegen -, manche richten sich richtige Erinnerungstischchen mit Gegenständen und Dekorationen ein. Das bleibt jedem Menschen überlassen, was dem Einen gut tut, ist dem Anderen vielleicht schon zuviel. Etwas anderes ist es natürlich mit den aktuell geplanten Trauerfeiern. 

So wünschen sich die Behörden derzeit ihre Friedhöfe: Menschenleer. Oder, besser gesagt: Lebenden-leer. Die Gestorbenen können ja gerne bleiben... (Foto: Thomas Achenbach)

Auf einer Trauerfeier wird manchmal geweint. Tränen sind Körperflüssigkeit. Wer weint, der schnäuzt sich auch. Klare Sache: Die Übertragung von Viren - zudem von so hochansteckenden wie es das Coronavirus sein soll - ist auf einer Trauerfeier noch wahrscheinlicher als in einem, formulieren wir es mal nüchtern, "trockeneren" Kontext. Kein Wunder also, dass vor allem Trauerfeiern neben allen anderen Familienfeiern besonders im Fokus der Behörden und der Sicherheitsauflagen stehen. Gottesdienste sind derzeit eh nicht mehr zugelassen, was meisten Kirchen auch zum Verbot von Trauerfeiern ausweiten. Und nachdem die Landesregierungen am Sonntag, 22. 3., das offizielle Kontaktverbot zu mehr als zwei Personen ausgesprochen hatten (das mittlerweile hier und da wieder gelockert worden ist, zumindest für Beerdigungen), war die Unsicherheit noch größer geworden - was bedeutet das für Beerdigungen? Wie mir mehrere Bestatter via Facebook in einer kleinen Umfrage mitteilten, gilt in den meisten Ländern wohl folgende Ergänzung zum Kontaktverbot (wie sie in einem Text aus NRW zu finden ist): "Zulässig sind Erd- und Urnenbestattungen sowie Totengebete im engsten Freundes- und Familienkreis". Doch wie für alle kurzfristig erlassenen Regeln in diesen Coronatagen gilt auch hier: All das kann und wird sich ständig wieder ändern und hat keinen Anspruch auf Dauergültigkeit.


Trauer und Kontaktverbot - da bleibt was auf der Strecke


Viele halten die Trauerfeier einfach am offenen Grab ab und achten auf einen großen Abstand zwischen den Teilnehmern. Und doch bleibt etwas auf der Strecke: Am Grab zu kondolieren ist nicht mehr möglich, die Menschen verziehen sich stillschweigend am Ende der Ansprachen. Es mangelt an Umarmungen, an tröstenden Gesten, am Reichen der Hände. Gefühlt mangelt es jedoch an etwas Anderem: nämlich an Menschlichkeit und Mitgefühl und an dem Wenigen, das hätte tröstend sein können.


Beim Glockengeläut sollen die Menschen aktiv werden


Eine schöne Idee, wie sich trotzdem kreativ und angenehm das Gedenken an einen frisch verstorbenen Menschen gestalten lässt, stammt aus dem österreichischen Au in der Region Vorarlberg. Ein auf Facebook weitergereichter Post aus dieser Gemeinde trägt diese Idee in die Welt: "Ein Licht für Lukas!!", ist dieser Post überschrieben. Und so geht es weiter: "Liebe Pfarrgemeinde, wir würden sehr gerne für unseren lieben Lukas Rüscher eine Lichterkette machen. Heute Abend um 20 Uhr läuten die Glocken der Pfarrkirche Au. Jeder ist eingeladen zeitgleich in seiner Parzelle am Straßenrand ein Licht aufzustellen um Ihm zum Abschied die Straßen von Au noch zu beleuchten, durch die er so gerne fuhr. Mögen ihn viele Lichter begleiten auf seinem neuen Weg. Danke für Euer Licht!" Soweit die Idee aus Österreich, die bei Facebook eine Reihe positiver Reaktionen hervorgerufen hat. Aber gibt es auch gute Ideen aus Deutschland? Ja, gibt es. Und sind sie aktuell auch alltagstauglich (immer vorausgesetzt: in diesem sich jeden Tag ändernden Alltag)?

Echte Musik auf einer Trauerfeier - ist derzeit nur schwer möglich. Weil: Alles menschgemacht. Schwierig. (Foto: Thomas Achenbach)

Derzeit ist die Lage in Deutschland, wie auch in anderen Bereichen, unübersichtlich. In manchen Städten Gemeinden sind derzeit nur stille Beerdigungen ohne Ansprachen und mit einer festgelegten Anzahl von Teilnehmern möglich, in anderen Gemeinden werden diese Regeln wieder anders gehandhabt. Wie so oft fehlt es an der einen, bundesweit einheitlichen Regelung. Dementsprechend lassen sich auch nicht alle guten Ideen überall ein- und umsetzen, was schade ist. Denn wie die Diskusssionen in den Onlinemedien zeigen, gibt es viele gute Anregungen und Lösungsvorschläge. Eine ganze Sammlung guter Ideen lässt sich aktuell beispielsweise auf Twitter finden, wo das Berliner Bestattungsinstitut Thanatos eine Diskussion über Trauerfeiern in Coronazeiten angestoßen hat. Hier ist eine Auswahl der besten Anregungen:

- Dass die Traueransprache aufgenommen und ggf. auf CD gebrannt werden könnte, war hier auf diesem Blog bereits Thema in einem anderen Zusammenhang

- Den Ablauf der Trauerfeier samt zeitlicher Vorgaben vorab auf Papier festhalten und zu einem festgelegten Zeitpunkt während der Zeremonie alle, die an der Trauerfeier nicht selbst teilnehmen können, daheim oder in einer Kirche eine Kerze anzünden lassen

- Fotos von diesen brennenden Kerzen könnten online geteilt und/oder später per Post zugeschickt werden (beide Ideen sind eine von mir komprimierte Zusammenfassung mehrerer online geäußerter Gedanken ähnlichen Inhalts)

- Dass alle, die nicht zur Trauerfeier kommen können, zu einer festgelegten Zeit ein bestimmtes Lied anhören, schlägt die Berliner Bestatterin "Charons Tochter" beispielsweise auf Instagram vor

- Dass man am Sarg nicht nur eine Schaufel Erde hineinwirft, sondern für jeden nicht anwesend sein könnenden Verwandten/Freund/Bekannten ebenfalls eine (ebenfalls von Charons Tochter) - oder dass für jeden eine Rose bereitsteht zum Hineinwerfen, egal ob anwesend oder nicht, was das Anfassen des Schaufelstiels vermeidet (ist so verschiedentlich im Facebookdialog zu finden). 

- Das gemeinsame Kaffeetrinken auf die Post-Corona-Zeit verschieben und als zusätzliche Feier gestalten, die Trauerfeier an sich aber jetzt schon abhalten, schlagen viele vor

- Ein paar Worte aufschreiben, die vorgelesen und ggf. mit ins Grab gegeben werden können, schlägt Nutzerin "Lotta" vor

- Die Trauerfeier von der Beerdigung entkoppeln - und sie später vielleicht am bereits fertig gestalteten Grab abhalten (hoffentlich: inklusive Kondolenzmöglichkeit), schreibt Nutzerin "CoffeeQueen"

- Die evangelischen Kirchen in Osnabrück und der Region Osnabrück haben bei Trauerfeiern angeboten, sich vor der Trauerhalle zu treffen und dann immerhin den gemeinsamen Gang zum Grab als Trauergang abzuhalten (übrigens im Falle von Sargbeerdigungen bei reduzierter Zahl an Sargträgern wegen Ansteckungsgefahren)

- Eine Idee von mir: Ich mag selbstgestaltete Fotobücher sehr gerne und fände es reizvoll, den gesamten Abschieds- und Beerdigungsprozess in Form einer Fotoreportage als Buch später anderen zugänglich zu machen, so dass alle sehen könnten: So hat der Sarg ausgesehen, so hat das Grab ausgesehen, so haben wir alles gestaltet etc. (ginge ggf. auch als Blog)

- Was "Charons Tochter" in einem Blogbeitrag auf dem Internetportal www.bohana.de empfiehlt, ist noch folgendes: "Etwas bei der Trauerfeier dabeihaben, dass man dann der Trauergemeinde mit der Post schickt. Das können gepresste Blumenblätter des Blumenschmucks sein mit einem Foto der Urne/des Sarges mit dem Blumenschmuck. Oder ein Baumwollband, dass um die Urne/den Sarg gewunden wird und dann vor dem Senken abgemacht, in Stücke geschnitten und in einen Briefumschlag gesteckt und verschickt wird. Man könnte diese dann jeweils individuell begraben oder kontrolliert verbrennen, jeder in seinem Garten. Oder man könnte sie aufheben und dann zu einer späteren Trauerfeier oder einer Gedenkfeier mitbringen". 

- Was sehr viele empfehlen: Die Trauerfeier auf Video aufzeichnen oder sie direkt online zu streamen - wobei bei Letzterem berücksichtigt werden muss, dass oftmals nicht alle der Adressaten dasselbe technische Vermögen haben bzw. dasselbe technische Equipment (nicht jeder kann Facetime, Skype oder Facebook-Live-Videos benutzen).

Was beim Filmen von Trauerfeiern übrigens auch sonst - schon rein rechtlich - berücksichtigt werden muss, ist gar nicht so wenig. Erstens: Falls Musik eingesetzt wird und das Video hochgeladen wird, könnte dies Urheberrechte verletzen. Auf jeden Fall ist es ein GEMA-pflichtiger Vorgang - und genau um solche Fragen ging es beim Thema Uploadfilter. Denn die Idee eines solchen Filters ist es, auch die Videos herauszufiltern, die einen derartigen potentiellen Urheberrechtsverstoß beinhalten könnten. Zweitens: Unter Umständen sind auf dem Video Menschen zu sehen, die wegen ihrer Funktion bei der Trauerfeier dabei sind, städtische Friedhofsangestellte beispielsweise. Diese müssen ebenso wie alle anderen Teilnehmer darüber informiert sein, dass die Feier gefilmt und hochgeladen wird, ansonsten ist es ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Noch mehr Kopfzerbrechen bereitet mir allerdings etwas anderes.

Gemeinsam trauern, gerne, aber bitte mit ganz viel Abstand! (Foto: Thomas Achenbach)

Weil ohnehin die Urnenbestattungen heutzutage rund 70 Prozent der Bestattungen (oder mehr) ausmachen, empfehlen viele der Diskusssionsteilnehmer übrigens, mit dem Bestatter auszumachen, dass die Urne mit der Asche einfach zurückgehalten werde, solange bis eine Trauerfeier mit weniger Auflagen wieder möglich ist. Manche Bestatter machen dies wohl aktuell auch mit, wobei es je nach Bundesland verschiedene Auflagen gibt. Ich habe da allerdings Bedenken. Die Idee mag gut sein - aber ob sie auch in der näheren Zukunft hier in Deutschland weiter durchführbar sein wird, halte ich persönlich für fragwürdig. Denn worauf wir uns wohl oder übel werden einstellen müssen, ist eine massive Zunahme der Sterbezahlen. Ohne zu apokalyptisch werden zu wollen, aber...: 


Elf Seiten Todesanzeigen in nur einer Zeitung 


Wie die Schreckensbilder und die täglichen Horrornachrichten aus Italien zeigen, könnte auch in Sachen Tod und Trauer auf uns als Gesellschaft noch manches zukommen, was zusätzlich belastend werden kann. Vieles von dem, was die Menschen dort erleben, ist immer auch im Grenzbereich zum Traumatischen: Von elf Seiten Todesanzeigen in einer Lokalzeitung berichtet das Nachrichtenportal von RTL.de, von viel zu vielen Särgen in der Stadt Bergamo, die vom Militär daher auf andere Städte umverteilt werden müssen, berichtet der "Stern" in seiner aktuellen Ausgabe. Schnell wird einem klar:


Darf man einem Sterbenden noch die Hand halten? Aktuell ist klar: Ja, aber nur im engsten Familienkreis, so z. B: in Niedersachsen. (Foto: Thomas Achenbach)

Wenn ein solcher Kollaps des Bestatttungswesens bei uns ebenfalls eintreten sollte, sind wir als Gesellschaft - und wir als Trauerbegleiter - noch viel stärker gefragt, uns die Trauerbereitschaft nicht nehmen zu lassen, wie es nach den massiven Traumata des Zweiten Weltkriegs allzu oft geschehen ist, sondern zu versuchen, möglichst kreativ und gestaltungsbereit auch mit diesen schrecklichen Ereignissen umzugehen zu lernen. Was in Sachen Trauer auf unsere Gesellschaft zukommen könnte, braucht jetzt ganz schnell das, was hier auf diesem Portal und auf den von mir besuchten Messen bislang immer nur im Kleinen gefordert worden ist, von wenigen, mutigen Stimmen: Wir brauchen eine neue Trauer- und Umgangskompetenz, jetzt, dringend, rasch. 


Abschiedszeilen zum gemeinsamen Zeitpunkt verbrennen


Dazu könnte zum Beispiel diese letzte Idee gehören, die die Berliner Bestatterin "Charons Tochter" auf ihrem Instagram-Account geteilt hat: "Dass es statt einer Trauerrede vielleicht eine Zeit ist, in der jeder ein paar Zeilen des Abschieds aufschreibt und dann werden diese entweder irgendwo gesammelt oder an der Kerze angezündet und verbrannt und damit in den Himmel geschickt, wo 95% des verstorbenen Körpers durch die Einäscherung auch hingehen - genau in diesem Moment... Macht Fotos von diesen Momenten und teilt sie unter euch als Trauergemeinschaft." Und weiter schlägt sie vor, mit diesen Fotos bei einer später stattfindenden Trauerfeier den Raum zu dekorieren. Man sieht: Es gibt viele gute Ideen. Wir sollten sie weiter sammeln. Und immer kreativ bleiben.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und bietet Podcasts rund um das Thema Trauer an (bitte hier klicken). Thomas Achenbach ist der Autor der Bücher "Männer trauern anders - was ihnen hilft und gut tut", 168 Seiten, Patmos-Verlag und "Mitarbeiter in Ausnahmesituationen - Trauer, Pflege, Krise", 220 Seiten, Campus-Verlag. Mehr Infos auf www.thomasachenbach.de

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Podcast zu diesem Blog: Warum eine bayerische Behörde mit einer bislang einmaligen Initiative zum Vorreiter in Sachen Trauerkultur wird - ein Interview

Ebenfalls auf diesem Blog: Tipps zum Umgang mit Trauernden und mit Trauer - was Menschen in einer Trauer- und Verlustkrise hilft und was man Trauernden sagen kann 

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum das Sterben in Deutschland seit Januar 2020 nochmal deutlich teurer geworden ist - Die so genannte Leichenschau steht in der Kritik

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen - was alles möglich sein kann, wenn Menschen in einer Verlustsituation das wollen

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Lesungen, Vorträge, Workshops, Seminare, Trauergruppen und mehr: Alle aktuellen Termine mit Thomas Achenbach finden sich unter diesem Link 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------